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Franz von Papen
Leben in der Weimarer Republik (1918–1933) · Ausscheiden aus dem Militär und frühes politisches Wirken · Pläne für ein antikommunistisches Militärbündnis.
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und politische Grundhaltung
Franz Joseph Hermann Michael Maria von Papen (29. Oktober 1879 in Werl – 2. Mai 1969 in Obersasbach) war deutscher Berufsoffizier, Politiker und Diplomat. Er gehörte von 1921 bis 1932 der Deutschen Zentrumspartei an, war danach parteilos und trat am 13. März 1938 der NSDAP bei. Seine besondere historische Bedeutung liegt darin, dass er am Ende der Weimarer Republik entscheidend dazu beitrug, Adolf Hitler und die NSDAP an die Macht zu bringen.
Papen vertrat ein konservatives Christentum, war Monarchist und lehnte die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik ab. Langfristig wollte er eine christliche, konservative und autoritäre Monarchie wiederherstellen. Als Abgeordneter des Preußischen Landtags setzte er sich für agrarische Interessen, gegen die Zusammenarbeit des Zentrums mit SPD und Linksliberalismus und für ein Bündnis von Zentrum und DNVP ein.
Militärische und frühe Laufbahn
Papen stammte aus der westfälischen Adelsfamilie von Papen-Koeningen, die durch Salzgewinnung reich geworden war. Seine Kadettenausbildung führte ihn über das Pagenkorps und ein Ulanen-Regiment 1913 als Hauptmann in den Generalstab. Dort lernte er unter anderem Kurt von Schleicher kennen.
Von 1913 bis 1915 war er deutscher Militärattaché in Washington und für die USA sowie Mexiko zuständig. Unter Ausnutzung diplomatischer Immunität baute er mit Karl Boy-Ed und Heinrich Albert ein Spionage- und Sabotagenetz in Nordamerika auf. Die Gruppe beschaffte Informationen, organisierte gefälschte Pässe für deutsche Reservisten und versuchte, Lieferungen an die Entente zu behindern. Papen wurde im Januar 1916 zur Persona non grata erklärt und aus den USA ausgewiesen. Bei seiner Heimreise beschlagnahmte die britische Marine seine Unterlagen, wodurch weitere Beteiligte identifiziert werden konnten.
Ab 1916 kämpfte Papen an der Westfront und nahm als Generalstabsoffizier an der Schlacht an der Somme teil. 1917 diente er in Istanbul und an der Palästinafront. Anfang Dezember 1917 war er in Jerusalem mitverantwortlich für die Räumung und unzerstörte Übergabe der Stadt an britische Truppen. Nach dem Krieg schied er 1919 als Major aus dem Militär aus.
Kanzlerschaft und Abbau der Weimarer Demokratie
Am 1. Juni 1932 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Papen auf Betreiben Kurt von Schleichers zum Reichskanzler. Papen trat am 3. Juni aus der Zentrumspartei aus. Sein Kabinett bestand aus parteilosen Fachministern und DNVP-Mitgliedern; weil sieben von zwölf Mitgliedern adlig waren, wurde es „Kabinett der Barone“ genannt. Als Präsidialkabinett regierte es vor allem durch Notverordnungen des Reichspräsidenten und nicht durch parlamentarische Mehrheiten.
Papen plante einen „neuen Staat“: Die Weimarer Republik sollte von einer parlamentarischen zu einer autoritär-präsidialen Republik umgestaltet werden. Die Regierung sollte nur noch vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängen; der Reichstag sollte durch Wahlrechtsänderungen und eine nicht gewählte zweite Kammer geschwächt werden. Am Ende stand nach Papens Vorstellung die Wiedereinführung der Monarchie.
Für die Tolerierung seiner Regierung durch die NSDAP ließ Papen den Reichstag am 4. Juni 1932 auflösen und hob am 16. Juni das Verbot von SA und SS auf. Dies trug zu einer Welle politischer Gewalt im Wahlkampf bei. Sein wichtigster Eingriff war der „Preußenschlag“ vom 20. Juli 1932: Als Reichskommissar setzte er die SPD-geführte Regierung des Freistaats Preußen ab. Begründet wurde dies mit der Gefährdung von „öffentlicher Sicherheit und Ordnung“, als Vorwand dienten die Auseinandersetzungen des Altonaer Blutsonntags vom 17. Juli. Der Eingriff schwächte Föderalismus und Demokratie und zerstörte eine wichtige Machtbasis der Republik.
Nach der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 verweigerte Hitler Papen die weitere Unterstützung, weil Hindenburg ihm nicht die Kanzlerschaft übertragen wollte. Am 12. September stimmten 512 Abgeordnete gegen Papens Regierung, 42 für sie, bei fünf Enthaltungen; die Abstimmung war wegen einer gleichzeitig vorgelegten Auflösungsorder jedoch ungültig. Nach der Wahl vom 6. November plante Papen, die Verfassung auszusetzen und Neuwahlen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Schleicher stellte sich dagegen. Hindenburg ersetzte Papen am 3. Dezember 1932 durch Schleicher.
Weg zu Hitler und Tätigkeit im NS-Staat
Am 4. Januar 1933 verhandelte Papen mit Hitler im Haus des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder über eine Regierungsbeteiligung der NSDAP. Papen glaubte, Hitler „einrahmen“ und kontrollieren zu können. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler; Papen übernahm die Vizekanzlerschaft in einer Koalition von NSDAP und DNVP.
Seine Stellung verlor rasch an Gewicht. Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 gab der Reichsregierung diktatorische Befugnisse, die Hitler für sich nutzte. Am 7. April verlor Papen zudem das Amt des Reichskommissars für Preußen an Hermann Göring. Im Juli 1933 schloss er als Bevollmächtigter der Reichsregierung das bis heute gültige Reichskonkordat mit dem Vatikan ab. Es regelte das Verhältnis von Staat und katholischer Kirche, besiegelte aber laut Artikel das Ende des politischen Katholizismus; das NS-Regime verstieß später zunehmend gegen den Vertrag.
In der Marburger Rede vom 17. Juni 1934 kritisierte Papen SA-Übergriffe, Propaganda und den Personenkult um Hitler. Die Rede gilt jedoch nicht als grundsätzlicher Widerstand: Nach der „Röhm-Affäre“, bei der seine Mitarbeiter Herbert von Bose und Edgar Jung ermordet wurden, arbeitete er weiter mit dem Regime zusammen. Im Juli 1934 wurde er zum Rücktritt als Vizekanzler gedrängt.
Von 1934 bis 1938 war Papen Gesandter, ab 1936 Botschafter in Wien. Er bereitete dort den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vor. Nach dem Anschluss nahm er das Goldene Parteiabzeichen an und wurde NSDAP-Mitglied. Von April 1939 bis August 1944 war er Botschafter in Ankara. Er versuchte erfolglos, die Türkei für ein von Deutschland geführtes „Neues Europa“ zu gewinnen. Ein Bombenattentat des sowjetischen Geheimdienstes NKWD am 24. Februar 1942 überlebte er unverletzt. Obwohl er durch Angelo Roncalli früh von Vernichtungsaktionen an Juden in Polen erfuhr, unterstützte er entgegen späteren eigenen Aussagen keine Rettungsaktionen Roncallis. Am 11. April 1945 nahmen US-Fallschirmjäger ihn fest.
Nachkriegszeit und historische Bewertung
Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde Papen 1946 in allen Anklagepunkten freigesprochen. In der Entnazifizierung stufte ihn eine Spruchkammer am 24. Februar 1947 als „Hauptschuldigen“ ein und verurteilte ihn zu acht Jahren Arbeitslager. Nach einem Einspruch der Berufungskammer Nürnberg wurde er am 26. Januar 1949 vorzeitig entlassen; auch die Vermögenseinziehung wurde aufgehoben.
Papen versuchte danach erfolglos, politisch rehabilitiert zu werden und wieder politisch tätig zu sein. Seine Autobiografien Der Wahrheit eine Gasse (1952) und Vom Scheitern einer Demokratie (1968) wurden von Historikern kritisiert, weil sie seine Verantwortung für das Scheitern der Weimarer Republik verharmlosten. Er starb 1969 an einer Lungenentzündung und wurde in Wallerfangen beerdigt.
Die historische Forschung beurteilt Papen überwiegend sehr negativ und nennt ihn häufig „Hitlers Steigbügelhalter“. Damit wird seine Mitverantwortung für Hitlers Machtübernahme hervorgehoben. Karl Dietrich Bracher bezeichnete ihn als „Mörder einer Demokratie“. Andere Historiker sehen in ihm vor allem einen kurzsichtigen Reaktionär und politischen Dilettanten. Richard J. Evans charakterisiert ihn als Feind der Demokratie und Klerikalfaschisten, der dunkle Seiten des Nationalsozialismus ignoriert habe. Einzelne Bewertungen fallen differenzierter aus, doch auch sie kritisieren besonders sein Handeln 1932/33.