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Funktionsfähiger Wettbewerb

Unter funktionsfähigem Wettbewerb (englisch Workable Competition) versteht man einen Wettbewerb, der ein optimales Funktionieren des Marktmechanismus …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Ziel
  2. 2. Aufgaben des Wettbewerbs
  3. 3. Prüfung eines Marktes
  4. 4. Optimale Wettbewerbsintensität
  5. 5. Innovation im weiten Oligopol

Grundidee und Ziel

Funktionsfähiger Wettbewerb bezeichnet einen Wettbewerb, der ein optimales Funktionieren des Marktmechanismus ermöglicht. Er ist ein Leitbild der Wettbewerbspolitik, aber kein geschlossenes theoretisches Konzept. Die Idee der „Workable Competition“ stammt vom US-amerikanischen Ökonomen John Maurice Clark; Erhard Kantzenbach entwickelte sie weiter und prägte den deutschen Begriff.

Ziel ist ein gesamtwirtschaftliches Wohlfahrtsoptimum. Clark unterscheidet dabei zwei Lösungen:

  • Die „first best solution“ betrachtet die vollkommene Konkurrenz als Idealziel.
  • Die „second best solution“ lässt bestimmte erwünschte Marktunvollkommenheiten zu oder führt sie sogar herbei. Nach der sogenannten Gegengiftthese kann ein unvollkommener Wettbewerb durch weitere, gezielt wirkende Unvollkommenheiten funktionsfähiger werden.

Funktionsfähiger Wettbewerb setzt somit gewisse Abweichungen vom Modell der vollkommenen Konkurrenz voraus. Das zentrale Problem besteht darin, das richtige Ausmaß dieser Unvollkommenheiten zu bestimmen: Es darf weder zu gering noch zu groß sein.

Kantzenbachs Konzeption wurde dem Anfang 1968 von der Arbeitsgruppe Wettbewerbspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft entwickelten „neuen Leitbild der Wettbewerbspolitik“ zugrunde gelegt. Dieses bildete die Basis für die zweite Novelle von 1974 zum Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB).

Aufgaben des Wettbewerbs

Kantzenbach unterscheidet fünf zentrale Wettbewerbsfunktionen:

  1. Einkommen sollen nach der Marktleistung verteilt werden. Auf den Märkten für Produktionsfaktoren soll Wettbewerb die funktionelle Einkommensverteilung steuern und eine Ausbeutung durch Marktmacht verhindern. Eine Entlohnung nach der Grenzproduktivität – also nach dem zusätzlichen Produktionsertrag eines weiteren eingesetzten Faktors – bedeutet zwar keine Gerechtigkeit im ethischen Sinne, gilt aber als anderen in einer Marktwirtschaft umsetzbaren Prinzipien der Primärverteilung überlegen.

  2. Das laufende Güterangebot soll sich an den Präferenzen der Konsumenten, also an der Nachfrage, ausrichten. Dadurch soll die Befriedigung individueller Bedürfnisse steigen.

  3. Produktionsfaktoren sollen in ihre produktivsten Verwendungsmöglichkeiten gelenkt werden. Diese optimale Faktorallokation erhöht die Wertschöpfung, die mit einer gegebenen Menge an Produktionsfaktoren erreicht werden kann.

  4. Produktionskapazitäten sollen laufend und flexibel an außerwirtschaftliche Daten angepasst werden, besonders an Veränderungen der Nachfragestruktur und der Produktionstechnik. Dies soll Fehlinvestitionen begrenzen.

  5. Wettbewerb soll technischen Fortschritt bei Produkten und Produktionsmethoden durchsetzen. Dadurch soll die Wachstumsrate der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazität steigen.

Prüfung eines Marktes

Ob auf einem Markt funktionsfähiger Wettbewerb besteht, kann mit zwei Ansätzen geprüft werden:

  • Beim kategorischen Ansatz werden Normen beziehungsweise Kriterien festgelegt, die auf wirksamen Wettbewerb schließen lassen. In Markttests („performance tests“) wird untersucht, ob diese Normen mit der tatsächlichen Wettbewerbssituation vereinbar sind. Problematisch ist, dass sich keine passenden Wettbewerbssituationen für sämtliche möglichen Fälle festlegen lassen. Außerdem ist schwer messbar und praktisch umsetzbar, wie stark die einzelnen Kriterien gewichtet werden sollen.

  • Nach dem instrumentellen Ansatz („remediability approach“) gilt Wettbewerb als funktionsfähig, wenn er durch wirtschaftspolitische Instrumente nicht weiter verbessert werden kann. Dieser Ansatz birgt die Gefahr, dass der Staat zu häufig in das Marktgeschehen eingreift.

Optimale Wettbewerbsintensität

Nach Kantzenbach hängt die optimale Wettbewerbsintensität vor allem von der Anzahl der Marktteilnehmer – Anbieter oder Nachfrager – und damit von der Marktstruktur ab. Bei einer großen Zahl von Anbietern, dem Polypol, sei die Wettbewerbsintensität am geringsten. Wenn die Anbieterzahl sinkt, steige sie an und erreiche im weiten Oligopol ihr Maximum. Bei einer weiteren Verringerung der Anbieterzahl zum engen Oligopol nehme sie wieder ab. H. H. Villards Bezeichnung „kompetitives Oligopol“ entspricht vermutlich Kantzenbachs Begriff des weiten Oligopols.

Seit Mitte der 1960er Jahre setzte sich in der Bundesrepublik Deutschland mit diesem Konzept die Vorstellung durch, Wettbewerb als dynamischen Prozess zu betrachten. Initiative Unternehmen unternehmen Vorstöße, indem sie beispielsweise Preise senken, die Produktqualität verbessern oder neue Produkte und Verfahren schaffen. Imitatoren ziehen mit einer gewissen Verzögerung nach. Diese darf weder sofort erfolgen noch so groß sein, dass der Vorsprung nicht mehr eingeholt werden kann.

Während beim vollständigen Wettbewerb vor allem Allokation und Begrenzung wirtschaftlicher Macht als statische Funktionen im Mittelpunkt stehen, betont das Leitbild des funktionsfähigen Wettbewerbs die Innovation als dynamische Funktion.

Innovation im weiten Oligopol

Kantzenbach betrachtet das weite Oligopol als optimale Marktform für dynamischen Wettbewerb und wettbewerbliche Innovation. Es gilt deshalb als wünschens- und schützenswert. Aufgrund der relativ hohen Zahl von Wettbewerbern bestehe dort keine Gefahr informeller Wettbewerbsbeschränkungen wie Preisabsprachen. Zugleich seien mögliche Abwehrmaßnahmen der Konkurrenz noch deutlich genug spürbar, um Unternehmen zur Verteidigung ihrer Marktposition und zur Vorbereitung von Innovationen zu veranlassen.

Für die Wettbewerbspolitik ist es jedoch schwierig, für jeden Markt die Grenzen des weiten Oligopols zu bestimmen, innerhalb derer das gewünschte Optimum an innovativem Wettbewerb besteht. Außerdem ist fraglich, ob jedes einzelne Unternehmen die hohen personellen und materiellen Kosten tragen kann, die mit den verlangten Innovationen zwangsläufig verbunden sind.

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