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Wüste
Ursache für Wüsten sind entweder fehlende Wärme (Kältewüste, Eiswüste) der polaren und subnivalen Regionen, Überweidung oder Wassermangel (Trockenwüste, …
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Begriff, Ausmaß und Klima
Eine Wüste ist ein vegetationsloses oder vegetationsarmes Gebiet der Erde und gehört zur Anökumene, also zu den kaum oder nicht dauerhaft besiedelten Räumen. Nach Jürgen Schultz bedecken ausdauernde Pflanzen in Vollwüsten meist weniger als 10 % der Fläche. Die wenigen Pflanzen stehen dabei oft als einzelne „Vegetationsinseln“ in sehr großen vegetationsfreien Bereichen. Halbwüsten haben eine Pflanzenbedeckung von 10 bis 50 %.
Wüsten entstehen durch Wassermangel, aber auch durch fehlende Wärme in polaren und subnivalen Regionen. Man unterscheidet daher Trocken- beziehungsweise Hitzewüsten sowie Kälte- und Eiswüsten. Alle Wüsten zusammen bedecken etwa ein Fünftel der Landfläche, fast 30 Millionen km², und knapp 10 % der gesamten Erdoberfläche. Mit Halbwüsten beträgt der Anteil etwa ein Drittel der Landfläche, also etwas weniger als 50 Millionen km².
Trockenwüsten können große Temperaturunterschiede aufweisen. Der quarzhaltige, luftdurchsetzte Boden leitet und speichert Wärme schlecht; Wasser speichert etwa sechsmal so viel Energie wie Sand. Bei wenig Wolken kann sich der Boden tagsüber bis etwa 70 °C erhitzen, nachts strahlt die Wärme jedoch ungehindert ab. In tropischen und subtropischen Wüsten sind Unterschiede von 50 K und mehr möglich. Durch die nächtliche Abkühlung kann bodennah der Taupunkt erreicht werden; Tautropfen ermöglichen auch in sehr trockenen Wüsten bescheidenes Leben. Temperaturwechsel fördern die physikalische Verwitterung stark, chemische Verwitterung verläuft wegen Wassermangels langsam.
Wüstenformen nach Oberfläche
Nach ihrer Oberflächenform werden Sand-, Kies-, Stein- oder Fels-, Salz- und Eiswüsten unterschieden.
Sandwüsten heißen arabisch Erg, in Teilen der westlichen Sahara und der Libyschen Wüste Edeyen. Ihre Oberfläche besteht überwiegend aus Quarzsand, der durch Bodenerosion aus Kieswüsten entstanden oder eingeweht worden ist. Obwohl sie oft mit Wüsten gleichgesetzt werden, machen sie nur etwa 20 % der Wüstenflächen der Erde und der Sahara aus. Sie können dünenlos sein oder stabile beziehungsweise wandernde Dünen besitzen. Mögliche Dünenformen sind Quer-, Längs-, Stern- und Sicheldünen. Die höchsten Sanddünen liegen in Algerien; Abu Muharek ist mit etwa 600 km die längste Düne. Die größte Sandwüste ist die Rub al-Chali in Arabien, die zweitgrößte die Taklamakan. Nur verfestigte Sandebenen sind gut befahrbar.
Kieswüsten heißen Reg in der Westsahara und Serir in der Zentralsahara. Sie entstehen durch die Erosion von Felswüsten, wenn Wind feine Teilchen ausbläst und gröbere Körner zurückbleiben, oder durch Kiesablagerungen vor Gletschern. Sie sind gut passierbar; Wagenspuren bleiben dort besonders lange sichtbar.
Stein- oder Felswüsten werden Hammada genannt. Auf meist mit Geröll bedeckten Hochflächen liegen kantige Schutt- und Felsstücke. Sie entstehen durch physikalische Verwitterung und die Auswehung feinen Materials. Sie sind mit Fahrzeugen kaum passierbar; alte Karawanenwege erkennt man unter anderem an Alamat, kleinen Steinpyramiden als Wegzeichen. Auf Gesteinen tritt häufig Wüstenlack auf.
Salzwüsten heißen unter anderem Schott, Sebkha oder Grara. Sie entstehen in ariden, abflusslosen Sedimentbecken durch starke Verdunstung. Salz stammt dabei nicht von einem alten Meer, sondern aus salzhaltigen Ablagerungen, die aus umliegenden Bergländern herangeschwemmt werden und sich in Senken ansammeln. Nach Niederschlägen können Salzseen oder Salzsümpfe aus Ton, Salz und Sand entstehen. Wegen Tümpeln und Sumpffeldern unter der Salzkruste sind solche Gebiete schwer passierbar. Der geomorphologische Typ Eiswüste entspricht klimatisch der Kältewüste.
Klimatische Entstehung
Je nach Ursache der Trockenheit gibt es fünf klimatische Wüstentypen: subtropische Wüsten, kalte Küstenwüsten, Regenschattenwüsten, Binnenwüsten und Polarwüsten.
Subtropische Wüsten, auch Passat- oder Wendekreiswüsten, liegen bis etwa 30° nördlich und südlich des Äquators. Dazu gehören große Teile der Sahara und die Kalahari. Luftmassen werden in häufigen Hochdruckgebieten zum Absinken gezwungen. Dabei erwärmen sie sich, ihre relative Luftfeuchtigkeit sinkt, und es entstehen trockene, wolkenlose Bedingungen. Ursache ist die innertropische Konvergenzzone (ITC): Über dem stark erwärmten Äquator steigt feuchte Luft auf, wird an der Tropopause nach Norden und Süden abgelenkt und regnet beim Kondensieren ab. In den Wendekreisregionen sinkt die dann feuchtigkeitsarme Luft ab; nahe dem Boden strömt sie als durch die Coriolisablenkung beeinflusster Passat wieder zum Äquator zurück.
Kalte Küstenwüsten sind eine besondere Form der subtropischen Wüste. Kaltes aufsteigendes Meerwasser kühlt die Luft ab, Feuchtigkeit kondensiert und bildet Wolken. Diese können wegen der stabilen Schichtung nicht aufsteigen; es entsteht Nebel. Gelangt die Luft an Land, erwärmt sie sich, die relative Luftfeuchtigkeit fällt stark, und die Wolken lösen sich auf. Gut entwickelte Beispiele sind Namib, Atacama sowie die Wüste an der Pazifikküste Niederkaliforniens in Mexiko.
Regenschatten- oder Reliefwüsten liegen auf der windabgewandten Seite von Gebirgen, besonders an hohen Gebirgsketten und in Beckenlagen. Feuchte Luft steigt an einem Gebirge auf, kühlt ab und regnet sich ab. Auf der anderen Seite erwärmt sich die trockene Luft beim Absinken; dort entstehen Wüsten. Die Wüste Juda ist ein typisches Beispiel.
Binnenwüsten liegen südlich der südlichen oder nördlich der nördlichen Wendekreise. Bekannte Beispiele sind Gobi, Taklamakan und Great Basin. Kontinentale Binnen- und Regenschattenwüsten werden von manchen Forschern gemeinsam als außertropische Wüsten bezeichnet.
Polarwüsten erhalten sehr wenig Niederschlag. Wasser liegt meist gefroren vor und ist daher für Pflanzen nicht verfügbar; Boden und Luft sind wegen der extremen Kälte gefroren beziehungsweise sehr trocken. Die hyperariden McMurdo-Trockentäler in der Antarktis zählen zu den trockensten Gebieten der Erde.
Übergangsformen und Leben in der Wüste
Halbwüsten erhalten 125 bis 250 mm Jahresniederschlag und sind damit etwas feuchter als Vollwüsten. Sie liegen meist als Übergangszone an deren Rand und haben weniger als 50 % Pflanzenbedeckung. Anders als in der Vollwüste sind Pflanzeninseln nicht nur an besonders begünstigte Standorte gebunden, sondern bilden ein relativ flächenhaftes Mosaik aus Bewuchs und Lücken. Halbwüsten gehen zu Dornsavannen und Strauchsteppen der tropischen und subtropischen Trockengebiete sowie zu Trocken- und Wüstensteppen der trockenen Mittelbreiten über. Steppen haben nach einer häufigen Definition mehr als 50 % Pflanzenbedeckung; in der Literatur werden Halbwüsten und Wüstensteppen dennoch oft nicht getrennt. In Halbwüsten dominieren holzige Pflanzen, in Wüstensteppen Gräser und/oder Kräuter.
Edaphische, also bodenbedingte Wüsten sind vegetationslose Flächen, deren Boden Niederschlag sehr schnell versickern lässt und kaum Wasser speichert. Die Schotterfluren des Isländischen Hochlands erscheinen trotz erheblicher Niederschlags- und Schmelzwassermengen als Wüste. Sandgeprägte Räume wie Küstendünen werden ebenfalls oft Wüste genannt. Nach den meisten Definitionen zählen sie jedoch nicht dazu, wenn Vegetationsarmut nicht aus Wassermangel folgt: Die Lençóis Maranhenses erhalten beispielsweise etwa 2000 Millimeter Jahresniederschlag.
Nur etwa ein Viertel aller Wüstenflächen ist bewachsen. Typische Pflanzen sind Xerophyten, die an Trockenheit angepasst sind, und Halophyten, die Salz vertragen. Dazu zählen Sträucher, Gräser und tiefwurzelnde Bäume wie Akazien in der Kalahari. Pflanzen können Wasser sparen, Wasser speichern, unterirdisch überdauern oder einen kurzen Lebenszyklus besitzen. Seltene Niederschläge sind meist heftig; danach können kurzlebige, farbenprächtige Wüstenpflanzen wachsen und ein überraschend reiches Tierleben ermöglichen. In der Nebelzone der Namib kann Arthraerua leubnitziae die Luftfeuchtigkeit der Nebelschwaden nutzen und auch lange Dürren überstehen.
In Wüsten leben unter anderem Säugetiere, Reptilien und besonders anpassungsfähige Gliederfüßer wie Insekten und Skorpione. In der Gobi kommen Kropfgazelle, Steppeniltis, gelegentlich Schneeleoparden und Wölfe vor. Tiere heißer Sandwüsten besitzen oft Anpassungen an die hohe Bodentemperatur: Tagsüber laufende Insekten haben häufig lange Stelzbeine, weil es schon wenige Zentimeter über dem Sand kühler ist. Auch die langen Beine der Kamele könnten vor Abstrahlungshitze schützen.
Verwüstung und große Wüsten
Die Entstehung neuer und die Ausbreitung vorhandener Wüsten wird meist durch Menschen verursacht und heißt Desertifikation. Ursachen sind Überweidung, unangepasster Ackerbau und Entwaldung. Natürliche Ursachen sind Dürreperioden, die Ausbreitung von Sanddünen und das Ausfransen von Wüstenrändern. Ausblasung durch Wind, Abschwemmung durch Wasser, Versalzung und Skelettierung fördern die Verwüstung. Die UNCCD arbeitet gegen die weitere Ausbreitung der Wüsten; 2006 war das Internationale Jahr der Wüsten und Wüstenbildung.
Die größten genannten Wüsten sind Antarktis mit 13.200.000 km², Sahara mit 8.700.000 km², Gobi mit 2.300.000 km² und Grönland mit 2.160.000 km². Es folgen Arabische Wüsten mit 1.855.000 km², Australische Wüsten mit 1.371.000 km², Kalahari mit 900.000 km², Taklamakan mit 330.000 km², Sonora mit 320.000 km² sowie Karakum und Tharr und Cholistan mit jeweils 273.000 km². Die mit Abstand größten Wüsten sind damit Antarktis, Sahara, Gobi und Grönland.
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