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Gütermarktgleichgewicht

1 Einordnung des Modells. 1.1 Klassischer Ansatz · 2 Das Modell des Gütermarktgleichgewichtes. 2.1 Güternachfrage · 3 Gleichgewicht von Investitionen und Sparen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Klassischer und keynesianischer Ansatz
  3. 3. Nachfrage, Angebot und Gleichgewichtsproduktion
  4. 4. Multiplikatoranalyse
  5. 5. Beispiel zum Multiplikator
  6. 6. Sparen, Investitionen und offene Volkswirtschaft

Grundidee und Einordnung

Das Gütermarktgleichgewicht, auch Outputmarktgleichgewicht, liegt vor, wenn auf dem Gütermarkt in einer Rechnungsperiode geplantes Güterangebot und geplante Güternachfrage übereinstimmen. Gleichwertig kann man sagen: geplantes Sparen und geplante Investitionen stimmen überein. Es ist neben Geldmarktgleichgewicht und Arbeitsmarktgleichgewicht ein makroökonomisches Marktgleichgewicht.

Im Modell steht der realwirtschaftliche Sektor im Mittelpunkt: gesamtwirtschaftliches Güterangebot und gesamtwirtschaftliche Güternachfrage sollen zusammenpassen. Die Grundbedingung lautet: gesamtwirtschaftliches Güterangebot Y = gesamtwirtschaftliche Güternachfrage Z, also Y = Z. Dabei gilt die Annahme: Angebot = Produktion = Einkommen = Y.

Das Gleichgewicht ist ein Referenzpunkt für Anpassungsprozesse. Bei einem Nachfrageüberhang, also einem Verkäufermarkt, wird die Produktion erhöht und damit steigt das Güterangebot. Bei einem Angebotsüberschuss, also einem Käufermarkt, wird die Produktion zurückgefahren und das Güterangebot sinkt. Nach Abschluss dieses Prozesses befinden sich Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht.

Klassischer und keynesianischer Ansatz

In der makroökonomischen Theorie stehen sich zum Gütermarktgleichgewicht zwei Ansätze gegenüber: der klassische Ansatz und der keynesianische Ansatz.

Der klassische Ansatz beruht auf dem Say’schen Theorem nach Jean-Baptiste Say: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst. In einer totalen Tauschwirtschaft tauscht jeder seine Überproduktion gegen andere Güter; deshalb könne es keine allgemeine Überproduktion geben. Nach Ansicht der Klassiker bestimmt die Beschäftigung die Produktion, diese schafft das Angebot, und das Angebot bildet die Höhe des Volkseinkommens. Das Volkseinkommen gilt dann als Voraussetzung jeder Nachfrage.

Dieser Ansatz gilt nur unter bestimmten Prämissen. Schulden und Geldvermögen kommen im Modell nicht vor. Sparen und Investieren müssen sich innerhalb einer Periode entsprechen. Betrachtet wird die Gesamtwirtschaft, nicht die Ebene einzelner Unternehmen. Alle Preise auf Faktor- und Gütermärkten passen sich an. Außerdem handelt es sich um eine langfristige Betrachtung, denn kurzfristig können Angebot und Nachfrage auch hier auseinanderfallen.

Der keynesianische Ansatz entstand vor dem Hintergrund der 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise, in der Unternehmen schließen mussten, weil sie ihre Produkte nicht verkaufen konnten. Das widersprach dem Say’schen Theorem. John Maynard Keynes betonte, dass die reale Ersparnis der Privathaushalte durch die Nettoinvestition bestimmt wird: I = S. Wenn Haushalte ihre Ersparnis erhöhen wollen, führt das Sparparadoxon nicht zu höherer Ersparnis, sondern zu sinkenden Einkommen. Umgekehrt führt der Versuch, weniger zu sparen, nicht zu niedrigerer Ersparnis, sondern zu höheren Einkommen.

Aus der Sparquote lässt sich der Multiplikator berechnen. Er gibt an, welches Einkommen zu der durch Nettoinvestition, Staatsdefizit und Außenhandelssaldo ermöglichten Ersparnis der privaten Haushalte passt. Höhere Investitionen, ein zusätzliches Staatsdefizit oder ein Exportüberschuss können entsprechend der Sparquote zu höheren Haushaltseinkommen führen. Die keynesianische Theorie betrachtet dabei die kurze Frist. Nachfragerückgang führt in diesem Ansatz zu Arbeitslosigkeit und Rezession.

Nachfrage, Angebot und Gleichgewichtsproduktion

Die Güternachfrage Z wird im Modell definiert als Z ≡ C + I + G + X − IM. Dabei steht C für Konsumnachfrage, I für Investitionsgüternachfrage, G für Staatsnachfrage, X für Exportnachfrage und IM für Importnachfrage.

Die Konsumnachfrage C ist eine endogene Variable, also eine Größe, die innerhalb des Modells erklärt wird. Sie hängt vor allem vom verfügbaren Einkommen YD ab. Dieses wird als Einkommen Y minus Steuern T verstanden: YD = Y − T. Außerdem hängt der Konsum von der marginalen Konsumquote c1 ab. Die marginale Konsumquote gibt an, welcher Anteil eines zusätzlichen Einkommens konsumiert wird. Es wird angenommen, dass der Konsum bei höherem verfügbarem Einkommen steigt, also c1 > 0. Der autonome Konsum c0 beschreibt den Konsum bei verfügbarem Einkommen von null.

Die Konsumfunktion lautet: C = c0 + c1 · (Y − T). Für die Grunddarstellung werden I, G und T als exogene Faktoren behandelt, also als von außen vorgegebene Größen. Außerdem wird zunächst eine geschlossene Volkswirtschaft betrachtet: Es gibt weder Importe noch Exporte, also IM = 0 und X = 0. Daraus folgt für die Nachfrage: Z = c0 + c1 · (Y − T) + Ī + Ḡ.

Das Güterangebot wird durch die Güterproduktion bestimmt und bildet zugleich das Volkseinkommen ab. Deshalb wird auch hier die Variable Y verwendet. Das Modell setzt voraus, dass Unternehmen keine Lagerbestände aufbauen oder abbauen können, weil sonst Produktion und Nachfrage nicht zwingend übereinstimmen müssten.

Multiplikatoranalyse

Die algebraische Analyse beginnt mit der Gleichgewichtsbedingung Y = Z. In der geschlossenen Volkswirtschaft ergibt sich:

Y = c0 + c1 · (Y − T) + I + G.

Durch Umformen erhält man: Y = c0 + c1 · Y − c1 · T + I + G, Y − c1 · Y = c0 − c1 · T + I + G, Y · (1 − c1) = c0 + I + G − c1 · T, Y* = 1 / (1 − c1) · (c0 + I + G − c1 · T).

Y* ist die Gleichgewichtsproduktion, also das Produktionsniveau, bei dem Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Der Ausdruck (c0 + I + G − c1 · T) heißt autonome Ausgaben, weil diese Ausgaben unabhängig vom Produktionsniveau sind. Wenn sie steigen oder sinken, verschiebt sich die gesamtwirtschaftliche Nachfragefunktion vollständig.

Der Multiplikator lautet 1 / (1 − c1). Er zeigt, um wie viel sich das Gleichgewichtseinkommen ändert, wenn sich die autonomen Ausgaben ändern. Je höher die marginale Konsumquote c1 ist, desto größer ist der Multiplikator und desto stärker verändert sich die Produktion.

Grafisch wird die Produktion, weil Produktion und Einkommen gleich sind, auf einer 45°-Linie dargestellt. Die Nachfragefunktion lautet Z = (c0 + I + G − c1 · T) + c1 × Y. Ihre Steigung wird durch c1 bestimmt. Steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, verschiebt sich die ZZ-Funktion nach oben. Dadurch steigt die Produktion, daraus entsteht höheres Einkommen, ein Teil davon wird wieder konsumiert, und die Nachfrage steigt erneut. Dieser wiederholte Vorgang ist der Multiplikatorprozess.

Beispiel zum Multiplikator

Im Artikel wird eine Erhöhung der Konsumausgaben um eine Million Euro betrachtet. Die marginale Konsumquote beträgt 60 %, also c1 = 0,6.

Zuerst steigt die Konsumnachfrage um eine Million Euro. Deshalb wird in der Konsumgüterindustrie für eine Million Euro mehr produziert. Dort entsteht zusätzliches Einkommen in Höhe von einer Million Euro. Davon werden 60 %, also 600.000 Euro, wieder ausgegeben. Dadurch werden neue Konsumgüter im Wert von 600.000 Euro produziert, was erneut Einkommen erzeugt. Davon werden wiederum 60 % ausgegeben. Dieser Prozess setzt sich fort.

Die unendliche Reihe konvergiert gegen einen Endwert, der mit dem Multiplikator berechnet wird:

ΔY = 1 / (1 − c1) · ΔC = 1 / (1 − 0,6) · 1.000.000 Euro = 2,5 · 1.000.000 Euro = 2.500.000 Euro.

Die Erhöhung der Konsumausgaben um eine Million Euro bewirkt in diesem Beispiel also eine Einkommenserhöhung von 2,5 Millionen Euro.

Sparen, Investitionen und offene Volkswirtschaft

Das Gütermarktgleichgewicht kann auch als Gleichgewicht zwischen Investitionen und Sparen betrachtet werden. Diese Sichtweise ist ein Äquivalent zur Betrachtung von Angebot und Nachfrage und wird ebenfalls zunächst für eine geschlossene Volkswirtschaft dargestellt.

Das Sparvolumen S ist definiert als verfügbares Einkommen YD minus Konsum C: S ≡ YD − C. Da YD = Y − T gilt, folgt S ≡ Y − T − C. Aus der Gütermarktbedingung Y = Z und der geschlossenen Nachfrage Y = C + I + G ergibt sich nach Umformung: Y − T − C = I + G − T. Da die linke Seite S ist, gilt: S = I + G − T und damit I = S + (T − G). Die Investitionen entsprechen also der Summe aus privatem Sparen S und staatlichem Sparen, also Steuereinnahmen T minus Staatsausgaben G. Bei ausgeglichenem Staatshaushalt T = G gilt: Investitionen sind gleich privatem Sparen.

Ökonomisch wird dies mit einer „Robinson Crusoe“-Wirtschaft erklärt: Für ein Investitionsgut muss zunächst auf Konsum verzichtet werden. Dieser Konsumverzicht bildet Ersparnisse, die später investiert werden können. In einer modernen Wirtschaft entscheiden Unternehmen über Investitionen, der Staat meist über sein Defizit und Haushalte über Sparen oder Konsumieren. Im Saldo müssen Investition, Staatsdefizit und private Ersparnis immer Null sein. Durch Staatsausgaben G oder Steuern T könnte die Regierung ein gewünschtes Produktionsniveau anstreben. Deficit spending kann das Einkommen erhöhen, denn S = I + (G − T). Dabei können aber Nebenwirkungen auftreten: höhere Staatsverschuldung, mögliche Inflation, zusätzliche Importe, zeitaufwendige Gesetzesänderungen und unsichere Reaktionen der Konsumenten auf Steuersenkungen.

In einer offenen Volkswirtschaft hängt das Gütermarktgleichgewicht auch vom Wechselkurs ab, weil dieser Importe und Exporte beeinflusst. Wird die ausländische Währung gegenüber der inländischen Währung aufgewertet, werden ausländische Güter teurer als inländische. Die inländische Nachfrage steigt, die gesamtwirtschaftliche Nachfragefunktion verschiebt sich nach oben, und durch den Multiplikatorprozess steigt die Gleichgewichtsproduktion. Ein sinkendes inländisches Preisniveau oder ein steigendes ausländisches Preisniveau bei konstantem Wechselkurs hat denselben Effekt. Allgemein gilt: Sinkt der reale Wechselkurs, verschiebt sich die Nachfragefunktion nach oben und die Produktion steigt; steigt der reale Wechselkurs, verschiebt sie sich nach unten und die Produktion geht zurück. Für die offene Volkswirtschaft lautet die Gleichung: Y = C + I + G − W · IM + EX, wobei W der reale Wechselkurs ist.

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