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Geschichte Maltas

Die Geschichte Maltas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Malta von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie begann mit der menschlichen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Frühzeit
  2. 2. Bronzezeit und neue Siedler
  3. 3. Phönizier, Karthager und Römer
  4. 4. Arabische Herrschaft und mittelalterliche Reiche
  5. 5. Malteserorden und französische Besetzung
  6. 6. Britische Zeit, Unabhängigkeit und Republik

Überblick und Frühzeit

Die Geschichte Maltas reicht von der ersten menschlichen Besiedlung Anfang der Jungsteinzeit bis zur heutigen Republik. Wegen seiner Lage im zentralen Mittelmeer war der Archipel wiederholt Bestandteil verschiedener Reiche. Besonders prägend waren die Herrschaft der Phönizier, Karthager, Römer und Araber, die europäischen Herrscherhäuser sowie der Johanniter- beziehungsweise Malteserorden. 1798 besetzten französische Revolutionstruppen Malta; 1800 begann die britische Herrschaft. Nach 164 Jahren wurde Malta am 21. September 1964 unabhängig, 1974 zur parlamentarischen Republik, 2004 Mitglied der Europäischen Union und führte 2008 den Euro ein.

Die ältesten möglicherweise menschlichen Überreste sind drei 1917 und 1936 entdeckte Backenzähne aus Għar Dalam. Ihre Zuordnung zum Neandertaler gilt als unsicher. Malta war vermutlich unbewohnt, als der Archipel zwischen 12.000 und 7.000 v. Chr. durch den Anstieg des Meeresspiegels vom Festland getrennt wurde. Die früheste nachgewiesene Besiedlung erfolgte Mitte des 7. Jahrtausends v. Chr. durch Jäger und Sammler. Die Höhle Latnija wurde vor 8.500 bis 7.500 Jahren ungefähr 1.000 Jahre lang genutzt.

Seit etwa 5200 v. Chr. lebten auf Malta Angehörige der Stentinello-Kultur. Sie betrieben Ackerbau, hielten Haustiere und brachten Töpferwaren, Steinwerkzeuge und Samen mit. Ab etwa 3800 v. Chr. entwickelte sich die maltesische Megalithkultur. Ihre Kultplätze bestanden aus großen Steinblöcken, waren ursprünglich überdacht und meist nach einem ähnlichen Grundriss angelegt: Durch ein Trilithtor führte ein Korridor zu nierenförmigen Raumbuchten und einer Kopfnische. Die Heiligtümer besaßen einen öffentlich zugänglichen äußeren Bereich und wahrscheinlich einen nur der Priesterschaft zugänglichen inneren Bereich. Manche waren möglicherweise der Großen Mutter der Fruchtbarkeit geweiht.

Von den einst zahlreichen Tempeln sind mindestens 23 teilweise erhalten, darunter Anlagen von Ġgantija, Ħaġar Qim, Mnajdra und Tarxien sowie das Hypogäum von Ħal-Saflieni. Die Bevölkerung betrug vermutlich höchstens 16.000 Menschen. Warum so viele Heiligtümer errichtet wurden und wozu die noch sichtbaren Schleifspuren dienten, ist ungeklärt. Bis zur Aufgabe der Siedlungen um 2500 v. Chr. fehlen kupferzeitliche Einflüsse; Malta war während der Tempelphase isoliert. Als mögliche Gründe für den demografischen Niedergang werden Dürren, Epidemien, Flutwellen und Missernten genannt. Waffenfunde fehlen, daher gilt ein kriegerischer Untergang als nicht belegt.

Bronzezeit und neue Siedler

Um 2500 v. Chr. wurde Malta neu besiedelt. Die Herkunft dieser Bevölkerung ist unbekannt; ihre Kultur unterschied sich deutlich von der Tempelkultur. Sie brachte Bronze mit und verbrannte ihre Toten. Die Tarxien-Cemetery-Phase ist durch ein Urnengräberfeld inmitten älterer Tempelruinen gekennzeichnet. Die Urnen enthielten Leichenbrand, kleinere Gefäße, verkohlte Samen und Pflanzenteile. Außerdem wurden Perlen, bronzene Äxte, flache Dolchklingen und stilisierte Terrakottafigurinen gefunden. Mit dieser Bevölkerung werden auch Dolmen in Verbindung gebracht, die als Begräbnisstätten für Brandgräber dienten.

In der Borġ-in-Nadur-Phase von etwa 1500 bis 700 v. Chr. wurden befestigte Siedlungen angelegt. Der namensgebende Platz bei Marsaxlokk lag auf einem dreieckigen Felsvorsprung und war an einer Seite durch eine massive Mauer in Zyklopen-Technik geschützt. Typisch waren außerdem flaschenförmige Gruben und in Felsen geschlagene Becken, deren Funktion nicht sicher geklärt ist. Die Keramik besaß häufig einen roten, abblätternden Überzug sowie tief eingeschnittene Zickzacklinien, die mit weißer Masse ausgefüllt sein konnten. In Borġ-in-Nadur gibt es Hinweise auf die Bearbeitung von Metall.

Die letzte Phase, Baħrija, dauerte ungefähr von 900 bis 700 v. Chr. und wurde vermutlich von einer kleinen Gruppe von Siedlern aus Süditalien geprägt. Ihre Keramik war dunkelgrau bis schwarz und mit geometrischen Mustern wie Dreiecken, Zickzacklinien und Mäandern verziert. Die zeitliche Abgrenzung der frühgeschichtlichen Phasen ist nicht eindeutig; die Fachliteratur nennt teilweise unterschiedliche Angaben. Die Periodisierung dient vor allem dazu, Keramiken, Skulpturen und andere Funde zeitlich einzuordnen.

Phönizier, Karthager und Römer

Um 800 v. Chr. errichteten die aus der Levante stammenden Phönizier auf Malta einen Handelsstützpunkt; anderen Quellen zufolge geschah dies bereits um 1100 v. Chr. Sie bezeichneten die größere Insel als M-L-T und die kleinere als G-L. Die phönizischen Gebräuche vermischten sich rasch mit denen der einheimischen Bevölkerung. Tempel für Melkart und Astarte belegen die religiöse Prägung. Olivenöl war wahrscheinlich ein wichtiges Handelsgut; außerdem wurden vermutlich Weberei und Töpferei ausgebaut.

Später übernahmen die aus den Phöniziern hervorgegangenen Karthager die Kontrolle. Malta wurde ein Knotenpunkt ihres Handelssystems. Umgeschlagen wurden unter anderem feine Leinenstoffe, Olivenöl und Honig; Werften dienten dem Bau und der Reparatur karthagischer Schiffe. Funde ägyptischer Terrakottasärge und Skarabäen zeigen Handelsbeziehungen zu Ägypten. Zugleich lebten neben Karthagern auch Griechen auf den Inseln. 392 v. Chr. wehrten die Einwohner eine Besetzung durch Dionysios von Syrakus ab. Im Ersten Punischen Krieg ab 264 v. Chr. diente Malta als Basis karthagischer Galeeren. 217 v. Chr. fiel der Archipel zu Beginn des Zweiten Punischen Krieges an Rom.

Die Römer nannten Malta Melita und Gozo Gaulus. Sie gründeten beziehungsweise bauten Melita, das heutige Mdina, und Victoria auf Gozo aus. Nach einer anfänglichen Unterwerfung behandelten sie Malta zunehmend als Verbündeten und gewährten der Bevölkerung zahlreiche Rechte, darunter die Beibehaltung der eigenen Sprache und Götter. Ein Bewässerungssystem ermöglichte großflächigen Anbau von Flachs, Wachs, Weizen, Olivenöl und Honig. Hafenanlagen wurden für Versorgung und Reparatur römischer Schiffe erweitert. 45 v. Chr. übergab Gaius Iulius Caesar Malta seinen Veteranen, wodurch die Romanisierung verstärkt wurde.

Der Apostelgeschichte zufolge erlitt Paulus von Tarsus 59 n. Chr. vor Malta Schiffbruch. Im 2. Jahrhundert wurde die Insel unter Hadrian zum Municipium mit innerer Selbstverwaltung erhoben; ob Gozo ein eigenes Municipium war, ist unklar. Das Christentum breitete sich aus. Katakomben dienten als Begräbnisstätten und Gebetsräume. 395 fiel Malta nach der Reichsteilung an das Weströmische Reich, gehörte kirchlich jedoch zum Oströmischen beziehungsweise später Byzantinischen Reich. Nach einer Herrschaft der Vandalen ab 455 und der Ostgoten ab 494 nahm Belisar Malta 533 für Kaiser Justinian I. ein. Unter byzantinischer Herrschaft verlor Malta als Handelszentrum an Bedeutung; viele Gebäude verfielen, und die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft.

Arabische Herrschaft und mittelalterliche Reiche

Die Araber griffen Malta ab etwa 836 an. 870 plünderten die Aghlabiden den Archipel, nahmen ihn aber erst 904 endgültig in Besitz. Der Islam wurde eingeführt, und Ortsnamen wurden arabisiert. Die unterworfene Bevölkerung konnte zum Islam übertreten oder als rechtlich benachteiligte Dhimmi einen Tribut oder die Sondersteuer Dschizya zahlen. Viele Menschen nahmen deshalb den muslimischen Glauben an; das Christentum blieb jedoch bestehen. Eine Volkszählung von 991 nennt 6.339 christliche und 14.972 muslimische Familien. Malta war außerdem ein wichtiger Umschlagplatz des arabischen Sklavenhandels.

Die Araber führten Sienjas, von Tieren angetriebene Wasserräder, ein und bauten vor allem Baumwolle an. Baumwolle wurde in den folgenden Jahrhunderten zur wichtigsten Einkommensquelle. Befestigte Stadtteile erhielten die Bezeichnung Medina, unbefestigte Vorstädte hießen Rabat. Diese Stadtgliederung entstand auch in Mdina und in der Zitadelle von Gozo. 1048 wehrten Araber und Malteser einen byzantinischen Angriff ab. 1090 eroberten die Normannen unter Roger I. die Inseln.

Die Normannen machten die Muslime zu Vasallen, verlangten Tribut, übten aber zunächst keinen Konversionsdruck aus. 1240 waren 73 % der Familien muslimisch, 24 % christlich und 3 % jüdisch. Unter Friedrich II. wurden 1249 sämtliche Einwohner muslimischen Glaubens von Malta verbannt oder zur Konversion gezwungen. Im 13. und 14. Jahrhundert wanderten viele Menschen aus Sizilien und Italien ein. 1268 kam Malta unter die Herrschaft des Hauses Anjou, 1284 nach einer Seeschlacht vor Malta unter Aragón.

Ab etwa 1350 konnten Malteser in den Adelsstand erhoben werden. Verwaltungsräte, die Universitas Melitiae, entstanden auf Malta und Gozo. Piraterie blieb bis ins späte 14. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig. Im 15. Jahrhundert setzte sich das Christentum durch; mehrere Orden gründeten Klöster. Die männliche Bevölkerung zwischen 16 und 70 Jahren musste in den Dejmas Militärdienst leisten. 1429 wehrten die Malteser einen Angriff eines etwa 18.000 Mann starken maurischen Heeres ab; Malta hatte damals ungefähr 17.000 Einwohner, davon knapp 4.000 Soldaten. 1530 überließ Karl V. Malta dem aus Rhodos vertriebenen Johanniterorden als Lehen.

Malteserorden und französische Besetzung

Der Johanniterorden, seit seinem Aufenthalt auf Malta auch Malteserorden genannt, prägte den Archipel 268 Jahre lang. Nach Angriffen der Osmanen wurden die Festungen Fort St. Elmo und Fort St. Angelo ausgebaut. 1532 verlegte der Orden seinen Sitz von Mdina nach Birgu. Bei der Großen Belagerung von Malta 1565 vertrieben die Ritter mit Unterstützung aus Spanien und Sizilien die zahlenmäßig überlegenen osmanischen Truppen nach mehr als drei Monaten. Dieser Sieg stärkte den Orden finanziell und politisch.

Am 28. März 1566 wurde der Grundstein für eine neue Hauptstadt gelegt. Valletta erhielt ein schachbrettartiges Straßennetz, besonders dicke Mauern und wichtige Ordensgebäude. 1571 löste die Stadt Birgu als Hauptstadt ab. Die folgende Blütezeit beruhte auf europäischen Zuwendungen, dem Besitz verstorbener Ritter und Kaperfahrten gegen osmanische Schiffe. 1592 entstand eine Universität in Valletta. Kirchen, Paläste, Festungen, Küstentürme und der 1615 fertiggestellte Wignacourt-Aquädukt prägten das Landschaftsbild. Die Pest von 1676 mit mehr als 10.000 Toten leitete den Niedergang ein. Frieden, Arbeitslosigkeit, Armut, hohe Schulden und eine höhere Besteuerung führten 1775 zu einem Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde.

1798 besetzte Napoleon Bonaparte Malta fast ohne Widerstand. Am 11. Juni wurde die Kapitulation unterzeichnet. Die Franzosen schafften die Sklaverei ab, richteten ein staatlich finanziertes Grundschulsystem ein und beseitigten Adelsprivilegien. Zugleich plünderten Soldaten Herrenhäuser, Paläste und Kirchen; viele ehemalige Ordensangestellte verloren ihre Renten. Die Unterbrechung des Baumwollhandels mit Großbritannien brachte die Wirtschaft zum Erliegen.

Im September 1798 erhoben sich die Malteser. Am 2. September wurden französische Soldaten in Mdina überwältigt; anschließend eroberten die Aufständischen fast alle Orte außer den Hafenfestungen zurück. Britische Schiffe unter Horatio Nelson blockierten die Häfen. 1800 kapitulierten die Franzosen. Am 5. September 1800 hissten die Briten den Union Jack in Valletta; damit begann die britische Kolonialherrschaft.

Britische Zeit, Unabhängigkeit und Republik

Der Frieden von Amiens sah 1802 zunächst eine Rückgabe Maltas an den Malteserorden vor, doch diese scheiterte. 1814 wurde Malta offiziell britische Kronkolonie. Die Insel entwickelte sich durch Handel, Werften und die britische Marine zu einem wichtigen Mittelmeerstützpunkt. 1827 nahm die Royal Navy das erste Trockendock in Betrieb. Nach der Eröffnung des Sueskanals 1869 wurde Malta eine wichtige Station zum Nachladen von Kohle. Im Krimkrieg und im Ersten Weltkrieg diente der Archipel als militärische Basis und Lazarettstation. 1883 wurde die Eisenbahnlinie Valletta–Mdina eröffnet, 1897 die Victoria Lines vollendet.

Im 20. Jahrhundert kam es zu Konflikten über Sprache und politische Selbstbestimmung. Nach dem Sette-Giugno-Aufstand von 1919 gewährte die Verfassung von 1921 eine begrenzte innere Selbstverwaltung; Großbritannien behielt Verteidigung, Außenpolitik und Einwanderung. Wegen politischer und kirchlicher Konflikte wurde die Verfassung 1930, 1933 und 1936 zeitweise außer Kraft gesetzt. Im Zweiten Weltkrieg war Malta mehr als 2.000 deutschen und italienischen Luftangriffen ausgesetzt; mehr als 1.500 Malteser starben. Am 15. April 1942 verlieh Georg VI. der Bevölkerung das Georgs-Kreuz.

Die Verfassung von 1947 führte das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer über 21 Jahren sowie das Prinzip „eine Person – eine Stimme“ ein. Nach weiteren Forderungen nach Selbstbestimmung stimmten die Malteser am 5. Mai 1964 für eine Verfassung als konstitutionelle Monarchie im Commonwealth. Am 21. September 1964 wurde Malta unabhängig. Am 13. Dezember 1974 rief Dom Mintoff die parlamentarische Republik aus; die Queen wurde durch einen Staatspräsidenten ersetzt. Am 31. März 1979 verließen die letzten britischen Militäreinheiten die Inseln.

Seit 1987 sind Neutralität und Blockfreiheit in der Verfassung verankert. Malta beantragte 1990 erstmals den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft; der Antrag wurde 1998 erneuert. Am 1. Mai 2004 trat Malta der Europäischen Union bei. Am 21. Dezember 2007 entfielen im Schengen-Raum die Grenzkontrollen. Am 1. Januar 2008 führte Malta den Euro mit eigenen Münzen ein.

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