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Geschichte der Pädagogik

Die Geschichte der Pädagogik ist eine historische Betrachtung von unterschiedlichen Erziehungskonzepten, die im jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Zugänge
  2. 2. Von Herrschaftswissen zu Bildungsidealen
  3. 3. Aufklärung und bürgerliches Schulwesen
  4. 4. Reform, Diktatur und Neuordnung in Deutschland
  5. 5. Erziehungsdiskurse in den Vereinigten Staaten und China

Gegenstand und Zugänge

Die Geschichte der Pädagogik untersucht unterschiedliche Erziehungskonzepte in ihrem jeweiligen sozialen und kulturellen Zusammenhang. Erziehung soll dabei nicht als unveränderliche Methode verstanden werden: Sie hängt davon ab, welche Werte, gesellschaftlichen Aufgaben und Machtverhältnisse in einer Zeit gelten.

Wichtige Forschungsansätze sind:

  • Der universalistische Ansatz zeichnet pädagogische Strömungen weltweit und interkulturell nach.
  • Der partikularistische Ansatz beschränkt sich auf eine Region oder Teildisziplin, etwa interkulturelle Erziehung in Deutschland oder Reformpädagogik in Frankreich.
  • Der kritische Ansatz untersucht sozioökonomische Bedingungen von Erziehung und ihren sozialen Reproduktionscharakter, also die Frage, wie Erziehung bestehende soziale Verhältnisse weitertragen kann.
  • Der ideengeschichtliche Ansatz verfolgt die Entwicklung von Vorstellungen über Erziehung und Bildung im menschlichen Denken. Winfried Böhm verfolgt ihn in seiner Geschichte der Pädagogik und knüpft unter anderem an Arthur O. Lovejoy an.

Von Herrschaftswissen zu Bildungsidealen

Traditionell sollte Erziehung soziale Einstellungen, Religion, Traditionen und die für eine gesellschaftliche Position erforderlichen Fähigkeiten an die nächste Generation weitergeben. Lesen, Schreiben und Rhetorik waren oft der Führungselite vorbehalten; dies wird als „Herrschaftswissen“ bezeichnet. Erziehung erfolgte überwiegend in Familien und Nachbarschaftsgemeinschaften. Griechische Philosophen forderten dagegen eine umfassende Bildung für „freie Bürger“ und legten Grundlagen öffentlicher Erziehung; griechische Lehrer prägten auch das antike Rom. Als besonders wichtig für den Erfolg galt das Jugend-, nicht das Kindesalter. In begüterten Schichten Griechenlands waren Pädagogen, also „Kindesführer“, ursprünglich gebildete Sklaven. Aristoteles erzog im Auftrag Philipps II. dessen Sohn Alexander in Pella.

Mit dem Christentum wurde öffentliche Erziehung vor allem an die Kirche gebunden. Dom- und Klosterschulen vermittelten den sieben freien Künsten und dem Klerus den christlichen Glauben; dieser galt als höchstes Ideal christlicher Erziehung. Zugleich entstanden mit dem Islam umfassendere Bildungsideale einschließlich Sprach- und Naturwissenschaften; ein europäisches Zentrum war die Universität von Córdoba.

Im Mittelalter wurde Kindheit kaum als bedeutsame eigene Lebensphase angesehen; der Wert eines Kindes richtete sich nach seinem Nutzen für die Eltern. Die Scholastik versuchte, Aristoteles und Christentum zu verbinden. Im 12. Jahrhundert blühte Bildung auf, oft in Klöstern; Universitäten in Paris, Oxford und Bologna entstanden. Bildung blieb Adel und Klerus vorbehalten, während Zünfte die Berufsausbildung der übrigen nicht-bäuerlichen Bevölkerung übernahmen. In der Renaissance galten Heranwachsende als Wesen, die strenge Erziehung benötigten. Humanistische Bildung erstrebte ein umfassenderes Studium der Antike und forschendes Lernen. Bürgerschulen lehrten Lesen, Schreiben und Rechnen für den Handel; breite Bevölkerungsschichten besuchten allenfalls von der Obrigkeit verfolgte „Klipp“- oder „Winkelschulen“.

Nach der Reformation verstärkten katholische und evangelische Kirchen ihre Bildungsarbeit. Der Jesuitenorden gründete ab 1540 europaweit Schulen, meist für Knaben und junge Männer. Maria Ward (1585–1645) setzte sich mit Gefährtinnen für Bildungsinstitute für Mädchen und junge Frauen ein. Ihre institutionellen Pläne scheiterten zunächst, doch wurde ihr 2004 rückblickend die Gründung der Congregatio Jesu zugestanden. Protestantische Schulen verbreiteten zudem eine Ideologie, die später als protestantische Arbeitsethik bezeichnet wurde: Askese und Arbeit galten als Voraussetzung für das Himmelreich, Rausch und Genuss wurden abgelehnt. Auch Arme sollten nun selbst durch Arbeit beitragen; Arbeitshäuser und Zwangseinrichtungen nahmen zu.

Der Dreißigjährige Krieg ließ das Bildungswesen in großen Teilen Mitteleuropas weitgehend zum Erliegen kommen. Um 1632 forderte Jan Amos Komenský (Johannes Comenius) in der Didactica Magna Allgemeinbildung für alle, Förderung der Muttersprache und gleiche Rechte unabhängig von Geschlecht und Herkunft: „allen alles zu lehren“. Die später eingeführte Schulpflicht in vielen deutschen Teilstaaten entsprach laut Artikel jedoch nicht diesem Ideal, sondern diente vor allem absolutistischer Indoktrination. Arbeits-, Zucht-, Waisen- und Spinnhäuser verbanden Manufakturarbeit mit religiöser Belehrung; ihre Insassen gehörten besonders armen und marginalisierten Gruppen an, und viele überlebten die Bedingungen nicht. August Hermann Francke vertrat im späten 17. Jahrhundert eine direkt auf das Neue Testament, besonders die Paulusbriefe, gegründete Erziehung.

Aufklärung und bürgerliches Schulwesen

In der Aufklärung wurden Kinder vertrauensvoller behandelt, sollten aber nach bestimmten Vorstellungen zu nützlichen Bürgern geformt werden. John Lockes Vorstellung der tabula rasa beschreibt Menschen bei der Geburt als „leeres Blatt“, das durch Erziehung beschrieben werde. Sie wurde zu einem Grundgedanken bürgerlicher Pädagogik: Erziehung scheint alles bewirken zu können, während die zu Erziehenden als ein Nichts erscheinen. Vergleichbare Vorstellungen finden sich in Jean-Jacques Rousseaus Émile oder über die Erziehung sowie bei Christian Gotthilf Salzmann und Johann Heinrich Pestalozzi. Kindheit wurde nun erstmals in Europa als eigenständiger Lebensabschnitt wahrgenommen; zuvor sah man Kinder als „kleine Erwachsene“.

1779 erhielt Ernst Christian Trapp an der Universität Halle den ersten deutschen Lehrstuhl für Pädagogik. Pädagogik löste sich damit als eigenständiges Universitätsfach aus der Theologie. Aufklärung brachte außerdem Ideen der Toleranz und Gleichberechtigung von Minderheiten hervor. Die jüdische Haskala bereitete ab 1760 Emanzipation vor. In einigen Freischulen wurden jüdische und christliche Schüler gemeinsam unterrichtet; David Friedländer gründete 1778 in Berlin die „Jüdische Freischule“. Die durch die französische Besatzung bewirkte kurzzeitige Gleichstellung der Juden in Deutschland wurde 1815 durch den Wiener Kongress zurückgenommen.

Um 1810 reformierte Wilhelm von Humboldt die Universitäten und schuf humanistische Gymnasien. Das dreigliedrige Schulwesen widersprach jedoch seinen aufklärerischen Idealen: Gymnasien standen fast nur Kindern von Adel und Großbürgertum offen, Realschulen vor allem dem Mittelstand und Volksschulen Handwerksgesellen, Arbeitern, Bauern und Armen. Europäische Kolonialmächte übertrugen ihre Bildungssysteme in andere Weltregionen. Deutsche Missions- und Kolonialschulen dienten vor allem Christianisierung und der Ausbildung loyaler Untertanen; vermittelt wurden neben Religion meist nur arbeitsbezogene Kenntnisse. Auch die deutsche Verwaltung in besetzten polnischen Gebieten betrieb bis 1918 eine solche Politik und stieß bei Germanisierungsversuchen durch Sprache teilweise auf heftigen Widerstand.

Reform, Diktatur und Neuordnung in Deutschland

Ende des 19. Jahrhunderts verlangte die Reformpädagogik als Reaktion auf Entfremdung im Bildungssystem eine „Erziehung vom Kinde“ aus. Sie verband Bildungsideale der Aufklärung mit romantischer Lebensreform. Parallel entstand die Jugendbewegung: Jugend wurde als eigene Lebensphase begriffen, und Jugendliche suchten auf Fahrten Freiheit und Natur als Gegenbild zur Industrialisierung. Neben demokratischen Ansätzen entwickelten sich auch völkische und antisemitische Strömungen.

In der Weimarer Republik konnten Reformpädagogen wie Heinrich Schulz, Max Greil und Gustav Wyneken Bildungspolitik beeinflussen. Nach der Verfassung sollten „Anlage und Neigung“ statt sozialer Herkunft über Bildung entscheiden. Gefordert wurden demokratische Erziehung, Schülerselbstverwaltung und eine gemeinsame Grundschule, die soziale Aufstiegschancen verbessern sollte. Der Weimarer Schulkompromiss von 1920 drängte weitergehende Forderungen nach einem weltlich-humanistischen, demokratischen und koedukativen System, einer elastischen Einheitsschule, Kindergärten und pädagogisch ausgerichteten Studiengängen jedoch zurück. In den 1920er Jahren diskutierte der Völkerbund erstmals universelle Kinderrechte.

Der Nationalsozialismus beendete diese Demokratisierungsversuche. Durch Ausschluss oppositioneller Lehrkräfte, Unterrichtsvorgaben, neue Schulformen sowie Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel sollte rassistische NS-Propaganda verbreitet werden. Diskriminierung und Verfolgung von Juden sowie der damals sogenannten Zigeuner wurden auch in Schulen deutlich.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wollten die Alliierten NS-Erziehung aufheben, über die Verbrechen des Holocausts aufklären und Unterricht demokratisieren. In den westlichen Zonen scheiterte die Abschaffung des dreigliedrigen Systems; weitgehend wurde das Schulsystem der Weimarer Republik wiederhergestellt, ohne an reformpädagogische Traditionen anzuknüpfen. Im sowjetischen Sektor sollte dagegen marxistisch-leninistische Erziehung in der DDR bisherige Ungerechtigkeiten überwinden.

In der Bundesrepublik rückte der Sputnikschock von 1957 Bildungsreformen in den Vordergrund. Georg Pichts Artikelserie „Die deutsche Bildungskatastrophe“ in Christ und Welt vom Februar 1964 verstärkte die Debatte. In den späten 1960er und 1970er Jahren kritisierten Teile der 68er-Generation, beeinflusst von Frankfurter Schule und Wilhelm Reichs Psychoanalyse, die Aufklärungserziehung als „schwarze Pädagogik“. Gehorsam im Nationalsozialismus wurde als Folge von Konformismus und Autoritarismus gedeutet, die aus grausamen Mitteln, Missachtung der Kindesnatur und Überhöhung des Erziehers hervorgegangen seien. Antiautoritäre Erziehung sah noch eine Regulierung durch Erziehende vor; Antipädagogik lehnte Erziehung als unzulässige Manipulation grundsätzlich ab. Demokratische Erziehung war weniger radikal. Die geisteswissenschaftliche Pädagogik wurde an Universitäten in den 1960er Jahren von der Kritischen Erziehungswissenschaft abgelöst, verlor aber nach der „empirischen Wende“ in den 1980er Jahren an Bedeutung.

Seit 1967 eingerichtete Gesamtschulen sollten Chancengleichheit verbessern, setzten sich gegen das dreigliedrige System aber nicht durch. Die Ausweitung von Bildung führte laut Artikel zum Bildungsparadox: „Inflation der Bildungsabschlüsse“ und steigende Arbeitslosigkeit erhielten Ungleichheiten. Die PISA-Studie von 2000 erneuerte die Reformforderungen. Seit August 2013 besteht für alle Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt ein gesetzlicher Anspruch auf Kindertagesbetreuung (§ 24 Achtes Buch Sozialgesetzbuch).

Erziehungsdiskurse in den Vereinigten Staaten und China

In den Vereinigten Staaten prägten behavioristische Positionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Diskurs. L. Emmet Holt und John B. Watson machten in der Mittelschicht feste Vier-Stunden-Intervalle beim Füttern, frühzeitige Sauberkeitserziehung nach strengem Plan und möglichst wenig Liebkosung populär. Benjamin Spock vertrat in seinem Bestseller Säuglings- und Kinderpflege von 1946 an, ausgehend von Sigmund Freuds Psychoanalyse, einen autoritativen Stil mit Spontaneität, Empathie und Liebe; weite Teile der Mittelschicht praktizierten ihn seither. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gewannen, angeregt etwa durch Albert Bandura, Martin Seligman, Howard Gardner, John D. Mayer, Wendy Mogel und Thomas Lickona, wieder weniger liberale und stärker mit Philosophie und Wissenschaft vereinbare Konzepte an Bedeutung.

In China prägte die konfuzianische Philosophie traditionell Familie und Erziehung: Eltern hatten große Autorität, Kinder sollten gehorchen. Die 1949 gegründete Volksrepublik China zielte auf die Ablösung patriarchalischer durch egalitäre Beziehungen; William J. Goode zufolge war dieser Wandel teilweise schon vor 1949 begonnen. Die 1979 eingeführte Ein-Kind-Politik veränderte Familienstruktur und Erziehungsstil weiter. Elternbildungsprogramme nahmen stark zu: 2001 gab es etwa 240.000 Elternschulen. Seit 2011 erzielt Yin Jianlis Ratgeber Good Mom, Good Teacher (好妈妈 好老师, hǎo māmā hǎo lǎoshī) Rekordauflagen. Er wirbt dafür, Kinder zu Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Kreativität zu erziehen, statt sich ausschließlich um ihre Schulbildung zu sorgen.

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