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Absolute Musik
Als absolute Musik (lat. absolutus „losgelöst“, „unabhängig“) bezeichnete die mitteleuropäische Musikästhetik seit etwa 1850 das Ideal einer …
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Begriff und Ideal
Absolute Musik bezeichnet seit etwa 1850 das Ideal einer Instrumentalmusik, die nur ihren eigenen musikalischen Gesetzen folgt. Sie soll unabhängig von außermusikalischen Bindungen sein, also von Text, Bühnenbild oder Programm, und zweckfrei bestehen. Im weiteren Sinn ist der Begriff ein Werturteil: Er meint das „Wesen“ der Musik oder eine besonders hohe „Reinheit“ und „Vollkommenheit“.
Frühe Vorstellungen
Das Ideal entstand bereits mehr als 50 Jahre früher. Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck beschrieben 1799 Instrumentalmusik als unabhängige und freie Kunst, die sich selbst Gesetze gebe und „ohne Zweck“ phantasiere. E. T. A. Hoffmann verband dies 1810 in seiner Rezension zu Beethovens 5. Sinfonie mit einem Vorrang der Musik unter den Künsten: Nur sie sei „rein romantisch“, weil das Kunstwerk autonom, also selbstständig, sei.
Gegensätzliche Positionen von Wagner und Hanslick
Richard Wagner prägte „Absolute Musik“ als Gegenbegriff zu seinen Idealen Musikdrama und Gesamtkunstwerk. Für ihn war die von anderen Künsten und vom Leben isolierte Musik eine historische Fehlentwicklung. Beethovens 9. Sinfonie sei ihr Höhepunkt; durch Chor und Text habe sie diese Entwicklung zugleich überwunden. Wagners musikalisches Drama verstand er als logische Folge. Musik dürfe nicht selbst „Zweck“, sondern müsse ein „Mittel“ bleiben.
Eduard Hanslick vertrat dagegen in Vom Musikalisch-Schönen (1854) eine positive Ästhetik der absoluten Musik. Das Schöne einer Tondichtung liege „einzig in den Tönen und ihrer künstlerischen Verbindung“ und brauche keinen von außen kommenden Inhalt. Instrumentalmusik sei nicht zu übertreffen; „nur sie ist reine, absolute Tonkunst.“ Hanslick bezog dieses Ideal besonders auf die Wiener Klassik und auf Beethoven.
Bedeutung in der Musikästhetik
In der musikalischen Romantik wurde der Gegensatz zwischen absoluter Musik und Programmmusik zentral. Beide Seiten beriefen sich auf Beethoven und beanspruchten, seine Tradition allein richtig fortzusetzen. Franz Liszt sah klassische Kompositionsprinzipien wie motivische Arbeit, thematische Entwicklung, Durchführung und Reprise der Sonatenhauptsatzform nicht als feste Regeln. Sie seien wandelbare Ausdrucksformen poetischer Gedanken, die von der freien Fantasie des Komponisten geleitet würden.
In den 1920er Jahren wurde der absoluten Musik die Gebrauchsmusik entgegengestellt, die eine gesellschaftliche Integration des Musikalischen anstrebte. Die Neue Musik des 20. Jahrhunderts wollte die Befreiung vom Außermusikalischen weiterführen, indem sie sich auch von bekannten Funktionen und Assoziationen löste. Günther Rabl nennt „Absolute Musik“ elektroakustische Musik, bei der der Schaffensprozess mit Tonband und Computer zeitlich unabhängig vom Zeitfluss der entstandenen Musik ist.