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Geographie der Vereinigten Staaten

Naturräumliche Gliederung ; Atlantische Küstenebene · Entlang der Atlantikküste ; Hochland der Appalachen · Landeinwärts liegt das waldreiche ; Zentrale Tiefebene …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage, Größe und Landschaftsräume
  2. 2. Klima und Wettergefahren
  3. 3. Flüsse, Seen und Küsten
  4. 4. Vegetation und menschliche Veränderungen
  5. 5. Tierwelt
  6. 6. Böden, Nutzung und Bodenschutz

Lage, Größe und Landschaftsräume

Die Vereinigten Staaten umfassen 50 Bundesstaaten. Alle außer Hawaii liegen auf dem nordamerikanischen Kontinent; die 48 zusammenhängenden Staaten und der District of Columbia bilden das Kernland. Dieses liegt zwischen 24° und 49° nördlicher Breite sowie 67° und 125° westlicher Länge und umfasst vier Zeitzonen. Alaska liegt nordwestlich von Kanada, Hawaii ist eine Inselkette im Pazifik. Die USA grenzen an Kanada und Mexiko; Alaska ist durch die Beringstraße von Russland getrennt. Die Grenze zu Kanada ist 8893 km lang, davon 2477 km zwischen Alaska und Kanada, die zu Mexiko 3326 km. Die Küstenlinie misst 19.924 km. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2500 km, die Entfernung zwischen Atlantik und Pazifik rund 4500 km.

Die Fläche der 50 Bundesstaaten einschließlich District of Columbia beträgt 9.629.101 km², darunter 9.158.960 km² Land und 470.141 km² Wasserfläche. Die USA sind damit flächenmäßig der drittgrößte Staat der Erde; bei Betrachtung nur der Landfläche der viertgrößte.

Die Landschaft ist sehr vielfältig. Zur flachen Atlantischen Küstenebene gehören große Städte, die Everglades im Süden Floridas, das drittgrößte Korallenriff der Erde und Sumpfgebiete am Golf von Mexiko. Landeinwärts folgen die waldreichen Appalachen, deren höchster Gipfel der 2040 m hohe Mount Mitchell in North Carolina ist. Sie besitzen Kohle und Eisenerze. Die Zentrale Tiefebene entlang von Mississippi und Missouri sowie das westlich anschließende Hochland gehören teilweise zu Mittlerem Westen und Great Plains; Prärien, Landwirtschaft, Industrie und Verkehr prägen sie.

Die Rocky Mountains erstrecken sich in Nord-Süd-Richtung bis nach Mexiko und sind teilweise 1500 km breit. Ihr höchster Punkt im Kernland ist Mount Elbert in Colorado mit 4396 m. Westlich liegt das abflusslose Große Becken mit Salzebenen, Großem Salzsee, Great-Basin-, Mojave- und Sonora-Wüste, Death Valley und Colorado-Plateau. Badwater im Death Valley liegt 85,5 m unter dem Meeresspiegel und ist der tiefste Punkt Nordamerikas. An der Pazifikküste liegen Kaskadenkette, Sierra Nevada und Küstengebirge. Mount Whitney in Kalifornien ist mit 4418 m der höchste Berg der zusammenhängenden 48 Staaten; Mount Rainier erreicht 4377 m. Der pazifische Nordwesten besitzt gemäßigten Regenwald und wird vor allem durch den Columbia River entwässert.

Klima und Wettergefahren

Die USA umfassen wegen ihrer Größe viele Klimazonen: überwiegend gemäßigtes Klima, tropisches Klima auf Hawaii und in Südflorida, (sub-)polares Klima in Alaska, Mittelmeerklima an Kaliforniens Küste und trockenheißes Klima im Großen Becken. Im Osten sind Klimazonen überwiegend breitenkreisparallel angeordnet; im Westen verändert das Relief das Klima stärker. Die nord-südlich verlaufenden Kordilleren halten pazifische Meeresluft vom Landesinneren fern. An ihrer Luvseite fällt viel Niederschlag, im Lee entstehen trockene Becken sowie Wüsten und Halbwüsten; auch die Great Plains liegen im Lee der Rocky Mountains.

Da Ost-West-Gebirge fehlen, können arktische Luftmassen weit nach Süden und warme, feuchte Luft vom Golf von Mexiko weit nach Norden gelangen. Dadurch sind besonders in Inneren Ebenen und Great Plains abrupte Wetter- und Temperaturwechsel häufig. Eine Trockengrenze ungefähr am 100. Längengrad trennt den eher (semi-)ariden Westen vom humiden Osten. Etwa am 40. Breitengrad lassen sich ein kalt- bis kühlgemäßigter Norden und ein warmgemäßigt-subtropischer Süden unterscheiden. Die Jahresmitteltemperatur sinkt von etwa 20 °C in Florida und im Mississippidelta auf 10 °C, stellenweise unter 5 °C, an der Nordgrenze. Die Vegetationsperiode reicht von über 300 Tagen im Süden bis unter 100 Tagen im Norden. Temperaturunterschiede von bis zu 40 Kelvin innerhalb von 24 Stunden sind möglich.

Wichtige Meeresströmungen sind Floridastrom und Golfstrom, die die südliche Atlantikküste erwärmen und befeuchten, der kalte Labradorstrom im Nordosten sowie der Kalifornienstrom, der Kaliforniens Küste Nebel, aber wenig Regen bringt. Im Winter steuern Polarfrontjetstream, Aleutentief, Islandtief sowie Nordpazifik- und Bermudahoch die Wetterlagen. Zyklonen ziehen meist ostwärts. Starke Kaltlufteinbrüche, Cold Waves oder Texas Norther, können Temperaturstürze bis 25 Kelvin, Eisregen und Blizzards verursachen. An den Großen Seen entsteht durch die Feuchte der Seen besonders viel Seeeffekt-Schnee im Snow Belt. Im Sommer führt weit ins Landesinnere vordringende maritime Tropikluft oft zu nachmittäglichen Gewittern und Hitzewellen; im Südosten gibt es durchschnittlich 60 bis 70 Gewittertage pro Jahr. Indian Summer bezeichnet eine ruhige, wolkenlose Septemberwetterlage im Norden mit warmer Tages- und starker nächtlicher Abkühlung.

Zu den Klimaextremen gehören Tornados, besonders im Mittleren Westen und in den Great Plains, wo kalte cP-Luft und warmfeuchte mT-Luft aufeinandertreffen. Hurrikane entstehen über Karibik und Westatlantik; die Saison dauert von Mai bis November und häuft sich im Spätsommer und Frühherbst. Sie können über 200 km/h erreichen und eine Sturmflut verursachen. Beim Hurrikan von Galveston 1900 ertranken 6000 Menschen; bei Hurrikan Katrina 2005 stand ein Flutberg 10 m über NN über dem Festland. Chinook ist ein warmer, trockener Fallwind im Lee der Rocky Mountains und kann Temperaturen um bis zu 20 Kelvin anheben. Trockene, warme Santa-Ana-Winde begünstigen in Kalifornien Waldbrände.

Flüsse, Seen und Küsten

Das Staatsgebiet besitzt vier Entwässerungssysteme: zum Atlantik, zum Golf von Mexiko, zum Pazifik und zum Arktischen Ozean. Das größte ist das zum Golf von Mexiko gerichtete Mississippi-Missouri-System: Sein Einzugsgebiet umfasst 3,2 Mio. km², nahezu die Hälfte des zusammenhängenden Staatsgebietes. Mississippi und Missouri erreichen zusammen 6420 km. Der Rio Grande gehört ebenfalls zu diesem System. Die Continental Divide, die kontinentale Wasserscheide zum Pazifik, verläuft im Allgemeinen in den Rocky Mountains. Wichtige Pazifikflüsse sind Columbia und Colorado; Alaska wird größtenteils durch den Yukon zum Beringmeer entwässert. Das Große Becken ist endorheisch, also abflusslos: Wasser bleibt im Becken und bildet oft salzhaltige Stillgewässer.

Im humiden Osten führen alle Flüsse ganzjährig Wasser, im Westen sind manche periodisch oder episodisch. Große Flüsse trockener Gebiete sind Fremdlingsflüsse, die in den Kordilleren entspringen. Die Abflussmenge reicht von unter 5 mm in Teilen der Great Plains und der intramontanen Gebiete bis über 2000 mm im pazifischen Nordwesten. Schneeschmelze verursacht bei Gebirgsflüssen im Frühjahr häufig Hochwasser. Die Großen Seen regulieren den Sankt-Lorenz-Strom; deshalb hat er besonders ausgeglichene Abflüsse. Durch Talsperren, Kanäle und Schleusen besteht ein durchgehender Wasserweg von den Großen Seen bis zum Golf von Mexiko. Der 1959 fertiggestellte Sankt-Lorenz-Seeweg ermöglicht Hochseeschifffahrt zu den Großen Seen. Das Wasserwegenetz misst 17.700 km, hat 192 Schleusen und transportiert 18 % des Ladungsaufkommens.

Die fünf Großen Seen entstanden durch pleistozäne Vereisung. Mit 246.480 km² bilden sie die größte zusammenhängende Süßwasserfläche der Erde; der Obere See ist nach dem Kaspischen Meer der zweitgrößte Binnensee. In trockenen westlichen Becken liegen salzige Endseen wie Großer Salzsee und Saltonsee. Über 8000 Talsperren schufen künstliche Seen. Lake Powell entstand in den 1960er Jahren durch Aufstauung des Colorado; Lake Mead enthält seit 1936 durch den Hoover Dam 35 Mrd. m³ Wasser.

An der Atlantikküste herrschen halbtägige Gezeiten, in Neuengland mit 3–3,60 m Tidenhub. Am Pazifik und überwiegend am Golf treten gemischte halbtägige Gezeiten auf. Der geringe Tidenhub im Golf begünstigt das Mississippi-Delta, das täglich mehr als 1 Mio. t Flussfracht aufschüttet. Küstengewässer werden für Fischerei, Schifffahrt, Erholung sowie die Förderung von Erdöl und Schwefel genutzt. Massentourismus, bauliche Veränderungen, Abwässer und Industrieabfälle belasten sie; die Ölunfälle Ixtoc I 1979 und Deepwater Horizon 2010 werden als katastrophale Beispiele genannt.

Vegetation und menschliche Veränderungen

Die potenzielle natürliche Vegetation beschreibt das Pflanzenkleid ohne menschliche Eingriffe. Der humide Osten ist überwiegend Waldland: Im Nordosten wachsen boreale Nadelwälder, daran schließen Mischwälder und weiter südlich artenreiche sommergrüne Laubwälder an. Im subtropischen Südosten treten Feuchtwälder, Kiefern-Eichen-Wälder, Sumpfzypressen und in Südflorida tropische immergrüne Wälder, Sümpfe und Mangroven auf.

Nach Westen folgen Grasländer. Ab etwa 95° westlicher Länge dominieren Langgrasprärien, ab 100° westlicher Länge Kurzgrasprärien. Mit sinkender Bodenfeuchtigkeit werden die Gräser niedriger: Die Langgrassteppe produziert jährlich etwa 5 t/ha, die Gemischtgrassteppe 3 t/ha und die Kurzgrasprärie 2 t/ha. Typische Pflanzen sind Big Bluestem in der Langgrasprärie sowie Büffelgras und Indianerhirse in der Kurzgrasprärie. Die westlichen Wälder sind meist Nadelwälder und auf Gebirge beschränkt. Im pazifischen Nordwesten wachsen besonders hohe, wirtschaftlich wertvolle Feucht-Nadelwälder. Riesenmammutbäume können über 120 m hoch, 11 m im Stammdurchmesser und 500 bis 3000 Jahre alt werden.

In Kalifornien prägt Chaparral, eine natürliche Vegetation aus immergrünen Hartlaubsträuchern, trockene Mittelmeergebiete. Die Pflanzen sind gegen Sommertrockenheit und Feuer angepasst; bei weniger als 500 mm Jahresniederschlag fehlen Bäume. In den intermontanen Becken bestimmen Halbwüsten und Wüsten das Bild: Nördlich von 37° nördlicher Breite ist Sagebrush-Steppe verbreitet, südlich davon Kreosotbusch-Halbwüste. In Mojave-, Sonora- und Death-Valley-Wüste kommen unter anderem Saguaro-Kakteen vor. Stark versalzte Salztonebenen sind vegetationslos.

Die reale Vegetation weicht durch Rodung, Landwirtschaft, Beweidung, Feuer und Forstwirtschaft deutlich davon ab. Laub- und Mischwälder wurden außerhalb steiler Berglagen und kleiner Restinseln fast vollständig durch Nutzflächen ersetzt. Die Langgrasprärie wurde durch Beweidung zur Gemischt- oder Kurzgrasprärie degradiert oder umgepflügt. Auch Chaparral, Steppe und Redwoodwälder in Kalifornien wurden vielfach durch bewässerte Landwirtschaft verdrängt. Wiederaufforstungen führten teils zu veränderten Sekundärwäldern; naturferne Tree Farms großer Holzfirmen prägen besonders den Nordwesten. Waldbrände bleiben wichtig, unter anderem durch Blitzschlag, Fahrlässigkeit oder Brandstiftung.

Tierwelt

Die vielfältigen Biotope der USA ermöglichen eine artenreiche Tierwelt. Prägend sind nordamerikanische Säugetiere. Das Bison (Bison bison) war zwischen Rocky Mountains und Appalachen mit rund 50 Millionen Tieren verbreitet, diente den Indianern als Hauptfleischlieferant und hielt durch Beweidung die Prärie jung. Weitere im Artikel genannte Huftiere sind Karibus, Wapitis, Elche, Gabelböcke, Dickhornschafe und Moschusochsen. Zu den Raubtieren zählen Grauwolf, Kojote, Fuchs, Schwarzbär, Grizzlybär, Kodiakbär, Eisbär, Puma, Ozelot und Luchs. Der Kodiakbär kann 1000 kg erreichen.

Viele Kleinsäuger leben in unterschiedlichen Lebensräumen, darunter Fledermäuse, Eichhörnchen, Präriehunde, Murmeltiere, Mäuse, Biber, Kaninchen und Pfeifhasen. Der Kanadische Biber wurde wegen seines Fells beinahe ausgerottet; durch Schutzmaßnahmen nimmt sein Bestand wieder zu. Vogelarten reichen von Wasservögeln, Küstenvögeln und Singvögeln bis zu Wanderfalke, Kalifornienkondor und Weißkopfseeadler. Gewässer beherbergen Fische und Schalentiere; bei den Reptilien werden Klapperschlangen, der Hechtalligator der Golfküste und die Gila-Krustenechse des Südwestens genannt.

Jagd sowie die Zerstörung von Lebensräumen und Nahrungsquellen gefährdeten zahlreiche Arten. Die Rote Liste gefährdeter Arten stieg von 751 Arten im Jahr 1996 über 987 im Jahr 2003 auf 1231 im Jahr 2010. Der Weißkopfseeadler war in den 1950er und 1960er Jahren stark bedroht und erholte sich durch Schutzmaßnahmen und Jagdverbote. Kalifornienkondore waren 1987 auf 27 Exemplare zurückgegangen; Aufzucht und Wiederauswilderung führten wieder zu knapp 200 frei lebenden Tieren.

Böden, Nutzung und Bodenschutz

Böden der USA werden vor allem durch Klima, Vegetation und Ausgangsgestein geprägt. In der feuchten Osthälfte und an der Pazifikküste dominieren pedalfere Böden, die unter humiden Bedingungen entstehen. Dazu gehören Podsole beziehungsweise Spodosole unter borealen Nadelwäldern, Braun- und Parabraunerden beziehungsweise Alfisole unter Laubwäldern sowie rote und gelbe podsolige Böden, Ultisole, unter subtropischen Wäldern. In Floridas Feuchtgebieten kommen organikreiche Moorböden, Histosole, vor. In Kalifornien sind mediterrane Braunerden, Buroseme beziehungsweise Xerolls, typisch.

In Prärien, ariden Gebirgen und intermontanen Räumen dominieren pedocale Böden. Die Langgrasprärie besitzt humusreiche Schwarzerden oder Tschernozeme; nördliche Schwarzerden enthalten im Oberboden 6–10 % Humus. In trockeneren Prärien folgen Kastanozeme. Die Trockenräume des Westens haben organikarme Aridosole; Kalkanreicherungen können die Oberfläche als Kruste versiegeln und Böden unfruchtbar machen. Auf überflutungsgefährdeten Playas entstehen salzreiche Takyre und Solontschake.

Der Mensch verändert Böden durch Rodung, Ackerbau, Pflügen, Düngung, Bewässerung, Melioration, Verdichtung und Versiegelung. Braun- und Schwarzerden wurden wegen ihres hohen Ertragspotenzials oft in Agrarflächen umgewandelt. Halbwüstenböden benötigen für gute Erträge Bewässerung, die jedoch Versalzung auslösen kann. Verlust der Bodenbiodiversität, Bodenverdichtung und Bodenversiegelung bleiben Probleme.

Fehlt die Vegetationsdecke, verstärken Wind und Wasser die Erosion. In den 1930er Jahren führten schwere Dürren und Staubstürme in den nördlichen Plains zur Dust Bowl und zerstörten Ernten. Starkregen kann Hangdenudation und Erosionsrinnen, sogenannte Gullys, verursachen; im Extremfall entstehen Badlands. Gegenmaßnahmen sind Windschutzhecken, auf dem Feld belassene Stoppeln, quer zum Hang bewirtschaftete Kulturen und Strip Farming: streifenartige Felder, bei denen bewachsene und brachliegende Bereiche einander abwechseln.

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