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Geschichte der Stadt Duisburg
Die Geschichte der Stadt Duisburg umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Duisburg von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.
Inhalt6 Abschnitte
Ursprünge, Lage und Name
Die Geschichte Duisburgs ist stark durch seine Lage am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr, an einer Rheinfurt und am Westfälischen Hellweg geprägt. Der hochwasserfreie Burgplatz war bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. dauerhaft besiedelt. Die Römer sicherten hier den Rheinübergang und die Ruhrmündung. Möglicherweise lag in der Umgebung außerdem ein Umschlagplatz an einer antiken Handelsroute zwischen Massilia (Marseille) und der Nordseeküste.
Seit dem 5. Jahrhundert war der Alte Markt ein zentraler Handelsplatz an der Grenze zwischen dem fränkischen und dem sächsischen Gebiet. Um 740 begann der Bau eines Königshofes. Ob der salfränkische König Chlodio im 5. Jahrhundert im heutigen Duisburg oder im belgischen Duisburg östlich von Brüssel residierte, ist umstritten.
Die erste sichere schriftliche Erwähnung Duisburgs stammt aus dem Jahr 883: Nach der Chronik des Regino von Prüm eroberten Normannen beziehungsweise Wikinger den Ort und überwinterten dort. 1065 erscheint der Name als „Tusburch in pago Ruriggowe“. Ein Zusammenhang des Namens mit einem germanischen Kultort des Gottes Deuso wird vermutet, ist aber nicht belegt. Möglich ist auch eine Ableitung vom germanischen „dheus“ für „bauschend“ oder „glänzend“. Ebenso könnte Duisburg mit dem bei Gregor von Tours erwähnten römischen Dispargum identisch sein; auch diese Zuordnung ist nicht gesichert.
Königspfalz, Reichsstadt und Klever Herrschaft
Im späten 9. Jahrhundert wurde Duisburg mehrfach von Wikingern angegriffen. 882 eroberte ein Heer unter Godefried, Herzog von Friesland, die Stadt. Zwei Jahre später nahmen ostfränkische Truppen unter Graf Heinrich von Babenberg die Wikingerfestung zurück; 885 vernichteten sie ein erneut eingedrungenes Wikingerheer.
Im 10. Jahrhundert wurde der Königshof zur Königspfalz ausgebaut, also zu einem zeitweiligen Aufenthalts- und Regierungssitz der Herrscher. Zwischen 929 und 1129 sind 17 Aufenthalte von Königen und Kaisern belegt. 929 fand unter Heinrich I. eine Reichssynode statt, 944 versammelte Otto der Große hier die Lehensmänner aus Franken und Lotharingen. Um 1045 wurde Duisburg als Reichsgut anerkannt und durch einen Reichsvogt verwaltet.
Seit dem 10. Jahrhundert prägte Duisburg eigene Pfennige. Münzen Konrads II., Heinrichs III. und Heinrichs IV. zeigen selbstständige Bildmotive und den Stadtnamen „DI – VS – BV – RG“. Ein Duisburger Pfennig gelangte bis auf die Färöer. Noch im 12. Jahrhundert war Duisburg eine von zwei vorgesehenen Münzstätten der Kölner Diözese; danach endete die Münzprägung.
Um 1000 begann sich der Hauptstrom des Rheins von Duisburg wegzuverlagern. Dennoch blieb der entstandene Altrheinarm zunächst schiffbar. 1120 wurde eine Stadtbefestigung errichtet. 1145 gründete der Johanniterorden vor dem südlichen Stadttor seine erste deutsche Niederlassung. Friedrich Barbarossa verlieh Duisburg 1173 das Recht auf jährlich zwei vierzehntägige Tuchmessen. 1279 wird Duisburg urkundlich als Stadt bezeichnet; 1280 entstand eine Lateinschule, aus der später das Landfermann-Gymnasium hervorging.
Bis 1290 war Duisburg eine reichsfreie Stadt. Danach verpfändete König Rudolf von Habsburg sie für 2000 Mark Silber an Graf Dietrich von Kleve. Nach einem zeitweiligen Übergang an Graf Adolf VI. von Berg fiel Duisburg wieder an Kleve, das 1417 zum Herzogtum erhoben wurde.
Stagnation, Reformation und Bildung
Im 13. und 14. Jahrhundert verlandete der tote Rheinarm zunehmend. Die zuvor wohlhabende Kaufmannsstadt verlor dadurch ihre direkte Verbindung zum Rhein und ihre Zollfreiheit. Das Magdalenenhochwasser von 1342 lagerte große Sedimentmengen ab; im 14. Jahrhundert war der Rheinarm schließlich vollständig verlandet. Die Duisburger Messen gingen auf Frankfurt am Main über. Trotz des wirtschaftlichen Abstiegs zur Ackerbürgerstadt trat Duisburg 1407 noch der Hanse bei. 1349 wurde die Stadt vom Schwarzen Tod, der Pest, getroffen.
Eine seit dem 12. Jahrhundert bekannte jüdische Gemeinde bestand bis zum Pestjahr 1349/1350. Seit dem 15. Jahrhundert lebten erneut Juden in Duisburg; eine neue Synagogengemeinde entstand jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Die Reformation wurde schrittweise eingeführt: Seit 1543 wurde auf Ratsbeschluss evangelisch gepredigt, bis 1555 war die Umstellung abgeschlossen. Ab 1579 herrschte das reformierte Bekenntnis vor. Duisburg und Wesel wurden zu reformierten Zentren im Herzogtum Kleve. 1610 entstand in der Salvatorkirche der Synodalverband der reformierten Gemeinden von Jülich, Kleve und Berg; die dortige Erste Reformierte Generalsynode gilt als Geburtsstunde der Evangelischen Kirche im Rheinland. Eine lutherische Gemeinde bildete sich 1727 neu. Reformierte und Lutheraner vereinigten sich 1891 zu einer unierten Gemeinde. Zwischen 1513 und 1561 waren in Duisburg 13 Menschen von Hexenprozessen betroffen.
1559 nahm ein Akademisches Gymnasium seinen Betrieb auf. Gerhard Mercator lebte seit 1552 in Duisburg und unterrichtete dort von 1559 bis 1562. Johannes Corputius vollendete 1566 seinen farbigen Stadtplan. Die Alte Universität Duisburg wurde 1655 eröffnet und bestand bis 1818.
1614/66 fiel Duisburg mit dem Herzogtum Kleve an Brandenburg-Preußen. 1674 verbot Kurfürst Friedrich Wilhelm der Stadt, sich weiterhin als Reichsstadt zu bezeichnen. Eine regelmäßige Schiffsverbindung mit Nimwegen bestand um 1675; 1693 wurde eine Manufaktur genehmigt.
Industrialisierung und Wachstum zur Großstadt
Unter preußischer Herrschaft verlor die Stadt politische Rechte: Friedrich Wilhelm I. verbot den klevischen Städten 1713, Bürgermeister und Ratsherren selbst zu wählen. Gleichzeitig wurde die Wirtschaft gefördert. 1716 entstand das erste Hafenbecken in Ruhrort, 1763 die erste Duisburger Tabakfabrik, und seit 1770 wurde die Ruhr zur Schifffahrtsstraße ausgebaut.
Von 1806 bis 1813 stand Duisburg unter französischer Herrschaft und gehörte zeitweise zum Großherzogtum Berg. Danach wurde es wieder preußisch. 1822 kam die Stadt zur Rheinprovinz; 1823 entstand der Landkreis Duisburg.
Die Industrialisierung im größeren Maßstab begann 1824 mit Friedrich Wilhelm Curtius’ Schwefelsäurefabrik. Franz Haniel eröffnete 1828 in Ruhrort eine Dampfschiffswerft, 1837 folgte die Sodafabrik E. Matthes & Weber. Der bis 1832 gebaute Rheinkanal verband die Stadt wieder mit der Rheinschifffahrt. Seit 1846 bestand Eisenbahnanschluss.
Mit der Niederrheinischen Hütte begann 1851 die örtliche Eisen- und Stahlindustrie. Es folgten die Hütten „Phoenix“ und „Vulkan“, die Rheinischen Stahlwerke und die Duisburger Kupferhütte. 1855 wurde mit „Java“ der erste Bergbauschacht im Stadtgebiet abgeteuft. Weitere Zechen und Industriebetriebe machten Duisburg, Ruhrort, Meiderich und Hamborn zu bedeutenden Zentren der Kohle-, Eisen- und Stahlproduktion.
Die Infrastruktur und die Stadt wuchsen rasch: 1881 fuhr die erste Pferdestraßenbahn zwischen Duisburg und Ruhrort, 1896 die erste elektrische Straßenbahn. 1905 wurden Meiderich, Ruhrort und Duisburg zu Groß-Duisburg vereinigt. Die Rheinbrücke zwischen Ruhrort und Homberg wurde 1907 eröffnet. Hamborn war 1911 mit 103.000 Einwohnern bereits ein eigener Stadtkreis und ein Zentrum der deutschen Eisenindustrie. 1912 wurde das Duisburger Stadttheater eingeweiht. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht; Streiks von Hamborn aus breiteten sich über das Ruhrgebiet aus.
Weimarer Republik, NS-Herrschaft und Krieg
In der Weimarer Republik war Duisburg von politischen Konflikten, Besatzung und Wirtschaftskrisen betroffen. 1920 kämpften Reichswehr und Freikorps im Ruhrkampf gegen die Rote Ruhrarmee. Wegen ausstehender Reparationen besetzten französische Truppen 1921 Duisburg und Düsseldorf. Presse und Versammlungsfreiheit wurden eingeschränkt. 1923 begann von diesen Brückenköpfen aus die französisch-belgische Ruhrbesetzung. Separatisten riefen am 22. Oktober die „Rheinische Republik“ aus, wurden aber am 29. November entmachtet. Die letzten französischen Truppen verließen Duisburg im September 1925.
Gleichzeitig wurden Kultur-, Sport- und Verkehrsprojekte ausgebaut. 1921 bildeten Bochum und Duisburg eine Theatergemeinschaft. Das Wedau-Schwimmstadion eröffnete 1926, der Bau des Bahnhofs begann 1928. In der Weltwirtschaftskrise erreichte die Arbeitslosigkeit 34,1 Prozent, den höchsten Wert im Deutschen Reich. Die Steinkohleproduktion Hamborns sank 1932 auf 59 Prozent des Standes von 1929; eine moderne Stahlhütte schloss und entließ mehr als 6.000 Arbeiter. 1929 wurden Duisburg und Hamborn zum Stadtkreis Duisburg-Hamborn vereinigt, der seit 1935 wieder Duisburg hieß.
Während der NS-Zeit gehörte die Stadt zum Gau Essen. Wegen ihrer gewerkschaftlich organisierten Industriearbeiterschaft war sie ein Zentrum frühen Widerstands, besonders von sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen. Bekannt wurde die Widerstandsgruppe der Brotfabrik Germania. Der Bergmann Johann Esser schrieb 1933 als Häftling das „Lied der Moorsoldaten“.
Die jüdische Gemeinde mit zuvor mehr als 3.000 Mitgliedern schrumpfte durch Verfolgung und Emigration. Im November 1938 zerstörten Nationalsozialisten die große Synagoge in der Junkerstraße. Zu Kriegsbeginn lebten noch 841 Juden in Duisburg. Mit dem letzten Deportationstransport am 25. Juli 1942 war die Gemeinde ausgelöscht.
Als Zentrum der Stahlproduktion und wichtiger Verkehrsknoten wurde Duisburg massiv bombardiert. In der Nacht vom 12. auf den 13. Mai 1943 warfen 577 britische Bomber 1599 Tonnen Bomben ab; 96.000 Menschen wurden obdachlos. Die schwersten Angriffe erfolgten 1944. Am 22. Mai fielen mehr als 2000 Tonnen Bomben, am 14. und 15. Oktober wurde diese Menge in drei Angriffswellen mehr als vervierfacht. Nach weiteren Angriffen und Artilleriebeschuss endete der Krieg im Norden am 28. März 1945, südlich der Ruhr am 12. April 1945 mit dem Einmarsch der 17th Airborne Division der 9th US Army.
Wiederaufbau, Strukturwandel und Sprache
1946 fand die erste demokratische Kommunalwahl nach dem Krieg statt. Trotz alliierter Demontagepläne begann der Wiederaufbau. 1950 wurden die Rheinbrücke nach Rheinhausen und das Stadttheater eröffnet. Es folgten neue Straßen, Kirchen, Erholungsgebiete und Museen. Aus einer 1968 eröffneten Pädagogischen Hochschule ging 1972 die Gesamthochschule Duisburg hervor. Sie wurde 1980 Universität, hieß seit 1994 Gerhard-Mercator-Universität und fusionierte 2002 mit der Universität Essen.
1975 wurden Walsum, Homberg, Rheinhausen, Rumeln-Kaldenhausen und Baerl eingemeindet. Im selben Jahr begann die Stahlkrise. Die Rohstahlerzeugung sank von 32,2 Millionen Tonnen im Jahr 1974 auf 21,5 Millionen; im produzierenden Gewerbe des Ruhrgebiets gingen 200.000 Arbeitsplätze verloren. Werksschließungen lösten große Proteste aus, besonders 1987 gegen die geplante Schließung des Krupp-Hüttenwerks in Rheinhausen. Ein zentraler Protestort war die später so genannte Brücke der Solidarität.
Seit 1990 wurde der Innenhafen im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park zu einem neuen Stadtteil am Wasser umgestaltet. Der Duisburger Hafen erhielt 1991 als erster Hafen Europas eine Freihandelszone. 1992 eröffnete die Stadtbahn, 1999 ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge. Bei der Loveparade 2010 starben am 24. Juli und in den folgenden Tagen insgesamt 21 Menschen. Oberbürgermeister Adolf Sauerland wurde 2012 in einem bis dahin einmaligen Verfahren abgewählt; sein Nachfolger wurde Sören Link. Nach der EU-Osterweiterung nahm Duisburg viele Menschen aus Bulgarien und Rumänien auf, besonders in Hochfeld und Marxloh.
Die traditionellen Duisburger Mundarten gehören zum Nordniederfränkischen oder Kleverländischen und beruhen auf den Sprachen der frühen Franken. Die Benrather Linie trennt Niederfränkisch und Mittelfränkisch, die Uerdinger Linie unter anderem die Duisburger „ek“-Sprecher von den südlicheren „isch“-Sprechern. Seit 1377/78 wurde das Rhein-Maasländische als Amtssprache in Duisburger Urkunden und Stadtrechnungen verwendet. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren niederrheinische Ortsdialekte weit verbreitet. Heute werden sie zunehmend durch einen Regiolekt, also eine regionale Umgangssprache, ersetzt. Das Duisburger Ruhrdeutsch bewahrt niederrheinische Merkmale und unterscheidet sich in Intonation, Aussprache und Wortschatz von den westfälisch geprägten Varianten etwa in Bochum und Dortmund.