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Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich

Die Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich war Bestandteil der bürgerlich-demokratisch motivierten Revolutionen von 1848/1849, die einen großen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Ziele der Revolution
  2. 2. Revolution in Wien und Österreich
  3. 3. Italienische Gebiete und Einigungsbewegung
  4. 4. Böhmen, Ungarn und Slowakei
  5. 5. Ergebnisse und Bedeutung

Kern und Ziele der Revolution

Die Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich war Teil der bürgerlich-demokratischen Revolutionen, die 1848/1849 große Teile Mitteleuropas erfassten. Nach der Februarrevolution 1848 in Frankreich griff die revolutionäre Bewegung rasch auf das Kaisertum Österreich und seine Kronländer über. Das Habsburgerreich war ein Vielvölkerstaat; deshalb verbanden sich liberale und demokratische Forderungen mit nationalen Forderungen einzelner Volksgruppen.

Die Aufständischen wollten vor allem eine Veränderung der Regierungspolitik, das Ende der Restauration und mehr politische Rechte. Wichtige Forderungen waren Pressefreiheit, Verfassungen, parlamentarische Vertretung, Aufhebung adeliger Vorrechte und Bauernbefreiung. In Ungarn, Böhmen und Italien ging es zusätzlich um die Emanzipation der jeweiligen Volksgruppen innerhalb des habsburgischen Herrschaftsgebiets.

Die Erhebungen verliefen in mehreren Wellen und wurden blutig niedergeschlagen. Bis auf den Thronwechsel von Kaiser Ferdinand I. zu Franz Joseph I. blieben sie politisch zunächst weitgehend ohne dauerhaften Erfolg. Einige soziale und rechtliche Veränderungen, besonders die Bauernbefreiung, wirkten jedoch weiter.

Revolution in Wien und Österreich

In Österreich verschärfte der Hungerwinter 1847/1848 die soziale Not, besonders unter armen Bevölkerungsgruppen und Arbeitern. Am 13. März 1848 brach in Wien die Revolution aus. Der Sturm auf das Ständehaus, Demonstrationen, Angriffe auf Steuerämter, Polizeistationen, Bäckereien und Wirtshäuser sowie Plünderungen und Brände in Vorstädten und Vororten zeigten die Wut auf das politische System. Zeitgenössische Berichte nannten insgesamt 46 Tote, davon 23 Opfer des Militäreinsatzes gegen die politische Bewegung vom 13. März.

Am Abend des 13. März trat Staatskanzler Fürst Metternich, Symbolfigur der Restauration, zurück und floh nach England. Am 15. März machte Kaiser Ferdinand I. erste Zugeständnisse: Er versprach die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung. Die kurzfristige Aufhebung der Pressezensur führte zu vielen neuen Veröffentlichungen, Zeitschriften und politischer Kritik.

Die Pillersdorfsche Verfassung wurde Ende April 1848 als oktroyierte, also von oben verordnete, Verfassung vorgelegt. Da keine Volksvertretung beteiligt gewesen war, kam es erneut zu Protesten. Am 15. Mai wurde die Märzverfassung auf revolutionären Druck zurückgenommen. Am 17. Mai floh Kaiser Ferdinand nach Innsbruck.

Am 22. Juli 1848 wurde der konstituierende österreichische Reichstag mit 383 Delegierten aus Österreich und den slawischen Kronländern eröffnet. Anfang September beschloss er die Bauernbefreiung von der Erbuntertänigkeit. Am 23. August kam es in Wien zu einer Massendemonstration von Arbeitern gegen Lohnkürzungen. Weil besonders viele Frauen teilnahmen, gilt sie als erste Frauendemonstration in Österreich. Die Nationalgarde schoss am Prater in die unbewaffnete Menge; es gab 22 Tote und etwa 300 Verletzte. Dadurch wurden die Spannungen zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum offen sichtbar.

Der Wiener Oktoberaufstand war die letzte Erhebung der österreichischen Revolution. Am 6. Oktober 1848 wollten Arbeiter, Studenten und meuternde Truppen verhindern, dass kaiserliche Truppen gegen das aufständische Ungarn ausrückten. Es kam zu Straßenkämpfen; Kriegsminister Theodor Graf Baillet von Latour wurde gelyncht. Der Hof floh am 7. Oktober nach Olmütz, der Reichstag wurde am 22. Oktober nach Kremsier verlegt. Am 23. Oktober wurde Wien von Truppen aus Kroatien unter Joseph Jellačić und aus Prag unter Alfred Fürst zu Windischgrätz eingeschlossen. Nach Beschießung und Kämpfen wurde die Innere Stadt am 31. Oktober erstürmt. Rund 2000 Aufständische fielen. Viele Anführer wurden hingerichtet oder zu langen Haftstrafen verurteilt, darunter Wenzel Messenhauser, Alfred Julius Becher und Hermann Jellinek. Auch Robert Blum, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, wurde am 9. November 1848 trotz parlamentarischer Immunität erschossen.

Am 2. Dezember 1848 dankte Ferdinand I. ab. Sein 18-jähriger Neffe Franz Joseph I. übernahm den Thron. Die Revolution in Österreich war damit niedergeschlagen; die im März ausgearbeitete Verfassung trat nie in Kraft.

Italienische Gebiete und Einigungsbewegung

In Italien richteten sich die Aufstände auch gegen die österreichische Vorherrschaft in Oberitalien. Lombardei, Venetien, die Toskana und Modena standen unter österreichischer Oberhoheit. Die Bewegung des Risorgimento, also der italienischen nationalen Einigungsbewegung, strebte einen italienischen Einheitsstaat an. Wichtige revolutionäre Persönlichkeiten waren Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi.

Im Jänner 1848 begannen Aufstände auf Sizilien, in Mailand, Brescia und Padua. Am 17. März griffen sie auf Venedig und Mailand über. In Mailand erklärten die Revolutionäre die Unabhängigkeit der Lombardei von Österreich und forderten den Anschluss an Sardinien-Piemont. Während der fünf Tage von Mailand vom 18. bis 22. März 1848 mussten sich österreichische Truppen unter Josef Wenzel Radetzky in das Festungsviereck Mantua–Peschiera del Garda–Verona–Legnago zurückziehen. Daraus entstand der Erste Italienische Unabhängigkeitskrieg.

König Karl Albert von Sardinien hatte am 4. März 1848 eine Repräsentativverfassung nach französischem Vorbild erlassen und eine konstitutionelle Monarchie eingeführt. Er wollte die revolutionäre Lage nutzen, um Italien unter seiner Führung zu einen. Nach ersten Erfolgen wurden seine Truppen am 25. Juli 1848 in der Schlacht von Custozza von Radetzky geschlagen. Im Waffenstillstand vom 9. August fiel die Lombardei wieder an Österreich. Venedig blieb zunächst unabhängig und hatte am 23. März 1848 unter Daniele Manin eine Republik ausgerufen.

1849 kam es nach einem Putsch in der Toskana erneut zum Krieg. Am 23. März 1849 siegten die Österreicher bei Novara gegen die 100.000 Mann starke Armee Sardiniens. Karl Albert dankte zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. ab. Am 24. August 1849 wurde auch die Republik Venedig niedergeschlagen. Damit war die italienische Einigungsbewegung vorerst besiegt und die österreichische Vorherrschaft in Oberitalien im Wesentlichen wiederhergestellt.

Auch in nicht-österreichischen Teilen Italiens kam es zu Unruhen. Im Königreich Neapel-Sizilien erließ Ferdinand II. eine Verfassung. Im Kirchenstaat floh Papst Pius IX. im November 1848 aus Rom. Am 9. Februar 1849 riefen Revolutionäre unter Mazzini die Republik im Kirchenstaat aus, die am 3. Juli 1849 durch französische Truppen niedergeschlagen wurde.

Böhmen, Ungarn und Slowakei

In Böhmen fand vom 2. bis 12. Juni 1848 in Prag ein Slawenkongress statt. Dort wurde die Umwandlung der Donaumonarchie in einen Bund gleichberechtigter Völker gefordert. Danach begannen tschechische Revolutionäre den Prager Pfingstaufstand gegen die österreichische Herrschaft. Er wurde am 16. Juni 1848 von österreichischen Truppen unter Alfred Fürst von Windischgrätz niedergeschlagen.

In Ungarn griff die Revolution am 15. März 1848 von Pest aus um sich. Gefordert wurden Aufhebung der Zensur, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit, Abschaffung adeliger Vorrechte, Aufhebung der Leibeigenschaft und Landverteilung an Bauern. Die ständische Versammlung in Pressburg sollte zu einer modernen parlamentarischen Vertretung werden; außerdem sollte Ungarn eine eigene Regierung erhalten. Ferdinand I. bestätigte diese Reformen als März- beziehungsweise Aprilgesetze vom 11. April 1848.

Die Lage entwickelte sich jedoch zum Krieg. Die Magyaren kämpften gegen Nicht-Magyaren im Königreich, darunter Serben, Kroaten, Rumänen, Slowaken, Russinen und Siebenbürger Sachsen, sowie gegen kaiserliche Truppen. Ende September löste der Kaiser den ungarischen Landtag auf und erklärte den Kriegszustand. Lajos Kossuth wurde am 12. September 1848 zum wichtigsten politischen Führer der ungarischen Freiheitsbewegung.

Am 7. März 1849 erließ Kaiser Franz Joseph I. die Oktroyierte Märzverfassung. Für Ungarn bedeutete sie die Abschaffung der ungarischen Verfassung und die Abtrennung von Kroatien-Slawonien, Siebenbürgen, der Militärgrenze, der Woiwodschaft Serbien und dem Temeser Banat. Den Minderheiten wurden dabei keine eigenen Verwaltungseinheiten zuerkannt. Am 14. April 1849 erklärte der ungarische Reichstag die Unabhängigkeit vom Hause Habsburg-Lothringen und rief die Republik aus. Kossuth wurde Reichsverweser mit diktatorischen Vollmachten.

Da die ungarische Unabhängigkeit international nicht anerkannt wurde, unterstützten russische und kroatische Truppen Österreich. Mitte Juni 1849 begann eine österreichisch-russische Großoffensive. Am 13. August kapitulierten die Magyaren nach der Schlacht bei Segesvár; am 3. Oktober kapitulierten die letzten ungarischen Einheiten in Komárom. Danach wurden über hundert Anführer des ungarischen Aufstands in Arad hingerichtet. Am 6. Oktober 1849 wurde auch der frühere Ministerpräsident Lajos Batthyány in Pest hingerichtet. Kossuth ging im August 1849 ins Exil.

Der Slowakische Aufstand von September 1848 bis November 1849 bezeichnet drei slowakische bewaffnete Feldzüge gegen die Magyaren. Zu den führenden Persönlichkeiten gehörten Ľudovít Štúr, Jozef Miloslav Hurban, Michal Miloslav Hodža, Janko Kráľ und der tschechische militärische Führer Bedřich Bloudek.

Ergebnisse und Bedeutung

Die Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich scheiterte politisch weitgehend. In Österreich selbst gingen die meisten Errungenschaften der Märzrevolution verloren, und das Land trat in die Phase des Neoabsolutismus ein, also einer erneuten starken monarchischen Herrschaft ohne wirksame parlamentarische Kontrolle.

Dennoch blieben wichtige Wirkungen. In mehreren Verfassungsentwürfen, beginnend mit der nur drei Wochen bestehenden Pillersdorf’schen Verfassung von 1848 und der Oktroyierten Märzverfassung von 1849, wurde die formelle Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz festgehalten. Die Oktroyierte Märzverfassung wurde durch das Silvesterpatent von 1851 aufgehoben und durch das Oktoberdiplom von 1860 teilweise wieder bestätigt.

In den Kronländern hatte die Revolution besonders soziale Folgen: Landreform, Bauernbefreiung und im Königreich Ungarn die wirtschaftliche Durchsetzung des Kapitalismus. Damit war die Revolution zwar militärisch besiegt, veränderte aber wichtige rechtliche und gesellschaftliche Grundlagen der Habsburgermonarchie.

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