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Geschichte Kenias
Nach Beginn der Kolonialherrschaft entstanden zahlreiche Arbeiten über die Geschichte der Europäer in Kenia, die die europäische Eroberung als heroische …
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Gegenstand und vorkoloniale Geschichte
Die Geschichte Kenias umfasst die Entwicklung des heutigen Nationalstaats, des britischen Protektorats und der Kolonie Kenia sowie die Geschichte des Gebiets vor der Kolonialisierung. Die Bevölkerung war und ist kulturell, sprachlich und religiös sehr vielfältig. Schon vor der Kolonialzeit bestanden Handels- und andere Kontakte zwischen den Gruppen. Im Nationalstaat wuchsen sie zu einer Nation zusammen, doch ethnische Identitäten, Interessen und Konflikte prägen die Politik bis heute.
Die Forschung über Kenia konzentrierte sich zunächst vor allem auf die Küste, weil dort arabische und islamische Einflüsse, Schriftquellen und die Swahili-Kultur sichtbar waren. Europäische Darstellungen um 1900 behandelten hauptsächlich die Küste, ihre Beziehungen zur arabischen Welt und die portugiesische beziehungsweise arabische Herrschaft. Während der Kolonialzeit feierten viele europäische Historiker die Eroberung als Pionier- und Kulturleistung. Forschungen von Missionaren, Ethnologen und Verwaltungsbeamten über die afrikanische Bevölkerung waren durch sozialdarwinistische und evolutionistische Vorstellungen geprägt. Nach der Unabhängigkeit wurden mündliche Überlieferungen, Ahnenreihen, Familiengeschichten, Gründungs- und Migrationsmythen, archäologische Funde und soziolinguistische Erkenntnisse zu wichtigen Quellen.
Fossilien belegen, dass im heutigen Kenia schon vor mehr als vier Millionen Jahren Vormenschen wie Australopithecus und Kenyanthropus sowie möglicherweise Orrorin lebten. Auch Homo habilis und Homo erectus sind durch Funde nachgewiesen. Bedeutende Fundstätten sind unter anderem Kantis Fossil Site, Lomekwi, Olorgesailie und Panga ya Saidi.
Die frühe Geschichte ist teilweise umstritten. Die Urbevölkerung bestand vermutlich aus Jägern und Sammlern; möglicherweise gehörten Gumba, Okiek und Sirikwa dazu. Um etwa 2000 v. Chr. wanderten kuschitischsprachige Völker vermutlich aus Äthiopien ein und führten Viehwirtschaft, darunter Rinderzucht, ein. Ab etwa Christi Geburt kamen nilotisch- und bantusprachige Gruppen hinzu und brachten unter anderem die Eisenverarbeitung mit.
Die Küste war seit der Antike in internationale Handelsnetze eingebunden. Arabische und römische Händler kamen regelmäßig dorthin. Ab dem Ende des ersten Jahrtausends entstand eine Kette von Handelsstädten, in denen sich der Islam ausbreitete und die Swahili-Gesellschaft entwickelte. Mombasa und Lamu waren unabhängige Städte und erlebten um 1300 ihre Blütezeit. Es entstanden Moscheen, prächtige Häuser und teilweise eigene Münzprägungen.
Von der Küste zur britischen Kolonie
Von 1593 bis 1698 schränkte der portugiesische Einfluss die Unabhängigkeit der Küste stark ein. 1698 eroberte Oman das Gebiet. Ab 1730 verwaltete der einheimische Mazrui-Clan die Küste im Auftrag der omanischen Yarubi-Dynastie. Nach deren Sturz durch die Busaidi-Dynastie geriet die Küste wieder stärker unter omanische Kontrolle. Um 1800 lebten schätzungsweise etwa 2,5 Millionen Menschen auf dem Gebiet des heutigen Kenia.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten steigende Elfenbeinpreise dazu, dass Küstenhändler in das Landesinnere reisten. Karawanen von 300 bis über 1000 Menschen handelten mit Elfenbein, Sklaven und Kautschuk. Sie brachten im Gegenzug unter anderem Feuerwaffen, Metall, Stoffe und Tücher in das Binnenland. Besonders gefürchtet waren die Massai, die große Teile Ostafrikas beherrschten und Küstenstädte bedrohten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte Großbritannien seinen Einfluss.
1885 entstand zunächst ein deutsches Protektorat über Besitzungen an der Festlandküste der Sultane von Sansibar und Witu. Deutschland überließ Großbritannien jedoch die Gebiete nördlich der Linie Tanga–Victoriasee, zuletzt Witu 1890. 1888 übernahm die Imperial British East Africa Company die Verwaltung von Britisch-Ostafrika; 1895 ging die Verwaltung an die britische Krone über. Die Fertigstellung der Uganda-Bahn von Mombasa zum Viktoriasee im Jahr 1901 und die Hungerkatastrophe von 1899 ermöglichten es der Kolonialverwaltung, ihre Herrschaft in den fruchtbaren Gebieten auszubauen.
Zwischen 1890 und 1914 wurde Widerstand durch sogenannte Strafexpeditionen gebrochen. Vieh wurde geraubt, Ernten und Dörfer wurden zerstört. Fruchtbare Gebiete wurden enteignet, zu White Highlands erklärt und an weiße Siedler verpachtet oder verkauft. Afrikanische Bevölkerungsgruppen wie Nandi, Girima, Massai und viele Kikuyu wurden in Reservate umgesiedelt, die sie ohne Erlaubnis nicht verlassen durften. Die Eisenbahn förderte die Einwanderung weißer Siedler: 1905 gab es etwa 600, 1907 bereits 2000.
Im Ersten Weltkrieg wurden viele Afrikaner zwangsweise zum Dienst verpflichtet. Von etwa 350.000 afrikanischen Trägern im Feldzug gegen Deutsch-Ostafrika kamen rund 150.000 aus Kenia. Etwa 50.000 offiziell registrierte kenianische Afrikaner starben; nur 4300 von ihnen hatten bewaffneten Truppen angehört. Die Kriegserfahrungen und Kontakte mit Menschen aus anderen britischen Kolonien und aus Indien stärkten politische und panafrikanische Vorstellungen. Nach dem Krieg forderte die Grippeepidemie in Kenia vermutlich 10 bis 15 Prozent der Menschen in bevölkerungsreichen Gebieten das Leben; diese Schätzungen sind ungenau.
1920 wurde Kenia offiziell Kronkolonie. Die Siedler verlangten weitere Landenteignungen und billige afrikanische Arbeitskräfte. Afrikaner mussten sich ab dem 16. Lebensjahr registrieren und eine Registrierungskarte mit sich führen; außerdem sollten hohe Steuern sie zur Lohnarbeit zwingen. In der kolonialen Landwirtschaft setzten sich Kaffee und Tee als wichtige Produkte durch. Afrikanische Bauern wurden vom Exportmarkt ausgeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg boomte die Wirtschaft durch feste Preise und die Versorgung Großbritanniens. Mechanisierung verdrängte afrikanische Arbeitskräfte, viele Squatter wurden in überfüllte Reservate vertrieben.
Missionen waren seit dem späten 19. Jahrhundert wichtige Bildungsanbieter. Viele spätere Politiker waren Missionsschüler. Konflikte über den Kulturimperialismus der Missionen, besonders über die Beschneidung von Mädchen und Frauen bei den Kikuyu, führten Ende der 1920er Jahre zur Gründung unabhängiger Schulen und Kirchen.
Widerstand, Frauenwahlrecht und Unabhängigkeit
In den 1920er Jahren bildeten sich politische Organisationen gegen Steuern, Landenteignungen, Registrierungspflichten und die politische Ausgrenzung der Afrikaner. Dazu gehörten die East African Association, die Kikuyu Association, die Young Kavirondo Association und später die Kikuyu Central Association (KCA). Als Harry Thuku im März 1922 verhaftet wurde, wurden bei Protesten in Nairobi mehr als 20 Afrikaner getötet. Thuku wurde verbannt. Auch die indische Bevölkerung forderte Wahlrecht, freie Einreise und die Abschaffung rassischer Grenzen. Ein Kompromiss erlaubte fünf indische und ein arabisches Mitglied im Legislative Council neben elf europäischen Mitgliedern; gegenüber Afrikanern blieb faktisch eine Apartheidpolitik bestehen.
Das Frauenwahlrecht entwickelte sich schrittweise und war zunächst rassistisch begrenzt. Weiße Frauen erhielten 1919 das Wahlrecht, asiatische Frauen und Männer 1923. Schwarze Menschen mit ausreichendem Besitz und Bildungsstand erhielten 1957 das Wahlrecht, darunter nur wenige Frauen. Arabische Frauen waren zunächst ausgeschlossen, doch eine Petition von Frauen aus Mombasa war erfolgreich. Das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für alle ab 18 Jahren galt erst mit der Unabhängigkeit am 12. Dezember 1963. Phoebe Asoiyo wurde im Dezember 1969 als erste Frau in das nationale Parlament gewählt.
Die Landenteignungen, hohe Steuern, die Verschlechterung der Lebensbedingungen und der Ausschluss von politischer und wirtschaftlicher Beteiligung führten zum bewaffneten Mau-Mau-Widerstand. Am 20. Oktober 1952 verhängte die Kolonialverwaltung den Ausnahmezustand. Die Mau Mau kämpften vor allem in Nairobi und aus den Wäldern mit Guerillataktiken. Die Regierung verhaftete zahlreiche afrikanische Führungspersönlichkeiten, darunter Jomo Kenyatta, obwohl er laut Artikel keine Verbindung zu den Mau Mau hatte. Rund eine Million Kikuyu wurden in Lagern interniert. 1956 war der Aufstand endgültig besiegt.
Gleichzeitig entstanden Gewerkschaften, zivile Oppositionsgruppen und Parteien. Die Einsicht, dass Afrikaner dauerhaft nicht von politischen Entscheidungen ausgeschlossen werden konnten, setzte sich durch. 1960 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, im Juni 1963 wurde Jomo Kenyatta Premierminister. Im Dezember 1963 erlangte Kenia die Unabhängigkeit und trat dem Commonwealth of Nations bei.
Kenyatta und Moi: Aufbau, Machtkonzentration und Demokratisierung
Am 12. November 1964 wurde Kenia zur Republik; Jomo Kenyatta wurde erster Präsident. Seine Politik verband Afrikanisierung und Nationalisierung mit der Harambee-Philosophie, also gemeinsamer Hilfe beim Aufbau des Staates. Selbsthilfeprojekte entstanden für Straßen, Brücken, Schulen, Wasser- und Gesundheitsversorgung. Zugleich wandelte sich das Mehrparteiensystem in ein von der KANU beherrschtes Einparteiensystem. Kenyatta stärkte die Macht des Präsidenten und besetzte wichtige Positionen vor allem mit Kikuyu, insbesondere aus Kiambu. Oppositionelle Parteien und Organisationen wurden unterdrückt; politische Gegner wurden inhaftiert oder ermordet, darunter Tom Mboya. Die Verwaltung wurde zentralisiert, und die Ethnisierung der Politik verstärkte sich.
Die Landfrage blieb ungelöst. Das während der Kolonialzeit enteignete Land mussten kenianische Bauern kaufen; Kredite kamen unter anderem aus Großbritannien und von der Weltbank. Davon profitierten vor allem loyale Kikuyu und Kollaborateure. Anfang der 1970er Jahre waren weniger als 40 Prozent des früher enteigneten Landes an Kleinbauern verkauft, fast 60 Prozent dagegen im Besitz großer Farmen der afrikanischen Elite.
Wirtschaftlich galt Kenia als afrikanisches Musterland. Ausländische Hilfen und Investitionen führten zu jährlichen Wachstumsraten von etwa 10 Prozent, zugleich blieben Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit hoch. Mit Gesetzen von 1967 versuchte die Regierung, die indischstämmige Minderheit aus dem Handel zu verdrängen. Für Bildung wurden 30 bis 40 Prozent des Staatshaushalts eingesetzt; Sekundarschulen, Harambee-Schulen und die erste Universität in Nairobi wurden ausgebaut.
Nach Kenyattas Tod am 22. August 1978 wurde Daniel arap Moi Präsident. Seine Nyayo-Philosophie betonte Liebe, Frieden und Einheit. Nach einem Putschversuch setzte Moi 1982 verfassungsrechtlich ein Einparteiensystem durch. Er verfolgte Kritiker und schränkte Parlament, Justiz, Medien, Wahlkommission und Gesellschaft zugunsten der Präsidialmacht ein. Gleichzeitig dezentralisierte er die Verwaltung. Die Wirtschaft litt unter der afrikanischen Wirtschaftskrise; Exporte und Pro-Kopf-Einkommen gingen zurück.
Unter internationalem Druck und durch eine wachsende Opposition wurde Anfang der 1990er Jahre das Mehrparteiensystem wieder eingeführt. Die Opposition sammelte sich zunächst im Forum for the Restoration of Democracy (FORD), zerfiel vor den Wahlen im Dezember 1992 jedoch in ethnisch geprägte Gruppen. Moi und die KANU gewannen knapp. Vor den nächsten Wahlen wurde ein Reformpaket beschlossen, das der Opposition Beteiligung an Regierung, Wahlkommissionen und Medienzugang sicherte.
Kenia seit 2002
Mwai Kibaki, ein früherer Vizepräsident Mois, gewann 2002 mit der National Rainbow Coalition die Präsidentschaft. Seine Regierung blieb umstritten. In einem Referendum vom 21. November 2005 lehnte die Bevölkerung den stark veränderten Verfassungsentwurf der Regierung, den Wako Draft, ab. Unter Moi und Kibaki bestanden Korruption und Vetternwirtschaft fort. Der Goldenberg- und der Anglo-Leasing-Skandal wurden zwar aufgedeckt, blieben aber ohne strafrechtliche Konsequenzen.
Uhuru Kenyatta, ein Sohn Jomo Kenyattas, verlor 2003 gegen Kibaki, gewann aber 2013 die Präsidentschaft. Laut Artikel wurde er 2010 vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen der Anstiftung zu Unruhen bei der Wahl 2003 angeklagt; die Anklage wurde 2014 mangels Beweisen fallengelassen. 2017 wurde die von einem chinesischen Unternehmen gebaute Standard Gauge Railway von Mombasa nach Nairobi eröffnet. Im selben Jahr gewann Kenyatta zunächst gegen Raila Odinga. Die Wahl wurde annulliert und im Oktober wiederholt. Nach einem Boykottaufruf Odingas gewann Kenyatta mit rund 98 Prozent der Stimmen bei etwa 35 Prozent Wahlbeteiligung.
Im August 2022 gewann der bisherige Vizepräsident William S. Ruto als Anführer des Bündnisses Kenya Kwanza die Präsidentschaftswahl. Er erhielt 50,5 Prozent, Raila Odinga 48,9 Prozent. Odinga focht das Ergebnis vor dem obersten Gericht an, das die Klage zurückwies. Das Kenya Finance Bill löste im Mai 2024 landesweite Proteste aus. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass sein Abschnitt zur jüngsten Geschichte seit 2024 nicht mehr vollständig aktuell sei und insbesondere Informationen zu den Gen-Z-Protesten 2024 fehlten.
Ein weiterer Abschnitt behandelt die Hungersekte um Paul Mackenzie Nthenge. Er soll Anhänger gezwungen haben, sich zu Tode zu hungern, um „Jesus zu begegnen“. Ab dem 21. April 2023 wurden im Shakahola-Wald im Osten Kenias Massengräber und verhungernde Anhänger entdeckt, darunter 39 Lebende. 22 Menschen wurden verhaftet. Mit Stand 26. April 2023 waren 95 Menschen gestorben, hauptsächlich Kinder. Im Juli 2024 begann in Mombasa ein Prozess gegen Nthenge und 94 weitere Angeklagte wegen Terrorismus; ihnen wird die Verantwortung für den Tod von über 440 Menschen vorgeworfen. In getrennten Verfahren ist Mackenzie unter anderem wegen Mordes, Totschlags, Folter und Misshandlung von Kindern angeklagt.