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Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen
Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen (GeR) ist eine umfangreiche Empfehlung für den Sprachunterricht. Ergänzt und aktualisiert wurde er …
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Grundidee und Zielsetzung
Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen (GeR) ist eine umfangreiche Empfehlung für den Sprachunterricht. Er beschreibt und vergleicht Sprachkompetenzen unabhängig von einer bestimmten Sprache oder einem bestimmten Bildungssystem. Sein sprachpolitisches Ziel ist, Mehrsprachigkeit und individuelle Vielsprachigkeit zu fördern und dadurch die internationale Zusammenarbeit im Bereich der modernen Sprachen zu stärken.
Der GeR unterscheidet drei übergeordnete Bereiche: A steht für elementare, B für selbstständige und C für kompetente Sprachverwendung. Jeder Bereich ist in zwei Niveaustufen unterteilt, sodass insgesamt sechs Stufen entstehen: A1, A2, B1, B2, C1 und C2. Für jedes Niveau werden die Fertigkeiten Leseverständnis, Hörverständnis, Schreiben und Sprechen berücksichtigt.
Die Stufen werden durch positiv formulierte, empirisch validierte Kann-Beschreibungen erklärt. Sie zeigen, was Lernende auf einer bestimmten Stufe sprachlich leisten können. C2 ist dabei nicht als muttersprachliche Kompetenz definiert, sondern als ein bestimmter Grad an Präzision, Angemessenheit und Leichtigkeit im Umgang mit der Sprache. Die gebräuchlichen Abkürzungen sind GeR, GER, GeRS und GERS; in anderen Sprachen heißen die Rahmenwerke CECRL beziehungsweise CEFR oder CEFRL.
Entstehung und Aufbau
Der GeR wurde in den 1990er Jahren vom Europarat erarbeitet und 2001 erstmals veröffentlicht. Die Idee, Sprachkompetenzen länderübergreifend in Stufen einzuteilen, wurde im November 1991 bei einem intergouvernementalen Symposium in Rüschlikon in der Schweiz diskutiert. Das Symposium trug den Titel „Transparenz und Kohärenz im Sprachenlernen in Europa: Ziele, Evaluation, Zertifizierung“.
Ausgangspunkt waren die zunehmende Mobilität, die Notwendigkeit effektiverer internationaler Kommunikation und der Wunsch nach besserer Vergleichbarkeit zwischen den europäischen Mitgliedstaaten. Der gemeinsame Rahmen sollte unterschiedliche Bildungssysteme berücksichtigen, die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen fördern und die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen auf eine solide Grundlage stellen.
Im Europäischen Jahr der Sprachen 2001 wurde die deutsche Übersetzung gemeinsam mit dem englischen Original am erstmals ausgerufenen Europäischen Tag der Sprachen in Lund/Schweden vorgestellt. Die deutsche Ausgabe entstand im Auftrag des Goethe-Instituts zusammen mit Institutionen aus Österreich, darunter dem Bildungsministerium und dem ÖSD, sowie der Schweizer EDK.
2020 erschien der Begleitband zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen. Er zitiert zentrale Passagen des GeR von 2001, präzisiert und erläutert sie und ersetzt beziehungsweise ergänzt die früheren Deskriptoren. Besonders die Skalen für A1 und die C-Stufen wurden aktualisiert. Viele Skalen enthalten zusätzlich Beschreibungen für die neue Stufe Vor-A1. Außerdem berücksichtigt der Begleitband Entwicklungen seit 2001, etwa Online-Kommunikation, Gebärdensprache und literarische Rezeption. Neue Skalen betreffen unter anderem die Vermittlung von Texten und Konzepten.
Der Referenzrahmen dient als gemeinsame Grundlage für zielsprachliche Lehrpläne, curriculare Richtlinien, Lehrwerke und Qualifikationsnachweise. Sein handlungs- und aufgabenorientierter Ansatz betrachtet Lernende als Personen, die in sozialen Zusammenhängen sprachlich handeln.
Die sechs Kompetenzniveaus
Die sechs Niveaus entsprechen grob einer Grund-, Mittel- und Oberstufe der Sprachbeherrschung:
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A1, Anfänger: Lernende verstehen und verwenden vertraute, alltägliche Ausdrücke und sehr einfache Sätze für konkrete Bedürfnisse. Sie können sich und andere vorstellen, einfache persönliche Fragen stellen und beantworten und sich verständigen, wenn Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen sowie helfen.
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A2, grundlegende Kenntnisse: Lernende verstehen Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke zu unmittelbar wichtigen Bereichen wie Person und Familie, Einkaufen, Arbeit und näherer Umgebung. Sie können sich in einfachen routinemäßigen Situationen verständigen und mit einfachen Mitteln Herkunft, Ausbildung, direkte Umgebung und unmittelbare Bedürfnisse beschreiben.
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B1, fortgeschrittene Sprachverwendung: Lernende verstehen die Hauptpunkte klarer Standardsprache zu vertrauten Themen aus Arbeit, Schule und Freizeit. Sie können die meisten Situationen auf Reisen im Sprachgebiet bewältigen, sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen äußern, über Erfahrungen und Ereignisse berichten sowie Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben. Zu Plänen und Ansichten können sie kurze Begründungen oder Erklärungen geben.
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B2, selbstständige Sprachverwendung: Lernende verstehen die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen und in ihrem eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Sie können sich so spontan und fließend verständigen, dass normale Gespräche mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten möglich sind. Außerdem können sie sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, Standpunkte erläutern sowie Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.
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C1, fachkundige Sprachkenntnisse: Lernende verstehen ein breites Spektrum anspruchsvoller und längerer Texte einschließlich impliziter Bedeutungen. Sie drücken sich spontan und fließend aus, ohne häufig nach Wörtern suchen zu müssen. Die Sprache kann im gesellschaftlichen und beruflichen Leben sowie in Ausbildung und Studium wirksam und flexibel eingesetzt werden. Komplexe Sachverhalte können klar, strukturiert und ausführlich dargestellt werden.
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C2, annähernd muttersprachliche Kenntnisse: Lernende verstehen praktisch alles, was sie lesen oder hören, mühelos. Sie können Informationen aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen und Begründungen sowie Erklärungen zusammenhängend wiedergeben. Auch bei komplexen Sachverhalten können sie sich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen.
Sprachprüfungen und Zuordnungen
Sprachprüfungen werden auf die GeR-Niveaus geeicht, unter anderem von Testanbietern der Association of Language Testers in Europe (ALTE). Die Zuordnung ermöglicht, Ergebnisse verschiedener Prüfungen und Sprachen vergleichbar zu machen, ist aber je nach Prüfung unterschiedlich gestaltet.
Für Deutsch nennt der Artikel Prüfungen und Zertifikate des Goethe-Instituts, des Österreichischen Sprachdiploms Deutsch (ÖSD), von telc, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) deutscher Universitäten und TestDaF. In der Tabelle werden beispielsweise DSH-1 dem B2-Bereich, DSH-2 dem C1-Bereich und DSH-3 dem C2-Bereich zugeordnet. TestDaF reicht von TDN 3–TDN 4 im B2-Bereich bis TDN 4–TDN 5 im C1-Bereich. Beim WiDaF reichen die angegebenen Punktbereiche von 0–246 für A2 bis 898–990 für C2. Das ÖSD und das Goethe-Institut bieten Prüfungen von A1 bis C2 an; beim Goethe-Institut gehören dazu unter anderem Start Deutsch 1, Start Deutsch 2, Fit in Deutsch 1 und 2, das Goethe-Zertifikat sowie das Große Deutsche Sprachdiplom (GDS).
Für Englisch werden unter anderem EF SET, City and Guilds, Cambridge-Prüfungen, IELTS, PTE, TOEIC, Versant und TOEFL aufgeführt. Beim EF SET entsprechen 1–30 von 100 A1, 31–40 A2, 41–50 B1, 51–60 B2, 61–70 C1 und 71–100 C2. TOEFL iBT wird mit 42–71 Punkten für B1, 72–94 für B2 und 95–120 für C1 angegeben. IELTS nennt 4.0–5.0 für B1, 5.0–6.5 für B2, 7.0–8.0 für C1 und 8.0–9.0 für C2; die Tabelle markiert 5 als Grenze zwischen B1 und B2 sowie 8 als Grenze zwischen C1 und C2. PTE Academic weist die Werte 30, 43, 59, 76 und 85 den Stufen A2 bis C2 zu.
Weitere aufgeführte Zuordnungen betreffen Baskisch, Chinesisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Katalanisch, Niederländisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch und Walisisch. Beispiele sind HSK beziehungsweise TOCFL für Chinesisch, DELF und DALF für Französisch, DELE für Spanisch, TORFL für Russisch und Swedex für Schwedisch. Für Japanisch ist laut Artikel keine klare Zuordnung des Japanese-Language Proficiency Test (JLPT) möglich.
Anwendung und Bedeutung in verschiedenen Staaten
Der GeR wird unter anderem im Europäischen Sprachenportfolio zur Selbstevaluation, in Profile deutsch zur Definition deutscher Sprachniveaus und im DIALANG-System zum Selbsttest in 14 europäischen Sprachen verwendet. In Deutschland wird das erreichte Fremdsprachenniveau auf dem Abiturzeugnis ausgewiesen, wenn in den letzten beiden Schulhalbjahren der Qualifikationsphase durchschnittlich mindestens 5 Punkte erreicht wurden. Schülerinnen und Schüler berufsbildender Schulen können freiwillig eine Fremdsprachenprüfung ablegen und dadurch das KMK-Fremdsprachenzertifikat für berufsbezogene Kompetenzen auf den Niveaus A2 bis C1 erwerben.
In deutschen Auslandsschulen werden GeR-Niveaus ebenfalls dokumentiert. Deutsch und eine als Erstsprache unterrichtete Landessprache werden jedoch nicht als Fremdsprachen mit einem GeR-Niveau ausgewiesen. Im Reifezeugnis wird stattdessen vermerkt, dass diese Sprachen als Erstsprachen unterrichtet wurden und die erworbenen sowie geprüften Kompetenzen solche auf dem Niveau C2 einschließen. Die berufsbezogene Deutschsprachförderung beruht auf den Stufen A1 bis C2 (§ 12, § 13 und § 15 DeuFöV). Das Ziel des Integrationskurses ist gesetzlich das Niveau B1 (§ 3 IntV); der Jugendintegrationskurs führt über A1 und A2 zu B1. Für den Familiennachzug ist für viele Staatsangehörige ein Nachweis einfacher Deutschkenntnisse auf A1 erforderlich. Auch Au-pairs müssen für die Einreise Grundkenntnisse auf A1 nachweisen.
In Österreich müssen Familienangehörige beim erstmaligen Antrag auf einen Aufenthaltstitel meist A1 nachweisen, etwa durch das ÖSD Zertifikat A1. Der Integrationskurs zielt mit Modul 1 auf A2. B1 mit Modul 2 ist optional, aber Voraussetzung für den Daueraufenthalt – EU und grundsätzlich auch für die Staatsbürgerschaft. Integrationsprüfungen beim ÖIF bestätigen A2 oder B1. Lehrkräfte benötigen Deutsch als Erstsprache oder C1. Für österreichische Universitäten werden in der Regel B2- oder C1-Nachweise verlangt.
In der Schweiz zählt der Nachweis von Sprachkompetenzen zu den Integrationskriterien und kann die Erteilung einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung beeinflussen. An einzelnen Hochschulen ist eine Sprachprüfung Voraussetzung für die Immatrikulation. In Frankreich galt bis zum 31. Dezember 2025 für die sprachlichen Mindestvoraussetzungen der Staatsbürgerschaft B1; seit dem 1. Januar 2026 ist B2 erforderlich, zusätzlich zu einem digitalen Bürgerkundetest. Auch außerhalb Europas wird der GeR angenommen, beispielsweise in Ägypten, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea und auf den Philippinen.
Zu den Vorteilen gehören europaweit gültige Sprachzertifikate, flächendeckende Prüfungszentren, besser vergleichbare Lernerfolge trotz unterschiedlicher Bildungssysteme und eine realistischere Selbsteinschätzung. Unterrichtsinhalte und Qualifikationen werden transparenter. Verstehen, Sprechen und Schreiben stehen als Grundfertigkeiten im Mittelpunkt; außerdem können Werte, soziale Konventionen und Lebensbedingungen stärker berücksichtigt werden. Berufliche Kommunikation kann Lernende bei der Karriereplanung unterstützen.