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Geschichte Portugals
... Absolutismus. 1824 kam es zu einem Aufstand der konservativen Kräfte gegen die neue liberale Verfassung. Von seiner Frau und seinem Sohn Michael in einem …
Inhalt6 Abschnitte
- 1. Grundlinien der portugiesischen Geschichte
- 2. Unabhängigkeit, Königtum und Aufstieg zur Weltmacht
- 3. Restauration, Absolutismus und Krise des Ancien Régime
- 4. Liberalismus, Bürgerkrieg und Ende der Monarchie
- 5. Republik, Militärdiktatur und Estado Novo
- 6. Kolonialkrieg, Nelkenrevolution und demokratische Gegenwart
Grundlinien der portugiesischen Geschichte
Die Geschichte Portugals beschreibt die Entwicklung des Gebietes der heutigen Portugiesischen Republik von der Antike bis zur Gegenwart. Sie ist geprägt von wechselnden Herrschaften auf der Iberischen Halbinsel, der Entstehung eines eigenständigen Königreichs, einer langen monarchischen Tradition, dem Aufbau eines Kolonialreichs, Diktatur, Revolution und demokratischer Neuordnung.
In der römischen Zeit wurde der Westen der Iberischen Halbinsel Teil des Römischen Reiches. Nach römischen Kämpfen gegen Karthago und gegen keltiberische Stämme entstand unter Augustus 27 v. Chr. unter anderem die Provinz Lusitania. Sie umfasste den größten Teil des heutigen Portugal sowie Gebiete des heutigen Spanien. Die Christianisierung fand hauptsächlich im 4. Jahrhundert statt; wichtige Bistümer waren Braga, Ossónoba, Évora und Lissabon.
Ab 409 beziehungsweise 416 drangen germanische Gruppen ein. Zunächst dominierten die Sueben im Gebiet des heutigen Portugal, mit Sitz in Braga. Später setzten sich die Westgoten durch: König Leovigild unterwarf 585 das Suebenreich und gliederte es in das Westgotenreich ein.
711 zerstörten Mauren aus Nordafrika unter Tāriq ibn Ziyād das Westgotenreich weitgehend. Das heutige Portugal wurde Teil von Al-Andalus. Der christliche Widerstand begann mit Pelayo und seinem Sieg in der Schlacht von Covadonga 722. Diese Rückeroberung wird Reconquista genannt. Im 11. Jahrhundert festigte sich die Grafschaft Portucale, aus der später Portugal hervorging.
Unabhängigkeit, Königtum und Aufstieg zur Weltmacht
Heinrich von Burgund erhielt 1095 die Grafschaften Portucale und Coimbra. Sein Sohn Alfons I. setzte 1143 endgültig die Unabhängigkeit gegenüber Kastilien und León durch. Um 1250 wurden die letzten Teile der maurischen Herrschaft über die Algarve beseitigt; damit endete die Reconquista für Portugal auf dem europäischen Kontinent. Das Haus Burgund regierte bis 1383.
Nach dem Aussterben des Hauses Burgund kam durch die Revolution von 1383 Johann I. aus dem Haus Avis auf den Thron. 1386 schloss Portugal mit England den bis heute geltenden Vertrag von Windsor. Dieses Bündnis half, Portugals Unabhängigkeit zu sichern, und bildete eine wichtige Grundlage für die Expansion im 15. Jahrhundert.
Unter den Avis-Königen stieg Portugal zur Weltmacht auf. Portugiesische Entdecker und Eroberer schufen ein Kolonialreich, und der Indienhandel machte Portugal zu einer führenden Handelsmacht Europas. 1415 wurde mit der Eroberung Ceutas der Kampf gegen muslimische Herrschaften außerhalb des europäischen Festlands fortgeführt.
1580 starb mit Heinrich I. der letzte König aus dem Haus Avis ohne Nachkommen. Philipp II. von Spanien setzte seinen Anspruch durch und wurde als Dom Filipe I. König von Portugal. Spanien und Portugal wurden nicht zu einem Staat vereinigt, sondern in Personalunion regiert. Portugal sollte eigene Verwaltung und Autonomie behalten. Unter Philipps Nachfolgern wurden diese Zusagen jedoch zunehmend missachtet, und Portugal verlor wichtige Kolonialstützpunkte, darunter Hormuz, Ceylon, Malakka sowie zeitweise Gebiete in Brasilien und Afrika.
Restauration, Absolutismus und Krise des Ancien Régime
1640 nutzte der portugiesische Adel die Schwäche Spaniens und rief den Herzog von Bragança als Johann IV. zum König aus. Damit begann die Herrschaft des Hauses Bragança. Spanien erkannte Portugals Unabhängigkeit erst 1668 im Frieden von Lissabon an. In dieser Zeit wurde Brasilien wirtschaftlich besonders wichtig, vor allem durch Rohrzucker, Gold und Diamanten.
Im Zeitalter des Absolutismus wurde Portugal stark von Großbritannien abhängig. Der Methuenvertrag von 1703 erlaubte Großbritannien die zollfreie Einfuhr von Textilien und Manufakturwaren; Portugal bezahlte mit Gold und Diamanten aus Brasilien. Der Vertrag blieb bis 1842 in Kraft und trug dazu bei, dass Portugal keine starke eigene Industrialisierung entwickelte.
Unter Johann V. erlebte Portugal ein „Zweites Goldenes Zeitalter“, finanziert durch den brasilianischen Goldhandel. Sein Nachfolger Joseph I. überließ die Regierung weitgehend Sebastião José de Carvalho e Melo, dem Marquês de Pombal. Nach dem schweren Erdbeben von Lissabon 1755 organisierte Pombal den Wiederaufbau und wurde 1756 Erster Minister. Er vertrat einen aufgeklärten Absolutismus: Er schränkte kirchlichen Einfluss ein, löste 1759 den Jesuitenorden in Portugal und Brasilien auf, schaffte 1761 die Sklaverei in Portugal ab, nicht aber in Brasilien, und übertrug Zensur und Inquisition stärker staatlicher Kontrolle.
Die napoleonischen Kriege brachten Portugal in eine schwere Lage. Wegen der Allianz mit Großbritannien konnte Portugal Napoleons Kontinentalsperre nicht folgen. 1807 besetzten französische Truppen Lissabon; die königliche Familie floh nach Brasilien. Britische Truppen unter Arthur Wellesley halfen, die Franzosen in mehreren Invasionen zwischen 1808 und 1811 zurückzuschlagen. Der Krieg verwüstete Portugal, erhöhte die Abhängigkeit von Großbritannien und machte Brasilien 1815 zu einem Königreich gleichen Rechts mit Portugal.
Liberalismus, Bürgerkrieg und Ende der Monarchie
1820 begann in Porto eine liberale Revolution. Eine verfassungsgebende Cortes arbeitete die erste Verfassung aus, die am 23. September 1822 angenommen wurde. König Johann VI. kehrte nach Portugal zurück, während Kronprinz Peter in Brasilien blieb. Als die Cortes Brasilien wieder stärker unter portugiesische Kontrolle bringen wollten, erklärte Peter am 7. September 1822 die brasilianische Unabhängigkeit und wurde Kaiser Peter I. von Brasilien.
Nach Johanns Tod wurde Peter IV. König von Portugal, dankte aber 1826 zugunsten seiner Tochter Maria da Glória ab. Sein Bruder Michael sollte Regent sein, brach jedoch sein Versprechen zur Verfassungscharta, setzte Maria ab und regierte absolutistisch. Im Miguelistenkrieg von 1832 bis 1834 besiegte Peter seinen Bruder Michael. Danach blieb Portugal zwar liberal, aber politisch gespalten: Setembristen wollten die Verfassung von 1821, Cartisten die Verfassungscharta von 1826.
Die folgenden Jahrzehnte waren durch wechselnde liberale Regierungen, Reformen, Aufstände und Bürgerkrieg geprägt. Die Cartisten organisierten Verwaltung und Justiz neu und nationalisierten Kircheneigentum. Die Setembristen reformierten das Schulwesen, gründeten Institutionen wie die Akademie der Schönen Künste und das Nationaltheater und schafften die Sklaverei auch in den Kolonien ab. António Bernardo da Costa Cabral regierte 1842 bis 1846 autoritär, führte aber auch Reformen durch; seine Herrschaft bleibt in der Geschichtsschreibung umstritten.
Ab 1853 herrschte das Haus Sachsen-Coburg-Gotha. In der Zeit des Rotativismus wechselten Regenerationspartei und Historische beziehungsweise später Progressive Partei regelmäßig die Regierungsmacht. Die Wahlberechtigung war jedoch sehr begrenzt, nur etwa ein Prozent der Bevölkerung durfte wählen. Unter Fontes Pereira de Melo begann eine stärkere Industrialisierung.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Monarchie in eine Krise. Der „Plan der rosa Landkarte“, Angola und Mosambik zu verbinden, scheiterte 1890 am britischen Ultimatum. Dazu kamen Staatsbankrott am 7. Mai 1891, wachsende republikanische Opposition und politische Instabilität. Am 1. Februar 1908 wurden König Karl I. und der Thronfolger Ludwig Philipp in Lissabon erschossen. Emanuel II. konnte die Monarchie nicht retten. Am 5. Oktober 1910 wurde die Republik ausgerufen; die Monarchie endete nach 771 Jahren.
Republik, Militärdiktatur und Estado Novo
Die erste portugiesische Republik bestand von 1910 bis 1926 und war sehr instabil. In 16 Jahren gab es neun Präsidenten und 45 Regierungen. Die Verfassung gab den Präsidenten wenig Macht, das Parteiensystem war zersplittert, und die Republik wurde von Monarchisten, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten angegriffen. Portugal erklärte zu Beginn des Ersten Weltkriegs Neutralität, beschlagnahmte später auf Bitte der Alliierten deutsche Schiffe; das Deutsche Reich erklärte Portugal am 9. März 1916 den Krieg. Portugal stellte ein Expeditionskorps von nominell rund 55.000 Soldaten auf, von denen 2.160 fielen und 5.224 verwundet wurden.
Am 28. Mai 1926 putschte General Gomes da Costa und beendete die Republik. António de Oliveira Salazar wurde am 28. April 1928 Finanzminister mit Sondervollmachten und am 5. Juli 1932 Premierminister. 1933 erließ er eine neue Verfassung und errichtete den „Estado Novo“, einen Einparteienstaat, in dem Gegner unterdrückt und die katholische Kirche wieder gestärkt wurde.
Das Frauenwahlrecht blieb zunächst eingeschränkt: Nach dem Dekret Nummer 19694 vom 5. Mai 1931 durften Frauen nur wählen und gewählt werden, wenn sie mindestens die Sekundarschule abgeschlossen hatten; Männer mussten nur lesen und schreiben können. Das Wahlgesetz D.L. 24631 vom 6. November 1934 erweiterte das nationale Wahlrecht auf alle Lese- und Schreibkundigen, doch bei manchen lokalen Wahlen blieben bis 1968 Beschränkungen für Frauen.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Portugal offiziell neutral, unterhielt Beziehungen zum Deutschen Reich und lieferte zugleich Rohstoffe wie Gummi und Wolfram auch an Großbritannien. Direkte Kampfhandlungen betrafen vor allem Portugiesisch-Timor. 1943 erlaubte Portugal Großbritannien und den USA Militärbasen auf den Azoren; 1944 brach es auf britischen Druck die Beziehungen zu Deutschland ab. 1949 wurde Portugal Gründungsmitglied der NATO.
Kolonialkrieg, Nelkenrevolution und demokratische Gegenwart
Ab 1961 kämpften Unabhängigkeitsbewegungen in Mosambik, Angola, Guinea-Bissau und auf den Kapverden gegen die portugiesische Herrschaft. Portugiesisch-Indien ging 1961 an Indien verloren. Die Kolonialkriege belasteten Portugal militärisch und politisch schwer. Die Unzufriedenheit besonders unter jüngeren Offizieren wurde zu einem wichtigen Auslöser der Nelkenrevolution vom 25. April 1974. Der zunächst militärische Putsch und die folgende Volksbewegung beendeten die Diktatur Marcelo Caetanos, der seit 1968 Salazars Linie fortgesetzt hatte.
Nach 1974 wurden die Kolonien unabhängig: Mosambik am 25. Juni 1975, Kap Verde und Guinea-Bissau am 5. Juli 1975, São Tomé und Príncipe am 12. Juli 1975 und Angola am 11. November 1975. Osttimor erklärte am 28. November 1975 einseitig seine Unabhängigkeit, wurde aber am 7. Dezember von Indonesien besetzt. Macau blieb bis 1999 unter portugiesischer Verwaltung und ist seitdem Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China.
Nach der Nelkenrevolution übernahm zunächst General António de Spínola eine provisorische „Junta der Nationalen Rettung“. 1974 und 1975 wurde erstmals das allgemeine Wahlrecht anerkannt: Wahlberechtigt waren alle portugiesischen Staatsbürger, die am 28. Februar 1975 mindestens 18 Jahre alt waren. Am 25. April 1975 wurde eine Konstituierende Versammlung gewählt, die neue Verfassung wurde am 2. Juni 1976 proklamiert. Sie sicherte die Gleichheit des Wahlrechts von Frauen und Männern.
Die ersten Jahre waren von Machtkämpfen zwischen konservativen und linken Kräften geprägt. In der Verfassung von 1976 wurde zunächst der Übergang zum Sozialismus als Staatsziel festgelegt. Bei der Präsidentschaftswahl vom 27. Juni 1976 gewann jedoch António Ramalho Eanes mit 61,59 % der Stimmen und leitete mit Mário Soares die Entwicklung zu einer parlamentarischen Demokratie nach westeuropäischem Muster ein. Am 1. Januar 1986 traten Portugal und Spanien der Europäischen Gemeinschaft bei.
1982 wurde die Verfassung geändert: Der Revolutionsrat wurde abgeschafft und ein Verfassungsgericht geschaffen. In den folgenden Jahrzehnten wechselten konservative und sozialistische Regierungen. Aníbal Cavaco Silva prägte als Ministerpräsident ab 1985 eine konservative Phase, António Guterres regierte von 1995 bis 2002 für die Sozialisten, José Manuel Barroso wurde 2002 Ministerpräsident und 2004 Präsident der Europäischen Kommission. 2006 wurde Cavaco Silva mit 50,54 % zum Präsidenten gewählt und war von 2006 bis 2016 im Amt.