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Geschichte der Demokratischen Republik Kongo

Die vorkoloniale Geschichte der Demokratischen Republik Kongo ist vor allem von mehreren Bantu-Reichen geprägt. Sie gingen nach über drei Jahrhunderten der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und frühe Gesellschaften
  2. 2. Königreiche, Sklavenhandel und europäische Erkundung
  3. 3. Kongo-Freistaat und belgische Kolonie
  4. 4. Unabhängigkeit, Krise und Mobutus Diktatur
  5. 5. Kabilas, Kongokrieg und Neuanfang
  6. 6. Wahlen von 2018

Überblick und frühe Gesellschaften

Die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo betrifft eine Region, deren heutige Grenzen im Wesentlichen durch die belgische Kolonialmacht geprägt wurden. Vor der Kolonialzeit bestanden dort mehrere Bantu-Reiche. Sklavenhandel, belgische Herrschaft, die Unabhängigkeit von 1960, Bürgerkriege, die Diktatur Mobutus und die Kriege seit 1997 prägten die weitere Entwicklung stark. Die Kriege seit dem Ende Mobutus wurden von Madeleine Albright als „erster Weltkrieg in Afrika“ bezeichnet; einschließlich des unmittelbar folgenden Kivu-Krieges kosteten sie bis 2008 laut Artikel 5,4 Millionen Menschen das Leben.

Die ältesten menschlichen Überreste stammen vom Fundplatz Ishango und sind 25.000 bis 20.000 Jahre alt. Besiedlungsspuren reichen bis etwa 10.000 v. Chr. Ab 2.500 v. Chr. sind im Regenwald Jäger- und Sammlergesellschaften der Pygmäen nachweisbar. Um 800 v. Chr. brachten aus Nord- und Ostafrika zuwandernde Sudangruppen und Niloten Viehzucht- und Agrartechniken mit.

Ab dem 5. Jahrhundert breiteten sich Bantuvölker nach Süden aus. Eisenzeitliche Metallwerkzeuge veränderten vor allem Landwirtschaft und Viehhaltung; im Osten und Südosten verdrängten sie Jäger- und Sammlergruppen. Im 10. Jahrhundert war diese Expansion in West-Zentralafrika abgeschlossen. Handelsnetze verbanden später größere Räume und handelten besonders Salz, Eisen und Kupfer.

In der Upemba-Senke am Lualaba entwickelte sich ab dem 5. Jahrhundert eine Kulturtradition, aus der das Luba-Königreich hervorging. Die Kamilamba-Kultur wurde im 8. Jahrhundert von der kisalischen Kultur um Sanga und Katongo abgelöst. Kupfer, Eisen, Elfenbein und Ton wurden verarbeitet. Handel bis zum mehr als 1.500 km entfernten Indischen Ozean, günstige Landwirtschaft sowie Fisch- und Wildreichtum ermöglichten Städte und stärker zentralisierte Herrschaftsformen.

Königreiche, Sklavenhandel und europäische Erkundung

Zwischen dem 13. Jahrhundert und dem frühen 16. Jahrhundert entstanden und vergingen mehrere mächtige Königreiche, besonders Kongo, Kuba, Luba und Lunda. Das zentralistisch organisierte Luba-Reich entstand im 16. Jahrhundert im Südosten Katangas aus den Upemba-Traditionen. Sein Königtum war nicht dynastisch gesichert, weshalb wiederholte Thronkämpfe das Reich schwächten. Unter Kumwimbu Ngombé erreichte es Ende des 17. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung bis zum Tanganjikasee. Nach Bürgerkriegen zerfiel es; 1889 spaltete sich die königliche Linie im Kampf gegen die Chokwe.

Die Kuba-Föderation mit Hauptstadt Nsheng, heute Mushenge, vereinte rund 20 Bantu-Ethnien. Ihre abgelegene Lage schützte sie im 18. und 19. Jahrhundert weitgehend vor europäischen und afroarabischen Sklavenjagden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umfasste sie etwas mehr als 100.000 km² und etwa 150.000 Einwohner. Sie zerfiel unter der Kolonialherrschaft Leopolds II.

Das Königreich Kongo entstand vermutlich um 1370. Nach dem portugiesischen Kontakt 1489 ließ sich König Nkuwu 1491 als João I. taufen. Sein Nachfolger Dom Afonso I. regierte ab 1506 und setzte auf enge Zusammenarbeit mit Portugal. Das Regimento von 1512 versprach Unterstützung beim Aufbau von Rechtssystem, Heer, Mission und Hofkultur; im Gegenzug sollte Kongo vor allem Sklaven, Kupfer und Elfenbein liefern. Der portugiesische Sklavenhandel schwächte das Reich. Nach der Niederlage gegen Portugal in der Schlacht von Ambuila 1665 wurde es in Einzelprovinzen zerschlagen.

Vom Anfang des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zwischen 13 und 20 Millionen Menschen aus Afrika als Sklaven verschifft, etwa fünf Millionen von der Küste des Kongos und Angolas. Dies verwüstete große Teile der Region sozial und wirtschaftlich. Europäer erforschten das Landesinnere lange kaum. David Livingstone erkundete ab den 1850er Jahren küstenferne Gebiete. Henry Morton Stanley fand ihn am 10. November 1871 in Ujiji und erforschte von 1874 bis 1877 den Verlauf des Kongo-Flusses umfassend.

Kongo-Freistaat und belgische Kolonie

König Leopold II. nutzte Stanleys Arbeit, um den Kongo zu kontrollieren. Stanley schloss von 1879 bis 1885 im Auftrag Leopolds 450 Kaufverträge mit Bantu-Häuptlingen. Die Häuptlinge konnten die juristischen Texte in fremder Sprache meist nicht verstehen. Eine Klausel verpflichtete die Bevölkerung, Arbeiten und Expeditionen der Association zu unterstützen; sie bildete eine Grundlage der späteren Zwangsarbeit. Stanley ließ die Verbindung von der Kongomündung zum Stanley Pool, heute Pool Malebo, ausbauen und gründete Léopoldville, heute Kinshasa.

Am 23. April 1885 erklärte Leopold die Association internationale du Congo zur Eigentümerin des Kongo und erließ die Verfassung des Kongo-Freistaats. Der Staat war nominell unabhängig von Belgien, de facto aber Leopolds Privatbesitz. Er besaß Regierung, Diplomatie und die Armee Force Publique. Die einheimische Bevölkerung war von politischen und militärischen Entscheidungen ausgeschlossen. Missionen gründeten Schulen, Krankenstationen, Dörfer und Bauernhöfe; zugleich wurden vorhandene Reiche zerschlagen.

Die Force Publique wurde 1885 gegründet und später stark vergrößert. Stationen mussten für je 25 Familien einen Rekruten stellen; die Militärzeit dauerte sieben Jahre. Die Armee setzte die Herrschaft und Abgaben gewaltsam durch. Besonders schwer waren die „Kongogräuel“: Konzessionsfirmen und Verwaltung forderten Naturkautschuk als Abgabe. Wer die verlangte Menge nicht lieferte, wurde erschossen. Da Landwirtschaft, Jagd und Fischerei eingeschränkt wurden, entstanden Hungersnöte. Der Kautschukexport stieg von 100 Tonnen 1891 auf 6.000 Tonnen 1901. In manchen Gebieten starben laut Artikel 60–90 % der Bevölkerung; Lukolela sank von 6.000 Einwohnern 1891 auf 400 im Jahr 1903.

Internationale Proteste zwangen Leopold 1908 zum Verkauf an Belgien. Am 15. November 1908 wurde Belgisch-Kongo gegründet. Die Charte Coloniale verbot politische Betätigung und sah ernannte statt gewählte Regierungsmitglieder vor. Zwangsarbeit wurde am 22. März 1910 offiziell abgeschafft, blieb laut Artikel aber tatsächlich bestehen. Zwischen 1880 und 1920 halbierte sich die Bevölkerung: Von anfangs etwa 20 Millionen Menschen starben über 10 Millionen durch Gewaltverbrechen, Hunger, Überarbeitung und Krankheiten. Belgien gewann vor allem durch Kautschuk, Palmöl, Kaffee sowie Kupfer, Blei, Zink und Diamanten.

Im Zweiten Weltkrieg kämpfte die kongolesische Armee gegen die Achsenmächte. Der Kongo belieferte die Alliierten, unter anderem mit Uran für das US-amerikanische Atombombenprogramm. Wirtschaft und Infrastruktur wuchsen, doch Afrikaner blieben von der Verwaltung ausgeschlossen. Ab den 1950er Jahren nahm der Widerstand gegen die Kolonialherrschaft zu. Bei den Kommunalwahlen vom 8. Dezember 1957 erhielten Kongolesen 130 von 170 Sitzen. Ab 1958 waren politische Parteien erlaubt, darunter Abako unter Joseph Kasavubu und MNC unter Patrice Lumumba. Nach den ersten freien Wahlen am 25. Mai 1960, die der MNC gewann, wurde der Kongo am 30. Juni 1960 unabhängig.

Unabhängigkeit, Krise und Mobutus Diktatur

Der schnelle Abzug Belgiens führte nach der Unabhängigkeit zu einer schweren Staatskrise. Patrice Lumumba wurde Ministerpräsident, Joseph Kasavubu Staatspräsident. Lumumba vertrat einen zentralistischen Staat, Kasavubu eher föderalistische Vorstellungen. Nur 16 Kongolesen hatten im Juni 1960 einen Universitätsabschluss; unter den 4.500 höchsten Staatsbeamten waren nur drei Afrikaner. Nach einer Meuterei der Force Publique wurde Joseph Mobutu Stabschef.

Katanga erklärte am 10. Juli 1960 mit belgischer Unterstützung seine Unabhängigkeit; Süd-Kasai folgte am 8. August. Die UNO entsandte ONUC-Blauhelme, blieb im Konflikt zwischen Kongo und Katanga jedoch neutral. Lumumba wandte sich nach erfolgloser Bitte an die USA an die UdSSR. Kasavubu entließ ihn am 5. September 1960; nach einem Machtkampf stürzte Mobutu Lumumba am 13. September mit Unterstützung der CIA und der UN. Lumumba wurde am 17. Januar 1961 nach Katanga gebracht, dort von einem belgisch-kongolesischen Kommando erschossen. Seine Leiche wurde später zerstückelt und in Schwefelsäure aufgelöst.

Bis Januar 1963 endeten die Sezessionen Kasais und Katangas. Weitere Aufstände, besonders die Simba-Rebellion 1964, setzten den Bürgerkrieg fort. Als das politische System 1965 erneut blockiert war, putschte Mobutu am 25. November 1965 endgültig.

Mobutu errichtete eine mehr als drei Jahrzehnte dauernde, gewaltsame und korrupte Diktatur. Er stützte sich auf Militär, persönliche Netzwerke und die USA, verbot politische und ethnische Organisationen und schaltete Gegner aus. 1967 gründete er die Einheitspartei Mouvement Populaire de la Révolution (MPR). Das Frauenwahlrecht für das Verfassungsreferendum wurde durch Act N°67-223 vom 3. Mai 1967 anerkannt; seit dem Gesetz vom 17. April 1970 bestand ausdrücklich auch das passive Wahlrecht für Frauen.

Die Ideologie der „Authenticité“ berief sich auf angebliche gemeinsame Werte der Vorfahren. Am 27. Oktober 1971 wurde das Land in Zaire umbenannt, 1972 wurden christliche Vornamen afrikanisiert. 1973 verstaatlichte die „Zairisierung“ große, meist belgische Unternehmen. Korruption und Veruntreuung machten Staat und Verwaltung zunehmend funktionsunfähig. Mobutus Vermögen wurde 1984 auf 4 Milliarden Dollar geschätzt; die Kupferproduktion betrug 1995 nur noch acht Prozent der Fördermenge von 1984. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor er Rückhalt. Reformversuche ab 1990 konnten den Zerfall seiner Herrschaft nicht aufhalten.

Kabilas, Kongokrieg und Neuanfang

Im September 1996 begann im Osten Zaires eine von Ruanda und Uganda unterstützte Rebellion unter Laurent-Désiré Kabila. Er stürzte Mobutu am 16. Mai 1997, zog in Kinshasa ein und erklärte sich am 29. Mai zum Präsidenten. Zaire erhielt wieder den Namen Kongo. Bereits im August 1998 brach Kabila mit Ruanda und Uganda. Der folgende Kongokrieg teilte das Land in mehrere Herrschaftsgebiete. Kabila wurde von Simbabwe, Angola, Namibia, Tschad und Sudan unterstützt und sicherte diesen Regierungen Zugang zu Rohstoffen zu. Das Waffenstillstandsabkommen von Lusaka vom 10. Juli 1999 wurde wiederholt gebrochen.

Die UN schuf am 24. Februar 2000 durch Resolution 1291 die Mission MONUC. Laurent-Désiré Kabila wurde am 16. Januar 2001 ermordet. Sein Sohn Joseph Kabila wurde am 26. Januar 2001 Staatspräsident, förderte den Friedensprozess und erlaubte Blauhelmstationierungen. Regierung und Rebellen schlossen im Dezember 2002 in Pretoria ein Friedensabkommen; im Juli 2003 entstand eine gemeinsame Regierung. Der Wiederaufbau blieb wegen der zerstörten Infrastruktur, Verwaltung und Wirtschaft sowie der Ausplünderung der Ostprovinzen schwierig. Für die Bürgerkriege von 1997 und 2002 nennt das International Rescue Committee 5,4 Millionen Tote, überwiegend durch Krankheit und fehlende Lebensmittelversorgung. In Süd-Kivu wurden 2005 14.200 Vergewaltigungsfälle gemeldet.

Die ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des Landes fanden 2006 statt. Joseph Kabila gewann nach einer Stichwahl gegen Jean-Pierre Bemba; schwerere militärische Auseinandersetzungen blieben trotz einzelner Unruhen aus.

Wahlen von 2018

Die für 2016 vorgesehenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wurden unter Joseph Kabila mehrfach verschoben, obwohl er laut Verfassung nicht erneut kandidieren durfte. Sie fanden schließlich am 30. Dezember 2018 statt. Félix Tshisekedi gewann eine umstrittene Präsidentschaftswahl; ihm wurde ein Geheimabkommen mit Kabila nachgesagt. Bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl errang Kabilas PPRD die absolute Mehrheit der Parlamentssitze.

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