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Französischer Fußballpokal
Dieser Artikel behandelt den französischen Fußballpokal für Männermannschaften; zum entsprechenden Frauenwettbewerb siehe Coupe de France féminine. Der …
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Bedeutung und Grundprinzip
Die Coupe de France de football, meist Coupe de France genannt, ist neben der französischen Meisterschaft der wichtigste nationale Männerfußballwettbewerb für Vereinsmannschaften in Frankreich. Ausrichter ist der französische Fußballverband Fédération Française de Football (FFF). Der Wettbewerb wurde am 15. Januar 1917 beschlossen und am 7. Oktober 1917 gestartet; die erste Austragung war die Saison 1917/18. In der Saison 2025/26 gewann RC Lens erstmals den Pokal. Rekordsieger ist Paris Saint-Germain mit 16 Titeln.
Der Wettbewerb wird im K.-o.-System ausgetragen: In jeder Runde entscheidet grundsätzlich ein einziges Spiel, der Sieger kommt weiter, der Verlierer scheidet aus. Seit der Saison 2020/21 gibt es bei einem Unentschieden nach der regulären Spielzeit keine Verlängerung mehr, sondern sofort ein Elfmeterschießen. Eine Ausnahme ist das Endspiel, in dem eine Verlängerung weiterhin möglich ist.
Der Wettbewerb besteht aus einer Vorausscheidungsphase mit höchstens acht Runden und einem Hauptwettbewerb mit sechs Runden vom Zweiunddreißigstelfinale bis zum Endspiel. Die ersten sechs Qualifikationsrunden organisieren die Regionalverbände. Später werden die Mannschaften landesweit, teilweise nach annähernder Spielstärke, in Gruppen eingeteilt und ausgelost; ab dem Sechzehntelfinale gibt es keine Setzung mehr. Vereine höherer Ligen steigen später ein: Ligue-2-Vereine ab der siebten Runde, Ligue-1-Vereine im Zweiunddreißigstelfinale.
Teilnehmen darf pro Verein nur eine Mannschaft; zweite Teams von Profiklubs sind ausgeschlossen. Eine Pflicht zur Teilnahme besteht in den 2020er Jahren nur für Vereine der fünf höchsten Ligen. Das Heimrecht wird grundsätzlich ausgelost. Seit 2011/12 haben jedoch Mannschaften, die zwei Ligen tiefer spielen als ihr Gegner, automatisch Heimrecht. Amateurvereine verkaufen ihr Heimrecht gelegentlich aus finanziellen oder organisatorischen Gründen.
Entstehung und historische Entwicklung
Henri Delaunay regte einen landesweiten Pokal nach dem Vorbild des englischen FA Cup an. Der damalige Dachverband Comité Français Interfédéral beschloss am 15. Januar 1917 einen Wettbewerb für alle französischen Mannschaften, unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit. Sponsor war der Verlag Hachette mit der Zeitschrift Lectures pour Tous. Hachette zahlte fünf Jahre lang 5.000 Francs pro Saison und erhielt dafür zunächst das Recht, dass es keinen anderen landesweiten Fußballwettbewerb in Frankreich geben sollte. Die 1919 gegründete FFF übernahm und verlängerte diese Vereinbarung 1922 um fünf Jahre.
Die ersten beiden Austragungen fanden im Ersten Weltkrieg statt. Vereine aus Elsass, Teilen Lothringens sowie besonders stark betroffenen nördlichen und östlichen Regionen fehlten; Transporte, Sportstätten und die Verfügbarkeit der als Soldaten eingesetzten Spieler waren eingeschränkt. Deshalb meldeten sich 1917 nur 48 Vereine, 1918 waren es 59, in der ersten Nachkriegssaison 114 und 1920/21 bereits 202. 1950/51 wurde erstmals eine vierstellige Teilnehmerzahl erreicht; 2012/13 gab es mit 7.656 Vereinen die bisherige Höchstzahl.
Der Wettbewerb hieß zunächst und von 1940 bis 1945 erneut Coupe Charles Simon, nach einem im Krieg gefallenen Spieler und Verbandsfunktionär. Seit 1919/20 trägt er den heutigen Namen. In der Frühzeit dominierten Pariser Vereine: Die ersten sechs Sieger kamen aus Paris oder dem direkten Umland. Von 1924 bis 1927 gewann Olympique Marseille dreimal; FC Sète erreichte zwischen 1923 und 1930 vier Endspiele. Mit AS Valentigney (1926) und US Quevilly (1927) kamen auch zwei Kleinstadtvereine ins Finale.
Nach Einführung des Profifußballs 1932 setzten sich Profivereine, besonders Erstdivisionäre, durch. Bis 1939 dominierten Olympique Marseille und Racing Paris. 1944 bestritten zwei Regionalauswahlen aus bezahlten Staatsamateuren das Finale. Von 1945 bis 1955 prägte der OSC Lille den Pokal: Lille stand von 1945 bis 1949 fünfmal in Folge im Endspiel und gewann 1946 bis 1948 dreimal hintereinander.
Von 1955 bis 1965 gab es bei acht verschiedenen Siegern in zehn Jahren besonders viel Wechsel. 1959 gewann Le Havre AC als Zweitligist; bis 2009 blieb dies der einzige Pokalsieg eines unterklassigen Vereins. Zwischen 1965 und 1982 prägten AS Saint-Étienne, FC Nantes, Olympique Marseille und Olympique Lyon den Wettbewerb. Saint-Étienne gewann alle fünf bis 1977 erreichten Finals.
Von 1982 bis 2000 holte Paris Saint-Germain den Pokal wieder nach Paris und gewann insgesamt fünfmal. 1996 erreichte erstmals ein Drittligist, Olympique Nîmes, das Finale; 2000 gelang dies mit Calais RUFC erstmals einem Viertligisten. 1991/92 wurde nach dem „Drama von Furiani“ kein Finale gespielt: Beim Einsturz einer Zusatztribüne im Stade Armand-Cesari in Bastia starben 18 Menschen, mehr als 2.350 wurden verletzt, und die FFF brach den Wettbewerb ab.
Im 21. Jahrhundert gewannen unter anderem Olympique Lyon (2008 und 2012), FC Sochaux (2007), EA Guingamp (2009 und 2014), Paris Saint-Germain (2015 bis 2018 sowie 2020 und 2021), FC Nantes (2022), FC Toulouse (2023) und erneut PSG (2024 und 2025). 2025/26 holte RC Lens seinen ersten Titel.
Regeln, Änderungen und wirtschaftliche Bedeutung
Die Regeln wurden mehrfach verändert. In der Saison 1917/18 bestimmte eine Kommission die Paarungen, wobei Reisedistanzen und Infrastruktur berücksichtigt wurden. Ab 1921/22 wurden Achtelfinale und spätere Runden ausgelost, ab 1945/46 auch das Sechzehntelfinale und ab 1947/48 das Zweiunddreißigstelfinale. Von 1954/55 bis 1958/59 sowie von 1976/77 bis 1979/80 wurde dort auf Druck der Profivereine wieder gesetzt.
Früher wurden unentschiedene Spiele auch nach Verlängerung wiederholt; das letzte Endspiel nach dieser Regel fand 1965 statt. Danach entschied zunächst ein Münzwurf, später ein Elfmeterschießen. Das erste Elfmeterschießen in einem Finale fand 1982 statt. Von 1945 bis in die 1960er Jahre wurden Hauptrundenspiele außer dem Finale grundsätzlich auf neutralem Platz ausgetragen, gelegentlich sogar in Algerien oder der Karibik. Von 1968/69 bis 1988/89 gab es in den landesweiten Hauptrunden außer dem Finale Hin- und Rückspiele. In diesen 21 Jahren setzten sich in nur 28 von 127 Paarungen zwischen unterschiedlich klassigen Mannschaften die unterklassigen Teams durch.
Von 1952/53 bis 1964/65 existierte zusätzlich die Coupe Charles Drago für ausgeschiedene Profimannschaften. Sie widersprach der üblichen Pokalregel, nach der eine Niederlage das Ausscheiden bedeutet, diente aber wirtschaftlich bedrängten Vereinen als zusätzliche Einnahmequelle.
Der Pokal wird durch Sponsoren und Fernsehrechte finanziert. 2009/10 waren Adidas, Caisse d’Épargne und SFR Hauptsponsoren; TF1 und Eurosport zahlten zusammen 14,15 Mio. € pro Saison für Übertragungsrechte. Unternehmen dürfen unter anderem auf Banden und Trikots werben. Bei Fernsehspielen gilt ab dem Zweiunddreißigstelfinale das Prinzip des „clean stadium“: Vorhandene Werbung muss in bestimmten Zonen spätestens 24 Stunden vor dem Anpfiff entfernt werden.
Die FFF zahlt den Vereinen ab der siebten Runde jährlich neu festgesetzte Antrittsgelder. 2008/09 waren es 1.500 € in der siebten Runde, 35.000 € im Zweiunddreißigstelfinale, 130.000 € im Viertelfinale, 280.000 € im Halbfinale und 560.000 € im Endspiel. Der Sieger erhielt zusätzlich 140.000 € und damit insgesamt 1,25 Mio. € aus dieser Quelle. 2020/21 beliefen sich die Verbandszahlungen insgesamt auf 11,93 Mio. €. Amateurvereine erhalten außerdem ab der vierten Runde kostenlos Ausrüstung für 16 Spieler.
Überraschungen und besondere Finalleistungen
Die Coupe de France ermöglicht Begegnungen zwischen Vereinen sehr unterschiedlicher Spielklassen. Eine der bekanntesten Sensationen gelang am 4. Februar 1957 dem algerischen Amateurverein SCU El Biar gegen das Spitzenteam Stade de Reims. El Biar gewann in Toulouse mit 2:0. Guy Buffard erzielte nach vier Minuten per Freistoß das 1:0, Roland Almodovar erhöhte noch in der ersten Halbzeit. Torhüter Paul Benoît hielt den anschließenden 50-minütigen Angriff von Reims ohne Gegentor.
US Quevilly erreichte 1927, 2012 und 2018 das Finale beziehungsweise in früheren Läufen das Halbfinale. 1968 schaltete Quevilly Olympique Lyon aus und verlor erst nach Verlängerung gegen Girondins Bordeaux; 2010 besiegte der Verein Stade Rennes und US Boulogne. Der Viertligist Calais RUFC kam 2000 nach Siegen gegen AS Cannes, Racing Straßburg und Girondins Bordeaux ins Finale und verlor dort gegen FC Nantes durch ein Elfmetertor in letzter Sekunde mit 1:2. Weitere bemerkenswerte Läufe gelangen US Jeanne d’Arc Carquefou 2007/08 und SO Chambéry 2010/11, die jeweils zwei beziehungsweise drei Erstligisten ausschalteten.
Seit Einführung der Profiliga 1932/33 erreichten in 18 von 85 ausgetragenen Finals unterklassige Mannschaften das Endspiel. Nur Le Havre AC 1959 und EA Guingamp 2009 gewannen als damalige Zweitligisten. Daneben kamen Drittligisten wie Olympique Nîmes (1996), SC Amiens (2001), US Quevilly (2012) und VF Les Herbiers (2018) sowie Calais als Viertligist (2000) sehr nahe an den Titel.
Red Star und OSC Lille gewannen jeweils dreimal hintereinander, Paris Saint-Germain sogar viermal in Folge von 2015 bis 2018. Nur OSC Lille (1945 bis 1949) und PSG (2015 bis 2019) erreichten fünf Endspiele nacheinander. Seit Einführung des Profifußballs wurden zwölf Double-Gewinner registriert, also Vereine, die in derselben Saison Meister und Pokalsieger wurden. Vier Vereine gewannen den Pokal und stiegen zugleich in die zweite Liga ab: Saint-Étienne 1962, Nizza 1997, Strasbourg 2001 und Lorient 2002.
Endspiel, Trophäe und internationale Bedeutung
Das Endspiel wurde traditionell in Paris oder der angrenzenden Banlieue ausgetragen. Wichtige Spielstätten waren das Stade Olympique Yves-du-Manoir in Colombes (1925–1937, 1939, 1942–1943, 1945–1964 und 1968–1971), der Parc des Princes sowie seit 1998 das Stade de France in Saint-Denis. Wegen Renovierungsarbeiten für die Olympischen Sommerspiele und Paralympics 2024 fand das Finale 2024 im Stade Pierre-Mauroy in Lille statt; seit 2025 wird wieder im Stade de France gespielt. Seit 1927 übergibt meist der französische Staatspräsident den Pokal. 2022 leitete Stéphanie Frappart als erste Frau ein Finale.
Der Wanderpokal wurde 1916 von Adrien Chobillon aus 3,2 Kilogramm Silber gefertigt. Er ist 48 Zentimeter hoch und hat einen maximalen Durchmesser von 33 Zentimetern. Der Pokal besitzt einen kelchförmigen Korpus, zwei Henkel und eine plastische Siegesgöttin als Abschluss. Dazu gehört ein 15 kg schwerer Marmorsockel mit 14,5 cm Höhe. Seit 1967 erhalten Siegervereine statt des Originals eine Kopie sowie ein verkleinertes Modell; die Namen der Sieger werden am Marmorsockel eingraviert.
Besonders erfolgreiche Spieler waren Marceau Somerlinck, Dominique Bathenay und Alain Roche mit jeweils fünf Titeln. Die meisten Finalteilnahmen eines Spielers erreichten Jean Baratte und Joseph Jadrejak mit jeweils sechs. Die erfolgreichsten Finaltorschützen waren Emmanuel Aznar, Jules Dewaquez und Roger Vandooren mit jeweils vier Treffern; Éric Pécout und Jean-Pierre Papin erzielten in einem einzelnen Finale jeweils drei Tore. Bei den Trainern gewannen André Cheuva und Guy Roux jeweils viermal. Michel Vautrot leitete mit fünf Endspielen die meisten Finals.
Der Pokalsieger qualifizierte sich von 1960 bis 1998 für den Europapokal der Pokalsieger; wenn der Sieger bereits am Landesmeisterwettbewerb teilnahm, rückte der unterlegene Finalist nach. Seit 1999 führt die Qualifikation in den UEFA-Pokal, der ab 2009/10 UEFA Europa League heißt. Von 48 französischen Teilnahmen erreichte eine Mannschaft 15-mal mindestens das Viertelfinale, siebenmal das Halbfinale und dreimal das Endspiel. Nur Paris Saint-Germain gewann eines dieser europäischen Endspiele, 1996.