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Geräuscharchiv
Ein Geräuscharchiv (auch: Klangarchiv, englisch: sound library) ist ein Archiv von gespeicherten Geräuschen und Klängen, die für die Weiterverarbeitung in …
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Aufgabe und Bezeichnungen
Ein Geräuscharchiv, auch Klangarchiv oder englisch sound library, ist eine Sammlung gespeicherter Geräusche und Klänge. Das Material kann in Filmen, Hörspielen, Computerspielen, Klanginstallationen und Musik weiterverarbeitet werden. Im Deutschen sind außerdem die Bezeichnungen sample library, Soundarchiv, Soundbibliothek und Samplebibliothek gebräuchlich.
Alle ARD-Anstalten besitzen seit den 1950er Jahren eigene Geräuscharchive als Teil ihres Schallarchivs. Bei elektronischen Musikinstrumenten oder Musikprogrammen können Geräusche und Klänge bereits als Presets integriert sein; Presets sind vorgegebene, sofort nutzbare Klangeinstellungen. Dafür wird auch der Begriff Klangbibliothek verwendet. Es gibt kommerzielle und frei zugängliche Archive im Internet.
Geräuscheffekte und ihr Abruf
In der elektronischen Musik werden Geräuscheffekte von Klängen unterschieden. Geräuscheffekte entstehen durch elektronische oder digitale Erzeugung im Sounddesign, durch Geräuschemacher oder durch Field Recordings. Field Recordings sind Aufnahmen aus realen Umgebungen beziehungsweise Soundscapes, etwa aus der Natur oder von einem Flughafen.
Sie dienen zur Vertonung und Untermalung von Filmen und Videoaufnahmen sowie als Effekte in der Musikproduktion, besonders in der elektronischen Musik. Typisch ist, dass sie meist keinen erkennbaren Grundton und keine harmonischen Obertöne besitzen. Deshalb gelten sie nicht als Klänge im musikalischen Sinn.
Geräusche werden manchmal zu Bänken zusammengefasst. Eine Bank ist eine Sammlung, deren Einträge gleichzeitig über ein MIDI-Keyboard abrufbar sind. Da die Geräusche keinen eindeutigen Grundton haben und musikalisch meist nicht zusammenpassen, lassen sie sich nicht wie ein Instrument spielen. Die Bank erleichtert vor allem den schnellen Abruf, beispielsweise bei einer Nachvertonung. Auf einem üblichen Keyboard mit 6 Oktaven und 73 Tasten können so 73 Geräusche direkt abgerufen werden.
Klänge und Mehrfachaufnahmen
Klänge stammen aus elektronischer oder digitaler Erzeugung im Sounddesign, aus Aufnahmen realer akustischer oder elektronischer Musikinstrumente oder aus Gesangsaufnahmen. Für ein Instrument werden gewöhnlich mehrere Klänge aufgenommen; dies heißt Multi-Sample.
Die Zahl der Samples pro Instrument beeinflusst Qualität und Preis einer Klangbibliothek. Möglich sind selten nur ein Sample je Instrument, ein Sample je Oktave, ein Sample je Halbton oder mehrere Samples pro Halbton bei unterschiedlicher Lautstärke. Klanglich komplexe Instrumente benötigen mehr Samples: Sonst können zum Beispiel wiedergegebene Streichinstrumente außerhalb des aufgenommenen Tonbereichs unnatürlich klingen. Auch Artikulationen werden berücksichtigt. Bei Schlagzeugaufnahmen wird etwa eine Snare drum in vielen Varianten aufgenommen, beispielsweise mit unterschiedlicher Schlagstärke und Dämpfung.
Die meisten Klänge sind nach dem Kammerton gestimmt, damit sie sich leichter in eigene Musikproduktionen einfügen. Auch diese Samples werden in Bänken angeordnet, damit Musikerinnen und Musiker die Zuordnung der Samples zu den Keyboardtasten nicht selbst vornehmen müssen.
Metadaten und Kategorien
Geräuscharchive besitzen häufig Verzeichnisse mit Metadaten. Daraus lassen sich unter anderem Länge und Aufnahmedatum einer Aufnahme entnehmen. Archive können im Internet mit Suchfunktionen verfügbar sein; Sammlungen liegen außerdem auf CDs, Schallplatten oder, bei historischen Aufnahmen, auf Tonbändern vor.
Typische Kategorien sind menschliche Körpergeräusche, besonders Schritte auf verschiedenen Materialien, Tierstimmen und Tiergeräusche, Hintergrundgeräusche oder Atmosphären, Wind- und Wettergeräusche, Fahrzeugfahrgeräusche, Maschinenklänge, Soundeffekte sowie historische Aufnahmen wie Reden von Politikern.
Genannte Beispiele
Das virtuelle Museum of Endangered Sounds besteht seit Januar 2012. Es will Geräusche von nicht mehr hergestellten Digital- und Nichtdigitalapparaten vor dem Aussterben bewahren.
Heinz Strunk, Schriftsteller, Humorist und Hörspielproduzent, verfügt nach eigenen Angaben über ein umfangreiches Geräuscharchiv mit Audiodateien, Field Recordings und Samples. Darin befinden sich zahlreiche Varianten menschlicher Körperäußerungen, darunter Blähungen und Rülpsen.