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Frankophonie

Der Begriff Frankophonie (oft auch Francophonie) ist auf zwei Bedeutungsebenen zu verstehen: Einerseits wird als Frankophonie die Gesamtheit der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung und Sprachpolitik
  3. 3. Mitgliedschaft nach Regionen
  4. 4. Beantragte Mitgliedschaft und Austritte
  5. 5. Verbreitung und internationale Verwendung

Begriff und Bedeutung

Der Begriff Frankophonie hat zwei Bedeutungen. Im weiteren Sinn bezeichnet er die Gesamtheit der französischsprachigen Territorien, also den französischen Sprachraum. Dazu gehören mindestens die 32 Staaten, in denen Französisch Amtssprache ist, sowie Territorien, in denen Französisch die Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit ist.

Im engeren Sinn steht Frankophonie auch für die Organisation internationale de la Francophonie (OIF), auf Deutsch „Internationale Organisation der Französischsprachigkeit“. Der Sprachraum wird im Französischen als la francophonie mit kleinem f bezeichnet, die Organisation als la Francophonie mit großem F. Der Artikel nennt 57 Mitgliedstaaten. In den insgesamt 88 OIF-Mitgliedsterritorien und 26 Territorien mit Beobachterstatus lebten 2018 etwa 300 Millionen Französischsprecher, einschließlich der Nicht-Muttersprachler. Generalsekretärin der OIF ist die ruandische Politikerin Louise Mushikiwabo.

Die OIF umfasst neben Frankreich zahlreiche ehemalige französische Kolonien. Zwischen ihnen und Frankreich bestehen weiterhin unterschiedlich starke kulturelle, sprachliche oder politische Verbindungen. Die Organisation wird daher auch als französisches Gegenstück zum britischen Commonwealth betrachtet. Die Aufnahme von Staaten wie Moldau und Bulgarien, die keinen unmittelbaren historischen oder sprachlich-kulturellen Bezug zu Frankreich haben, verdeutlicht zugleich den geopolitischen Charakter der OIF. Nach der Ministerkonferenz von 2005 in Antananarivo gilt sie als Hauptakteur der Frankophonie. Die fünf Farben ihrer Flagge symbolisieren die fünf Kontinente.

Entwicklung und Sprachpolitik

Der Begriff Frankophonie wurde 1880 erstmals vom Geographen Onésime Reclus (1837–1916) verwendet. Einen internationalen Durchbruch erzielte die OIF besonders unter dem Vorsitz des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Boutros-Ghali von 1997 bis 2002.

Die französische Regierung unter Chirac/de Villepin setzte sich verstärkt gegen die Vorherrschaft des Englischen ein. Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres unterstützte einen weltweit empfangbaren französischsprachigen Nachrichtensender nach dem Vorbild von CNN sowie eine spezielle Suchmaschine für allgemeine Inhalte und die Digitalisierung von Büchern. Das erste Projekt schien zunächst zu scheitern; der Sender France 24 nahm jedoch den Betrieb auf und ist auf Französisch, Arabisch und Englisch empfangbar. Für die Suchmaschine gewann der Minister zurückhaltende Unterstützung anderer Europäer, allerdings fehlte Geld.

2013 erlaubte Kulturministerin Geneviève Fioraso den Unterricht auf Englisch in einigen Lehrveranstaltungen staatlicher Universitäten. Private Wirtschaftshochschulen und Grandes Écoles hatten entsprechende Ausnahmegenehmigungen bereits seit Jahren genutzt. Die Entscheidung löste eine kontroverse Debatte über die heutige Bedeutung der Frankophonie aus. Kritiker aus der Académie française und andere Stimmen warnten vor einer Verarmung und Marginalisierung des Französischen sowie vor dem Verlust einer französischen Universalkultur. Befürworter oder andere Beteiligte verwiesen dagegen auf die internationale Entwicklung; Fioraso setzte sich mit ihrem Vorhaben durch. Außerdem wurde diskutiert, ob die Regelung gegen das Toubon-Gesetz zum Schutz der Frankophonie von 1994 verstoße.

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2017 erklärten 52 Autoren, die französische Sprache gehöre allen, die sie sprechen, und nicht nur den Franzosen. Sie betonten, dass Sprachen durch Entlehnungen und Übersetzungen sowie durch die Begegnung mit anderen Sprachen entstehen und bereichert werden. Eine Fachorganisation der Frankophonie ist die Association internationale des maires francophones.

Mitgliedschaft nach Regionen

Die Mitgliederliste hat den Stand von 2018 und unterscheidet Vollmitglieder, assoziierte Mitglieder und Beobachter. In Europa gehören unter anderem Albanien, Andorra, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Luxemburg, Moldau, Monaco, Nordmazedonien, Rumänien und die Schweiz zu den Vollmitgliedern beziehungsweise assoziierten Mitgliedern. Kosovo, Serbien und Zypern sind als assoziierte Mitglieder aufgeführt. Belgien sowie die Wallonische Region Wallonie-Bruxelles besitzen eigene Sitze. Beobachter sind unter anderem Bosnien und Herzegowina, Estland, Irland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Montenegro, Österreich, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien, die Ukraine und Ungarn.

In Nord- und Südamerika sind Dominica, Haiti, Kanada und Saint Lucia Vollmitglieder. Kanada hat eigene Sitze für New Brunswick und Québec; auch Saint-Pierre und Miquelon ist als französisches Überseegebiet vertreten. Argentinien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Mexiko und Uruguay besitzen Beobachterstatus. Das gilt außerdem für Ontario und den US-Bundesstaat Louisiana. Französisch-Guyana hat keinen eigenen Sitz in der OIF.

Afrika stellt einen besonders großen Teil der Mitgliedschaft. Zu den Vollmitgliedern und assoziierten Mitgliedern zählen unter anderem Ägypten, Äquatorialguinea, Benin, Burundi, Dschibuti, Côte d’Ivoire, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kap Verde, die Komoren, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo, Madagaskar, Marokko, Mauritius, Mauretanien, Ruanda, São Tomé und Príncipe, Senegal, die Seychellen, Togo, der Tschad, Tunesien und die Zentralafrikanische Republik. Gambia und Mosambik haben Beobachterstatus.

In Asien sind Armenien, Kambodscha, Laos, Libanon und Vietnam Vollmitglieder. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind assoziierte Mitglieder. Georgien, Südkorea und Thailand sind Beobachter; Thailand wird im Artikel als aktuell ausgeschlossen bezeichnet. In Ozeanien ist Vanuatu Vollmitglied. Neukaledonien ist als französisches Überseegebiet assoziiertes Mitglied.

Beantragte Mitgliedschaft und Austritte

Saudi-Arabien beantragte 2016 die Mitgliedschaft in der OIF. Kurz vor der Entscheidung auf dem Gipfel von Erewan 2018 zog das Land den Antrag jedoch zurück.

2023 erklärten Burkina Faso, Mali und Niger ihren Austritt aus der OIF. Damit veränderte sich die im Artikel für 2018 angegebene Mitgliederstruktur.

Verbreitung und internationale Verwendung

Weltweit unterrichten über 900.000 Sprachlehrer Französisch. Französisch ist Amtssprache beziehungsweise eine von mehreren offiziellen Amtssprachen in 32 Staaten. In der Europäischen Union ist es laut Artikel die zweithäufigste Muttersprache der EU-Bürger nach Deutsch, die zweithäufigste angewendete Sprache in den Behörden der EU und die dritthäufigste Internetsprache innerhalb der EU. Für die Behörden nennt der Artikel einen Anteil von 19 Prozent für Französisch gegenüber 41 Prozent für Englisch.

Französisch ist unter anderem Amtssprache bei den Vereinten Nationen und vielen ihrer Unterorganisationen, beim Europarat, beim Europäischen Gerichtshof, bei der Welthandelsorganisation (WTO), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO), dem Weltpostverein (UPU) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK).

Die 57 OIF-Staaten repräsentierten nach den im Artikel genannten Angaben 8,1 Prozent der Weltbevölkerung, 29 Prozent der UNO-Mitgliedstaaten und 4,2 Prozent des weltweiten Bruttonationaleinkommens im Jahr 2010. Der Artikel weist darauf hin, dass einige Zahlen zur Nutzung der französischen Sprache nicht mehr aktuell sind.

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