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George C. Marshall
Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program (ERP), war ein historisch bedeutendes Wirtschaftsförderungsprogramm der USA für den Wiederaufbau der …
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Bedeutung und Überblick
George Catlett Marshall, Jr. (* 31. Dezember 1880 in Uniontown, Pennsylvania; † 16. Oktober 1959 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Fünf-Sterne-General und Staatsmann. Im Zweiten Weltkrieg war er Chief of Staff of the Army, also Generalstabschef des Heeres, und koordinierte die alliierten Operationen in Europa und im Pazifik.
Nach dem Krieg wurde Marshall US-Außenminister und gilt als Schöpfer des Marshallplans. Dieser Plan hieß offiziell European Recovery Program (ERP) und war ein wichtiges Wirtschaftsförderungsprogramm der USA zum Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Für den Marshallplan erhielt Marshall 1953 den Friedensnobelpreis und 1959 den Karlspreis. Nach einer einjährigen Amtszeit als US-Verteidigungsminister zog er sich 1951 aus der Politik zurück.
Militärische Laufbahn
Marshall wuchs in einer Mittelschicht-Familie auf, absolvierte eine Ausbildung am Virginia Military Institute und trat 1902 in die US Army ein. Bis zum Ersten Weltkrieg diente er in verschiedenen Positionen in den USA und auf den Philippinen. 1907 wurde er First Lieutenant, 1916 Captain, 1917 Major, 1923 Lieutenant Colonel, 1933 Colonel und 1936 Brigadier General.
Im Ersten Weltkrieg plante Marshall Ausbildung und militärische Operationen. 1917 kam er nach Frankreich und arbeitete ab 1918 im Hauptquartier der US-amerikanischen Expeditionsstreitkräfte. Besonders wichtig war seine Beteiligung an Planung und Organisation der Meuse-Argonne-Offensive im Herbst 1918 in der Nähe von Verdun.
Nach dem Krieg wurde Marshall 1919 Adjutant von John J. Pershing. Zwischen 1920 und 1924 arbeitete er in verschiedenen Funktionen der US Army und konzentrierte sich auf Ausbildung und Lehre in moderner mechanisierter Kriegführung. Von 1924 bis 1927 war er in Tientsin in China stationiert, danach lehrte er an der Infantry School in Fort Benning, Georgia.
1939 beförderte Präsident Franklin D. Roosevelt Marshall zum 4-Sterne-General und ernannte ihn zum Chief of Staff of the Army. Dieses Amt behielt Marshall bis zum Kriegsende. Er reformierte die US Army und bereitete sie auf den Krieg vor. Außerdem schrieb er ein Dokument, das zur zentralen Strategie für alle alliierten Operationen in Europa wurde.
Marshall ernannte Dwight D. Eisenhower zum Supreme Commander Allied Expeditionary Force, also zum Oberbefehlshaber der alliierten Expeditionsstreitkräfte. Er plante die Operation Roundup, die als Vorstufe zur späteren Operation Overlord, der Invasion in der Normandie, gilt. Winston Churchill nannte Marshall den „Organisator des alliierten Sieges“. Das Time Magazine wählte ihn 1943 zum Mann des Jahres. Am 16. Dezember 1944 wurde Marshall zum 5-Sterne-General ernannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Marshall nach China entsandt, um im Chinesischen Bürgerkrieg einen Waffenstillstand auszuhandeln. Diese Mission blieb ohne Erfolg, und Marshall wurde 1947 in die USA zurückgerufen.
Diplomatische und politische Tätigkeit
Marshall war 1945 in den Ruhestand getreten, wurde aber 1947 unter Präsident Harry S. Truman Außenminister der Vereinigten Staaten. Am 5. Juni 1947 umriss er in einer Rede das European Recovery Program der US-Regierung. Ziel dieses Programms war es, zur Wiederherstellung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg beizutragen. Später wurde es als Marshallplan bekannt.
Das Time Magazine wählte Marshall 1947 zum zweiten Mal zum Mann des Jahres. 1953 erhielt er für den Marshallplan den Friedensnobelpreis.
1949 zog Marshall sich aus dem Außenministerium zurück und wurde Präsident des Amerikanischen Roten Kreuzes. 1950 wurde er zum Verteidigungsminister ernannt. Am 12. September 1951 zog er sich endgültig aus der Politik zurück. Zuvor hatte Senator Joseph McCarthy ihn in der McCarthy-Ära als Verräter und als „Helfer der Kommunisten auf ihrem Weg zur Weltherrschaft“ verdächtigt und beschimpft. Marshalls Nachfolger als Verteidigungsminister wurde Robert A. Lovett.
Marshall starb 1959 im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Washington, D.C. und wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt.
Familie und Privatleben
Marshall war der Sohn des Geschäftsmannes George Catlett Marshall. 1902 heiratete er Elizabeth, genannt Lily, Carter Coles (1875–1927). Die Ehe blieb kinderlos.
1930 heiratete Marshall in zweiter Ehe Katherine Boyce Tupper (1882–1978). Sie brachte drei Kinder aus ihrer ersten Ehe mit. Die Schauspielerin Kitty Winn ist die Tochter von Marshalls Stieftochter.
Marshall besaß Dodona Manor in Leesburg, Virginia. Das Anwesen wurde später als Marshall House bekannt und ist heute öffentlich zugänglich. Außerdem war Marshall Freimaurer in der Grand Lodge of the District of Columbia.
Ehrungen und Andenken
Marshall erhielt zahlreiche militärische und ausländische Auszeichnungen, darunter den Silver Star und das Distinguished Service Cross. Viele Gebäude, Schulen und Straßen in den USA und anderen Staaten wurden nach ihm benannt. In der Historischen Rangordnung der höchsten Offiziere der Vereinigten Staaten wird er auf dem 15. Rang geführt.
Wichtige Ehrungen waren die Congressional Gold Medal und die Mitgliedschaft in der American Philosophical Society im Jahr 1946, der Friedensnobelpreis 1953 für den Marshallplan und der Karlspreis der Stadt Aachen 1959. 1960 wurde das Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, nach ihm benannt; ungefähr um 1960 erhielt auch der Marshall-Archipel in der Antarktis seinen Namen.
In Deutschland erinnern mehrere Ehrungen an Marshall. 1950 wurde das George-C.-Marshall-Haus auf dem Gelände der Messe Berlin eröffnet. 1960 gab die Deutsche Bundespost zum ersten Todestag Marshalls eine Sonderbriefmarke heraus. 1963 wurde in Frankfurt am Main ein von Toni Stadler gestalteter Brunnen eingeweiht, im Beisein von Marshalls Witwe. 1982 erschien die Europäische Medaille „23. Europa-Taler“ zur Erinnerung an seine Verdienste um Europa.
1994 entstand in Garmisch-Partenkirchen das George C. Marshall Europäische Zentrum für Sicherheitsstudien. Das Marshall Center ist eine deutsch-amerikanische Einrichtung für Verteidigungs- und Sicherheitsstudien. Es dient der Verbesserung demokratischer Institutionen und Beziehungen, unterstützt friedliche Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen und fördert dauerhafte Partnerschaften zwischen Nationen Europas, Eurasiens und Nordamerikas.
Veröffentlichungen
Zu Marshalls Veröffentlichungen zählt „Infanterie im Kampf. Kriegserfahrung gegen Friedensirrtümer“, eine Übersetzung von „Infantry in battle“, die 1936 in Potsdam erschien. Außerdem wurden seine Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg unter dem Titel „Memoirs of My Services in the World War, 1917–1918“ veröffentlicht; die Ausgabe wurde von James L. Collins Jr. herausgegeben und erschien 1976.
Die George C. Marshall Stiftung veröffentlichte außerdem die mehrbändige Reihe „The Papers of George Catlett Marshall“. Diese Bände behandeln verschiedene Lebens- und Arbeitsphasen Marshalls von Dezember 1880 bis Januar 1947.