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Figuren in Tolkiens Welt
Figuren in Tolkiens Welt gibt einen Überblick über die in der von J. R. R. Tolkien (1892–1973) erdachten Legendarium existierenden Personen und Lebewesen.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick über Tolkiens Figurenwelt
Die Figuren in Tolkiens Welt gehören zum Legendarium von J. R. R. Tolkien, also zu einer erfundenen Welt mit eigener Geschichte, Sprachen, Völkern, Mythen und Sagen. Die wichtigsten Handlungsräume liegen auf Arda, besonders auf dem Kontinent Mittelerde. Dort spielen Der Hobbit (1937) und Der Herr der Ringe (1954/55), während Das Silmarillion (1977) und Nachrichten aus Mittelerde (1980) viele frühere Ereignisse und Hintergründe beschreiben.
Tolkiens Welt ist von Menschen, Elben, Hobbits, Zwergen, übernatürlichen Wesen und zahlreichen Geschöpfen bewohnt. Viele Namen stammen aus den von Tolkien entwickelten Elbensprachen Quenya, der „Hochsprache“, und Sindarin, der im Dritten Zeitalter verbreiteten Umgangssprache der Elben. Die Zeitalter werden häufig abgekürzt: E.Z. für Erstes Zeitalter, Z.Z. für Zweites Zeitalter, D.Z. für Drittes Zeitalter, V.Z. für Viertes Zeitalter und A.Z. für Auenland-Zeitrechnung.
Die Artikelangaben beziehen sich auf Tolkiens Romane und Schriften, nicht auf die Verfilmungen. Bei abweichenden deutschen Übersetzungen folgt die Schreibweise meist der älteren Übersetzung von Margaret Carroux, die noch in Zusammenarbeit mit Tolkien entstand.
Göttliche und übernatürliche Mächte
Eru Ilúvatar, „der Eine, der Allvater“, ist in Tolkiens Mythologie der Name Gottes. Er erschafft zuerst die Ainur, die „Heiligen“, als Sprösslinge seiner Gedanken. Aus der Großen Musik der Ainur entsteht Ea, „die Welt, die ist“. Eru bleibt außerhalb von Ea in den Zeitlosen Hallen; bei ihm befindet sich das Geheime Feuer, die Macht, die Leben schafft. In Mittelerde wird er nicht in Tempeln verehrt, nur auf Númenor gab es auf dem Berg Meneltarma eine Kultstätte.
Die Ainur sind von Eru geschaffene Geistwesen, die Tolkien mit Engeln identifizierte. Einige betreten Ea und gestalten Arda. Die mächtigsten von ihnen heißen Valar, „die Mächte der Welt“; ihnen dienen die Maiar, „die Schönen“. Die Valar bereiten Arda auf die „Kinder Ilúvatars“, also Elben und Menschen, vor. Acht besonders mächtige Valar heißen Aratar: Manwe, Varda, Ulmo, Aule, Yavanna, Nienna, Orome und Mandos. Sie stehen für Bereiche wie Luft, Licht, Wasser, Erde, Natur, Hoffnung und Schicksal.
Melkor ist ursprünglich der mächtigste der Valar, lehnt sich aber gegen Ilúvatars Plan auf. Er bringt Missklänge in die Schöpfungsmusik, versucht Arda zu beherrschen und verdirbt die Werke anderer. Die Elben nennen ihn Morgoth, „der schwarze Feind der Welt“. Am Ende des Ersten Zeitalters wird er nach dem Krieg des Zorns in die Zeitlose Leere verbannt, doch viele seiner Diener und Geschöpfe bleiben zurück.
Zu den Maiar gehören wichtige Figuren wie Sauron, Gandalf und Saruman. Sauron ist ursprünglich Mairon, ein Maia im Dienst Aules, wird aber von Melkor verführt. Im Zweiten Zeitalter erscheint er den Elben als Annatar, „Herr der Geschenke“, und hilft bei der Herstellung der Ringe der Macht. Heimlich schmiedet er den Einen Ring, in den er einen großen Teil seiner Macht legt. Nach mehreren Niederlagen bleibt seine Lebenskraft an den Ring gebunden. Erst als der Ring am Ende des Ringkrieges im Orodruin zerstört wird, zerfällt Saurons Macht endgültig.
Die Istari sind Maiar in der Gestalt alter Männer, die um 1000 D.Z. nach Mittelerde kommen. Sie sollen die freien Völker gegen Sauron beraten und unterstützen, dürfen ihnen aber ihren Willen nicht aufzwingen. Namentlich bekannt sind Gandalf, Saruman, Radagast sowie die Blauen Zauberer Alatar und Pallando. Gandalf wird nach seinem Tod im Kampf gegen einen Balrog als Gandalf der Weiße zurückgesandt und wird zur wichtigsten treibenden Kraft gegen Sauron. Saruman dagegen verrät die freien Völker, sucht selbst Macht über den Ring und wird später im Auenland von Gríma Schlangenzunge getötet.
Elben, Halbelben und Menschen
Die Elben, ursprünglich Quendi, „die mit Stimme reden“, sind die Erstgeborenen Ilúvatars. Sie erwachen vor den Menschen, sind nicht durch natürliche Alterung sterblich und sind „an die Kreise der Welt gebunden“. Nach dem Tod gehen ihre Seelen in Mandos’ Hallen. Viele Elben verlassen im Lauf der Zeitalter Mittelerde von den Grauen Anfurten aus und segeln nach Aman.
Eine wichtige Gruppe sind die Eldar, „Volk der Sterne“, die nach ihrem Erwachen bei Cuiviénen der Wanderung nach Westen folgen. Die Avari bleiben dagegen im Osten. Die Eldar bestehen aus Vanyar, Noldor und Teleri. Die Vanyar gehen nach Aman und bleiben den Valar besonders nah. Die Noldor sind für Wissen, Kunstfertigkeit und Schaffen bekannt; Feanors Eid und der Raub der Silmaril führen jedoch zu Verbannung, Krieg und großem Leid. Die Teleri sind die größte Schar und werden besonders mit Meer, Schiffen und Küsten verbunden.
Calaquendi, „Lichtelben“, sind jene Elben, die das Licht der Zwei Bäume in Valinor gesehen haben. Moriquendi, „Dunkelelben“, sind Elben, die nicht nach Valinor kamen. Bedeutende Elben sind unter anderem Thingol und Melian als Herrscher von Doriath, Lúthien Tinúviel, die für Beren ihre Unsterblichkeit aufgibt, Celebrimbor, der die drei Elbenringe schmiedet, Círdan der Schiffbauer, Galadriel und Celeborn als Herrscher von Lórien, Elrond als Gründer von Bruchtal und Legolas als Mitglied der Gemeinschaft des Ringes.
Halbelben haben elbische und menschliche Vorfahren und dürfen wählen, welchem Volk sie angehören. Earendil und Elwing bringen mit einem Silmaril die Bitte um Hilfe nach Aman; daraufhin ziehen die Valar gegen Morgoth in den Krieg des Zorns. Ihre Söhne Elrond und Elros wählen unterschiedliche Wege: Elrond wird den Elben zugerechnet, Elros wird als Tar-Minyatur erster König von Númenor.
Menschen erscheinen mit dem Aufgang der Sonne. Im Gegensatz zu den Elben sind sie sterblich; diese Sterblichkeit gilt als Gabe Ilúvatars, auch wenn die Menschen sie nicht immer so verstehen. Die Edain sind die drei Häuser der Menschen, die im Ersten Zeitalter nach Beleriand kommen. Aus ihnen gehen die Númenórer hervor, denen die Valar im Zweiten Zeitalter die Insel Númenor schenken. Nach Saurons Einfluss und Ar-Pharazôns Angriff auf Aman geht Númenor unter. Die Getreuen unter Elendil entkommen und gründen Arnor und Gondor.
Wichtige menschliche Linien führen von Elendil über Isildur und Anárion zu den Königreichen Arnor und Gondor. Aragorn II. Elessar, geboren am 1. März 2931 D.Z. und gestorben am 1. März 120 V.Z., ist ein Nachfahre Isildurs. Er wächst als Estel in Bruchtal auf, führt im Ringkrieg das Heer des Westens und wird nach Saurons Sturz König des wiedervereinten Königreichs Arnor und Gondor. Zu den weiteren Menschenvölkern gehören die Rohirrim von Rohan, die Haradrim aus dem Süden, Ostlinge, Dunländer, Menschen aus Bree und die Drúedain.
Zwerge, Hobbits und Gefährten des Ringkriegs
Die Zwerge werden vom Vala Aule geschaffen, noch bevor Elben und Menschen erwachen. Da Aule ihnen zunächst kein echtes Leben geben kann, nimmt Eru sie später als eigene Kinder an. Sie werden unter der Erde schlafen gelegt und dürfen erst nach den Elben erwachen. Zwerge leben länger als Menschen, sind ausdauernd, handwerklich geschickt, widerstandsfähig und oft stark an Schätze, Metalle und Stein gebunden. Ihre eigene Sprache und ihre wahren Namen halten sie geheim.
Durin ist der älteste der Sieben Väter der Zwerge und Stammvater der Zwerge von Khazad-dûm. Thorin Eichenschild, König aus dem Hause Durin, zieht 2941 D.Z. mit zwölf Zwergen, Bilbo Beutlin und Gandalf zum Erebor, um den Schatz vom Drachen Smaug zurückzugewinnen. Er stirbt in der Schlacht der Fünf Heere. Gimli, Sohn Glóins, wird im Ringkrieg Mitglied der Gemeinschaft des Ringes, schließt Freundschaft mit Legolas und wird später Herr der Glitzernden Höhlen. Im Jahr 120 V.Z. verlässt er mit Legolas Mittelerde nach Westen.
Hobbits sind kleinwüchsige Bewohner des Auenlandes und stehen im Zentrum von Der Hobbit und Der Herr der Ringe. Bilbo Beutlin findet auf seiner Reise zum Erebor den Einen Ring, ohne zunächst seine Bedeutung zu kennen. An seinem 111. Geburtstag übergibt er ihn an Frodo. Frodo erfährt 17 Jahre später von Gandalf, dass es Saurons Einer Ring ist, und bricht nach Bruchtal auf. Nach Elronds Rat trägt er den Ring mit der Gemeinschaft des Ringes nach Mordor.
Frodo wird vom Ring immer stärker belastet und kann ihn am Ende nicht freiwillig ins Feuer werfen. Gollum, der frühere Ringträger Sméagol, beißt ihm am Schicksalsberg den Ringfinger ab, stürzt aber mit dem Ring in die Feuer des Orodruin. Dadurch wird der Ring zerstört und Saurons Macht gebrochen. Samweis Gamdschie begleitet Frodo bis Mordor, rettet ihn aus Cirith Ungol und gibt den Ring freiwillig zurück. Merry und Pippin tragen ebenfalls entscheidend zum Verlauf des Ringkrieges bei: Sie helfen, die Ents gegen Isengart in Bewegung zu setzen; Merry hilft Éowyn beim Tod des Hexenkönigs, Pippin dient zeitweise Denethor in Gondor.
Feinde, Tiere und andere Wesen
Die Nazgûl oder Ringgeister waren einst Könige der Menschen, die von Sauron die Neun Ringe der Macht erhielten. Dadurch wurden sie nahezu unsterblich, verfielen aber dem Einen Ring und wurden zu Saurons Sklaven. Sie treten als Schwarze Reiter auf; ihre wichtigste Waffe ist der lähmende Schrecken. Ihr Anführer ist der Hexenkönig von Angmar, der in der Schlacht auf dem Pelennor von Éowyn und Meriadoc getötet wird. Khamûl ist der einzige weitere Ringgeist, dem Tolkien selbst einen eigenen Namen gab.
Orks entstehen nach der Darstellung des Artikels durch Melkors Versklavung und Verderbung von Dunkelelben. Sie dienen Melkor und später Sauron aus Furcht. Zwischen Orks und Elben sowie zwischen Orks und Zwergen bestehen lange Feindschaften. Saruman setzt besonders Uruk-hai ein, die größer, stärker und bei Tageslicht weniger geschwächt sind als andere Orks. Einzelne Orkanführer sind Uglúk, Grischnákh, Azog und Bolg.
Drachen werden von Melkor im Ersten Zeitalter in Angband zu Kriegszwecken geschaffen. Sie heißen bei den Elben Urulóki, „Feuerschlangen“, sind intelligent, gefährlich, eitel und schatzgierig. Glaurung gilt als „Vater der Drachen“ und spielt eine wichtige Rolle im Schicksal Túrins. Smaug vertreibt 2770 D.Z. die Zwerge aus dem Erebor, bewacht ihren Schatz und wird 2941 D.Z. von Bard dem Bogenschützen getötet, nachdem Bilbo seine verwundbare Stelle entdeckt hat.
Ents sind baumähnliche Wesen, die Pflanzen und besonders Bäume schützen sollen. Sie leben sehr lange und langsam; im Dritten Zeitalter gibt es keine Entfrauen mehr bei ihnen. Baumbart führt die Ents des Fangorn-Waldes gegen Sarumans Isengart. Adler, besonders Thorondor und Gwaihir, sind intelligente, sprachbegabte Boten und Helfer Manwes. Sie retten mehrfach wichtige Figuren, kämpfen im Krieg des Zorns und retten nach der Ringvernichtung Frodo und Sam vom Orodruin.
Weitere besondere Wesen sind Tom Bombadil, der keinem Volk eindeutig zugeordnet werden kann und vom Einen Ring nicht beeinflusst wird; Trolle, die Melkor als Nachahmung der Ents erschafft; Warge und Werwölfe als große, gefährliche Wolfswesen; Mûmakil oder Olifanten, die von den Haradrim im Krieg eingesetzt werden; und Spinnenwesen wie Ungoliant und Kankra, deren Ursprung mit Dunkelheit, Hunger und dem Bösen verbunden ist.