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Geschichte Amerikas
Dieser Artikel beschreibt die Menschheitsgeschichte auf dem amerikanischen Kontinent. Zur Geschichte des Staates USA siehe Geschichte der Vereinigten Staaten.
Inhalt6 Abschnitte
Besiedlung und frühe Entwicklung
Die Geschichte Amerikas umfasst die Geschichte Nord-, Mittel- und Südamerikas. Die Besiedlung erfolgte in mehreren Einwanderungswellen über einen Zeitraum von mindestens 16.000 Jahren. Als Hauptroute der Paläoindianer gilt der Weg von Sibirien über die damalige Landverbindung Beringia nach Alaska und weiter nach Süden. Der etwa auf 13.800 v. Chr. datierte Fundplatz Monte Verde in Chile könnte jedoch dafür sprechen, dass zunächst die Westküste besiedelt wurde. Wann die ersten Menschen einwanderten und welche Wege sie nahmen, ist weiterhin umstritten.
Aus frühen Jäger- und Sammlergruppen entwickelten sich regional sehr unterschiedliche Gesellschaften. Ackerbau, Bewässerung, Keramik, Sesshaftigkeit und Fernhandel ermöglichten höhere Bevölkerungsdichten und komplexe politische und religiöse Organisationen. Vor der europäischen Ankunft bestanden sowohl mobile Jagdkulturen als auch Großdörfer, Städte und ausgedehnte Reiche.
Nordamerika vor 1500
Die Clovis-Kultur galt lange als älteste Kultur Nordamerikas. Funde aus den Paisley-Höhlen und der 2011 veröffentlichte Buttermilk Creek Complex in Texas, der auf 15.500 bis 12.300 Jahre Before Present datiert wird, belegen jedoch sogenannte Pre-Clovis-Kulturen. Die Clovis-Technologien entstanden demnach in Amerika und wurden nicht bereits aus Asien mitgebracht. Zu den ältesten menschlichen Überresten zählt die mehr als 10.500 Jahre alte Buhl-Frau aus Idaho.
In der folgenden Archaischen Periode entwickelten sich bis etwa 2000 bis 1000 v. Chr. Keramik, Ackerbau und verschiedene Stufen der Sesshaftigkeit. Atlatl, also Speerschleudern, und später Pfeil und Bogen verbesserten die Jagd. Im Norden blieben Karibu- und Bisonherden wichtige Nahrungsquellen, während die Jagd im Süden an Bedeutung verlor. Bevölkerungszentren entstanden unter anderem an den Großen Seen, am Mississippi, an der Atlantik- und Pazifikküste sowie im Südwesten.
Im Gebiet von Mississippi und Ohio bildeten etwa die Adena- und Mississippi-Kultur komplexe Gemeinwesen mit großen Tempelhügeln. Sie gingen kurz vor der Ankunft der ersten Europäer unter. Im Südwesten entstanden Pueblos, also dauerhafte Lehmbau-Siedlungen, die auf die bereits Mais anbauenden Basketmaker zurückgingen. Rund um die Großen Seen entwickelten sich befestigte Großdörfer und dauerhafte Bündnisse. Mais- und Kürbisanbau verbanden sich mit weitreichendem Handel, unter anderem mit Kupfer und Gesteinsarten für Waffen und Schmuck. Dieser Fernhandel ist in British Columbia bis 8000 v. Chr. zurück nachweisbar.
Hochkulturen Mittelamerikas
In Mittelamerika begann Landwirtschaft etwa 8000 v. Chr. In Oaxaca wurden zunächst Kürbisse als Wasserbehälter gezüchtet; die Ernährung beruhte weiterhin auf Jagd und Sammeln. In trockenen Regionen erlaubte Bewässerungswirtschaft später größere Bevölkerungen und komplexere Organisationsformen. Auf Yucatán entstand ab etwa 3000 v. Chr. eine Kultur größerer Siedlungen, die zur vorklassischen Epoche der Maya gerechnet wird.
Die Ursprünge der Olmeken reichen bis etwa 1500 v. Chr. zurück. Sie galten häufig als Träger einer mesoamerikanischen „Mutterkultur“. Ein auf 650 v. Chr. datiertes Rollsiegel mit Schriftzeichen gilt als frühester ihnen zugeschriebener Schriftbeleg. Die Zapoteken gründeten etwa zwischen 500 und 100 v. Chr. Monte Albán; erhaltene Tempel, Pyramiden und Gräber gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Teotihuacán war von 100 bis 600 n. Chr. das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Mesoamerikas. Zwischen 450 und 650 lebten dort möglicherweise bis zu 200.000 Menschen auf mehr als 20 km². Bewässerungslandwirtschaft und Obsidianhandel bildeten seine wirtschaftliche Grundlage. Um 750 wurde die Stadt verlassen. Im 10. Jahrhundert füllten die seit dem 9. Jahrhundert nach Südmexiko eingewanderten Tolteken das Machtvakuum; ihre städtische Kultur wurde von den militärisch organisierten Chichimeken bedroht.
Chichén Itzá erlebte zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert eine erste Blüte und gehörte zu einem Netz verbundener Maya-Städte. Nach dem ungeklärten Zusammenbruch der Mayakultur im 10. Jahrhundert dominierten dort kulturell die Tolteken, während Tulúm eine führende Rolle bei den Maya übernahm. Ende des 14. Jahrhunderts errichteten die Azteken, die sich Mexica nannten, ein Großreich. Ihre Hauptstadt Tenochtitlán hatte möglicherweise 150.000 Einwohner.
Kulturen Südamerikas und Religion
Neben Monte Verde gehören die mindestens 12.000 Jahre alten Funde von Los Toldos in Argentinien zu den frühesten Spuren Südamerikas. Sie belegen die Jagd auf Riesenfaultiere und Pferde sowie auf Guanacos und Lamas. Steinwerkzeuge und Höhlenmalereien reichen bis etwa 10.000 v. Chr. zurück. Der Anbau von Kürbissen und Bohnen sowie die Züchtung von Lamas werden auf 4000 v. Chr. datiert; Bohnenreste aus der peruanischen Guitarrero-Höhle könnten sogar von etwa 7500 v. Chr. stammen.
Die ecuadorianische Valdivia-Kultur stellte im 4. Jahrtausend v. Chr. die ältesten bekannten Keramiken der Region her und besaß bereits städtische Organisation, Kulte und Rituale. Sechín Bajo wird auf 3200 v. Chr. datiert. Die Sonnenpyramide von Caral entstand 2627 v. Chr.; Häuser für mindestens 3.000 Einwohner, Tempelanlagen, Bewässerung und Fernhandel weisen auf eine entwickelte Hochkultur hin. Ein 2002 nahe Lima gefundenes Kürbisfragment mit einem Stabgott-Motiv wurde auf 2250 v. Chr. datiert. Es gilt als älteste identifizierbare religiöse Ikone Amerikas und deutet darauf hin, dass organisierte Religion in den Anden mehr als 1.000 Jahre früher begann als zuvor angenommen.
Zu den späteren Kulturen gehörten Machalilla und Chorrera in Ecuador sowie Chavín und Paracas in Peru. Chavín verwendete Symbolkombinationen aus Jaguar, Puma, Vogel und Schlange; Paracas war für seinen Totenkult bekannt. Nazca und Mochica bauten Bewässerungssysteme. Die Mochica, die von 100 bis 800 n. Chr. bestanden, verarbeiteten Gold, Silber und Kupfer, produzierten Keramik in großen Mengen und errichteten zwei besonders große Pyramiden. Vermutlich trugen lang anhaltende schwere Regenfälle und eine anschließende Dürre zu ihrem Untergang bei.
Um den Titicacasee bestand vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur; nördlich davon folgte die Wari-Kultur von 600 bis 1100. Das erste südamerikanische Großreich schufen die Chimú von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan. Die Inka errichteten zwischen etwa 1200 und 1532 ein Reich, das im 15. Jahrhundert seine größte Ausdehnung erreichte; Cusco war zeitweise Hauptstadt.
Die Kulturen am Ostrand der Anden und im Amazonasgebiet sind weniger erforscht, doch Funde weisen auf Kulturen seit etwa 2450 v. Chr. hin. Die Chachapoya lebten etwa von 800 bis 1600 und bauten Felsengräber an steilen Klippen. Die Arawak wanderten zwischen 1000 und 500 v. Chr. den Orinoco abwärts. Sie nutzten Kanus, fischten, jagten und bauten unter anderem Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Kürbis und Maniok an.
Europäische Kolonisierung und Bevölkerungszusammenbruch
Nach der europäischen Wiederentdeckung Amerikas 1492 nahmen europäische Staaten den Doppelkontinent schrittweise in Besitz. Im Norden überwog zunächst etwa ein Jahrhundert lang der Handel; dauerhafte Kolonien an der Ostküste entstanden erst nach 1600. Spanische Eroberer beseitigten dagegen innerhalb weniger Jahrzehnte die Großreiche Lateinamerikas. Spanien beherrschte Gebiete, in denen mehr als drei Viertel der indigenen Bevölkerung lebten; Portugal erhielt Brasilien, Frankreich und England kolonisierten dünner besiedelte nördliche Regionen.
Den größten Bevölkerungsverlust verursachten eingeschleppte Krankheiten, Zwangsarbeit und Umsiedlungen, daneben Kriege und Verfolgung. Manche Gruppen verschwanden durch Seuchen, bevor Europäer ihnen unmittelbar begegneten. Die Bevölkerungszahl von 1492 ist umstritten: Alfred Kroeber schätzte sie um 1940 auf acht Millionen, andere Schätzungen reichen bis über 110 Millionen. Ein jüngerer grober Näherungswert beträgt 50 Millionen, davon etwa die Hälfte in Mesoamerika und ein Viertel im Inkareich. Hernán Cortés zerstörte mit ungefähr 500 Soldaten und zahlreichen indigenen Verbündeten das Aztekenreich; Pizarro besiegte die Inka. In der Karibik wurde die Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte fast vollständig ausgelöscht.
Warum eurasische Erreger für die indigene Bevölkerung besonders verheerend waren, ist Gegenstand einer biogeografischen Debatte. Nach Jared Diamonds These hatten Menschen in Eurasien durch stärkere Tierdomestikation und engen Mensch-Tier-Kontakt eine längere gemeinsame Entwicklung mit Krankheitserregern und entsprechende Resistenzen durchlaufen. In Nordamerika wirkten besonders Pocken, Masern und Grippe, zusätzlich organisierte und unorganisierte Verfolgung. 1756 setzte eine britische Skalpproklamation eine Prämie auf getötete Indianer aus; ähnliche Vorschriften hatte es bereits anderswo gegeben. Das genaue Verhältnis von Epidemien, Kriegen, Ausbeutung, schlechten sozialen Verhältnissen, Vernachlässigung und Genozidversuchen lässt sich kaum bestimmen. Der demografische Tiefpunkt wurde erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts überschritten.
Spanien versuchte, Kolonialherrschaft, Missionierung und Arbeitszwang zu ordnen. In der Encomienda wurden Indigene seit 1503 Feudalherren zugeteilt. Nach den Gesetzen von Burgos von 1512/13 galten sie nicht als Sklaven, konnten aber gegen Bezahlung zur Arbeit gezwungen werden. Das Repartimiento stellte ab 1549 Arbeitskräfte besonders für Landwirtschaft und die gefährlichen Gold- und Silberminen von Potosí bereit und galt gegenüber der Encomienda als Milderung. In Brasilien jagten Paulistas oder Bandeirantes Indigene für den Sklavenmarkt. Schutzversuche wie der Jesuitenstaat von Paraguay blieben Ausnahmen.
Auch Pferde und Pelzhandel veränderten indigene Gesellschaften. Entlaufene Pferde verbreiteten sich in den Great Plains und wurden zur Grundlage des im späten 18. Jahrhundert verbreiteten Reiternomadismus. Der nördliche Pelzhandel führte durch Waffenhandel, Handelsmonopole und Wanderungsbewegungen zu weitreichenden Machtverschiebungen.
Nachkoloniale Entwicklung und Widerstand
In Nordamerika wurden indigene Menschen durch Seuchen, Einwanderung und Indianerkriege rasch zur Minderheit. Widerstand unter Führern wie Pontiac und Tecumseh konnte das Vordringen der Siedler nicht dauerhaft aufhalten; 1890 wurde der letzte militärische Widerstand gebrochen. Siedler eigneten sich große Gebiete an, während die Staaten Infrastruktur, Verwaltung und Verteidigung ausbauten. In Südamerika gingen aufgelöste koloniale Landzuteilungen meist an Großgrundbesitzer, die Haziendas beziehungsweise in Brasilien Fazendas betrieben.
In den USA mussten indigene Völker ab 1830 aufgrund des Indian Removal Act das Land östlich des Mississippi verlassen; die Zwangsumsiedlung wurde als Pfad der Tränen bekannt. In Kanada entstanden Reservate meist in traditionellen Gebieten, in den USA Reservations. Missionierung war ein Schritt zur Assimilierung, also zur Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, die auf eine Auslöschung indigener Kulturen hinauslaufen sollte. In den USA wurde Reservatsland später in Privatbesitz umgewandelt und von verarmten Bewohnern häufig verkauft. Die Termination Policy von 1953 bis 1961 zielte auf die Auflösung von Stämmen und Reservationen sowie die Abwanderung in Städte. In Alaska schuf dagegen der Alaska Native Claims Settlement Act Beteiligungen und Geldzahlungen; dafür gaben die meisten Ureinwohner ihre Reservate auf.
In Süd- und Mittelamerika reichten bewaffnete Auseinandersetzungen teils bis in das 20. Jahrhundert. Der Maya-Aufstand auf Yucatán begann nach der Hinrichtung mehrerer Mayaführer am 30. Juli 1847 und dauerte als Kastenkrieg bis 1901. Die letzten Cruzoob schlossen 1935 Frieden und behielten die Selbstverwaltung ihrer Dörfer. Der 1994 in Chiapas begonnene Aufstand der Zapatistas beruhte ebenfalls auf indigenem Widerstand, griff aber zeitweise westliche Ideologien und Guerillataktiken auf.
Bolivien wird als einziges Land bezeichnet, dessen Bevölkerung mehrheitlich indigen ist. Nach der Wahl vom 18. Dezember 2005 regierte dort mit Evo Morales ein indigener Präsident. Er verfügte seit 2005 über die absolute Mehrheit und wurde 2008 mit 67 Prozent der Stimmen bestätigt.