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Französisch-Polynesien
Französisch-Polynesien (tahitianisch Porinetia Farani, französisch), ursprünglich Französisch-Ozeanien, ist ein französisches Überseegebiet in Polynesien.
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Überblick und Geographie
Französisch-Polynesien, tahitianisch Porinetia Farani und französisch Polynésie française, ist ein französisches Überseegebiet in Polynesien. Es besitzt eine eigene parlamentarische Verfassung mit der Assemblée de la Polynésie française sowie eine eigene Flagge. Das Gebiet gehört weder zur Europäischen Union noch zum Schengen-Raum.
Französisch-Polynesien liegt im südlichen Pazifik etwa bei 15° südlicher Breite und 140° westlicher Länge. Es besteht aus 118 Inseln und Atollen in fünf Archipelen: den Gesellschaftsinseln, dem Tuamotu-Archipel, den Marquesasinseln, den Austral-Inseln und den Gambierinseln. Die Inseln verteilen sich auf eine Wasserfläche von etwa 4.000.000 km², während die Landfläche nur etwas mehr als 4.000 km² beträgt. Höchste Erhebung ist der Mont Orohena mit 2241 m.
Die Gesellschaftsinseln umfassen 14 Inseln mit 1.647 km² Fläche und 235.295 Einwohnern. Zum Tuamotu-Archipel gehören 76 Atolle mit 850 km² und 15.410 Einwohnern, die Marquesasinseln umfassen 12 Inseln mit 1.274 km² und 9.261 Einwohnern. Die Austral-Inseln bestehen aus 6 Inseln mit 148 km² und 6.820 Einwohnern, die Gambierinseln aus 26 Inseln mit 31 km² und 1.421 Einwohnern. Bekannteste und bevölkerungsreichste Insel ist Tahiti; Hauptstadt ist Papeete.
Bevölkerung, Sprachen und Religion
2017 hatte Französisch-Polynesien 283.007 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 69 Einwohner pro km². Die Bevölkerung wuchs von 60.266 Personen im Jahr 1950 über 78.076 (1960), 110.495 (1970), 151.708 (1980), 198.375 (1990), 237.258 (2000) und 267.820 (2010) auf 283.007 (2017).
Etwa 78 % der Bevölkerung sind Polynesier, die verschiedenen Volksgruppen angehören. Chinesen bilden mit 12 % die größte Minderheit und haben vor allem in der Wirtschaft großen Einfluss. Nachkommen eingewanderter französischer Siedler machen 6 % aus; in Frankreich geborene Franzosen stellen 4 % der Gesamtbevölkerung. Ein Teil der Bevölkerung ist gemischter ethnischer Herkunft.
Französisch ist die einzige Amtssprache. Ein Gesetz mit Verfassungsrang vom 12. April 1996 erlaubt, Tahitianisch und andere polynesische Sprachen regional zu verwenden. Die französische Sprachpolitik fördert die Frankophonie; dadurch haben einheimische polynesische Sprachen einen schlechten sozialen Status und werden auch von Muttersprachlern zunehmend seltener gebraucht. Viele sind vom Aussterben bedroht.
Nach der Volkszählung von 2007 sprachen unter den über 15-Jährigen 68,5 % zu Hause normalerweise Französisch und 29,9 % eine polynesische Sprache; davon entfielen vier Fünftel auf Tahitianisch. 1 % verwendete zu Hause eine chinesische Sprache, davon die Hälfte Hakka, und 0,6 % eine andere Sprache. Insgesamt konnten 94,7 % der über 15-Jährigen Französisch sprechen, lesen und schreiben; 2 % hatten keine Französischkenntnisse. Eine polynesische Sprache konnten 74,6 % sprechen, schreiben und lesen, während 13,6 % keine Kenntnisse irgendeiner polynesischen Sprache mehr besaßen.
Religiös gehören 54 % protestantischen Gemeinschaften an, 30 % sind römisch-katholisch, 11 % gehören anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an und 6 % keiner Religionsgemeinschaft.
Geschichte der Inselgruppen
Die Gesellschaftsinseln wurden etwa um 200 v. Chr. von Tonga und Samoa aus besiedelt. Zusammen mit den Marquesas bildeten sie das polynesische Kernland und das Sprungbrett zur Besiedlung von Hawaii, Neuseeland, den Gambierinseln und der Osterinsel. In abgeschlossenen Tälern entstanden neun unabhängige Stammesfürstentümer. Die Gesellschaft war streng hierarchisch gegliedert: An der Spitze standen die ari’i oder ariki, der Adel und die großen Landbesitzer; darunter die raatira, also freie Kleingrundbesitzer, Handwerker, Bootsbauer, Tätowierer und Künstler; abhängig von den Grundherren lebten die manahune, die den größten Teil ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse abführen mussten. Religiöse und weltliche Macht waren eng verbunden. Eine besondere Rolle spielte der Geheimbund Arioi.
Vor der europäischen Einflussnahme war Raiatea das geistige und religiöse Zentrum. Wichtigste Kultstätte war der Marae Taputapuatea im Opoa-Tal. Der zunächst dem Meeres- und Fischereigott Ta’aroa gewidmete Kult wurde etwa ab dem 15. Jahrhundert durch den Kriegsgott Oro geprägt; damit nahmen auch Menschenopfer zu. Im 17. Jahrhundert wuchs die Bedeutung der Arioi und der Einfluss der Tamatoa-Dynastie aus Opoa. Auf Moorea lassen sich drei Entwicklungsphasen unterscheiden: die relativ homogene Pre-Atiro’o-Phase vor 1000 n. Chr., die hierarchische Atiro’o-Periode von 1000 bis 1650 mit Anbauterrassen und Steinbauten sowie die Marama-Periode von 1650 bis 1788, in der der Marama-Stamm das Opunohu-Tal vereinigte.
Europäische Kontakte begannen mit Magellans Entdeckung des Tuamotu-Archipels 1521. Maupiti wurde 1722 von Jakob Roggeveen erreicht. Tahiti betrat Samuel Wallis am 21. Juni 1767; Louis Antoine de Bougainville landete am 6. April 1768 und nahm die Gesellschaftsinseln für Frankreich in Besitz. James Cook besuchte Tahiti 1769, beobachtete dort den Venustransit und kartierte den Archipel 1777 genauer. Europäische Waffen, Alkohol und eingeschleppte Krankheiten verstärkten Stammeskriege und führten zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Tahitis Bevölkerung wurde 1804 auf nur noch 6.000 Menschen geschätzt. Pomaré II. setzte sich mit europäischer und missionarischer Unterstützung durch, ließ sich 1812 taufen und besiegte am 12. November 1815 die Anhänger des alten Glaubens. 1819 führte er einen strengen christlichen Strafkatalog ein. Das Marae Taputapuatea wurde 1828 zerstört.
Frankreich errichtete 1842 ein Protektorat über Tahiti, das 1844 formell anerkannt wurde. Königin Pomaré Vahine IV. regierte zeitweise von Raiatea aus. Pomaré V. dankte am 29. Juni 1880 ab; im März 1888 fiel der gesamte Archipel als Kolonie an Frankreich. Auf Raiatea dauerte der Widerstand unter Teraupo bis zu seiner Gefangennahme 1897 an.
Die Tuamotu-Inseln wurden vermutlich um 700 n. Chr. von den Gesellschaftsinseln aus besiedelt. Ihre Frühgeschichte ist weitgehend ungeklärt. Nach zahlreichen europäischen Kontakten und dem Vordringen der Missionare wurden sie 1880 nach dem Verzicht Pomaré V. auf seinen Thronanspruch von Frankreich annektiert. 1947 erreichte Thor Heyerdahl mit der Kon-Tiki das Atoll Raroia. Die Wiederaufnahme französischer Atomtests auf Fangataufa und Mururoa im September 1995 löste weltweite Proteste aus; im Januar 1996 wurden die Tests abgebrochen. Offizielle Angaben über Verstrahlung und Schäden an Menschen liegen laut Artikel nicht vor.
Die Marquesas wurden vermutlich in mehreren Siedlungswellen von Westen aus besiedelt. Der genaue Beginn ist umstritten: Robert Suggs nahm 100 v. Chr. bis 150 n. Chr. an, neuere Veröffentlichungen setzen die Erstbesiedlung nicht vor 300 n. Chr. an. Die Entwicklung wird in Siedlungsperiode, Entwicklungsperiode (600–1200), Expansion (1200–1600) und klassische Zeit (1600 bis zur europäischen Einflussnahme) gegliedert. Anfänglich lebten die Menschen von der Küstenfischerei; später wurden Taro, Yams, Brotfrucht und Kokosnuss wichtig. Bevölkerungswachstum und der Rückgang natürlicher Nahrungsquellen führten zu Anbauterrassen, Bewässerung und Vorratsgruben für fermentierten Brotfruchtbrei. In den Tälern entstanden unabhängige, streng hierarchische Stammesfürstentümer. Zentren waren die tohua für Feste und Zeremonien; Bergfestungen belegen häufige Stammeskriege. In der klassischen Zeit entstanden große Tempelplattformen, Steinfiguren und megalithische Hausplattformen. Die Kriegerkaste und der Orden der Kaioi gewannen an Einfluss.
Die Marquesas wurden 1595 von Alvaro Mendana de Neira für Europa entdeckt. James Cook besuchte sie 1774. Frankreich annektierte die südöstliche Gruppe am 1. Mai 1842 und die nordwestliche Gruppe am 2. Juni 1842. Missionare versuchten, traditionelle Praktiken wie Kava-Trinken, Tätowierung, Tänze und traditionelle Musik zu verdrängen, bekämpften aber auch Kannibalismus und Stammeskriege. Sklavenhändler verschleppten ab 1860 zahlreiche Bewohner auf peruanische Guanoinseln; die Rückkehrer lösten 1863 eine Pockenepidemie aus.
Die Gambierinseln wurden wahrscheinlich etwa um 1000 n. Chr. von den Gesellschaftsinseln aus besiedelt. Die streng stratifizierte Stammesgesellschaft war durch Kriege, Nahrungsknappheit und teilweise Kannibalismus geprägt. 1834 begann unter Honoré Laval und François d’Assise Caret die katholische Mission. Nach der Taufe König Maputeoas 1836 errichteten die Missionare Kirchen und öffentliche Bauten und förderten Baumwolle, Perlen- und Perlmuttfischerei sowie Plantagen. Die zwangsweise eingesetzten Arbeitskräfte, Hungersnöte und neue Infektionskrankheiten führten zugleich zu Verelendung und starkem Bevölkerungsrückgang. Frankreich übernahm 1881 die Verwaltung. In den 1960er bis 1980er Jahren brachte die Nähe zum französischen Atomtestgebiet einen zeitweiligen wirtschaftlichen Aufschwung; die militärische Nutzung wird zugleich mit möglichen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht.
Zu den Austral-Inseln gehören die Tubuai-Inseln mit Maria, Raivavae, Rimatara, Rurutu und Tubuai sowie die Bass-Inseln mit den unbewohnten Marotiri beziehungsweise Bass Rocks und Rapa.
Politischer Status und Selbstbestimmung
Französisch-Polynesien ist ein französisches Überseegebiet mit weitgehender innerer Autonomie. Im Februar 2004 wurde ein neues Autonomiestatut beschlossen: Der offizielle Status wechselte vom französischen Übersee-Territorium (TOM) zum Überseeland (POM). Die lokale Regierung und der lokale Präsident wurden gestärkt. Frankreich ist vor allem für Außenpolitik, Justiz, Verteidigung, innere Sicherheit und das Geldwesen zuständig.
Das Parlament, die Assemblée de la Polynésie française, wurde von 49 auf 57 Mitglieder erweitert. Die stärkste Liste erhält automatisch 30 % der Sitze zusätzlich zu ihrem proportionalen Stimmenanteil. Die Zugangshürde wurde von 5 % auf 3 % der abgegebenen Stimmen gesenkt, die Zahl der Wahlkreise von 5 auf 6 erhöht.
Französisch-Polynesien gehört nicht zur Europäischen Union. Seine Einwohner sind jedoch französische Staatsbürger und damit Unionsbürger; sie dürfen an Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen. Grundfreiheiten der Europäischen Union, etwa die freie Arbeitsplatzwahl, gelten dort dagegen nicht.
Die Unabhängigkeitspartei Tāvini huiraʻatira strebt die volle Souveränität an. Die autonomiefreundliche, aber gegen die Unabhängigkeit gerichtete Partei Tāhōʻēraʻa huiraʻatira gewann 2013 zunächst gegen sie. Am 17. Mai 2013 setzte die UN-Generalversammlung Französisch-Polynesien wieder auf die Entkolonialisierungs-Liste; Frankreich boykottierte die Sitzung und bezeichnete dies als Einmischung. Gaston Flosse wurde 2013 Präsident, musste aber wegen einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Korruption am 5. September 2014 zurücktreten. Ihm folgte am 12. September 2014 Édouard Fritch, der 2016 die autonomiefreundliche Partei Tāpura huiraʻatira gründete. Bei der Wahl 2023 erhielt Tāvini huiraʻatira 44,3 %, Tāpura huiraʻatira 38,5 % und A Here ia Porinetia 17,2 %. Am 12. Mai 2023 wurde Moetai Brotherson Präsident.
Kultur und Alltag
In Französisch-Polynesien gibt es drei Fernsehsender: RFO Tempo Polynésie, RFO Télé Polynésie des Senders Outre-mer La 1ère und TNTV (Tahiti Nui TV).
Die Esskultur ist besonders durch Fisch und Meeresfrüchte sowie verschiedene Gemüsearten geprägt. Als Nachspeise werden meist Früchte gegessen. Eine besondere Delikatesse sind Nacktschnecken aus dem Meer, die häufig beim Langustentauchen gesammelt und roh verzehrt werden. Der giftige Schleim der Tiere wird vor dem Verzehr entfernt.