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Friedhart Klix
In seinem Buch „Konzeptuelle Metaphern und Textkohärenz“ (Tübingen 2003) zieht Xiaohu Feng für das Kapitel Präsupposition und Inferenz von Skripts und Rahmen (S …
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Bedeutung und Grundidee
Friedhart Klix (* 13. Oktober 1927 in Oberfriedersdorf; † 22. September 2004 in Berlin) war ein deutscher Psychologe und ein führender deutscher Theoretiker der Kognitionspsychologie. Kognitionspsychologie untersucht geistige Prozesse wie Wahrnehmen, Denken, Gedächtnis, Begriffsbildung und Problemlösen. Klix war besonders wichtig, weil er Psychologie streng experimentell, mathematisch und kybernetisch ausrichtete. Kybernetik meint die wissenschaftliche Untersuchung von Steuerung, Regelung und Informationsverarbeitung in technischen, biologischen und geistigen Systemen.
Sein zentrales Anliegen war eine „Psychophysik kognitiver Prozesse“. Damit wollte er geistige Vorgänge so beschreiben, dass sie messbar, modellierbar und mit körperlichen oder neuronalen Prozessen in Beziehung gesetzt werden können. Er verstand kognitive Elementarprozesse als „elementare Wirkungseinheiten“, die auf kognitive Strukturen wirken und diese verändern. Solche Prozesse bilden nach Klix die Grundbausteine menschlicher Informationsverarbeitung.
Dabei unterschied er einzelne Operationen wie Aktivierung, Inhibition und Substitution von Verkettungen zu Prozeduren. Operationen sind elementare geistige Verarbeitungsschritte; Prozeduren sind geordnete Folgen solcher Schritte, die zusammenhängende Zustandsänderungen im Denken ermöglichen. Klix sah Künstliche Intelligenz als hilfreich für Modellierung und Simulation kognitiver Prozesse, hielt aber eine „vollständige Nachbildung menschlicher Erkenntnisfähigkeit“ grundsätzlich für ausgeschlossen, weil maschinelle Systeme keine intentionalen oder emotionalen Bezugssysteme besitzen. Er erwartete, dass KI-Systeme vor allem ergänzende Funktionen übernehmen würden: Unterstützung menschlicher Informationsverarbeitung, nicht Ersatz.
Ausbildung und akademischer Weg
Klix stammte aus einer landwirtschaftlichen Familie. Gegen Kriegsende wurde er noch zum Volkssturm eingezogen, entging aber schließlich der britischen Gefangenschaft. 1946 legte er das Abitur ab und arbeitete kurzzeitig als Neulehrer in Rennersdorf und Löbau im sächsischen Staatsdienst in den Fächern Geschichte und Mathematik. Er trat früh in die SED ein und bemühte sich zunächst vergeblich um einen Studienplatz für Psychologie.
1949 begann er an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Studium der Psychologie und Mathematik. 1953 schloss er mit dem Diplom Über die Wirkungsweise der Zielspannung im Handelsgeschehen ab. Danach blieb er als Wissenschaftlicher Assistent und Dozent. 1957 promovierte er mit Auszeichnung über Über die Größenkonstanz der Sehdinge bei Eigenbewegung des Wahrnehmenden. Seine Habilitation trug den Titel Elementaranalysen zur Psychophysik der Raumwahrnehmung.
Wegen wachsender Konflikte mit dem Institutsdirektor Kurt Gottschaldt ging Klix 1960 für zwei Jahre als Professor an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dort baute er mit anderen aus Berlin gekommenen Wissenschaftlern den Studiengang Psychologie neu auf. Er habilitierte sich an der Technischen Universität Dresden bei Werner Straub. 1962 kehrte er nach Berlin zurück, nachdem Gottschaldt einem Ruf nach Göttingen gefolgt war. An der Humboldt-Universität wirkte Klix zunächst in einer Interimsleitung des Instituts für Psychologie mit.
Arbeit an der Humboldt-Universität
1962 wurde Klix Ordentlicher Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und gleichzeitig Direktor des Instituts für Psychologie. Er übertrug die in Jena entwickelte Neuausrichtung nach Berlin: Psychologie sollte experimentell begründet und eng mit Mathematik und Kybernetik verbunden sein. Das Institut gliederte er in „Grundlagen der Psychologie“, „Ingenieurpsychologie“ und „Klinische Psychologie“. Ingenieurpsychologie untersucht zum Beispiel, wie Menschen mit technischen Systemen arbeiten.
Klix stellte sein wissenschaftliches Personal bewusst interdisziplinär zusammen. Neben Psychologen arbeiteten auch Mathematiker, Ingenieure, Physiker, Biologen und Philosophen mit. Dadurch entstanden neue Forschungszugänge und neue Lehrveranstaltungen. Bereits 1964 präsentierte sein Team auf dem Internationalen Symposium „Psychologische Probleme kybernetischer Forschung“ in Berlin erste Ergebnisse dieser Richtung.
Seit 1966 wurden am Institut auch psychophysiologische Forschungen durchgeführt. Psychophysiologie untersucht Zusammenhänge zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen Messgrößen. Wichtig wurden außerdem standardisierte Psychodiagnostik, zum Beispiel Intelligenzdiagnostik, sowie Ergebnisse zur Psychotherapie, etwa Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie und entspannende Verfahren.
Klix spielte auch international eine wichtige Rolle. Von 1972 bis 1980 sowie von 1984 bis 1992 gehörte er dem Exekutivkomitee der International Union of Psychological Science (IUPsS) an. 1980 war er Kongresspräsident des XXII. Internationalen Kongresses für Psychologie in Leipzig, der an den 100. Jahrestag der Gründung des weltweit ersten Instituts für Experimentelle Psychologie durch Wilhelm Wundt erinnerte. Von 1980 bis 1984 wurde Klix als erster Deutscher Präsident der IUPsS. 1980 ließ er den ersten Computer an der Sektion Psychologie installieren, der Experimente steuerte und analysierte, besonders ereigniskorrelierte Hirnpotenziale. 1982 wurde auf seine Veranlassung ein Psychodiagnostisches Zentrum angegliedert.
Akademie und Forschungsorganisation
Klix übernahm 1962 nach Gottschaldts Wechsel nach Göttingen nicht nur die Leitung des Instituts an der Humboldt-Universität, sondern auch die Leitung der Arbeitsstelle für experimentelle und angewandte Psychologie der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1965 wurde er zum Ordentlichen Akademiemitglied gewählt. Dadurch erhielt er Zugang zu breiteren Forschungsmöglichkeiten im Akademiebereich.
1969 entstand das Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse (ZKI) in Berlin. Es sollte Automatisierung, Steuerung, Rechentechnik und Informatik in der DDR erforschen und fördern. Klix konnte dort eine Grundlagenabteilung „Kybernetik“ einrichten und leiten; später wurde dieser Bereich als „Künstliche Intelligenz“ weitergeführt. Kennzeichnend war die Verbindung von Psychologie und Künstlicher Intelligenz.
Zu den Schwerpunkten gehörten kognitionspsychologische Grundlagen automatisierter Mustererkennung und Bildverarbeitung, Strategien für medizinische Diagnosesysteme und psycholinguistische Analysen für automatische Sprachverarbeitung. Psycholinguistik untersucht Sprache als geistigen Prozess. Ab 1969 bauten Hubert Sydow und Werner Krause im Auftrag von Klix am ZKI eine Abteilung und dann den Bereich „Grundlagen der Kybernetik“ auf. Die „Abteilung Analyse und Synthese von Problemlösungsprozessen“ wurde als Keimzelle eines geplanten „Zentralinstituts für Psychologie“ an der Akademie gesehen.
1983 wurde ein „Bereich Psychologie“ am ZKI gegründet, 1985 darin die Abteilung „Mathematische Modellierung und Simulation kognitiver Prozesse“. Das strategische Ziel eines eigenständigen „Zentralinstituts für Psychologie“ wurde jedoch nicht erreicht. Auch ein 1989/1990 vorbereiteter Aufbau eines neuen „Instituts für Psychologie“ an der Akademie wurde durch die Abwicklung der Akademie der Wissenschaften im Zuge der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr realisiert.
Modelle kognitiver Prozesse
Klix und seine Schüler versuchten, die Vielfalt geistiger Erscheinungen auf wenige modulare Einheiten zurückzuführen. Als elementare kognitive Operationen wurden sechs Einheiten genannt: Aktivation, Inhibition, Substitution, Transition, Projektion und Inversion. Aktivation bedeutet das Anregen oder Verfügbarmachen von Inhalten; Inhibition bedeutet Hemmung; Substitution bedeutet Ersetzung. Daneben wurden vier kognitive Prozeduren beschrieben: Vergleich, Verkettung, Verdichtung und Verkürzung. Sie wurden als Universalien des Denkens bezeichnet.
Außerdem unterschied Klix mit Elke van der Meer und Joachim Hoffmann zwei Klassen von Begriffen: Objektbegriffe und Ereignisbegriffe. Objektbegriffe beziehen sich auf Dinge oder Gegenstände; Ereignisbegriffe auf Vorgänge oder Geschehnisse. Er formulierte zudem das Postulat einer mentalen Grammatik. Gemeint ist eine innere Ordnung geistiger Operationen, die nicht einfach mit der Grammatik aus Schulbüchern gleichzusetzen ist, sondern im lexikalischen Bereich und beim konstruierenden Denken wirken könnte.
Weitere Arbeiten aus seiner Forschungsrichtung betrafen Mikrozustandssequenzen auf neuronaler Ebene, eine universelle Konstante als kleinstes Zeitquant von 4,56 ms, ganzzahlige Vielfache davon zur Unterscheidung kognitiver Prozesse und Strukturen, Verfahren zur Messung von Gedächtnisstrukturen, kognitive Strukturtransformationen, subjektive Metriken im Denkprozess, Kommunikationsprozesse unter kognitiven Anforderungen und systemtheoretische Analysen zur sensomotorischen Koordination. Die aufgeklärten kognitiven Elementarprozesse sollten auch praktisch genutzt werden, etwa zur Messung von Entwicklungsstörungen, zur Diagnosefindung und zur Entwicklung von Kommandosprachen in der Industrie.
Rezeption, Ehrungen und Veröffentlichungen
Klix’ Arbeiten zur Organisation des menschlichen Gedächtnisses werden als Grundlage für kognitionstheoretische, psychologische und psycholinguistische Forschungen dargestellt. In der Rezeption wird besonders sein Modell zur Wissensnutzung genannt. Typ 1 beschreibt die Aktualisierung von Teilen des Wissensbesitzes durch Anregung von Gedächtnisinhalten auf Grundlage assoziativer Speicherung. Beim Begriff „Schiff“ können etwa bedeutungsmäßig verbundene Lexeme wie „Steuermann“, „Anker“ oder „Decksaufbauten“ aktiviert werden. Typ 2 beschreibt Aktualisierung mit Hilfe von Operationen oder Prozeduren: Texte oder Textelemente werden durch Vergleichs-, Schluss- oder Inferenzprozesse verarbeitet, sodass aus gespeicherten Teilinhalten oder Prämissen nicht gespeicherte Konsequenzen abgeleitet werden.
Inferenz bedeutet, dass beim Verstehen zusätzliche Schlüsse gezogen werden. Eine „intendierte Inferenz“ aktiviert unausgesprochene, aber notwendige Inhalte; eine „elaborative Inferenz“ aktiviert weiteres passendes Wissen des Lesers oder Hörers. Dadurch können Textinhalt und hinzugefügtes Wissen später im Gedächtnis ununterscheidbar verschmelzen.
Klix veröffentlichte mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten und war an mehr als 65 Fachbüchern als Autor oder Mitherausgeber beteiligt. Besonders wichtig war Information und Verhalten (1971), ein Lehrbuch, das kybernetische, informations- und spieltheoretische Modelle nutzte, um psychische Prozesse wie Begriffsbildung und Gedächtnis zu beschreiben. Es wurde zum Standardlehrbuch der Allgemeinen Psychologie nicht nur in der DDR.
Zu seinen Ehrungen gehörten unter anderem: 1965 Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1969 Nationalpreis der DDR III. Klasse für Wissenschaft und Technik, 1971 Mitglied der Leopoldina, 1980 bis 1984 Präsident der IUPsS, Ehrendoktorate der Technischen Universität Dresden und der Universität Salzburg, 1989 Ordentliches Mitglied der Academia Europaea sowie 2002 der Wiener-Schmidt-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik.