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Gustav II. Adolf

Er trug durch Reformen und sein militärisch-politisches Handeln wesentlich dazu bei, Schweden eine Hegemonialstellung im nördlichen Europa zu verschaffen, die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. König von Schweden und historische Bedeutung
  2. 2. Staatliche Reformen und Zusammenarbeit mit den Ständen
  3. 3. Machtpolitik im Ostseeraum
  4. 4. Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg
  5. 5. Militärreform, Tod und Folgen

König von Schweden und historische Bedeutung

Gustav II. Adolf aus dem Haus Wasa (* 9. Dezember julianisch / 19. Dezember 1594 gregorianisch in Stockholm; † 6. November julianisch / 16. November 1632 gregorianisch bei Lützen) war von 1611 bis 1632 König von Schweden. Er machte Schweden durch Reformen sowie Militär- und Außenpolitik zu einer führenden Macht Nordeuropas. Diese Hegemonialstellung bestand bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts.

Er übernahm ein wirtschaftlich geschwächtes Land. Die Herrschaft der Wasa war nicht vollständig gesichert, das Verhältnis zum Hochadel spannungsreich; zugleich bestanden Konflikte mit Dänemark, Russland, Polen-Litauen und dem katholischen polnischen Zweig der Familie Wasa. Schweden war seit 1527 lutherisch geprägt und hatte eine ständische Ordnung: König, Adel, Kirche, Bürgertum und freie Bauern besaßen jeweils politische Bedeutung.

Gustav Adolf war früh auf seine Rolle vorbereitet: Mit acht Jahren nahm er an Sitzungen des Senats teil, mit fünfzehn hielt er seine erste Thronrede. Er erhielt eine humanistische und politische Ausbildung, sprach Deutsch und Schwedisch fließend und lernte unter anderem Latein, Französisch, Niederländisch und Altgriechisch. Jakob De la Gardie unterrichtete ihn militärisch in den Heeresreformen Moritz’ von Oranien.

Staatliche Reformen und Zusammenarbeit mit den Ständen

Gustav Adolf bestieg 1611 im Alter von 17 Jahren während des Kalmarkriegs den Thron. Den Krieg mit Dänemark beendete er 1613 im für Schweden harten Frieden von Knäred. Seine Stellung war nicht absolut: In einer königlichen Erklärung erhielten Reichsrat und Reichstag Mitspracherechte. Für Krieg und Frieden, Steuern sowie Soldatenaushebungen waren Beschlüsse des Reichstags nötig. Die vier Stände waren Adel, Geistlichkeit, Bürgertum und Bauern; dass auch Bauern vertreten waren, war in Europa außergewöhnlich.

Mit Reichskanzler Axel Oxenstierna entwickelte Gustav Adolf ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis. Gemeinsam stärkten sie den Staat, ohne die Stände ganz auszuschließen. Der Svea hovrätt wurde als Höchstgericht geschaffen. Er konnte erstmals nach einer überprüfbaren Prozessordnung abschließendes Recht im Namen des Königs sprechen; der König behielt jedoch ein Kassationsrecht, also das Recht, Urteile aufzuheben.

Der Reichsrat wurde stärker als Regierung organisiert, der Reichstag erhielt festere Regeln. Der Adel blieb in den höheren Ämtern bevorzugt, doch konnten Menschen nun häufiger wegen ihrer Verdienste geadelt werden. Die Verwaltung teilte das Land in Provinzen, die län, und Kreise ein. Lokale Versammlungen kontrollierten die Verwaltung; zugleich erleichterte die Ordnung dem Gesamtstaat die genaue Erhebung von Steuern und die Einziehung von Soldaten.

Der König förderte Bildung und Wirtschaft. Die Universität Uppsala erhielt mehr Lehrstühle, besser bezahlte Professoren, neue Fächer und Landgüter zur finanziellen Eigenständigkeit. Das erste humanistische Gymnasium wurde 1623 gegründet; elementare Schulen verbreiteten Lesen und Schreiben. Handelsgesellschaften, Kupferförderung, ausländische Fachleute und die gegründete Musterstadt Göteborg sollten die Wirtschaft stärken. Armenhäuser verbanden Versorgung armer Menschen mit einer Arbeitspflicht.

Machtpolitik im Ostseeraum

Nach dem Frieden mit Dänemark führte Gustav Adolf Kriege gegen Russland und Polen. Im Ingermanländischen Krieg erlitt er bei der von ihm geführten Belagerung von Pskow eine schwere Niederlage. Im Frieden von Stolbowo 1617 behielt Schweden dennoch frühere Eroberungen. Russland blieb damit von der Ostsee abgeschnitten und musste Handelswege teilweise über schwedisch kontrolliertes Gebiet führen.

Im Krieg gegen Polen vergrößerte der Waffenstillstand von Altmark 1629 den schwedischen Herrschaftsbereich im Baltikum erheblich. Besonders wichtig waren preußische Häfen und Flüsse, weil Schweden dort Steuern und Zölle erheben konnte. Dies festigte die finanzielle Grundlage der schwedischen Großmachtstellung.

1628 unterstützte Gustav Adolf gemeinsam mit dem dänischen König Christian IV. das belagerte Stralsund gegen Wallenstein. Schwedische Soldaten und Versorgungslieferungen halfen bei der erfolgreichen Verteidigung. Der anschließende Bündnisvertrag band Stralsund an Schweden; die Stadt blieb für die nächsten zweihundert Jahre unter schwedischer Herrschaft.

Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg

Gustav Adolf griff in den Dreißigjährigen Krieg ein, als die deutschen Protestanten militärisch fast aussichtslos gegen die kaiserlichen Truppen standen. Sein Eingreifen sollte einen Sieg des kaiserlich-katholischen Lagers und ein weiteres Vordringen der Habsburger nach Norden verhindern. Es diente zugleich Schwedens Machtinteressen im Ostseeraum. Der Reichstag hatte ihm am 18. Januar 1629 ein Mandat erteilt.

Am 6. Juli 1630 landete er mit 13.000 Mann bei Peenemünde auf Usedom; seine Armee wuchs bald auf 40.000 Kämpfer. Herzog Bogislaw XIV. von Pommern wurde zu einem Bündnis gezwungen. Frankreich unterstützte Schweden im Vertrag von Bärwalde finanziell, obwohl Frankreich katholisch war. Gustav Adolf sicherte Kardinal Richelieu religiöse Toleranz für die deutschen Katholiken zu.

Nach der Eroberung Frankfurts an der Oder im April 1631 konnte er die Eroberung Magdeburgs durch Tillys Truppen Ende Mai nicht verhindern. Der Schock über Magdeburg führte jedoch dazu, dass sich Brandenburg, Sachsen und Hessen-Kassel mit Schweden verbündeten. In der ersten Schlacht bei Breitenfeld am 7. September julianisch / 17. September 1631 gregorianisch besiegten das schwedische und das sächsische Heer Tillys Katholische Liga entscheidend. Damit wurde die kaiserliche Stellung in Norddeutschland erschüttert und die bisherige Entwicklung des Krieges zugunsten der Habsburger umgekehrt.

1632 zog Gustav Adolf nach Bayern. Bei Rain am Lech schlug er am 14./15. April erneut Tilly, der tödlich verwundet wurde. München und Landshut ergaben sich im Juni kampflos, während das Umland geplündert und verheert wurde. Wallenstein zwang die Schweden anschließend durch ein stark befestigtes Lager bei Nürnberg zum Rückzug. Die Schlacht an der Alten Veste am 24. August julianisch / 3. September 1632 gregorianisch blieb für die Schweden erfolglos.

Militärreform, Tod und Folgen

Gustav Adolf modernisierte das schwedische Heer nach dem Vorbild der oranischen Heeresreform. Er verband staatliche Steuererhebung und Soldatenaushebung mit militärischer Organisation. So entstand die erste vom Staat aufgestellte, bezahlte, ernährte und ausgerüstete Nationalarmee der Neuzeit. Mehr als 40.000 Schweden wurden rekrutiert; zeitweise standen mehr als 3 % der Bevölkerung unter Waffen. Die Dienstzeiten waren lang, während Personen in für die Versorgung wichtigen Berufen freigestellt werden konnten.

Seine Taktik setzte auf Feuerkraft, Beweglichkeit und das abgestimmte Zusammenwirken von Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Eine Kompanie umfasste 72 Musketiere und 54 Pikenträger; vier Kompanien bildeten ein Bataillon, zwei Bataillone ein Regiment und zwei Regimenter eine Brigade. Die Brigade wurde zur wichtigsten taktischen Einheit. Vereinfachtes und standardisiertes Laden, Papierpatronen, leichtere Rüstungen, Drill, Rangabzeichen und eine klarere militärische Rangordnung steigerten die Einsatzfähigkeit. Die Kavallerie griff direkt an, statt die damals verbreitete Caracolla anzuwenden. Leichte, bewegliche Geschütze und das erste Artillerieregiment der Geschichte unter Lennart Torstensson stärkten die Artillerie als eigene Waffengattung.

Am 6. November julianisch / 16. November 1632 gregorianisch kam es bei Lützen zur Schlacht gegen Wallenstein. Gustav Adolf wurde bei einem Reiterangriff im Nebel vom eigenen Verband getrennt. Eine Musketenkugel traf seinen linken Arm, der Kürassier Moritz von Falkenberg schoss ihm aus kurzer Distanz in den Rücken; weitere Verletzungen und ein Kopfschuss folgten. Untersuchungen seiner Kleidung bestätigten Schüsse in Rücken und linken Arm sowie einen Stich mit einem Panzerstecher. Unter Bernhard von Weimar gewannen die Schweden die Schlacht knapp.

Der Tod des Königs machte ihn für viele deutsche Protestanten zum Retter und Märtyrer des Glaubens. Sein Handeln war jedoch zugleich von religiöser Überzeugung und dem Ziel des Dominium Maris Baltici, der schwedischen Herrschaft über den Ostseeraum, bestimmt. Seine Pläne für die politische Ordnung Deutschlands blieben unvollendet und sind nach dem Artikel nicht eindeutig zu bestimmen. Seine minderjährige Tochter Christina wurde Thronfolgerin; Axel Oxenstierna führte die schwedische Politik weiter. Gustav Adolf wurde in der Riddarholmskyrkan in Stockholm beigesetzt.

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