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Fideismus
Fideismus (von lateinisch fides „Glaube“) ist eine Glaubenshaltung bzw. eine religionsphilosophische Erkenntnislehre, wonach sich Glaube und Vernunft …
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Grundidee des Fideismus
Fideismus ist eine Glaubenshaltung und religionsphilosophische Erkenntnislehre. Er besagt, dass sich Glaube und Vernunft grundsätzlich ausschließen. Religiöser Glaube soll dennoch, auch wider die Vernunft, festgehalten werden. Damit erhält der Glaube einen absoluten Vorrang vor der Vernunft.
Als Gegenbegriff gilt der Rationalismus. Nach ihm ist alle Erkenntnis, also auch religiöse Erkenntnis, für die menschliche Vernunft zugänglich. Der Fideismus wurde von der katholischen Kirche offiziell verworfen, spielte aber in der evangelischen Tradition eine wichtige Rolle.
Entstehung und Begründung
Als religions- und glaubensphilosophischer Begriff geht der Fideismus auf Joseph de Maistre und Louis de Bonald zurück. Félicité de Lamennais entwickelte ihn weiter, besonders in Essai sur l’indifférence en matière de religion I–IV (1817–1823). Ähnliche Auffassungen finden sich bei Louis Eugène Marie Bautain.
Diese Theologen betrachteten eine übernatürliche Offenbarung als einzige Quelle des Glaubens und als Ursprung religiösen Wissens. Bautain meinte, ähnlich wie Immanuel Kant, dass die begrenzte Vernunft das Suprarationale, also das über die Vernunft Hinausgehende, nicht erfassen könne. Erkenntnis in religiösen Fragen müsse daher durch Bezug auf Offenbarung gewonnen werden.
Lamennais vertrat eine im Ansatz skeptische Theologie: Gott könne vom Menschen nicht erkannt werden; nur durch Gottes Offenbarung und die hinterlassenen Quellen sei Wissen über ihn möglich. Das traditionalistische Argument besagt, dass die Niederschrift und Weitergabe dieser Offenbarung einen Zugang zu Erkenntnissen über Gott eröffnen.
Kirchliche Ablehnung
Der Fideismus akzeptiert eine Grenze der Vernunft in übernatürlichen Fragen und steht deshalb im Gegensatz zur natürlichen Theologie. Natürliche Theologie bezeichnet die Möglichkeit, Gottes Existenz und etwas über Gott durch natürliche, vernünftige Erkenntnis zu erkennen.
Die katholische Kirche bekämpfte diese Lehre und verurteilte sie 1838 offiziell. 1840 musste Bautain eine von Papst Gregor XVI. vorgelegte Erklärung unterschreiben. Darin erkannte er an, dass es neben der Offenbarung auch „auf dem Weg einer rein natürlichen Erkenntnis [eine] Gewißheit über das Dasein Gottes“ geben könne.
Die Kritik richtete sich gegen die Vorrangstellung der Gotteserkenntnis im Glauben gegenüber der Vernunft: Dadurch würde die Theologie jede argumentativ darstellbare Grundlage verlieren. Papst Johannes Paul II. verwarf den Fideismus 1998 in der Enzyklika Fides et ratio (Glaube und Vernunft) ausdrücklich. Die katholische Kirche vertritt weiterhin die Möglichkeit der natürlichen Theologie.
Vertreter und spätere Form
Als wichtige Vertreter einer fideistischen Religionsphilosophie nennt der Artikel Tertullian, dem das geflügelte Wort Credo, quia absurdum est zugeschrieben wird, sowie Martin Luther, Søren Kierkegaard und Karl Barth in der evangelischen Tradition. Luther bezeichnete die Vernunft als „Hure“. Kierkegaard beschrieb Glauben als „absurde[n] Sprung in den Glauben“ und als existenzielles Wagnis. Auch Wittgenstein wird öfter als Fideist verstanden.
Der Fideismus fand besonders in Frankreich, aber auch in Deutschland und Belgien Anklang. Im Symbolfideismus von Auguste Sabatier und Eugène Ménégoz, der Pariser Schule, blieben die strikte Vorordnung der Offenbarung und die Heilswirksamkeit des Glaubens erhalten. Dogmen und andere religiöse Begriffe wurden jedoch als Symbole gedeutet. Diese bewusste Relativierung sollte zwischen Orthodoxie und Liberaler Theologie vermitteln, blieb aber eine Episode.