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Geschichte Asiens
(siehe hierzu Europäische Expansion) Das Interesse der Europäer war zunächst allein auf die Kontrolle des Handels gerichtet. Dabei ging es nicht allein um …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Voraussetzungen
Die Geschichte Asiens umfasst die Entwicklung des Kontinents von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Der Artikel gliedert sie in Vorgeschichte, frühe und klassische Hochkulturen, Mittelalter und Neuzeit. Diese Einteilung ist teilweise eurozentrisch, wird aber wegen ihrer Übersichtlichkeit verwendet. Asiens Geschichte verlief regional sehr unterschiedlich: Der Steppen- und Wüstengürtel Zentralasiens erleichterte Wanderungen, kulturellen Austausch und Fernhandel, während Himalaya, Hochländer und dichte Vegetation politische Verbindungen erschwerten. Die regelmäßigen Monsunwinde förderten dagegen die Schifffahrt im Indischen Ozean.
Die Quellenlage ist ungleich. Mesopotamische Keilschriften und chinesische Überlieferungen bieten vergleichsweise viele Informationen, während die Schrift der Indus-Kultur nicht entziffert ist. Zentral- und Südostasien erhielten erst im 1. Jahrhundert n. Chr. eine weiter verbreitete Schriftlichkeit. Deshalb müssen dort archäologische Funde, Berichte benachbarter Länder sowie zunehmend sprachwissenschaftliche und genetische Untersuchungen herangezogen werden.
Von frühen Menschen zu Hochkulturen
Homo erectus erreichte Asien aus Afrika; Funde des „Java-Menschen“ sind über 1 Million Jahre alt. Der anatomisch moderne Mensch, Homo sapiens, wanderte später ebenfalls aus Afrika ein. Vor etwa 100.000 Jahren erreichte er den Nahen Osten, vor 60.000 Jahren über die Küsten Südasiens Australien, danach Südost- und Ostasien. Fundorte sind unter anderem Zhoukoudian und Dali in China, die Denissowa-Höhle in Russland, Dmanissi in Georgien und Flores in Indonesien.
Um 12.000 v. Chr. wurden Jägergruppen des Natufien in Palästina sesshaft. Ab etwa 8000 v. Chr. entstanden Landwirtschaft und Viehzucht, zuerst im Fruchtbaren Halbmond. Diese Neolithische Revolution bezeichnet den Übergang zur sesshaften bäuerlichen Lebensweise. Pflanzen und Tiere wurden domestiziert, Keramik verbreitete sich und die Bevölkerung wuchs nach einer Schätzung von etwa 6 Millionen auf ungefähr 250 Millionen Menschen im 1. Jahrhundert n. Chr. Vorderasiatische Gesellschaften nutzten vor allem Gerste, Weizen, Schafe und Ziegen; in Ostasien waren Hirse, Reis, Schweine und Geflügel wichtig. Zu den frühen Zentren gehörten Jericho ab 9500 v. Chr., Çatalhöyük ab 7500 v. Chr., Mehrgarh ab 7000 v. Chr. sowie ostasiatische Kulturen wie Jōmon, Hemudu, Yangshao und Longshan.
In den Flusstälern Mesopotamiens, des Indus und des Huang He entstanden frühe Hochkulturen. Bewässerung und Bevölkerungswachstum förderten Städte, politische und religiöse Hierarchien, zentralisierte Vorratssammlung und Umverteilung. Schrift, Metallverarbeitung, Rad, Handwerk, Schifffahrt und Handel unterschieden diese Gesellschaften von anderen Lebensformen. In Mesopotamien bildeten die Sumerer die erste Hochkultur; um 3400 v. Chr. entstanden Schrift, schnell drehende Töpferscheibe und Lehmziegel. Später folgten unter anderem Akkader, Babylonier, Assyrer und Hethiter.
Die Indus-Kultur vereinheitlichte sich ab etwa 2600 v. Chr.; Harappa und Mohenjo-Daro sind ihre wichtigsten Fundorte. Da ihre Schrift nicht entziffert ist, bleiben politische Ordnung und Hierarchien unsicher. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. setzte vermutlich auch wegen sinkender Niederschläge ein Niedergang ein. In China entstand im 17. Jahrhundert v. Chr. mit der Shang-Dynastie die erste schriftliche Bronzekultur. Ob ihr die Xia-Dynastie vorausging, ist archäologisch umstritten. Um 1000 v. Chr. folgte die Zhou-Dynastie.
Klassische Reiche und Fernhandel
Die Verbreitung der Eisenverarbeitung ermöglichte größere Reiche und leistungsfähigere Landwirtschaft und Heere. Religionen und Lehren stärkten ebenfalls den Zusammenhalt: Zarathustra, Siddhartha Gautama und Konfuzius prägten Persien, Indien und China. Seit etwa 500 v. Chr. wurden die Räume Eurasiens enger verbunden. Über Seidenstraße und Indischen Ozean gelangten Gewürze und Seide nach Westen, Edelmetalle, Glas und Rohstoffe nach Osten.
Kyros II. gründete 550 v. Chr. das Persische Reich, das Mesopotamien, Syrien und Ägypten eroberte. Dareios I. begründete die Achämeniden-Dynastie. Alexander von Makedonien begann 333 v. Chr. die Eroberung Persiens; anschließend entstanden hellenistisch geprägte Nachfolgereiche. Ab 247 v. Chr. wurden die Parther unabhängig, 224 gründete Ardaschir I. das Sassanidenreich, den Hauptrivalen des Byzantinischen Reiches.
In Indien eroberte Magadha um 500 v. Chr. die Mahajanapadas. Unter der Maurya-Dynastie und besonders Kaiser Ashoka, der von 268 bis 232 v. Chr. regierte, erlebte Indien eine Blüte und der Buddhismus verbreitete sich. Ab etwa 350 entstand das Gupta-Reich. Seine Epoche gilt als klassische Zeit oder „Goldenes Zeitalter“ mit einer Neubelebung des Hinduismus und religiöser Toleranz; Angriffe der Alchon-Gruppe trugen zu seinem Untergang bei.
In China einte Qin 221 v. Chr. die chinesisch geprägten Reiche. 206 v. Chr. begann die Han-Dynastie. Eisenpflug, Zugtiere und Bewässerung förderten Wirtschaft und Bevölkerungswachstum. Eine konfuzianisch ausgebildete Beamtenschaft und eine zentralisierte Verwaltung stabilisierten das Reich, das nach Korea, Nordvietnam und in die Gebiete am Yangtse ausgriff. Um 220 zerfiel es in drei Teile.
Nomaden, Islam und mittelalterliche Reiche
Das asiatische Mittelalter war von zentralasiatischen Nomadenbewegungen, der Ausbreitung des Islam sowie dem kulturellen Einfluss Chinas und Indiens geprägt. Nomadenreiche waren meist Stammesföderationen, die unter starken Herrschern rasch wuchsen und danach häufig zerfielen. Die seit 318 v. Chr. belegten Xiongnu übten Druck auf China aus und gaben Anlass zu frühen Grenzbefestigungen, Vorläufern der Großen Mauer. Eine ethnische Gleichsetzung mit den Hunnen gilt trotz der Namensähnlichkeit als sehr zweifelhaft.
552 gründeten die Kök-Türken ein Reich von Nordkorea bis zum Schwarzen Meer. Unter der ab 618 herrschenden Tang-Dynastie wurde China wieder geeint und expandierte nach Zentralasien. Handel, Porzellan- und Seidenproduktion sowie Kaiserkanäle verbanden das Reich. Weitere bedeutende Mächte waren Uiguren, Tibeter, Kitan und Jurchen. China wurde unter der Song-Dynastie ab 960 erneut geeint, später aber wieder geteilt.
Mit der Hedschra beginnt 623 nach Angabe des Artikels die islamische Zeitrechnung. Die Araber eroberten unter den Umayyaden Gebiete von den Pyrenäen bis zum Indus. Unter Abbasiden und Samaniden stiegen türkische Soldaten in die Machtelite auf; der Islam verbreitete sich unter den Turkvölkern Zentralasiens. 1055 wurden die sunnitischen Seldschuken zur führenden Macht in Irak und Iran. Ab 1001 griffen die Ghaznawiden Nordindien an, und 1206 entstand das Sultanat von Delhi.
Temüdschin, Dschingis Khan, einte 1206 die Mongolen. Die Eroberungen reichten nach China, Zentralasien, Iran, Georgien und Südrussland. Unter der „Pax Mongolica“, dem mongolischen Frieden, wurde die Seidenstraße sicherer; Reisende wie Marco Polo, Wilhelm von Rubruk und Giovanni Carpini vermittelten Europa neues Wissen über Ostasien. 1258 eroberten die Mongolen Bagdad und zerstörten das Abbasidenkalifat. Um 1300 zerfiel das Reich in Goldene Horde, Tschagatai-Khanat, Ilchanat und die chinesische Yuan-Dynastie. Timur schuf ab 1363 ein weiteres Großreich in Irak, Iran und Zentralasien.
Japan entwickelte sich seit dem Yamato-Reich eigenständig. In der Kamakura-Zeit errichteten die Minamoto das erste Shogunat; eine Kriegerkaste, die Samurai, prägte die feudale Ordnung. Südostasien stand teils unter chinesischem, überwiegend aber unter indischem Einfluss. Reisanbau, Hinduismus und Buddhismus förderten Mandala-Reiche wie Srivijaya, das Khmerreich mit Angkor Wat, Bagan und Majapahit.
Handelsimperien und europäische Vorherrschaft
Ab etwa 1500 wurde der europäische Kolonialismus zum bestimmenden Faktor. Zunächst wollten Europäer Handelswege und besonders den Handel mit Pfeffer, Nelken, Muskat und Zimt kontrollieren. Vasco da Gamas Fahrt eröffnete 1498 den portugiesischen Seeweg nach Indien. Portugal besetzte Stützpunkte wie Goa 1510, Malakka 1511, Hormus 1515 und Macau 1557, erreichte aber kein vollständiges Gewürzmonopol. Seit 1600 beziehungsweise 1602 verdrängten englische und niederländische Ostindien-Kompanien Portugal zunehmend. Die Niederländer konzentrierten sich auf Südostasiens Inselwelt; die britische Kompanie gewann 1757 bei Plassey die Oberhand in Bengalen und entwickelte sich von einer Handelsgesellschaft zur Territorialmacht. Nach dem Sepoy-Aufstand von 1857 wurde sie aufgelöst.
Den Europäern standen zunächst große asiatische „Pulverreiche“ gegenüber. Das Osmanische Reich eroberte 1453 Konstantinopel und expandierte bis Persien, Ägypten und Wien. Die schiitischen Safawiden herrschten ab 1501 in Persien. Babur gründete 1526 das Großmogulreich, das unter Akbar durch Verwaltungsreformen und religiöse Toleranz gefestigt wurde. In China vertrieben die Ming 1368 die Mongolen; 1644 eroberten die Mandschu Beijing und errichteten die Qing-Dynastie. Russland begann 1552 mit der Eroberung Kasans seine Expansion nach Asien, erreichte 1649 den Pazifik und brachte im 19. Jahrhundert große Teile Zentralasiens unter seine Kontrolle.
Im 19. Jahrhundert wurde Handelskontrolle zunehmend durch direkte Kolonialherrschaft ersetzt. Das Osmanische Reich geriet in eine schwere Krise und zerfiel nach dem Ersten Weltkrieg; aus seinem Kern entstand unter Kemal Atatürk die Türkei. Britische und französische Mandate prägten den Nahen Osten. Der UN-Teilungsplan von 1947 und die Staatsgründung Israels 1948 lösten den bis heute andauernden Nahostkonflikt aus. In Persien kam Reza Khan 1925 an die Macht; 1979 folgte die Islamische Revolution.
Der Indische Nationalkongress wurde 1885 gegründet. Mahatma Gandhi machte Gewaltlosigkeit, Ahimsa, zum zentralen Mittel des Widerstands. Nach Darstellung des Artikels wurde Indien 1948 unabhängig; die islamische Bewegung unter Jinnah setzte die Teilung und einen islamischen Staat durch, aus dem Pakistan und Bangladesch hervorgingen.
China wurde durch die Opiumkriege 1842 und 1858 gewaltsam geöffnet. Japan reagierte nach der Öffnung von 1854 und der Meiji-Restauration 1867 mit eigener Modernisierung, entwickelte danach aber einen militaristischen Imperialismus. Es annektierte 1910 Korea und begann ab 1937 den Krieg gegen China. Nach Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg siegten die chinesischen Kommunisten und gründeten die Volksrepublik China. In Südostasien endete die Kolonialherrschaft nach teilweise schweren Konflikten: Die Philippinen wurden 1946 unabhängig, Indonesien 1949 anerkannt, und Frankreich verlor 1954 seinen Kolonialkrieg in Vietnam. Teilung und Bürgerkrieg führten unter Beteiligung der USA zum Vietnamkrieg.
Asien seit dem Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 standen Dekolonisation und Ost-West-Konflikt im Mittelpunkt. Der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und der Krieg in Afghanistan verbanden regionale Auseinandersetzungen mit dem weltweiten Gegensatz der Machtblöcke. Korea wurde 1948 in Süd- und Nordkorea geteilt; der nordkoreanische Angriff von 1950 löste den Koreakrieg aus.
China unternahm Modernisierungsversuche wie den „Großen Sprung“ und begann später eine marktwirtschaftliche Öffnung, behielt jedoch politische Unterdrückung bei. Japan und die sogenannten Tigerstaaten erlebten einen starken wirtschaftlichen Aufstieg. Indien entwickelte sich als Demokratie und spielte bei den Blockfreien Staaten eine wichtige Rolle. In Westasien prägten arabischer Nationalismus und der Palästinakonflikt die weitere Entwicklung.