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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Funktionale Musik

Funktionale Musik (auch funktionelle Musik) ist ein Sammelbegriff für Musik, die bestimmte Aufgaben in gesellschaftlichen Zusammenhängen erfüllt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzungen und Begriffsmodelle
  3. 3. Enges und weites Verständnis
  4. 4. Entstehung des Gegenpols
  5. 5. Kritik an der Unterscheidung

Definition und Bedeutung

Funktionale Musik, auch funktionelle Musik genannt, ist ein Sammelbegriff für Musik, die in gesellschaftlichen Zusammenhängen bestimmte Aufgaben erfüllt. Entscheidend sind ihre außermusikalischen Funktionen: Sie begleitet beispielsweise Arbeit, Tanz, Werbung, Filme oder andere Tätigkeiten und Situationen. Davon zu unterscheiden ist die innermusikalische Verwendung des Wortes „Funktion“, etwa in der Funktionstheorie, die die Funktion von Akkorden beschreibt.

Als Gegenpol gilt meist die autonome Musik. Damit ist Musik gemeint, die als eigenständiges Kunstwerk wahrgenommen und um ihrer selbst willen aufmerksam gehört werden soll. Diese Abgrenzung ist jedoch problematisch, weil auch vermeintlich autonome Musik gesellschaftliche Zwecke erfüllen kann.

Abgrenzungen und Begriffsmodelle

Der Begriff entstand im Zusammenhang mit dem Aufstreben der Musiksoziologie in den 1930er Jahren. Musiksoziologie untersucht Musik in ihren gesellschaftlichen Bedingungen und Verwendungsweisen. Mit „funktionaler Musik“ sollten insbesondere die damals deutlich von der Kunstmusik abgegrenzten Genres der Unterhaltungsmusik systematisch eingeordnet werden.

Anders als beim älteren Ausdruck Gebrauchsmusik, einem Schlagwort der 1920er Jahre, steht bei funktionaler Musik die soziologische Unterscheidung verschiedener Gebrauchsweisen im Mittelpunkt. Zu den wichtigen Themen der 1930er Jahre gehörten die ideologische Instrumentalisierung von Musik in Diktaturen und ihr kommerzieller Einsatz in den Massenmedien. Albrecht Riethmüller bezeichnet Musik in nationalsozialistischen Feiern ausdrücklich als funktionale Musik.

Theodor W. Adorno hob den Warencharakter funktionaler Musik hervor. Als wesentlich betrachtete er außerdem, dass solche Musik häufig nicht bewusst und konzentriert gehört wird. Um 1937 erklärte er am Beispiel des Jazz, dieser erfülle als Begleitung zum Tanz oder als Hintergrund eines Gesprächs eine „konstitutiv unbewusste“ Funktion.

Heinrich Besseler verwendete seit den 1950er Jahren bevorzugt den Ausdruck Umgangsmusik für Gebrauchsmusik in gesellschaftlichen Situationen. Er grenzte sie von Darbietungsmusik ab, bezog ideologische Funktionen in dieses Modell aber nicht ein.

Hans Heinrich Eggebrecht verwendete den Begriff funktionale Musik nur als Gegensatz zur sogenannten autonomen Musik, sodass er bei ihm ungefähr die Bedeutung von Trivialmusik erhielt. Als Beispiele nannte er Tanzmusik, Tafelmusik, Arbeitsmusik und Werbemusik. 1973 schloss er ausdrücklich moderne Genres wie „Pop, Beat, Psychedelische Musik“ ein.

Enges und weites Verständnis

Albrecht von Massow unterschied 1993 zwei Bedeutungen:

  • Im engeren Sinn bezeichnet funktionale Musik Hintergrundmusik, etwa Arbeits- oder Kaufhausmusik.
  • Im weiteren Sinn umfasst sie jede Kompositionsart, die an konkrete gesellschaftliche Zwecke gebunden ist, beispielsweise Tanz- und Marschmusik.

Anders als Eggebrecht stellte Massow fest, dass die Kategorie der Funktion aus soziologischer Sicht grundsätzlich jede Musik ohne Ausnahme betrifft. Musik kann demnach immer danach untersucht werden, welche Aufgaben sie in einer Gesellschaft erfüllt.

Das Handbuch Funktionale Musik von 2017 behandelt zahlreiche moderne Anwendungsbereiche. Dazu gehören Musik im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen, Telefonen einschließlich Telefonschleifen, Filmen und Videospielen sowie die Musiktherapie.

Entstehung des Gegenpols

Bis zum 18. Jahrhundert war die europäische Musik nach Darstellung des Artikels ausschließlich funktional. Sie war gesellschaftlichen Ereignissen und Tätigkeiten in Kirche, Theater, Tanzsaal sowie in aristokratischen oder bürgerlichen Kammern untergeordnet. Während der Musik wurde beispielsweise geredet, gebetet, gegessen oder getanzt.

Wo solche begleitenden Tätigkeiten zurücktraten, entwickelte sich eine weniger dienende, selbstbewusstere und sorgfältiger ausgestaltete Musik. Dazu gehörte vor allem Musik, die das aristokratische Kartenspiel untermalte und als Kammermusik bezeichnet wurde. An der Musik Joseph Haydns lässt sich laut Artikel erkennen, mit welchem Maß an Aufmerksamkeit des Publikums er jeweils rechnete.

Seit etwa 1800 führte diese Entwicklung in der Frühzeit des bürgerlichen Konzerts zum Ideal einer Musik, der stumme und unbewegliche Zuhörer ihre volle Konzentration widmen. Damit bildete sich die Vorstellung autonomer Musik als eigenständigem Kunstwerk heraus.

Kritik an der Unterscheidung

Auch Musik, die als autonom gilt, kann gesellschaftliche Funktionen besitzen. Ein Konzert kann etwa Anlass für eine Zusammenkunft sein oder den Beteiligten dazu dienen, ihre erworbene Bildung zu zeigen. Vollständig zweckfreie Musik ist daher schwer eindeutig von funktionaler Musik abzugrenzen.

Die Begriffsverwendung bei Adorno oder Eggebrecht stellt nach der Kritik des Artikels ein möglicherweise nie erreichtes Ideal musikalischer Autonomie als gegeben dar und grenzt davon die übrige, funktionale oder unterhaltende Musik ab. Carl Dahlhaus bezeichnete den Begriff der funktionalen Musik deshalb als „Phantom“.

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