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Geldtheorie

Tauschmittelfunktion: Geld dient als Tauschmittel. · Maß der Werte (Recheneinheit und Preisausdrucksmittel): Geld drückt den Preis der Waren aus; damit können …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Geldfunktionen und Geldwirtschaft
  3. 3. Geldmarkt, Angebot und Nachfrage
  4. 4. Geld im Wirtschaftsprozess
  5. 5. Wichtige historische Theorien
  6. 6. Neuere Ansätze

Grundidee und Bedeutung

Geldtheorie bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre eine Vielzahl von Theorien, die Geld, Geldfunktionen, geldwirtschaftliche Größen und Geldströme zwischen Geldwirtschaft und Güterwirtschaft untersuchen. Sie fragt, welche Rolle Geld, Kredit und Zins im Wirtschaftsablauf spielen und wie Finanzmärkte, besonders der Geldmarkt, funktionieren. Auf dem Geldmarkt bestimmen Geldangebot und Geldnachfrage die Geldmenge.

Zentrales Erkenntnisobjekt ist Geld. Darunter wird alles verstanden, was in einer Volkswirtschaft als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Man unterscheidet Bargeld, also Banknoten und Münzen als gesetzliche Zahlungsmittel, und Buchgeld in Form von Bankguthaben auf Girokonten. Weil Geld und Liquidität eng zusammenhängen, gilt die Liquiditätstheorie als ergänzende Theorie zur Geldtheorie.

Zu den monetären Theorien zählen neben der Geldtheorie auch die monetäre Außenwirtschaftstheorie, die Geldeffekte im Zusammenhang mit Devisenmärkten behandelt. Außerdem beeinflussen Inflationstheorie, Zinstheorie und Theorie der Geldpolitik die Geldtheorien.

Geldfunktionen und Geldwirtschaft

Geld wird heute vor allem über seine Funktionen bestimmt: Alles, was Geldfunktionen ausübt, ist Geld. Die wichtigsten Funktionen sind Tauschmittel, Rechenmittel und Wertaufbewahrungsmittel.

Als Tauschmittel erleichtert Geld den Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Ohne Geld müssten passende Tauschpartner gefunden und Werte einzelner Gegenleistungen mühsam verglichen werden. Als Maß der Werte oder Recheneinheit drückt Geld Preise aus. Dadurch lassen sich Güter und Dienstleistungen einfacher vergleichen. Bei vier Gütern, von denen eines als Geld dient, gibt es genau drei Geldpreise; ohne Geld als allgemeines Wertmaß gäbe es 6 Preisverhältnisse. Als Wertaufbewahrungsmittel erhält Geld die Kaufkraft seines Besitzers über eine gewisse Zeit. Neben Geld können in modernen Volkswirtschaften auch andere Vermögensformen der Wertaufbewahrung dienen, etwa Gold, Maschinen, Rentenpapiere, Aktien, Investmentzertifikate oder Versicherungsansprüche.

Die Geldfunktionen verursachen Geldnachfrage. Die Nachfrage nach Geld als Tauschmittel hängt vor allem vom geplanten Tauschvolumen und von den Zinsen ab, auf die man verzichtet, wenn man Geld statt zinstragender Anlagen hält. Die Nachfrage nach Geld als Wertaufbewahrungsmittel hängt unter anderem vom Vermögen, von alternativen Zinserträgen und vom Risiko der Geldentwertung ab. Wenn ein offizielles Zahlungsmittel wegen schneller Geldentwertung, also Hyperinflation, seine Geldfunktionen verliert, können reale Güter oder Fremdwährungen diese Funktionen übernehmen. Das nennt man Währungssubstitution.

Die Geldwirtschaft ist die monetäre Seite der Güterwirtschaft. Dem Güterstrom zu den Verbrauchern steht ein Geldstrom zu Händlern oder Herstellern gegenüber. Weil Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge von Unternehmen nicht immer zeitlich zusammenfallen, übernehmen Kreditinstitute als Finanzintermediäre durch Kreditvergabe die Liquiditätsversorgung. Zur Geldwirtschaft gehört auch der Zahlungsverkehr.

Geldmarkt, Angebot und Nachfrage

Die wichtigste Bestandsgröße auf dem Geldmarkt ist die Geldmenge. Sie wird als volkswirtschaftliche Kennzahl in den Aggregaten M, M1, M2 und M3 erfasst. Gemeint ist der Geldbestand einer Volkswirtschaft mit bestimmter Bindungsdauer, der sich in Händen von Nichtbanken befindet. Für die Geldpolitik ist die Geldmenge besonders wichtig, vor allem für Zinspolitik und Inflationsbekämpfung. Inflation entsteht, wenn das Geldangebot das Güterangebot übersteigt; umgekehrt liegt Deflation vor.

Geld wird von Zentralbanken und Geschäftsbanken angeboten beziehungsweise produziert. Das Geldangebot setzt sich aus der aktiven und passiven Geldschöpfung der Zentralbank sowie der aktiven Geldschöpfung der Geschäftsbanken zusammen. Wichtig ist der Geldschöpfungsmultiplikator: Er beschreibt die Vermehrung von Buchgeld, also eine Erhöhung des Geldangebots, die durch die Mindestreserve der Zentralbank begrenzt werden kann. Nicht jede Kreditgewährung erhöht automatisch die Geldmenge; entscheidend sind die Zahlungsströme.

Geldnachfrage bedeutet, dass Wirtschaftssubjekte eine bestimmte Geldsumme als Kasse halten wollen. Kassenhaltung schafft Liquidität, also Zahlungsbereitschaft, bringt aber keinen Zinsertrag. Dadurch entstehen Opportunitätskosten, weil eine alternative Anlage Kapitalertrag bringen könnte. Zur Geldnachfrage gehören auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und deren Kehrwert, die Kassenhaltungsdauer.

Geld im Wirtschaftsprozess

Geldpolitik wirkt über einen Transmissionsmechanismus auf die Wirtschaft. Der von Keynes entwickelte kredittheoretische Ansatz betont die Liquiditätskomponente: Mehr Bankenliquidität senkt Zinssätze und Finanzierungskosten und beeinflusst dadurch reale Investitionen. Der Monetarismus ergänzt eine Vermögenskomponente: Änderungen des Geldangebots verändern relative Marktpreise und lösen Substitutionen auf Märkten aus. Zuerst steigt die Nachfrage auf Finanzmärkten, danach reagieren Güter- und Immobilienmärkte.

Geld zirkuliert, abgesehen von Hortung, unablässig. Ist die Geldmenge zu gering, können gewünschte Güterumsätze gehemmt oder verhindert werden. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes misst, wie oft eine Geldeinheit in einem bestimmten Zeitraum für Transaktionen verwendet wird. Sie ist der Kehrwert des Kassenhaltungskoeffizienten, also der durchschnittlichen Haltedauer des Geldes.

Empirisch ist für mittlere und lange Frist eine hohe positive Korrelation zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der Inflationsrate gut belegt. Sehr hohe Inflationsraten, sogenannte Hyperinflationen, wurden stets durch eine starke Ausweitung der Geldmenge bei stagnierender oder sinkender Gütermenge hervorgerufen, oft begleitet von Währungssubstitution. Bei niedrigen Inflationsraten unter 10 Prozent pro Jahr ist umstritten, ob die Geldmengenausweitung Ursache oder Folge der Inflation ist.

Wichtige historische Theorien

Geldtheorien reichen bis in die Antike zurück. Platon vertrat geldpolitische Ideen, nach denen der Geldwert nicht von der stofflichen Substanz abhängig ist; Schumpeter nannte dies Chartal-Theorie. Aristoteles stand dem entgegengesetzt; diese Richtung heißt Metallismus oder metallistische Theorie. Im Mittelalter wurde darüber gestritten, ob Geld dem Herrscher oder der Allgemeinheit gehöre und wer seinen Wert bestimmen dürfe. Nikolaus von Oresme vertrat um 1358 im Tractatus de mutatione monetarum besonders deutlich die Auffassung, dass Geldwert nicht beliebig vom Herrscher verändert werden solle.

Frühe wissenschaftliche Ansätze stammen von Martin de Azpilcueta, der 1556 den Zusammenhang zwischen Edelmetallimporten und Preissteigerung beschrieb. Jean Bodin erkannte 1568, dass Geldentwertung mit dem Verhältnis von Geldmenge zu Gütermenge zusammenhängt. Später untersuchten John Locke, William Petty, David Hume und Richard Cantillon unter anderem Umlaufgeschwindigkeit, Geldqualität und die Trennung von Güter- und Geldsektor.

In der klassischen Geldtheorie sah die Currency-Theorie, vertreten etwa durch Henry Thornton und David Ricardo, das Geldangebot als exogen an: Die Zentralbank bestimmt die Geldmenge. Ricardo nahm an, dass eine Veränderung der Geldmenge zu einer proportionalen Preisänderung führt. Daraus entstand die klassische Quantitätstheorie: Eine Veränderung der umlaufenden Geldmenge wirkt direkt proportional auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau, während das reale gesamtwirtschaftliche Einkommen unabhängig von der Geldmenge bleibt. Die Banking-Theorie, vertreten durch Thomas Tooke und John Fullarton, ging dagegen davon aus, dass die Geldnachfrage ein entsprechendes Geldangebot schafft und Geld somit endogen auf dem Geldmarkt entsteht.

Weitere wichtige Gegensätze sind Metallismus und Nominalismus. Der Metallismus erklärt den Geldwert aus dem Metallwert der Münzen beziehungsweise der Deckung von Banknoten. Der Nominalismus erklärt den Geldwert aus staatlicher Autorisation und dem Nennwert von Münzen und Banknoten; als Begründer gilt Georg Friedrich Knapp. Karl Marx entwickelte keine geschlossene Geldtheorie, sah Geld aber als strukturell notwendig für Gesellschaften, in denen Arbeitsprodukte Warenform annehmen. Geld sei bei ihm endogen und nicht neutral; der Geldumlauf werde durch den Warenumlauf bestimmt. Die Einordnung seiner Geldtheorie ist umstritten.

Neuere Ansätze

In der Neoklassik versuchte Léon Walras 1886, Geldtheorie in die allgemeine Gleichgewichtstheorie einzubauen. Geld dient bei ihm dazu, den Zeitraum zwischen Einkommen und Güternachfrage zu überbrücken. Die Österreichische Schule lieferte weitere Beiträge: Carl Menger unterschied 1909 zwischen Transaktionskasse für Güternachfrage und Spekulationskasse als Liquiditätsreserve. Ludwig von Mises integrierte 1912 Geld in die Grenznutzentheorie. Die Cambridge-Schule um Alfred Marshall und Arthur Pigou deutete Geldhaltung als rationale Wahlhandlung, bei der Opportunitätskosten und Präferenzen wichtig sind.

Der Keynesianismus erklärt Geldnachfrage mit der Liquiditätspräferenztheorie. Nach John Maynard Keynes hängt Geldnachfrage aus dem Transaktionsmotiv von der realen Einkommenshöhe ab; die aus dem Vorsichtsmotiv entstehende Nachfrage hängt von Einkommen und Zins ab; die aus dem Spekulationsmotiv entstehende Geldhaltung wird allein vom Zins bestimmt. John Richard Hicks entwickelte daraus 1937 das IS-LM-Modell, das als Neoklassische Synthese die Makroökonomie stark beeinflusste. Ein Problem war, dass Inflationserwartungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Der Monetarismus, vertreten durch Milton Friedman, Karl Brunner und Allan Meltzer, gilt als Gegenkonzept zum nachfrageorientierten Keynesianismus. Friedman machte 1963 die Geldmenge zur zentralen Stellgröße der Geldpolitik. Zu starkes Geldmengenwachstum führe zu Inflation, zu schwaches zu Deflation; es solle sich am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts orientieren. 1974 ging die Deutsche Bundesbank als erste Zentralbank der Welt zu einer monetaristischen Geldmengensteuerung über; auch die Europäische Zentralbank operiert monetaristisch.

Die Liquiditätstheorie des Geldes wird als neuere Geldtheorie bezeichnet. Sie kritisiert eine rein monetaristische Sicht als zu eng, weil Konsumausgaben und Preisniveau durch Liquidität beeinflusst werden, von der die Geldmenge nur ein Teil ist. Günter Schmölders war in Deutschland ein wichtiger Vertreter. Die Neue Klassische Makroökonomik mit Robert E. Lucas, Thomas Sargent und Neil Wallace beruht auf rationalen Erwartungen und behauptet, vorhersehbare systematische Geldpolitik habe keine realwirtschaftlichen Wirkungen, sondern beeinflusse nur die Inflationsrate. Diese starke Aussage ließ sich nicht halten, weil reale Märkte nicht so flexibel und vollkommen sind wie angenommen.

Die neukeynesianische Geldtheorie verbindet methodische Fortschritte von Monetarismus und Neuklassik mit Marktunvollkommenheiten wie rigiden Preisen, unvollkommenem Wettbewerb und asymmetrischer Information. Dadurch kann Geldpolitik realwirtschaftliche Wirkungen haben. Diese Theorie bildet die Grundlage moderner kurz- bis mittelfristiger geldtheoretischer Analyse und erklärt den geldpolitischen Transmissionsprozess, also die Übertragung geldpolitischer Maßnahmen auf die Gesamtwirtschaft.

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