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Fremdwort

Fremdwörter sind Wörter, die entweder aus altsprachlichen („fremden“) Wortelementen (besonders griechischen und lateinischen) „bei Bedarf neu gebildet“, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und sprachwissenschaftliche Einordnung
  2. 2. Lateinische und griechische Einflüsse
  3. 3. Einflüsse seit dem späten Mittelalter
  4. 4. Deutsche Entlehnungen in anderen Sprachen
  5. 5. Wörterwanderung und Bedeutungswandel
  6. 6. Überreste verdrängter Landessprachen

Begriff und sprachwissenschaftliche Einordnung

Fremdwörter sind Wörter, die aus altsprachlichen, besonders griechischen und lateinischen, Bestandteilen neu gebildet, aus antiken Schriftquellen entlehnt oder erst vor vergleichsweise kurzer Zeit aus einer lebenden Sprache übernommen wurden. Im Unterschied zu stärker integrierten Lehnwörtern sind sie der Zielsprache in Lautung, Betonung, Flexion, Wortbildung oder Schreibung weniger angepasst.

Viele aus griechischen oder lateinischen Elementen gebildete Wörter sind Internationalismen. So heißen Wörter, die in mehreren Sprachen gleichzeitig in ähnlichen, jeweils leicht angepassten Formen vorkommen. Die moderne Sprachwissenschaft unterscheidet allerdings meist nicht streng zwischen Fremdwörtern und Lehnwörtern, weil zahlreiche Zweifelsfälle bestehen. Üblicherweise spricht sie allgemein von Entlehnungen oder Lehnwörtern.

Die Quantitative Linguistik untersucht die zahlenmäßigen Regelmäßigkeiten sprachlicher Entwicklungen. Sie beschreibt die Übernahme von Fremd- und Lehnwörtern mithilfe des Sprachwandelgesetzes, auch Piotrowski-Gesetz genannt. Das Fremdwortspektrum zeigt ergänzend, aus welchen Sprachen wie viele Wörter übernommen wurden.

Lateinische und griechische Einflüsse

Lateinische Wörter gelangten erstmals in größerem Umfang in den germanischen Sprachraum, als das Römische Reich zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. weite Teile Europas beherrschte. Frühe Entlehnungen wie Straße, Frucht, Sichel und Koch wurden vor der zweiten Lautverschiebung aufgenommen. Deshalb erfasste und veränderte dieser Lautwandel auch sie, etwa tēgula zu Ziegel und piper zu Pfeffer.

Nach dem Untergang des Römischen Reiches und nach der zweiten Lautverschiebung wurden weitere lateinische Ausdrücke übernommen, die bereits deutlicher als Fremdwörter beziehungsweise Latinismen wahrgenommen wurden. Bedeutende Phasen waren die Christianisierung vom 6. bis zum 9. Jahrhundert durch Kirche und Klöster, die Einführung des römischen Rechts im Deutschen Reich am Ende des 15. Jahrhunderts, der Humanismus und die industrielle Revolution. Beispiele sind Akte, Familie, Konferenz und Advokat aus dem Rechtswesen, Addition, Professor und Sekunde aus dem Humanismus sowie Industrie, Lokomotive und Omnibus aus der Industrialisierung.

Seit dem Ende der Antike war Latein die Sprache der Wissenschaft. Griechisch gewann erst mit der Renaissance wieder größere Bedeutung.

Einflüsse seit dem späten Mittelalter

Mit der Entstehung großer Handelsgesellschaften wurden italienische kaufmännische Begriffe wie Konto und Saldo in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen. Das Italienische beeinflusste außerdem Kunst und Musik, beispielsweise durch Torso, Fresko, forte und Tempobezeichnungen wie andante.

Im Barock und in der Aufklärung verwendeten die oberen Gesellschaftsschichten in Deutschland besonders häufig Französisch. Sprachpuristen wie Philipp von Zesen und Johann Heinrich Campe versuchten, Fremdwörter durch deutsche Neubildungen zu ersetzen. Erfolgreiche Beispiele sind Abstand für Distanz, Anschrift für Adresse, Augenblick für Moment, Bücherei für Bibliothek, Mundart für Dialekt, Rechtschreibung für Orthographie, Erdgeschoss für Parterre und tatsächlich für faktisch. Viele solcher Wörter setzten sich auch unter dem Einfluss des Nationalismus im 19. Jahrhundert durch. Post und Bahn verdeutschten Fachausdrücke systematisch, etwa Perron zu Bahnsteig, Kuvert zu Umschlag und recommandé zu Einschreiben. Neuere Vorschläge wie Abschattung für Nuance waren dagegen wenig erfolgreich.

Ein Teil des heutigen deutschen Fremdwortschatzes stammt weiterhin aus dem Französischen. Der Zustrom französischer Wörter ging jedoch zurück, als die USA technisch und industriell an Bedeutung gewannen und Englisch im 20. Jahrhundert Französisch zunehmend als Sprache der Diplomatie ablöste. Heute überwiegen Entlehnungen aus dem Englischen, besonders aus dem amerikanischen Englisch, etwa Meeting und Computer.

Von den rund 140.000 Begriffen des heutigen Dudens hat ungefähr jedes vierte Wort fremdsprachliche Wurzeln. Jeweils etwa 3,5 Prozent stammen aus dem Englischen und Französischen, jeweils etwa fünf bis sechs Prozent aus dem Lateinischen und Griechischen. In einem fortlaufenden Zeitungstext beträgt der Fremdwortanteil ungefähr 8 bis 9 Prozent. Werden nur Substantive, Adjektive und Verben gezählt, sind es etwa 16 bis 17 Prozent. Fachtexte enthalten wegen ihrer vielen Termini technici, also fachsprachlichen Bezeichnungen, meist einen wesentlich höheren Anteil.

Deutsche Entlehnungen in anderen Sprachen

Sprachlicher Austausch verläuft in beide Richtungen: Deutsche Wörter wurden ebenfalls in zahlreiche andere Sprachen übernommen und gelten dort als Fremdwörter. Dabei können sich Aussprache, Schreibweise und Bedeutung verändern.

Im Englischen finden sich beispielsweise kindergarten, rucksack, sauerkraut, schadenfreude, zeitgeist, wanderlust, blitzkrieg und doppelganger. Das Präfix eigen- erscheint außerdem in mathematischen und physikalischen Fachwörtern wie eigenvalue und eigenspace. Das Französische übernahm unter anderem bunker, leitmotiv, weltanschauung und waldsterben, das Italienische etwa hinterland, kindergarten und wurstel. Japanische Beispiele sind arubaito für einen Neben- oder Studentenjob, abgeleitet von Arbeit, karute für Krankenkarte, baumukūhen für Baumkuchen und gerende für Skipiste oder Skigelände.

Im Polnischen gibt es zahlreiche Entlehnungen, darunter fajerwerk aus Feuerwerk, sznur aus Schnur, warsztat aus Werkstatt und szwagier beziehungsweise szwagierka aus Schwager beziehungsweise Schwägerin. Forschungen zufolge könnten bis zu 2500 polnische Wörter auf deutsche oder mittelhochdeutsche Wörter zurückgehen. Im Russischen bezeichnet buterbrod allgemein ein belegtes Brot, während galstuk, ursprünglich von Halstuch, Krawatte oder Schlips bedeutet. Weitere Entlehnungen sind im Niederländischen sowieso und überhaupt, im Spanischen die Hundekommandos fuss, platz und sitz, im Swahili shule sowie in südslawischen Sprachen Formen wie auspuh für Auspuff und tašna für Tasche.

Wörterwanderung und Bedeutungswandel

Für die internationale Ausschreibung „Wörterwanderung“ sammelten im Sommer 2006 mehr als 1600 Menschen aus 57 Ländern deutsche „ausgewanderte Wörter“. Die Beiträge verbanden persönliche Erlebnisse mit Erklärungen dazu, wie sich Bedeutungen in anderen Sprachen verändert hatten. Der Deutsche Sprachrat veröffentlichte einen Teil der Ergebnisse.

Das Wort Hinterland bezeichnet in England das Gebiet hinter einem Frachtschiffhafen, in Italien die dicht besiedelte Umgebung Mailands und in Australien küstenferne Gebiete, die aber nicht mit dem weitläufigen Landesinneren, dem Outback, gleichgesetzt werden. Das dänische habengut meint Dinge, die man besitzt und mitnehmen kann. In der französischsprachigen Schweiz bedeutet das von Schublade abgeleitete schubladisieren, etwas zu den Akten zu legen, aufzuschieben oder nicht behandeln zu wollen. In der englischen Jugendsprache dient uber, ohne Umlaut geschrieben, als Steigerung ähnlich wie super oder mega; aus Zeitgeist entstand außerdem das Adjektiv zeitgeisty. Realpolitik verbreitete sich in Italien während des Eisernen Vorhangs und wurde mit Willy Brandt verbunden; später wurde es zunehmend als „wahre, sinnvolle, lebensnahe Politik“ verstanden.

Am häufigsten genannt wurde das französische vasistas für Oberlicht oder Kippfenster, das vom deutschen Satz „Was ist das?“ abgeleitet ist. Danach folgten kindergarten, das im englischen, französischen, spanischen und japanischen Sprachgebrauch vorkommt, das russische butterbrot für ein belegtes Brot auch ohne Butter sowie kaputt im Englischen, Spanischen, Französischen und Russischen.

Überreste verdrängter Landessprachen

Fremdwörter können auch entstehen, wenn ein fremdes Volk einem Gebiet seine Kultur und Sprache so umfassend aufprägt, dass die vorherige Landessprache verdrängt wird. Die verbliebenen örtlichen Wörter erscheinen in der nun herrschenden Sprache dann als Fremdwörter.

Beispiele aus dem amerikanischen Sprachraum sind toboggan für Rutschschlitten und canoe aus indianischen Sprachen. Aus der Zeit der spanischen Kolonisation stammen adobe für einen an der Sonne getrockneten Lehmziegel sowie lasso, sierra und desperado.

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