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Geschichte der Nordsee – Von König Artus, schaurigen Göttern und Wikingern | Ganze Folge Terra X

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  1. Terra X - Mythos Nordsee - 25.10.2020 * Titelmusik *
  2. Die Nordsee: Geografisch betrachtet nur ein "Randmeer" des Atlantiks. Doch für Europa und seine Küstenbewohner ein Schicksalsmeer.
  3. * dramatische Musik * Seit Jahrtausenden schon leben Menschen hier von der See
  4. und gegen die See. Die Landschaften rund um die Nordsee sind schon in der Antike
  5. Ziel von Eroberungen und Heimat von Märchen und Mythen. Die Römer gelangen an die Nordsee und machen sich schon bald daran,
  6. England zu erobern. Roms Macht vergeht, neue Mythen werden geboren,
  7. wie die von König Artus und der sagenhaften Burg Camelot. Im Mittelalter versetzen Wikinger die Anrainer der Nordsee
  8. in Angst und Schrecken. Als leibhaftige Riesen werden sie in den Chroniken beschrieben.
  9. Doch selbst die Wikinger fürchten sie: die Nordsee. Die Nordsee bedeckt eine Fläche etwa so groß wie Frankreich.
  10. Das ist winzig verglichen mit den Weiten der Weltmeere. Und trotzdem ist sie ein artenreiches Biotop.
  11. Ein einzigartiges Ökosystem, mehr denn je angewiesen auf den Schutz vor der rücksichtslosen Ausbeutung durch den Menschen.
  12. Denn die Nordsee birgt Schätze: Täglich wird hier für 150 Millionen Dollar Öl gefördert.
  13. Wirtschaftlich ist die Nordsee ein Gigant. Fast ein Viertel aller weltweiten Schiffsbewegungen finden hier statt.
  14. 3 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich aus dem Meer gezogen. Das sind 5 Prozent der weltweiten Fangmenge.
  15. Und das, obwohl die Nordsee gerade mal 0,2 Prozent der Meeresfläche ausmacht.
  16. Seefahrer aller Epochen fürchten die Nordsee: Sie ist berüchtigt, weil unberechenbar.
  17. "Die See gibt, die See nimmt", sagt man hier seit alters her. Und in den Hafenstädten kannte jeder einen, der "für immer auf See blieb".
  18. Niemand weiß, wie viele Wracks genau auf dem Grund der Nordsee liegen. Wahrscheinlich zehntausende.
  19. Ich glaube, was die Nordsee zum Mythos macht, ist zum einen die Weite des Meeres, die Unberechenbarkeit der Nordsee.
  20. Die ja wesentlich rauer ist als die Ostsee. Und vor allem auch dieser jahrhundertelange Kampf des Menschen
  21. gegen die Natur. Wer die Nordsee kennt, weiß, dass innerhalb kürzester Zeit
  22. das Wetter umschwenken kann von schön auf Sturm und umgekehrt. Und das ist natürlich etwas,
  23. mit dem die Menschen auch erst mal lernen mussten, umzugehen. England und Schottland begrenzen die Nordsee im Westen.
  24. Nirgendwo in Europa hat dieses Meer Land und Leute stärker geprägt. Hier erstrecken sich kilometerlange Strände
  25. im Schatten eines mächtigen Kliffs. "The Wash", ein Meerbusen in der Grafschaft Norfolk.
  26. Die Burg von Bamburgh im Nordosten Englands. Erbaut vor 1500 Jahren als Sitz von Königen,
  27. die schon lange vergessen sind. Aufbruch in eine magische Welt.
  28. Beeindruckendes Farbenspiel, bizarre Felsen, verwunschene Schlösser, eingebettet in eine atemberaubende Küstenlandschaft.
  29. Die schottische Ostküste. Hoch im Norden des Meeres: die Orkneys und die Shetland-Islands.
  30. Vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag. Das kann man auf diesen Inseln fast täglich erleben.
  31. 195 Regentage, Dauersturm und hohe See. Aber auch Landschaften von betörend-karger Schönheit.
  32. Die Fjorde Norwegens, wie ein geflutetes Hochgebirge. Sie bilden die Ostgrenze der Nordsee.
  33. Malerisch und doch unwirtlich durch die langen Winter in diesen Breiten. Skagen ganz im Norden Dänemarks.
  34. Bekannt durch Råbjerg Mile, eine riesige Wanderdüne, die sich jedes Jahr fast zehn Meter nach Westen bewegt.
  35. Schließlich die Nordfriesischen Inseln vor der Küste Schleswig-Holsteins.
  36. Erdgeschichtlich betrachtet ist die Nordsee ein junges Meer. Noch vor 12.000 Jahren liegt ihr Meeresspiegel
  37. bis zu 120 Meter unter dem heutigen Niveau. Wo heute Wellen wogen, leben damals Mammute.
  38. Die Küstenlinie verläuft 600 Kilometer weiter nördlich. Große Teile des heutigen Nordseeraums sind eine Kaltsteppe,
  39. ähnlich der Tundra. Am Ende der letzten Eiszeit ziehen sich die Gletscher zurück
  40. und der Meeresspiegel steigt an. Vor 8000 Jahren wird das heutige Sylt geboren.
  41. Das Meer gibt, und das Meer nimmt, wie Karten von der Insel Sylt aus vier Jahrhunderten zeigen.
  42. Im Verlauf der Zeit verliert das Eiland immer mehr an Fläche. Unerbittlich stiehlt die See das Land.
  43. Das Wattenmeer, von der See geborgtes Land für wenige Stunden bei Ebbe. Die Gezeitenwechsel an den Küsten werden durch die Anziehungskraft
  44. verursacht, die Sonne und vor allem der Mond auf die Ozeane ausüben. Im Verlauf von knapp 25 Stunden
  45. bilden sich zweimal Hoch– und zweimal Niedrigwasser. Komprimiert auf zehn Sekunden:
  46. Ungefähr sechs Stunden vom niedrigsten Stand bei Ebbe zum Höchststand bei Flut.
  47. Für Menschen früherer Epochen ein rätselhaftes Phänomen. Vor allem, wenn sie das Mittelmeer gewohnt sind,
  48. wo sich die Gezeiten nur an wenigen Orten bemerkbar auswirken. Die Küstenlandschaft der Nordsee wirkt auf sie seltsam und bedrohlich.
  49. Die älteste Beschreibung stammt von dem altrömischen Naturforscher Plinius dem Älteren.
  50. Er hat es beschrieben als eine Landschaft zwischen Meer und Land, weder richtig Meer noch richtig Land.
  51. Ich glaube, das hat auch die Menschen und ihre Sicht auf diese Landschaft und auf die Nordsee nachhaltig geprägt.
  52. Vor 2300 Jahren steigt der Meeresspiegel weiter an und schafft an der deutschen Nordseeküste winzige Inseln,
  53. die bis heute bewohnt sind: die Halligen. Zeugen menschlicher Selbstbehauptung gegen die See.
  54. Die Gehöfte und Ansiedlungen stehen auf künstlichen Hügeln, damit sie bei Sturmfluten nicht im Meer versinken.
  55. Bauen zum Schutz gegen das Meer. Das hat an der Nordseeküste eine lange Tradition.
  56. Schon vor der Zeitenwende schütten die Menschen im Mündungsgebiet der Weser Erhöhungen auf,
  57. wie der römische Chronist Plinius zu berichten weiß: "Ein beklagenswertes Volk bewohnt dort hohe Erdhügel,
  58. die mit den Händen nach dem Maß der höchsten Flut errichtet sind." "In ihren Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Wasser
  59. das sie umgebende Land bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist."
  60. "Und ihre Hütten gleichen gestrandeten Schiffen." Getreidereste, Mist und Hausabfälle sind das Baumaterial
  61. für die Erhebungen zum Schutz der Häuser vor der Flut. Doch um 12 v. Chr. zieht ein ganz anderer Sturm
  62. über der Nordseeküste auf. Auch das Volk der Friesen gerät in den Fokus
  63. der mächtigsten Militärmacht der damaligen Welt. Die Küsten des Mittelmeers hat sie bereits erobert.
  64. Jetzt soll die ganze Nordsee römisch werden. Tausende von Legionären marschieren nordwärts.
  65. Nachdem Rom die Länder westlich des Rheines erobert hat, schickt es Legionen auf die östliche Rheinseite.
  66. Strategisches Ziel der Operation ist die Sicherung der Gebiete bis zur Elbe.
  67. Doch in der Elbregion erwartet die sieggewohnten Soldaten Roms ein hartnäckiger Gegner: Sümpfe.
  68. Kommandant der Truppen ist kein Geringerer als der Stiefsohn des Kaisers Augustus, genannt Drusus der Ältere.
  69. Ein kaiserlicher Prinz und ein Erfolg verwöhnter Feldherr. Der römische Chronist Cassius Dio berichtet,
  70. Drusus habe den Fluss überschreiten wollen. Doch seine Soldaten scheitern an Schilf, Hochwasser und Morast.
  71. Der Vorstoß kommt zum Stehen. Die Forschung vermutet Nachschubprobleme.
  72. Drusus freilich hat eine spektakulärere Erklärung für sein Versagen: Die Begegnung mit einer Riesin.
  73. Eine "Frau von übermenschlicher Größe", so berichtet er nach Rom, "habe ihn zur Umkehr gezwungen".
  74. "Unersättlicher Drusus. Es ist dir nicht vom Schicksal bestimmt, dies alles hier zu sehen", soll sie gesagt haben.
  75. "Ziehe von dannen. Das Ende deines Lebens ist schon nahe." Wir vergessen oft, dass die Römer zutiefst abergläubisch sind.
  76. Sie sind besessen von Aberglauben. Sie deuten Zeichen, sie opfern Tiere,
  77. sie versuchen herauszufinden, ob sie siegen. In einer Weise, die wir heute amüsant finden.
  78. Wenn sie versagen, kommen sie immer mit abergläubischen Argumenten. Und jeder in Rom wird sagen: Ja, das macht Sinn.
  79. Drusus ist aus vornehmer Familie, also muss er gut aus der Sache herauskommen.
  80. Die Götter einzubeziehen bedeutet gutes Karma, das vergessen lässt, dass man als militärischer Führer versagt hat.
  81. Trotz seines Misserfolgs ist es Drusus gelungen, das Volk der Friesen als Verbündete zu gewinnen.
  82. In weiser Voraussicht legt er ihnen nur einen mäßigen Tribut auf. Tacitus schreibt, sie sollten für Heereszwecke Rinderhäute liefern.
  83. Weniger weitsichtig sind die römischen Beamten, die nach Drusus die Tributzahlungen verwalten.
  84. Denn obwohl die Rinder der Friesen klein sind, fordern die Römer größere Häute.
  85. Der Chronist Tacitus schreibt: "Anfangs lieferten die Friesen ihre Rinder."
  86. "Doch dann mussten sie auch ihre Frauen und Kinder als Tribut leisten."
  87. Daraufhin kommt es zur Rebellion. Als Rom Soldaten schickt, um den Tribut einzutreiben,
  88. nehmen die Friesen sie gefangen und schlagen sie ans Kreuz. Die Friesen trotzen nicht nur einem Weltreich.
  89. Sie trotzen auch der Nordsee: "Gott schuf das Meer, der Friese die Küste",
  90. lautet ein uraltes Sprichwort. Es hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren.
  91. Auch die Friesen des 21. Jahrhunderts schützen ihr Land vor dem Meer. Denn wie vor 2000 Jahren nagen die Fluten der Nordsee daran.
  92. Das wird nirgendwo so deutlich wie an der populärsten deutschen Nordseeinsel: Sylt.
  93. Ihre Karriere als erholsame Sommerfrische beginnt im 19. Jahrhundert.
  94. Heute zählt man 950.000 Gäste pro Jahr. Trotzdem sind 50 Prozent der Fläche Sylts Naturschutzgebiet.
  95. Doch Deutschland beliebteste Insel schrumpft, wird "gefressen" von der See, von Wind und Wellen.
  96. Die Hörnum-Odde, der südlichste Zipfel der Insel, ist einem "Ablandungsprozess" ausgesetzt.
  97. Die starken Strömungen tragen mehr und mehr Sand ab. Die Hoffnung, diesen Vorgang mit tonnenschweren Wellenbrechern
  98. aus Beton stoppen zu können, wurde enttäuscht. Die Strände im Süden werden zunehmend schmaler.
  99. Sylt verliert an Landmasse. Vor etwa zehn Jahre standen diese Häuser
  100. einen Kilometer vom Strand entfernt. Heute sind es nur noch wenige hundert Meter.
  101. Jedes Jahr verliert die Insel so rund eine Million Kubikmeter Sand. Seit 1972 holen sich die Sylter den Sand zurück.
  102. Ein sogenanntes Spülschiff pumpt ein Sand-Wassergemisch durch eine Röhre an den Strand.
  103. Den Sand hat das Schiff etwa acht Kilometer vor der Küste vom Meeresboden eingesammelt.
  104. Mit Baggern und Planierraupen wird das angespülte Material verteilt. Nicht weniger als eine Million Kubikmeter pro Jahr.
  105. Aber der Sand, der heute die Rettung Sylts ermöglichen soll, brachte jahrhundertelang auch Verderben.
  106. Durch die gefürchteten Sandbänke. Die Nordsee ist viel unvorhersehbarer
  107. als die großen Ozeane wegen der Sandbänke. Sie sind versteckt und stellen eine Gefahr für die Navigation dar.
  108. Und Sand füllt die Häfen auf. Er ist immer in Bewegung. Zu Beginn der modernen hydrografischen Kartierung
  109. fahren Schiffe endlos an den Küsten entlang und zeichnen auf, wie sich diese Sandbänke bewegen.
  110. Denn wenn man nicht weiß, wo sie sich befinden, läuft man mit dem Schiff hinein.
  111. Die Nordsee ist in ewiger Bewegung. Nichts ist so, wie es gestern war. Ein Drama aus Wolken und Wellen.
  112. Es ist ihre Unberechenbarkeit, die sie zu einem gefährlichen Gegner macht.
  113. Vor mehr als 2000 Jahren tritt einer der größten Feldherren der Geschichte an, die Nordsee zu seinem Meer zu machen.
  114. Es ist einer der berühmten Momente der Geschichte: Cäsars Vorstoß nach England.
  115. Mit hunderten von Schiffen wagt er die Invasion der Insel. Er will die heimischen Stämme besiegen.
  116. England soll römisch werden. Doch dann kommt es ganz anders.
  117. Cäsar versteht, dass er hier nicht weiterkommt. Denn er hat keine ausreichend große Armee.
  118. Außerdem ist sein Hauptanliegen in dieser Zeit, nicht England zu erobern, sondern die Führung Roms zu übernehmen.
  119. Mit England will er Eindruck machen. Schaut her: ich bin da gewesen,
  120. habe mich mit diesen wilden Barbaren herumgeschlagen. Dann kam ich wieder nach Hause. Jetzt marschiere ich nach Rom.
  121. Aber 100 Jahre nach Cäsar setzt das Römische Reich erneut eine riesige Invasionsflotte in Bewegung.
  122. Auftakt einer Materialschlacht zur endgültigen Eroberung Englands. Die Insel mit ihren reichen Zinnvorkommen und anderen Rohstoffen
  123. ist eine lohnende Beute für das Imperium. Doch die keltischen Bewohner Britanniens
  124. ergeben sich nicht kampflos. 43 n. Chr. treffen Invasoren und Verteidiger
  125. in der Grafschaft Kent im Süden Englands aufeinander. Rom ist mit sechs Legionen angerückt,
  126. das sind nicht weniger als 20.000 Soldaten. Die römische Armee ist eine Tötungsmaschine,
  127. die dich zerschmettert und in Stücke hackt. Griechen und Römer gehören zu den barbarischsten Völkern,
  128. die die Welt gesehen hat. Weil sie so gewalttätig waren und so viele Menschen getötet haben.
  129. Und genau das geschah mit den keltischen Stämmen. Mann gegen Mann waren sie in der Lage, die Römer zu besiegen.
  130. Aber Armee gegen Armee waren sie chancenlos. Die Römer können damals auf viele Jahrzehnte Erfahrung
  131. im Kampf gegen keltische Stämme zurückblicken. Hatte doch Cäsar in einem jahrelangen Feldzug
  132. die Gallier auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs unterworfen. Und Stärken und Schwächen ihrer Kriegsführung
  133. detailliert beschrieben. Der Schlüssel zum Erfolg der Römer gegen die keltischen Stämme
  134. besteht darin, sie auf offenes Feld zu locken, wo sie ihre überlegene Disziplin und Professionalität ausspielen können.
  135. Die keltischen Soldaten kämpfen als Individuen. Ihr Ideal ist der heroische Zweikampf.
  136. Die Römer wollen eine feindliche Armee zerstören. Das sind völlig unterschiedliche Kriegskulturen.
  137. Ein keltischer Anführer versucht, seinen eigenen Ruhm zu vermehren. Der römische General, die Schlacht zu gewinnen.
  138. Die keltischen Krieger verlieren. Doch die Eroberung der britischen Insel ist mehr
  139. als nur ein Sieg der Waffen. Es ist der Beginn einer Kulturrevolution.
  140. In der Mitte des 1. Jahrhunderts ist ein Drittel der britischen Nordseeküste römisches Herrschaftsgebiet.
  141. Zur bedeutendsten Marine- und Nachschubbasis der Römer wird die Stadt Rutupiae im Südosten der Insel.
  142. Rutupiae wird zur bedeutendsten Anlaufstelle für den Schiffsverkehr zwischen England und dem Kontinent.
  143. Von hier aus kontrolliert die römische Flotte die westliche Nordsee.
  144. Archäologen haben Reste eines Triumphbogens im Herzen der Anlage gefunden.
  145. Symbol für den römischen Sieg, aber auch für die Unterjochung der einheimischen Bevölkerung.
  146. Hoch im Norden errichten die Römer den Hadrianswall als Schutz vor den wilden Stämmen der Schotten.
  147. Im Süden dagegen zieht der "Roman way of life" in die Nordseeregion ein, Mit Errungenschaften, von denen die keltischen Stammeskrieger
  148. nur träumen konnten. Kopien Roms im Miniaturformat schießen aus dem Boden mit Bädern,
  149. Tempeln und natürlich Arenen für die unvermeidlichen Gladiatorenkämpfe. Die Mode wird römisch, gegessen wird römisch,
  150. römischer Lebensstil prägt alle Bereiche des Lebens. Die Römer machten jeden zum Römer.
  151. Manche sagen, das ist doch großartig, die Römer schließen alle ein.
  152. Aber es ist das genaue Gegenteil: Die Römer lassen dich nichts anderes sein als ein Römer.
  153. Sie werden dich daran hindern, deine Sprache zu sprechen, zu deinem Gott zu beten.
  154. Sie werden großartige Gebäude bauen, um die Herrlichkeit des Römischen Reiches zu demonstrieren.
  155. Das ist eine sehr finstere Waffe. Und entfacht Aufstände gegen Rom, weil nicht jeder Römer werden will.
  156. Im Jahre 117 erreicht das Imperium Romanum seine größte territoriale Ausdehnung.
  157. Der Süden und Westen der Nordsee sind jetzt römisch. Doch bei aller Macht - und Prachtentfaltung
  158. offenbart das Imperium auch eine Schwachstelle: Ein Großteil seiner Armee besteht aus Soldaten,
  159. die in unterworfenen Gebieten rekrutiert werden. Was wir hier haben, ist eine Gesellschaft,
  160. die kein eigenes Militär hervorbringt. Sie stellt Ausländer ein, um ihre Drecksarbeit zu erledigen.
  161. Dadurch verlieren die Römer die Fähigkeit, Krieg zu führen. Und das fremde Volk erkennt, dass die Römer reich und schwach sind.
  162. Schon bald wird es zu einer Option, den Römern zu dienen und sie dann später zu überfallen.
  163. Es ist sehr gefährlich, sich selbst zu entwaffnen und Ausländer einzustellen, um für dich zu kämpfen.
  164. Im 5. Jahrhundert sinkt der Stern des Römischen Reiches. Den Völkern, die von Osten und Norden seine Grenzen überfluten,
  165. hat es nichts mehr entgegenzusetzen. Auch nicht den Jüten, Angeln und Sachsen
  166. aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins, die sich in England niederlassen.
  167. Schon in Zeiten römischer Präsenz haben sie Raubzüge an den Küsten unternommen.
  168. Jetzt, nachdem die römischen Legionen die britische Insel verlassen haben, wollen sie Siedlungsgebiete für sich erobern.
  169. Das Thorsberger Moor, ein unscheinbarer Teich in der Gemeinde Süderbrarup, östlich von Schleswig,
  170. war in römischer Kaiserzeit ein Zentralheiligtum der Angeln. Archäologen machten hier zahllose Funde,
  171. die von der Kultur und Glaubenswelt des Volkes erzählen. Die Angeln opfern ihren Göttern Kriegsbeute, auch Pferde.
  172. Typisch für die germanische Religion sind hölzerne Stehlen in Menschengestalt, die im Freien aufgestellt werden.
  173. Denn, so berichtet Tacitus, die Germanen glauben, "dass es der Größe der Himmel nicht würdig sei,
  174. die Götter in Wände einzuschließen". In Britannien unterwerfen die Angeln und Sachsen
  175. die einheimische Bevölkerung und lassen sich zwischen den antiken Ruinen nieder.
  176. Eine bescheidene, bäuerliche Lebensweise, weit entfernt vom Niveau der römischen Zivilisation.
  177. Während die Bauwerke der Römer zerfallen, hat sich ein anderes Erbe ihrer Herrschaft als dauerhaft erwiesen.
  178. Viele "Romano-Briten" sind nämlich schon lange Christen. Wie der legendäre König Artus.
  179. Ein Held, der das christliche Erbe Britanniens unerschrocken gegen die heidnischen Invasoren vom Festland verteidigt haben soll.
  180. Er residiert, so wird erzählt, auf einer prächtigen Burg mit Namen Camelot.
  181. Die Artus-Sage gehört zu den ganz großen Mythen der Nordseeregion. Und breitet sich im Mittelalter mit vielen Ausschmückungen
  182. über ganz Europa aus. Doch die Geschichte des legendären Königs,
  183. der um 500 gegen die Angeln und Sachsen kämpft und siegt, wird erst Ende des 9. Jahrhunderts aufgeschrieben.
  184. Immer wieder hat man nach einem historischen Vorbild geforscht. Bis heute vergebens.
  185. König Artus ist die Wunschvorstellung frühmittelalterlicher Mönche.
  186. Es gab tatsächlich Widerstandsnester von Romano-Briten gegen die einfallenden Sachsen.
  187. Aber es gibt keine überzeugenden Beweise dafür, dass ein bedeutender britischer und christlicher Anführer
  188. Großbritannien gegen die Sachsen verteidigt hat. Das ist eine Geschichte, erfunden von Mönchen, die erzählt,
  189. wie das Christentum in den dunklen Jahrhunderten überlebte. Doch im Mittelalter nimmt die Sage von Artus
  190. und seinem Zauberschwert Excalibur Fahrt auf. Das Schwert, das Artus der Überlieferung nach
  191. aus einem Stein zieht. Geschickt mischen die Autoren des Mittelalters
  192. ein Heldenepos mit christlicher Mystik. Doch die historische Wahrheit ist ernüchternd.
  193. Die wenigen Christen führen damals ein Schattendasein. Denn die Angelsachsen sind um 600 die Beherrscher der Insel.
  194. Der mythische Sitz der nordischen Gottheiten heißt Asgard, benannt nach dem Göttergeschlecht der Asen.
  195. Zu ihnen zählt Thor oder Donar, der Gebieter über Donner und Sturm, den die Bewohner der Nordseeregion am meisten fürchten.
  196. Die Völker und Stämme rund um die Nordsee verehren dieselben Götter. Dank römischer Historiker sind die kultischen Handlungen der Germanen
  197. teilweise überliefert. Zu den Opfern, mit denen sie die Götter gnädig stimmen,
  198. zählen auch Menschen. Die Mythologie der Germanen ist detailreich ausgeschmückt.
  199. Der einäugige Odin gilt als die höchste Gottheit. Auch um ihn ranken sich viele Geschichten.
  200. Für die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, so wird erzählt, hat er ein Auge hergegeben.
  201. Doch der Thron des Götterkönigs wackelt. 597 beginnt die Christianisierung der Angelsachsen.
  202. Papst Gregor der Große schickt 40 Mönche auf die Insel. Er rät ihnen, die heidnischen Kultstätten zu respektieren
  203. und eine "Missionierung von oben" zu versuchen. Sind erst die Häuptlinge Christen, so der Plan, folgt der Rest von allein.
  204. Man darf sich diese Missionare nicht als alte bärtige Männer vorstellen. Das waren wahrscheinlich junge Hänflinge von der Klosterschule,
  205. die voller Charisma waren, weil sie mit Begeisterung das Christentum predigen wollten.
  206. Weil sie ja das Martyrium gesucht haben. Diese Menschen hatten dieses Charisma,
  207. weil ihnen der Tod egal war. Sie wollten ja in Christus sterben.
  208. Das hat natürlich diese angelsächsisch-germanischen Könige schon überzeugt, dass hier so junge Leute kommen,
  209. die sich aufführen wie die Berserker. Die Insel Lindisfarne, die heilige Insel vor der Küste
  210. im Nordosten Englands. 635 gründen irische Mönche hier ein Kloster.
  211. Die Strategie, mit den Königen auch ihre Untertanen zum Christentum zu bekehren, geht auf.
  212. Im spirituellen "Überzeugungskrieg" gegen das Heidentum wird Lindisfarne zum Zentrum der christlichen Offensive.
  213. Von ihrer Insel aus treiben die Mönche die Christianisierung Englands voran.
  214. Das Kloster entwickelt sich schon bald zu einem vielbesuchten und entsprechend reich ausgestatteten Wallfahrtsort.
  215. Denn hier liegt Cuthbert begraben, ein Mönch, der jahrelang unter großen Entbehrungen als Eremit
  216. auf einem winzigen Eiland lebte und als Heiliger verehrt wird. Lindisfarne ist das bedeutendste geistige und kulturelle Zentrum
  217. im Norden Englands und schickt bald sogar Missionare auf den Kontinent. Um dort die Germanen zu missionieren.
  218. Doch am frühen Morgen des 8. Juni 793 bricht über Lindisfarne das Unheil herein.
  219. Fremde Schiffe nähern sich der Insel. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf.
  220. Kein christlicher Krieger würde es je wagen, ein Kloster anzugreifen. Aber die Wikinger sind keine Christen.
  221. Das war ein Selbstbedienungsladen an Schätzen wie auch ein königlicher Hof. Vielleicht sogar besser.
  222. Da gab's Reliquiare, da gibt's Wein in den Weinkellern. Und da gab's alle möglichen interessanten Gewänder,
  223. die man sich anziehen könnte. Auch dazu gibt's schöne Quellen, wie Wikinger besoffen nach dem Weinkeller
  224. in flatternden Messgewändern herumlaufen. Das spielte überhaupt keine Rolle,
  225. dass das ein heiliger Ort für die Christen war. Interessant war, was hier zu holen war.
  226. Die Chronisten zeichnen Albtraumbilder fern der Wirklichkeit.
  227. Es ist der Versuch, das Auftauchen eines Phänomens zu verarbeiten, das zum Schreckgespenst des Nordseeraumes werden sollte.
  228. In der Wahrnehmung der Chronisten sind die Krieger, die das Kloster heimsuchen, keine Menschen, sondern Monster.
  229. Riesige Drachenwesen, Geschöpfe des Teufels. Später wird man sie "Wikinger" nennen.
  230. "Niemals zuvor brach ein solches Entsetzen über Britannien herein." "Die Kirche des Heiligen Cuthbert ist besudelt
  231. mit dem Blut der Priester Gottes." "Und all ihre Schätze wurden geraubt“,
  232. schreibt Alkuin, ein englischer Gelehrter. Die Wikinger wurden zu einer Naturgewalt hochstilisiert.
  233. Gleichzeitig mit Drachen in der Luft und Wirbelstürmen und so. Und diese Hochstilisierung, diese Mythologisierung der Wikinger
  234. führt dann zu einer durchgehenden schlechten Presse. Die aber mehr ist als nur eine üble Nachrede für die Wikinger,
  235. sondern die sie zu einem Angstgegner hochstilisiert. Was militärisch gesehen auch ganz günstig ist,
  236. wenn man den Gegner überhöht. Dann bringt man sich selbst ja in eine bessere Position.
  237. Wenn man verliert dauernd gegen diesen Gegner. Die Wikinger verbreiten Angst und Schrecken
  238. vor allem an Englands Ostküste. Sie gelten als ein mordendes, brandschatzendes Kriegervolk,
  239. das die Menschen im Nordseeraum terrorisiert. Dabei ist der Name Wikinger ein Missverständnis.
  240. Denn ein Volk der Wikinger gab es nie. In der Sprache der Nordmänner bezeichnet "Vikingr"
  241. einen Seekrieger auf langer Fahrt, nicht das Mitglied irgendeines Stammes.
  242. Die räuberischen Bootsbesatzungen stammen aus den östlichen Küstenregionen der Nordsee:
  243. Aus Norwegen, Dänemark und Schleswig-Holstein. Sie gehören zu zahllosen Sippen, aber ihnen allen gemeinsam sind Lebensart,
  244. Kultur, Religion und die hohe Seemannskunst. Und ihre Schiffe, die "Drachenboote".
  245. Wohl vom 8. Jahrhundert an nutzen die Skandinavier das Rahsegel, eine Form der Takelung, die es ermöglicht,
  246. gegen den Wind zu kreuzen. Mit Tierfetten machen sie das Tuch winddicht.
  247. Bei günstiger Brise lässt sich England damit in knapp drei Tagen erreichen.
  248. Auch beim Schiffbau erweisen sich die Nordmänner als außerordentlich geschickt.
  249. Ihre Rumpfkonstruktionen sind filigran und ausgeklügelt. Die Boote sind robust und hochseetauglich.
  250. Die Wikinger bestatteten ihre Anführer in Booten und bedeckten sie mit Erdhügeln.
  251. So haben sich Reste einiger Originale erhalten. Sie beweisen den erstaunlichen technischen Standard
  252. der manchmal mit Drachenköpfen geschmückten Segler. Mit ihnen gelangen die Wikinger nach Island, Grönland
  253. und schließlich sogar nach Amerika - ein halbes Jahrtausend vor Kolumbus. In ihrer Vorstellung ist der Atlantik kein Ozean, sondern ein Binnenmeer.
  254. Eine Fehleinschätzung mit Folgen. Wenn ich den ganzen Nordatlantik, vielleicht sogar
  255. von der kanadischen Küste oder Grönland bis Norwegen und England als Binnenmeer betrachte, dann verliert der auch seinen Schrecken.
  256. Darinnen liegen ja Inseln, Irland, Island und noch andere. Die Färöer, die Shetlands und so weiter,
  257. die man so als "Stepping Stones" betrachten kann, um damit auch nicht aus der terrestrischen Navigation
  258. hinauszukommen, die ja ganz wichtig ist zu diesem Zeitpunkt mangels navigatorischer Geräte. Er verliert seinen Schrecken.
  259. Dieser Binnenozean ist mein Meer. Den Wikingern eilt der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus.
  260. Doch der englische König Alfred zeigt sich unbeeindruckt und verjagt sie von seinen Küsten.
  261. Man hat sie "Erfinder des Blitzkrieges" genannt: Beute machen und schnell verschwinden.
  262. Ihre erfolgreichste Strategie ist ein intelligentes Risikomanagement.
  263. Denn im Gegensatz zum gängigen Klischee vom Berserker im Blutrausch meiden die Wikinger gefährliche Gegner.
  264. Und vor allem Kämpfe, die sie verlieren könnten. Wenn es brenzlig wird, setzen sie lieber die Segel.
  265. Die Wikinger waren sehr auf Risikominimierung und Risikomanagement bedacht.
  266. Was ja auch verständlich ist, wenn ich mit mehreren Schiffsladungen und ein paar hundert Mann maximal ins Frankenreich einfalle.
  267. Mit seinen großen Armeen, dann muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht sofort aufgerieben werde.
  268. "Haithabu ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres." So beschreibt der arabische Chronist At-Tartûschi 965
  269. das wohl bedeutendste Handelszentrum der Wikinger. Damals zählte die Hafenstadt an der Schlei
  270. im nördlichen Schleswig-Holstein 1000 Einwohner. Hier leben Menschen, die mit der Produktion, dem Kauf und Verkauf
  271. von Gütern ihren Lebensunterhalt bestreiten. Denn die Seekrieger machen nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz
  272. der Gesamtbevölkerung der sogenannten Wikinger aus. Heute besteht das Museumsdorf Haithabu nur aus ein paar Hütten.
  273. Doch der Schein trügt. In seiner Hochzeit war Haithabu eine bedeutende Handelsmacht.
  274. Das, was heute hier unter der grünen Wiese liegt, das ist vor 1000, vor 1200 Jahren eine Metropole gewesen.
  275. In der Handelsströme zusammengeflossen sind, in der Leute gelebt haben, die wussten,
  276. wie man solche Netzwerke knüpft. Die auch verstanden haben, dass Haithabu zwischen Nord- und Ostsee
  277. verkehrsstrategisch ganz privilegiert liegt. Das ist sozusagen das Betriebskapital,
  278. das hier umgesetzt worden ist. So konnte sich Haithabu zu einem Global Player entwickeln.
  279. Zumindest auf einem Viertel der Nordhalbkugel. Haithabu ist damals nicht nur ein Handelszentrum.
  280. Hier stehen auch Schiffswerften. Und hier können sich die Besatzungen mit Proviant versorgen.
  281. Etwa mit Stock- und Klippfisch, luftgetrocknetem und gesalzenem Kabeljau.
  282. Denn der ist haltbar. Bereits vor 1200 Jahren wird in Haithabu
  283. mit dem konservierten Fisch gehandelt. Das haben Archäologen inzwischen herausgefunden.
  284. Bis zu 2000 Touristen besuchen täglich die Wikingermetropole zwischen Nord- und Ostsee.
  285. Haithabu ist eine Sehenswürdigkeit, ein Museumsbetrieb. Aber auch ein Zentrum der Wikingerforschung,
  286. in dem Fundstücke erfasst, analysiert und restauriert werden. Die Archäologen finden Indizien für Handelsgüter aus dem hohen Norden,
  287. aus dem Mittelmeerraum ebenso wie aus dem Mittleren und Fernen Osten. Fränkisches Glas, chinesische Seide oder Quecksilber aus Spanien
  288. wurden ebenso vermarktet wie orientalische Gewürze oder Sklaven. Die monumentale Wallanlage des Danewerks verbindet Haithabu
  289. mit weiteren Handelszentren auf dem Weg zur Nordsee. Plötzlich sind es die Wikinger,
  290. die ihren Reichtum gegen Überfälle schützen wollen. Das scheint nicht zum Bild der hörnerbehelmten Drachenkrieger
  291. zu passen. Sicherlich sind das wilde Krieger gewesen, die gewusst haben,
  292. wie Strategie und Taktik funktionieren. Die wussten ihre Waffen zu führen.
  293. Aber an einem Ort wie Haithabu können wir lernen, dass dieser Mythos nur ein Teil der Wahrheit ist.
  294. Hier leben risikobereite Händler, die ziemlich genau wissen, wie die Märkte am Schwarzen Meer funktionieren.
  295. Und wie die Verhältnisse der Rohstofflieferungen am Nordkap sind. Ich denke, es sind zwei Komponenten, die man zusammentun kann.
  296. Wobei immer die kriegerische ein bisschen mehr Feuer hat, als die, die sich mit dem Handelsgeschehen beschäftigt.
  297. Jahrhundertelang verbreiten sie Angst und Schrecken. In der Wahrnehmung ihrer Welt
  298. sind sie überlebensgroße Ausgeburten der Hölle. Doch hinter dem Mythos verbergen sich Krieger-Kaufleute
  299. mit klugen Strategien und guter PR. Und Hörnerhelme trugen sie übrigens nie.
  300. So wie für die Wikinger ist die Nordsee zu allen Zeiten Fluch und Segen für die Menschen an ihren Küsten gewesen.
  301. Zugleich Chance und Bedrohung. Ein Meer, das Geschichte geschrieben hat.
  302. Das Meer war immer buchstäblich im Blut der Menschen an der Nordsee. Und das ist rund um die Nordsee so.
  303. Auch im 21. Jahrhundert bietet die See immer noch Chancen. Und wir setzen diese Tradition fort.
  304. Wie auch immer wir uns in den kommenden Jahren entscheiden. Über 80 Millionen Menschen leben heute an den Ufern der Nordsee.
  305. Dazu kommen jährlich Millionen Touristen. Und jeder Gast verbringt seine Zeit mit ihr
  306. auf ganz unterschiedliche Weise. Vielfalt ist eine ihrer herausragenden Eigenschaften
  307. Beispielsweise Southend-on-sea: Ein riesiger Rummelplatz und als Highlight der längste Pier der Welt.
  308. Er erstreckt sich über zwei Kilometer in die Themsemündung. Eine spektakuläre Konstruktion erbaut vor 130 Jahren,
  309. die es ermöglicht, dass auch große Schiffe bei Ebbe anlegen können. Weiter nördlich eine Symphonie aus Segeln.
  310. Sommerimpressionen von der Mündung des Flusses Alde in die Nordsee, heutzutage ein Eldorado für Segler.
  311. Die Wikinger machten sie zu ihrem Meer. Doch in ihrer 10.000-jährigen Geschichte
  312. sind auch sie nur eine Episode. Die Nordsee "sah" den Untergang von Städten.
  313. Weltmächte zerbrachen an ihr. Anderen "half" sie, die Welt zu erobern.
  314. Die Nordsee schrieb und wird auch in Zukunft Geschichte schreiben. Sie bleibt unberechenbar, wechselhaft und mitunter tödlich.
  315. Eine gefährliche Schönheit, die immer aufs Neue fasziniert. * dramatische Musik *
  316. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020

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