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Friedensethik
Friedensethik ist ein Bereich der angewandten Ethik. Sie stellt Kriterien für gutes und schlechtes Handeln in Bezug auf die Erhaltung oder Schaffung von …
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Grundidee
Friedensethik ist ein Bereich der angewandten Ethik. Sie entwickelt Kriterien dafür, welches Handeln in Bezug auf die Erhaltung oder Schaffung von Frieden als gut oder schlecht gilt. Dabei bewertet sie sowohl die Motive als auch die Folgen von Handlungen. Besonders wichtig sind theologische Friedensethiken, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Weltethos.
Leitfrage und philosophischer Ansatz
Die philosophische Friedensethik fragt danach, wie man in bestimmten friedensrelevanten Situationen handeln soll. Die klassische Grundfrage stammt von Immanuel Kant: „Was soll ich tun?“. Kant bezog diese Frage in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ ausdrücklich auf friedensrelevantes Handeln. Diese Schrift gilt als Schlüsselwerk der modernen philosophischen Friedensethik.
Abgrenzung zu Recht und empirischen Wissenschaften
Die Rechtswissenschaft beantwortet friedensbezogene Fragen anders als die Friedensethik: Sie bezieht sich auf eine bereits geltende Rechtsordnung, also auf positives Recht. Dazu gehören völkerrechtliche und europarechtliche Normen, die ausgelegt und angewendet werden.
Empirische Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie untersuchen friedensbezogene Überzeugungen, Einstellungen und Sanktionsmuster beschreibend. Dazu zählen Friedensforschung und besonders Friedenspsychologie. Im Unterschied zur Friedensethik geht es ihnen nicht oder nur in geringerem Maße um normative Fragen, also um Rechtfertigung oder Kritik von Handlungen.
Wichtige klassische Texte
Als klassische Texte der Friedensethik nennt der Artikel unter anderem Augustinus von Hippo mit „De civitate Dei“ („Vom Gottesstaat“), besonders das 19. Buch, Erasmus von Rotterdam mit seinen Friedensschriften, Francisco de Vitoria mit „De indis“ („Über die Indianer“) und „De jure belli“ („Über das Kriegsrecht“), Immanuel Kant mit „Zum ewigen Frieden“ sowie Johannes XXIII. mit der Enzyklika „Pacem in terris“ über den Frieden unter allen Völkern in Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit.