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Geheimes Treffen Hitlers mit Industriellen am 20. Februar 1933
Das geheime Treffen Hitlers mit Industriellen am 20. Februar 1933 war eine Zusammenkunft Adolf Hitlers mit 26 führenden deutschen Industriellen in Hermann …
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Anlass und Beteiligte
Das geheime Treffen fand am 20. Februar 1933 im Reichstagspräsidentenpalais, Hermann Görings Amtssitz in Berlin, statt. Adolf Hitler war wenige Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt worden. Anlass war die bevorstehende Reichstagswahl vom 5. März 1933, die als letzte Mehrparteienwahl im Deutschen Reich gilt. Hitler und die NSDAP wollten von führenden Wirtschaftsvertretern finanzielle Unterstützung für den Wahlkampf erhalten.
Eingeladen wurden Vertreter bedeutender Unternehmen und Wirtschaftsverbände, darunter Hjalmar Schacht, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Albert Vögler, Fritz Springorum, Georg von Schnitzler von der I.G. Farben, Fritz von Opel, Ludwig von Winterfeld von Siemens, Wolfgang Reuter von Demag, Günther Quandt, Friedrich Flick, Kurt Schmitt, August von Finck und weitere Repräsentanten von Kohle-, Eisen-, Chemie-, Kali-, Braunkohle-, Maschinenbau- und Elektroindustrie. Schacht war ehemaliger und zukünftiger Reichsbankpräsident; Krupp war Vorsitzender des Präsidiums des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.
Die Teilnehmer wurden durch Göring eingeladen. Nach Alfred Kube hatte Göring bereits am 13. Februar Vertreter der Industrie zur Vorbereitung empfangen. Ein Telegramm vom 16. Februar lud Krupp für den 20. Februar um 18 Uhr ein und nannte als Zweck, dass Hitler seine Politik erklären wolle. In einem Schreiben vom 18. Februar erklärte der Reichsverband der Deutschen Industrie, er wolle sich für ein stabiles Regierungsfundament und eine nationale Sammlung einsetzen, zugleich aber die wirtschaftlichen Interessen der Industrie wahren. Nicht alle Eingeladenen erschienen: Paul Reusch fuhr in den Winterurlaub, Carl Friedrich von Siemens lehnte ab, und Robert Bosch verwies auf die für ihn unzumutbare Anreise mit dem Flugzeug. Die einleitende Darstellung nennt 26 Industrielle; Springorum sprach später von 27 anwesenden Herren.
Hitlers Vortrag und die Forderung nach Geld
Göring erschien am 20. Februar mit 15 Minuten Verspätung, begleitet von Walther Funk, und betonte zunächst die Bedeutung des Wahlkampfes. Hitler ließ die Anwesenden noch warten und hielt anschließend keinen wirtschaftspolitischen Meinungsaustausch, sondern einen anderthalbstündigen Vortrag.
Hitler bekannte sich zum Privateigentum, stellte die Diktatur als der Demokratie überlegen dar und bezeichnete die NSDAP als einzige Rettung vor der kommunistischen Gefahr. Als Grundlagen der NSDAP nannte er die völkische Idee und die Wehrhaftigkeit. Er erklärte, das Leben sei ein fortgesetzter Kampf; nur ein wehrhaftes Volk könne bestehen, und nur eine wehrhafte Nation könne eine blühende Wirtschaft haben. Die Demokratie machte er für das Aufkommen des Kommunismus verantwortlich. Um diesen zu bekämpfen, brauche er die gesamten Machtmittel des Staates.
Für die Landtagswahl in Preußen müssten die Nationalsozialisten noch zehn, für die Reichstagswahl noch 33 Mandate gewinnen. Danach solle die „zweite Aktion gegen den Kommunismus“ beginnen. Falls die Wahlen keine Mehrheit für seine Regierung ergäben, drohte Hitler mit Gewalt. Über eine Beschränkung des Streikrechts, die Unterdrückung der Gewerkschaften, Aufrüstung oder eine Expansionspolitik nach Osten sprach er bei diesem Treffen nicht.
Krupp hatte ursprünglich die Interessen der Industrie ansprechen wollen: Handelspolitik und Exportförderung, Arbeitsbeschaffung sowie die Vermeidung einer einseitigen Begünstigung der Landwirtschaft. Er war enttäuscht, dass Hitler nicht erklärte, wie die Weltwirtschaftskrise überwunden werden solle. Wegen der angedeuteten Bürgerkriegsgefahr verzichtete Krupp jedoch auf seine vorbereiteten Ausführungen und dankte Hitler stattdessen für dessen Bekenntnis zum Privateigentum und zur Wehrhaftigkeit.
Nach Hitlers Weggang versicherte Göring, wirtschaftspolitische Experimente seien von der Regierung Hitler nicht zu erwarten. Zugleich erklärte er, die Regierung werde unabhängig vom Wahlausgang an der Macht bleiben. Die Wahl sei trotzdem entscheidend; sie werde „die letzte sicherlich innerhalb von 10 Jahren, voraussichtlich aber in 100 Jahren“ sein. Schacht forderte danach finanzielle Beiträge und legte einen Wechsel über drei Millionen Reichsmark vor. Vorgesehen waren: 1.000.000 Reichsmark für die westliche Kohlen- und Eisenindustrie, jeweils 500.000 Reichsmark für die chemische Industrie, den Kalibergbau und die Braunkohle, jeweils 100.000 Reichsmark für Automobilindustrie und Maschinenbau sowie 300.000 Reichsmark für die Elektrotechnik. Schließlich wurde auf Vorschlag Springorums beschlossen, 75 % der Spenden an die NSDAP und 25 % an die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot zu geben. Nach Georg von Schnitzler wurde auch die Deutsche Volkspartei in den Wahlfonds aufgenommen.
Zahlungen und politische Folgen
Das Geld wurde auf das Sonderkonto „Nationale Treuhand, Dr. Hjalmar Schacht“ bei Delbrück Leo & Co beziehungsweise in der Zahlungsaufstellung bei Delbrück Schickler & Co eingezahlt. Anschließend floss es an Rudolf Heß und den Franz-Eher-Verlag; weitere Beträge gingen direkt an Alfred Hugenberg und in den Papen-Fonds.
Belegt sind insgesamt 2.021.000 Reichsmark von 14 verschiedenen Einzahlern. Bis zum Wahltag waren 1.660.000 Reichsmark eingegangen. Das entsprach 53,3 % der erwarteten Summe beziehungsweise gut 85 % der letztlich erreichten Summe. Der Bergbauverein zahlte insgesamt 600.000 Reichsmark. Zu den weiteren Einzahlern gehörten unter anderem Karl Hermann, die Automobil-Ausstellung Berlin, BUBIAG, Demag, Telefunken, Osram, die I.G. Farben, Schacht, AEG und Siemens-nahe Unternehmen. Eine Wahlkampfspende Kurt Schmitts über 10.000 Reichsmark ist in der Quelle des Nürnberger Prozesses nicht aufgeführt.
An den Papen-Fonds wurden laut Schriftwechsel zwischen Schacht und Hugenberg 162.500 Reichsmark gezahlt, darunter 100.000 Reichsmark von den I.G. Farben, 35.000 Reichsmark von der westlichen Industrie und 27.500 Reichsmark von der westlichen Braunkohlenindustrie. Die Schwerindustrie überwies zusätzlich 215.000 Reichsmark direkt an Hugenberg. Die Kaliindustrie erklärte, sie habe nur 300.000 statt 400.000 Reichsmark gegeben, weil sie die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot bereits unmittelbar erheblich unterstützt habe. Friedrich Flick sagte 1947 aus, er und Albert Vögler hätten weitere 100.000 Reichsmark an die DNVP gespendet. Schacht bestätigte in seinen Erinnerungen eine Zahlung von drei Millionen Reichsmark und erklärte, davon seien nach der Wahl 600.000 Reichsmark übrig geblieben.
Goebbels schrieb am Tag des Treffens, die große Summe befreie die NSDAP mit einem Schlag von ihren Geldsorgen und ermögliche, den Propagandaapparat auf Höchstleistung zu bringen. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 gewann die NSDAP deutlich, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Die durch das Treffen und die Zahlungen unterstützte Entwicklung mündete im Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933. Es ermächtigte Hitlers Regierung, ohne Zustimmung des Reichstags Gesetze zu erlassen.
Der Reichsverband der Deutschen Industrie begrüßte am 24. März das Wahlergebnis und versprach, die Reichsregierung bei ihrem „schweren Werke“ zu unterstützen. Wirtschaftspolitisch bedeutete dies jedoch zunächst keine vollständige Zustimmung zum Nationalsozialismus. Die Mehrheit der Industriellen hielt weiterhin am Liberalismus, an Exportförderung und an der Weltmarktorientierung fest. Sie lehnte Protektionismus für die Landwirtschaft, stärkeren Staatsinterventionismus und eine Ausweitung der öffentlichen Ausgaben ab. Die Ablösung des konservativen Reichsbankpräsidenten Hans Luther durch Schacht am 16. März 1933 löste Befürchtungen aus, Schacht könne den Golddevisenstandard aufgeben und staatliche Defizite durch die Notenpresse finanzieren. Reinhard Neebe fasste zusammen, die Spitzenverbände hätten das sich erst allmählich abzeichnende „Wirtschaftssystem des Faschismus“ zunächst mit wenig Enthusiasmus betrachtet.
Bewertung in der Geschichtswissenschaft
In der Geschichtswissenschaft wird das Treffen verbreitet als geheim bezeichnet. Marxistische Historiker wie Kurt Pätzold sehen darin einen weiteren Beleg für die Finanzierung der NSDAP durch die Großindustrie. Ulrike Hörster-Philipps deutet die finanzielle Unterstützung als Ausdruck einer grundsätzlichen Übereinstimmung von Banken und Konzernen mit den Zielen der NSDAP. Gemeinsam mit terroristischen Methoden hätten die Spenden entscheidend zum Wahlerfolg beigetragen.
Henry Ashby Turner betont dagegen, die Spenden könnten kaum als freiwillig gelten. Viele Anwesende seien bei genauer Betrachtung weniger bedeutende Persönlichkeiten der Industrie gewesen. Er versteht das Treffen als „ausgefeilten Trick“, mit dem Hitler den Industriellen Geld abverlangte, und als ersten bedeutenden materiellen Beitrag von Organisationen der Großindustrie für die nationalsozialistische Sache. Ian Kershaw spricht ebenfalls von einer durch „politische Erpressung“ zustande gekommenen Zahlung.
Karsten Heinz Schönbach widerspricht der Erpressungsthese. Er verweist auf das Schreiben des Reichsverbandes vom 18. Februar, dessen Inhalt und selbstbewusster Ton erkennen ließen, dass die Industrie von Hitler Rechenschaft über seine Politik erwartete und ihre Haltung davon abhängig machen wollte. Peter Langer meint, die gesamte „Crème der Industrie“ sei vertreten gewesen, aber von Schacht mit der Forderung nach drei Millionen Reichsmark „regelrecht überfahren“ worden.
Richard J. Evans erklärt die Spenden damit, dass die Industriellen irrtümlich angenommen hätten, Papen und die Konservativen seien die entscheidenden Kräfte im Kabinett Hitler. Die Zahlungen ermöglichten der NSDAP einen deutlich aufwendigeren Wahlkampf. Adam Tooze bezeichnet die Teilnehmer als eine uneinheitliche Mischung aus Industriekapitänen und eindeutig zweitrangigen Akteuren. Für ihn gehört das Treffen zu den berüchtigtsten Beispielen für die Bereitschaft des deutschen Großunternehmertums, Hitler beim Aufbau seiner Diktatur zu unterstützen; zugleich habe Hitler die Zustimmung der Unternehmer nicht benötigt. Werner Abelshauser fasst die Wirkung dahin gehend zusammen, Hitler habe den Industriellen klargemacht, wer beim Aufbau des „Dritten Reiches“ die führende und wer die geführte Seite sei.