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Frankophobie
Frankophobie oder Gallophobie sind Ausdrücke einer Abneigung, Verachtung oder Hass gegenüber Frankreich beziehungsweise den Franzosen und ihrer Kultur, …
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Begriff und Bedeutung
Frankophobie oder Gallophobie bezeichnet Abneigung, Verachtung oder Hass gegenüber Frankreich, den Franzosen sowie ihrer Kultur, Bräuche und Einflüsse. Das Gegenwort lautet Frankophilie. Die Haltung kann sich regional unterschiedlich zeigen: als Folge von Kriegen und politischen Konflikten, als Spannungen zwischen Sprachgruppen oder als Kritik an französischem Einfluss.
England, Großbritannien und die Vereinigten Staaten
In England besteht die längste Tradition frankophober Haltungen. Über Jahrhunderte kam es regelmäßig zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich beziehungsweise dem entstehenden französischen Nationalstaat, der zugleich ein globaler Konkurrent war. Der britisch-französische Kolonialkonflikt wirkte weltweit.
Auch in den Vereinigten Staaten gibt es eine lange Tradition frankophober Stimmungen. Spott über Frankreich und französische Kultur richtet sich dabei regelmäßig gegen die Frankophilie und die traditionelle Frankreichsehnsucht der amerikanischen Oberschicht. Aus französischer Sicht wird dies als Unbehagen gegenüber einer verwandten demokratischen Gesellschaft gedeutet, die aber tiefgreifend anders sei und den amerikanischen Hegemonialanspruch immer wieder konterkariere. Charles Cogan schreibt den Franzosen aus amerikanischer Sicht eine versteifte cartesianische Logik und Prinzipienreiterei zu, die mit amerikanischem Pragmatismus zusammenpralle. Als Beispiel wird ein französischer Diplomat genannt, der eine NATO-Friedensmission kritisierte: Sie funktioniere zwar praktisch, sei aber theoretisch unhaltbar.
Die französischen Atomtests von 1995 im Umfeld französischer Überseeterritorien lösten in Australien und Neuseeland eine starke antifranzösische Stimmung aus. Dabei wurden Teile der klassischen angelsächsischen antifranzösischen Diskussion wieder aufgegriffen.
Spannungen in mehrsprachigen Staaten
In Kanada führen die Beziehungen und Auseinandersetzungen zwischen den eher protestantischen Anglokanadiern und den katholisch geprägten französischsprachigen Québécois zu innerstaatlichen Spannungen. In den 1990er Jahren entstand um Veröffentlichungen von Mordecai Richler und Esther Delisle über Nazisympathien in Quebec sowie um den Priester und Historiker Lionel Groulx ein regelrechter Historikerstreit. Der Ausdruck „Speak White“ („Sprich wie ein Weißer“) ist berüchtigt: Vor allem die englische Oberschicht in Quebec deutete damit ihr Weißsein an. Michèle Lalonde verarbeitete ihn lyrisch.
In der Schweiz trennt der Röstigraben die Romandie und die in ihrem weiteren Umfeld befindlichen Waggis von den deutschsprachigen Schweizern. In Belgien kam es mit dem Manifeste pour la culture wallonne 1983 zu einem ausdrücklichen Bekenntnis zu einer belgischen Identität des französischsprachigen Teils des stark auseinanderstrebenden Landes.
Deutschland und Frankreich
In einigen deutschsprachigen Monarchien war Frankreich als Hegemonialmacht lange Vorbild für Oberschichten und regierende Fürsten, die der Prachtentfaltung des Sonnenkönigs nacheiferten. Nach der Französischen Revolution endete die ursprüngliche Frankreichbegeisterung in weiten Kreisen des republikanischen Bürgertums wegen der Napoleonischen Kriege und der sogenannten Franzosenzeit abrupt und schlug in ihr Gegenteil um.
Im 19. Jahrhundert galt Frankophobie teilweise als Bestandteil deutscher Identität und deutschen Nationalstolzes. Dies verstärkte sich nach dem Sieg über Frankreich 1871 und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches: Die Abneigung gegen das besiegte Frankreich wurde zu einer Ausdrucksform deutschen Nationalbewusstseins. Weil Konflikte meist durch Kriege und militärische Operationen ausgetragen wurden – die Befreiungskriege, der Deutsch-Französische Krieg, die Ruhrbesetzung sowie der Erste und der Zweite Weltkrieg –, verbreiteten sich frankophobe Meinungen in Deutschland. Dem stand in Frankreich eine germanophobe Haltung gegenüber, etwa im Ausdruck „Boche“. Der Élysée-Vertrag legte 1963 den Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft.
Ehemalige französische Kolonien
In einigen ehemaligen französischen Kolonien, besonders in afrikanischen Staaten, gibt es Abneigung, Wut oder Hass gegen Frankreich. Als Grundlagen werden unter anderem die Gräueltaten des Algerienkriegs sowie die weiterhin vollzogene Ausbeutung afrikanischer Bodenschätze und deren Begleitumstände genannt.
Ein Element der afrikanischen Kritik ist Frankreichs maßgebliche Beteiligung am Sturz des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi im Oktober 2011. Gaddafi wird die Initiierung der 2002 gegründeten Afrikanischen Union zugeschrieben und er war von 2009 bis 2010 ihr Vorsitzender. Mit seiner Entmachtung werden Chaos und Elend in der Region um Libyen in Verbindung gebracht.
Auch Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit kommt es beispielsweise in Burkina Faso, Mali und Niger zu antifranzösischen Kundgebungen oder Ausschreitungen. Nach dem Militärputsch in Niger 2023 wurden im Juli 2023 Brandsätze gegen die französische Botschaft in Niamey geworfen. Häufiger Vorwurf ist eine zu große französische Einmischung in Politik und Wirtschaft.
Sprachliche Auswirkungen
Englisch und Französisch beziehen bestimmte Verhaltensweisen und Gegenstände wechselseitig auf den jeweiligen Nachbarn. Ein „french leave“ ist das unbemerkte Verlassen einer Veranstaltung; auf Französisch heißt dies nicht französisch, sondern „fileage à l’anglaise“. „French letter“ meint keinen Brief, sondern ein Kondom. In Frankreich verballhornt „Capot anglais“ eine englische Regenkappe oder Kapuze. Herpes und Syphilis wurden gegenseitig als französische beziehungsweise englische Krankheit bezeichnet.