Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Geldfunktion
Geldfunktionen sind in der Volkswirtschaftslehre und speziell in der Geldtheorie Merkmale, die ein Vermögenswert erfüllen muss, um als Geld eingestuft …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Kernfunktionen
Geldfunktionen sind Merkmale, die ein Vermögenswert erfüllen muss, um in der Volkswirtschaftslehre als Geld zu gelten. Der Geldbegriff wird deshalb über seine Funktionen bestimmt: Alles, was Geldfunktionen ausübt, ist Geld.
Die drei primären, also grundlegenden Geldfunktionen sind:
• Tausch- und Zahlungsmittelfunktion: Geld vermittelt den Austausch von Waren und Dienstleistungen und dient auch der Kreditgewährung und Schuldentilgung.
• Wertmesser- und Recheneinheitsfunktion: Preise werden in Geld angegeben. Geld macht dadurch unterschiedliche wirtschaftliche Werte vergleichbar.
• Wertaufbewahrungsfunktion: Geld kann aufbewahrt und später zum Erwerb von Gütern oder Dienstleistungen eingesetzt werden.
Geld ist ein abstrakter Wertmaßstab, weil es in zweckmäßige Recheneinheiten zerlegt ist. Sekundäre Geldfunktionen leiten sich aus den primären Funktionen ab. Dazu zählen leichte Handhabbarkeit, gute Transportierbarkeit, Preisstabilität und hohe Fungibilität. Fungibilität bedeutet, dass einzelne Einheiten gleicher Art untereinander austauschbar sind. Auch die breite Akzeptanz ist wichtig: Je größer das Netzwerk der Menschen ist, die ein Geld verwenden, desto höher ist sein Nutzen für alle Beteiligten. Dies wird als Netzwerkeffekt bezeichnet.
Geld als Zahlungsmittel
Ein Zahlungsmittel ist ein Medium, mit dem Tauschvorgänge durchgeführt werden. Beim direkten Tausch wird ein Gut unmittelbar gegen ein anderes Gut getauscht, beispielsweise Arbeit gegen Brot oder Brot gegen Kleidung. Beim indirekten Tausch wird zunächst ein Gut gegen Geld und anschließend das Geld gegen ein anderes Gut getauscht.
Ohne allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel muss eine doppelte Übereinstimmung der Tauschwünsche vorliegen: Jede beteiligte Person muss genau das anbieten, was die andere sucht, und zugleich das benötigen, was diese anbietet. Geld verringert dieses Problem, weil nur noch eine einfache Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage sowie eine Einigung über den Preis erforderlich sind.
Das zeigt das Beispiel eines Bauern und eines Handwerkers: Der Bauer möchte Getreide verkaufen und Werkzeuge erwerben. Der Handwerker bietet Werkzeuge an, möchte dafür aber Fleisch. Ohne Geld können beide nicht unmittelbar handeln. Mit Geld verkauft der Bauer sein Getreide an einen Dritten und bezahlt damit das Werkzeug. Der Handwerker kann das erhaltene Geld wiederum bei einer vierten Person für Fleisch ausgeben. Geld trennt damit Verkauf und Kauf zeitlich und zwischen unterschiedlichen Handelspartnern.
Wertmaßstab und Recheneinheit
Als Wertmaßstab ermöglicht Geld den Vergleich von Lohnarbeit, Waren und Dienstleistungen. Der Wert einer Geldeinheit wird als Kaufkraft bezeichnet. Sie gibt an, welche Menge an Gütern und Dienstleistungen mit dieser Einheit erworben werden kann. Die Geldmenge, die eine Person besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den sie beim Ausgeben erwerben kann.
Werden alle Preise einer Volkswirtschaft in Geldeinheiten (GE) ausgedrückt, sinkt die Zahl der benötigten Austauschverhältnisse erheblich. Bei n Gütern gibt es ohne allgemeinen Wertmaßstab ½·(n² − n) paarweise Wertverhältnisse oder relative Preise. In einer Wirtschaft mit 1 Million Gütern wären das etwa 500 Milliarden relative Preise. Ein mögliches Verhältnis wäre etwa: 1 h Arbeit = 5 Brote = 1 Hose.
Mit Geld als gemeinsamem Wertmaß sind nur noch n Austauschverhältnisse erforderlich, beispielsweise 1 h Arbeit = 5 GE = 5 Brote. Dadurch lassen sich Preise wesentlich leichter vergleichen. Zugleich bildet Geld die Grundlage wirtschaftlicher Rechnungen, etwa der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und des öffentlichen Haushalts. Bestandsgrößen und Stromgrößen werden dabei in Geld angegeben. Die Angabe des Werts von Gütern und Dienstleistungen in einer bestimmten Geldeinheit heißt Denomination.
Wertaufbewahrung und ihre Grenzen
Geld dient einzelnen Wirtschaftsteilnehmern als Wertaufbewahrungsmittel, wenn sein bloßes Halten keine Kosten verursacht und es seinen Wert ausreichend bewahrt. Ein Gegenwert kann dann gespeichert und später an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit gegen Waren oder Dienstleistungen eingelöst werden. Deshalb wurden als Geld häufig unverderbliche Güter wie Gold oder Diamanten verwendet.
Der Geldwert kann jedoch schwanken. Bei Hyperinflation kann Geld seine Wertaufbewahrungsfunktion verlieren. Geldanlagen besitzen einen hohen Liquiditätsgrad, sind also besonders leicht für Zahlungen verfügbar, stehen aber in Konkurrenz zu anderen Vermögensarten wie Effekten und Sachgütern.
Der Artikel unterscheidet außerdem zwischen der Sicht einzelner Wirtschaftsteilnehmer und der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung. Heutiges Geld werde ausschließlich kreditär, also durch Kreditbeziehungen, geschaffen und bilde deshalb zugleich eine Forderung und eine gleich hohe Verbindlichkeit. Der Gläubiger verbucht die Forderung auf der Aktivseite seiner Bilanz, der Schuldner die Verbindlichkeit auf der Passivseite. Zentralbankgeld ist eine Forderung einer Nichtbank oder Geschäftsbank an die Zentralbank und zugleich eine Verbindlichkeit der Zentralbank. Sichteinlagen sind Forderungen an eine Geschäftsbank und deren Verbindlichkeiten. Einer Banknote, die bei einer Nichtbank oder Geschäftsbank als Vermögen erfasst wird, steht beispielsweise bei der Zentralbank der gleich hohe Passivposten „Banknotenumlauf“ gegenüber.
Nach der im Artikel dargestellten saldenmechanischen Betrachtung ergeben Guthaben und Schulden einer geschlossenen Volkswirtschaft zusammen immer null. Es gebe daher gesamtwirtschaftlich kein Nettogeldvermögen, sondern nur Sach- oder Realvermögen. Geld erfülle für die Volkswirtschaft als Ganzes folglich keine Wertaufbewahrungsfunktion. Eine geschlossene Volkswirtschaft könne in diesem Sinne weder Nettogeldvermögen ansparen noch, wenn Geld ausschließlich kreditär entsteht, insgesamt ver- oder überschuldet sein.
Soziale Bedeutung und Entwicklung der Lehre
Der Soziologe Niklas Luhmann beschreibt Geld als Kommunikationsmedium des Wirtschaftssystems. Innerhalb dieses Systems werde mittels Geld kommuniziert. Informationen aus anderen gesellschaftlichen Systemen wirkten nur über deren strukturelle Kopplung mit der Wirtschaft auf die geldliche Kommunikation ein; nach Luhmanns Systemdefinition würden sie innerhalb der Wirtschaft nicht unmittelbar kommuniziert.
Die Lehre von den Geldfunktionen entwickelte sich über lange Zeit. Bereits Aristoteles unterschied Tauschmittel, Wertmesser und Wertaufbewahrungsmittel. Adam Smith betrachtete Geld in „Der Wohlstand der Nationen“ vom März 1776 ebenso wie David Ricardo vor allem anhand seiner Tauschmittelfunktion. Nach Carl Menger wird ein Gut zum Geld, sobald und soweit es sich in der geschichtlichen Entwicklung des Güterverkehrs tatsächlich als allgemein gebräuchlicher Tauschvermittler durchsetzt. Knut Wicksell nannte 1928 erstmals ausdrücklich die drei heute anerkannten Funktionen: Wertmesser, Wertbewahrer und Tauschmittel. Diese drei primären Geldfunktionen gelten heute als unumstritten.