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Pubertät

Bei Mädchen beginnt in der Pubertät die Menstruation (Menarche) und die Bildung von befruchtungsfähigen Eizellen (Ovulation) in den Eierstöcken, bei den Jungen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und hormonelle Grundlagen
  2. 2. Körperliche Reifung bei Mädchen
  3. 3. Körperliche Reifung bei Jungen
  4. 4. Wachstum, Knochenbau und individuelle Unterschiede
  5. 5. Abweichungen und psychische Veränderungen
  6. 6. Sexualität, Verhütung und Aufklärung

Definition und hormonelle Grundlagen

Die Pubertät ist der Teil der Adoleszenz, in dem die geschlechtliche Reifung bis zur Geschlechtsreife und damit zur Fortpflanzungsfähigkeit führt. Sie bezeichnet den Entwicklungsabschnitt vom Kind zum Jugendlichen. Gleichzeitig verändern sich Wachstum und Körperbau.

Im Normalfall durchlaufen Mädchen die Pubertät zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr, Jungen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr. Eine erhöhte Konzentration von Geschlechtshormonen führt bei beiden Geschlechtern zur Ausbildung sekundärer Geschlechtsmerkmale, zum Beispiel geschlechtsspezifischer Körperbehaarung und der weiblichen Brust. Bei Mädchen beginnen Menstruation (Menarche) und die Bildung befruchtungsfähiger Eizellen (Ovulation). Bei Jungen nehmen Muskelmasse, Hoden- und Penisgröße zu; außerdem beginnen Spermienproduktion (Spermarche), Bartwuchs und Stimmvertiefung. Beginn und Verlauf werden vor allem genetisch gesteuert. Eine besondere Bedeutung haben die Pubertätsgene KiSS1 und KiSS1R, früher GPR 54.

Schon vor der Pubertät werden bei Kindern geringe Mengen Östrogene und Androgene, beispielsweise Testosteron, gebildet, allerdings in unterschiedlichen Mengenanteilen. In der Pubertät sendet die Hirnanhangdrüse über Releasing-Hormone und Gonadotropine Signale an Eierstöcke und Hoden, verstärkt Geschlechtshormone zu bilden. Bei Mädchen sind dies vor allem Östrogene, bei Jungen Testosteron.

Bei Mädchen wird die Östrogenbildung über das hypothalamische Gonadotropin-releasing-Hormon sowie die Gonadotropine FSH und LH geregelt. Das biologisch wirksamste Östrogen ist 17-β-Östradiol; daneben gibt es Östron und mindestens 20 weitere Östrogene. Bei Jungen entsteht Testosteron in den Leydig-Zwischenzellen der Hoden. Die Regulation erfolgt über GnRH aus dem Hypothalamus sowie FSH und LH aus dem Hypophysenvorderlappen. Das Gesamttestosteron besteht zu 40 bis 50 % aus bioaktivem, Albumin-gebundenem Testosteron, zu 50 bis 60 % aus SHBG-gebundenem Testosteron und zu 1 bis 2 % aus freiem Testosteron. Nebennierenandrogene werden unabhängig von dieser Regelung gebildet.

Ab etwa acht oder neun Jahren beginnen im gesunden, wohlernährten Körper meist die hormonellen Veränderungen vor der Pubertät. Unter Beteiligung von Somatotropin und Thyroxin kommt es zum Pubertätswachstumsschub. Mit dem Einsetzen der Pubertät bildet sich der Thymus zurück (Involution); bei Erwachsenen bleibt hauptsächlich ein Thymusrestkörper beziehungsweise retrosternaler Fettkörper übrig.

Körperliche Reifung bei Mädchen

Bei Mädchen steigt die Östrogenproduktion der Eierstöcke schon vor der eigentlichen Pubertät langsam an. Dadurch beginnen Brustentwicklung (Thelarche), Wachstum von Gebärmutter und Scheide sowie die Ausbildung weiblicher Körperproportionen. Während der Pubertät fördern Östrogene die weitere Entwicklung der Milchdrüsen, Brustwarzen und Warzenhöfe, einschließlich Pigmentation und Erigierbarkeit. Auch die Fettverteilung verändert sich. Die äußeren Geschlechtsorgane, insbesondere Klitoris, innere und äußere Schamlippen sowie die hormonsensible Haut von Vagina und Vorhof, werden größer und ausgeprägter.

Östrogene schließen im Verlauf der Pubertät die Epiphysenfugen und beenden damit das Längenwachstum. Androgene aus den Nebennieren fördern das Längenwachstum sowie zunächst Schamhaar- und später Achselbehaarung. Die Entwicklung von Brüsten, Scham- und Achselhaaren ist meist am Ende der Pubertät abgeschlossen.

Die Menarche ist die erste Menstruation. Sie tritt meist auf dem Höhepunkt des Körperwachstums auf. Zuvor hat häufig noch keine Ovulation stattgefunden; die Blutung wird dann als „Abbruchblutung“ und der Zyklus als „anovulatorischer Zyklus“ bezeichnet. Erst nach weiteren, zunächst unregelmäßigen Blutungen kommt es zur ersten Ovulation (Ovularche) und danach zu einer ersten echten Menstruation.

Typische Zeiträume sind:

  • Erste Schambehaarung: 8.–13. Lebensjahr
  • Erster pubertärer Wachstumsschub: 8.–15. Lebensjahr
  • Wachstumsbeginn von Scheide und Gebärmutter: 9.–13. Lebensjahr
  • Beginn der Brustentwicklung: 9.–16. Lebensjahr
  • Erste Monatsblutung (Menarche): 10.–16. Lebensjahr
  • Volle Brustentwicklung: 12.–17. Lebensjahr
  • Akne, nicht zwingend: etwa ab dem 14.–15. Lebensjahr

Körperliche Reifung bei Jungen

Bei Jungen steigt bereits deutlich vor der eigentlichen Pubertät die Testosteronproduktion in den Leydig-Zellen der Hoden. Testosteron prägt die sekundären Geschlechtsmerkmale, fördert Muskel- und Körperwachstum und bewirkt zunehmende Körperbehaarung. Zunächst beginnen Scham- und Achselbehaarung, später können Bart-, Brust- und weitere Körperhaare hinzukommen.

Vor der Pubertät steigt der Testosteronspiegel um das Zwei- bis Dreifache. Dadurch wachsen Penis, Hodensack, Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenblase, Prostata sowie Präputial- und Bulbourethraldrüsen. Kurz vor der Pubertät kann bei einem Orgasmus erstmals ein sehr geringer, überwiegend aus Prostatasekret bestehender Erguss auftreten (Ejakularche). In der Pubertät beginnen die Hoden, Spermien zu produzieren (Spermarche). Etwa 14 Tage später kann eine erste Ejakulation durch sexuelle Aktivität oder eine Pollution folgen. Damit wird im Artikel die Geschlechtsreife erreicht.

Die ersten Ejakulate enthalten nur wenige Spermien, oft von geringer Qualität. Die Fruchtbarkeit ist deshalb zunächst deutlich vermindert, aber nicht völlig ausgeschlossen. Mit durchschnittlich etwa 13 Jahren erreicht das Körperwachstum seinen Höhepunkt; die Vergrößerung von Hoden und Penis ist dann fast abgeschlossen. Nach der Schließung der Epiphysenfugen endet das Längenwachstum.

Die Spermarche trat zwischen 1980 und 2001 um 1,7 Jahre früher auf; am Ende dieses Zeitraums lag sie im Mittel zwischen 11,9 und 12,4 Jahren. Die Angaben sind Annäherungswerte. Die Stärke der Körperbehaarung unterscheidet sich individuell und zwischen Populationen deutlich.

Typische Zeiträume sind:

  • Hodenwachstum: 9.–14. Lebensjahr
  • Erster Erguss ohne Samen, nicht zwingend: 10.–12,5. Lebensjahr
  • Peniswachstum: 10.–14. Lebensjahr
  • Erste Schambehaarung: 9,5.–12,9. Lebensjahr
  • Erster pubertärer Längenwachstumsschub: 11.–14. Lebensjahr
  • Erste Achselbehaarung: etwa 12.–14. Lebensjahr
  • Oberlippenflaum: 12.–15. Lebensjahr
  • Schwankende Stimme: 11.–16. Lebensjahr
  • Tiefe Stimme: 13.–17,5. Lebensjahr
  • Erste Samenzellen (Spermarche): 9.–13. Lebensjahr
  • Akne, nicht zwingend: 14.–21. Lebensjahr
  • Ende des Längenwachstums: 15.–21. Lebensjahr

Bei etwa 50 % der Jungen tritt während der Pubertät eine meist vorübergehende und schmerzlose Brustschwellung auf (Pubertätsgynäkomastie). Eine frühere Erklärung durch ein verschobenes Östrogen-Testosteron-Verhältnis wurde durch eine dänische Studie nicht bestätigt. Neue Befunde führen das Brustwachstum eher auf erhöhtes IGF-1 zusammen mit erhöhten Östrogenen zurück, obwohl der Testosteronspiegel ebenfalls erhöht und das Verhältnis unverändert bleibt.

Wachstum, Knochenbau und individuelle Unterschiede

Die Reihenfolge der pubertären Veränderungen ist in der Regel konstant, das Eintrittsalter jedoch variabel. Die Tanner-Stadien ordnen die körperliche Entwicklung in fünf Kategorien vom Kind bis zum Erwachsenen.

Das frühadoleszente Wachstum betrifft die Statur und die meisten Dimensionen des Beckens. Das spätadoleszente Wachstum umfasst bei weiblichen Jugendlichen zehn, bei männlichen Jugendlichen vier Bereiche, darunter die Verknöcherung der Beckenkämme und Sitzbeinhöcker. Nach dem Hauptwachstumsschub bleibt das Wachstum dieser Beckenregionen verlängert und ist bei weiblichen Jugendlichen stärker. Dadurch entsteht ein Geschlechtsdimorphismus: Vor der Pubertät sind die anatomischen Unterschiede des Beckens gering; im Alter von 18 Jahren sind sie signifikant. Im Verhältnis zur Körpergröße haben weibliche 18-Jährige ein größeres Becken, männliche 18-Jährige ein größeres Acetabulum.

Beginn, Verlauf und Ausprägung der Pubertät werden unterschiedlich stark durch Vererbung, Ernährung, Sport, körperliche Gesundheit und emotionale Gesundheit beeinflusst. Im hypothalamischen Gennetzwerk wirken viele Gene in verstärkenden und hemmenden Regelkreisen auf die GnRH-Neuronen. Das KiSS1-Gen kodiert Kisspeptin, das am vom KiSS1R-Gen kodierten Rezeptor auf GnRH-Neuronen andockt und dadurch die Ausschüttung von GnRH anregt. Eineiige Zwillinge entwickeln sich nahezu synchron: Der Beginn der Menstruation liegt bei ihnen ein bis zwei Monate auseinander, bei zweieiigen Zwillingen bis zu zwölf Monate.

Fettzellen können bei Mädchen die Produktion von Geschlechtshormonen stimulieren. Plötzliche Gewichtszunahme und ein höherer Körperfettanteil können die sexuelle Reife auslösen. Früh einsetzende Essstörungen, sehr intensiver Sport oder ein sehr niedriger Fettanteil können die Pubertät verzögern. Genmutationen, Schädigungen hormoneller Regelkreise, Schilddrüsenstörungen, chronische Krankheiten, Infektionskrankheiten und Unterernährung können den Beginn ebenfalls verändern. Akne ist meist vorübergehend, kann aber behandlungsbedürftig werden. Eine schwache emotionale Gesundheit kann die Pubertät früher beginnen lassen; in Familien mit vielen Problemen wird eine frühe Gründung einer eigenen Familie als mögliche Anpassung beschrieben.

Abweichungen und psychische Veränderungen

Eine Pubertas praecox bezeichnet das verfrühte Auftreten von Pubertätsmerkmalen, etwa vor dem neunten Lebensjahr. Mögliche Ursachen sind Gendefekte, hormonaktive Tumoren der Hypophyse und Hypothyreose. Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen.

Eine verspätet einsetzende, angehaltene oder ausgebliebene Pubertät wird als Pubertas tarda klassifiziert. Sie kann unter anderem durch Mutationen von KiSS1 und KiSS1R (GPR 54), angeborene Herzfehler, Diabetes mellitus oder seltener endokrine Störungen wie das Fröhlich-Syndrom verursacht werden. Am häufigsten ist die konstitutionelle Entwicklungsverzögerung: Sie ist familiär genetisch bedingt und führt anschließend zu einer normalen Pubertätsabfolge. Diese Jugendlichen werden als „Spätzünder“ bezeichnet.

Die Pubertät beeinflusst auch emotionalen Zustand und Sozialverhalten. Stimmungsschwankungen hängen zwar mit dem erhöhten Hormonniveau zusammen, aber weniger stark als früher angenommen. Entscheidend ist eine Kombination aus hormonellen und situativen Faktoren. Jugendliche geraten häufiger in problembelastete Situationen, besonders wenn Erwachsene Unterricht, Arbeit oder Familienaktivitäten strukturieren; auf solche Situationen können sie durch die vermehrte Hormonausschüttung stärker emotional reagieren.

Viele Jugendliche und Eltern empfinden während der Pubertät eine größere Distanz. Die verbesserte Urteilsfähigkeit führt dazu, dass Jugendliche elterliche Entscheidungen stärker hinterfragen und kritisieren. Zugleich möchten sie wegen ihrer körperlichen Reife wie Erwachsene behandelt werden und mehr Verantwortung für ihre Freizeit übernehmen. Eltern wollen sie weiterhin vor Schaden bewahren. Die meisten Konflikte bleiben oberflächlich und gefährden die schützenden Familienbindungen nicht. Auch Streit mit Geschwistern nimmt zu; deshalb wird die Pubertät manchmal „zweite Trotzphase“ genannt.

Sexualität, Verhütung und Aufklärung

Wie früh und wie häufig Jugendliche sexuelle Aktivitäten beginnen, hängt laut Artikel unter anderem mit einer früh einsetzenden Pubertät, Scheidung oder Alleinerziehung, großen Familien, wenig oder keinem religiösen Engagement, sexuell aktiven Geschwistern und Freunden, schlechten Schulleistungen, niedrigen Bildungszielen und einer Tendenz zu normwidrigem Verhalten zusammen. Diese Faktoren können besonders dann zusammenwirken, wenn mehrere gleichzeitig vorliegen.

Bei ihrem ersten Geschlechtsakt verwendeten in Deutschland laut Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes von 2004 15 % der Jungen und 12 % der Mädchen kein Verhütungsmittel, beispielsweise kein Kondom. Nach der Studie „Jugendsexualität 2006“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hatten 12 % der 14-jährigen Mädchen bereits Sex; dies entsprach dem Wert von 2001.

Die erste Menarche bedeutet nicht zwingend, dass bereits eine Ovulation stattgefunden hat. Der Zeitraum bis zur ersten Ovulation ist individuell verschieden und ohne Hilfsmittel nicht sicher äußerlich feststellbar. Erste Blutungen können unauffällig sein oder mit Weißfluss verwechselt werden. Mädchen können daher bereits wenige Tage vor der ersten Ovulation empfänglich sein, weil Spermien in den Eileitern einige Tage überlebensfähig sind.

In Deutschland wurden 2001 7447 Kinder von Teenager-Müttern geboren, 2004 waren es 6969. Die Schwangerschaftshäufigkeit war bei Mädchen aus sozial schwächeren Schichten fünf Mal so hoch wie bei Mädchen aus stärker etablierten Schichten.

Eine altersgemäße, sachlich genaue und verständliche persönliche Aufklärung sollte möglichst vor Beginn der körperlichen Veränderungen erfolgen. Ein vertrauliches, freundliches Gespräch unter Wahrung der Intimsphäre lässt sich durch die bloße Übergabe von Aufklärungsliteratur nicht vollständig ersetzen. Ohne persönliche Aufklärung können Unwissenheit oder falsche Informationen zu Unsicherheit und Ängsten führen. Außerdem kann eine unbemerkte Geschlechtsreife zu einer ungewollten Schwangerschaft führen, für die beide beteiligten Jugendlichen Verantwortung tragen.

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