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Fest des Fastenbrechens

Das Fest des Fastenbrechens, auch Eid al-Fitr (arabisch عيد الفطر , DMG ʿĪd al-Fiṭr) oder regional Zuckerfest, ist ein islamischer Feiertag im unmittelbaren …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Namen
  3. 3. Termin und unterschiedliche Festlegung
  4. 4. Vorbereitung und Fastenbrechen-Zakāt
  5. 5. Der Festmorgen und das Gebet
  6. 6. Grüße, Familienleben und Festtage

Kern und Bedeutung

Das Fest des Fastenbrechens ist ein islamischer Feiertag unmittelbar nach dem Fastenmonat Ramadan. Es wird in den ersten drei Tagen des Nachfolgemonats Schawwāl gefeiert. Höhepunkt ist der erste Tag, der mit der Sichtung des Neulichts nach dem Neumond beginnt. Je nach Land und Region unterscheiden sich die Bräuche. Zum Fest gehören vor allem das gemeinsame Festgebet, die Unterstützung Bedürftiger, Besuche bei Verwandten und gemeinsames Essen.

Namen

Die Bezeichnungen unterscheiden sich regional. In arabischen Ländern heißt das Fest ʿīd al-fiṭr („Fest des Fastenbrechens“) oder ʿīd aṣ-saġīr („Kleines Fest“). In der Türkei und in Aserbaidschan lautet die offizielle Bezeichnung Ramazan Bayramı; wegen der vielen Süßigkeiten wird es häufig auch Şeker Bayramı („Zuckerfest“) genannt. Weitere Namen sind unter anderem idi ndogo auf Swahili, Çejna Remezane im Kurdischen, Hari Raya Aidilfitri oder Hari Raya Puasa im malaiischen Sprachraum, Lebaran oder Idul Fitri in Indonesien, Korité in Mali und Senegal, Ramazanski Bajram auf Bosnisch sowie Fitër Bajrami auf Albanisch.

Termin und unterschiedliche Festlegung

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond und hat 354 statt 365 Tage. Deshalb verschiebt sich das Fest gegenüber dem Sonnenkalender jedes Jahr gewöhnlich um elf Tage nach vorn; in Schaltjahren sind es je nach Kalender auch zehn oder zwölf Tage. Im Artikel werden folgende Zeiträume genannt: 2015: 17. bis 19. Juli; 2016: 5. bis 7. Juli; 2017: 25. bis 27. Juni; 2018: 15. bis 17. Juni; 2019: 4. bis 6. Juni; 2020: 24. bis 26. Mai; 2021: 13. bis 15. Mai; 2022: 2. bis 4. Mai, teilweise ab 1. Mai; 2023: 21. bis 23. April; 2024: 10. bis 12. April; 2025: 30. März bis 1. April; 2026: 20. bis 22. März; 2027: 9. bis 11. März; 2028: 26. bis 28. Februar.

Da die traditionelle Festlegung von der Mondsichtung abhängt, können unterschiedliche Termine entstehen. 2006 wurde das Fest in Deutschland weitgehend für den 24. Oktober angesetzt, während es in vielen islamischen Ländern und in Ländern mit muslimischer Minderheit am 23. Oktober gefeiert wurde. Bis 2007 bestimmten deutsche Gemeinden den Termin teilweise unterschiedlich. Für 2008 einigten sich die wesentlichen islamischen Verbände im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland erstmals auf eine einheitliche Berechnungsmethode. Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland feiern das Fest gewöhnlich einen Tag später, weil ihr Ramadan generell einen Tag später beginnt und endet.

Vorbereitung und Fastenbrechen-Zakāt

Die Vorbereitungen beginnen in den letzten Tagen des Ramadan. Viele Muslime kaufen oder bereiten Süßwaren und andere Spezialitäten zu, räumen und reinigen das Haus und kehren für die gemeinsamen Feiern in ihre Heimat zurück. In Indonesien veranstalten Händler in den letzten beiden Ramadan-Wochen den Schlussverkauf obral lebaran. Die Heimkehr heißt in Malaysia und Indonesien unter anderem balik kampung, pulang kampung oder mudik und führt jährlich zu großen Transportproblemen und vielen Verkehrsopfern.

Vor dem Fest, spätestens am Morgen vor dem Festgebet, wird die Fastenbrechen-Zakāt (Zakāt al-fitr) entrichtet. Diese Läuterungsgabe ist für Arme bestimmt. Sie besteht traditionell aus Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Datteln, Rosinen, Milchprodukten oder Reis im Umfang eines Sāʿ. Sie gilt für männliche und weibliche Muslime und muss auch für alle finanziell abhängigen Personen entrichtet werden. In Indonesien bestand sie in den 1970er Jahren aus 3 ½ Litern Reis und wurde von BAZIS eingesammelt. In westlichen Ländern wird sie häufig als Geldspende gesammelt oder an Hilfsorganisationen gezahlt; der Gegenwert eines Sāʿ wird dabei großzügig mit etwa acht bis zehn Euro pro Person berechnet.

Der Festmorgen und das Gebet

Die wichtigste religiöse Pflicht ist das Festgebet ṣalāt al-ʿīd. Es findet am Morgen des 1. Schawwāl etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang in einer Freitagsmoschee oder auf einem offenen Gebetsplatz statt. Der Gebetsplatz außerhalb der Stadt folgt einem prophetischen Vorbild. Auch Mohammed soll mit den Gläubigen von Medina aus zu einem solchen Platz gezogen sein; Bilāl ibn Rabāh ging ihm mit einer Lanze voraus, die später die Gebetsrichtung markierte.

Vor dem Gebet vollzieht der Gläubige die als Sunna geltende rituelle Ganzkörperwaschung ghusl und spricht die Absichtserklärung: „nawaitu an aġtasila ġusla ʿīdi l-fiṭri sunnatan li-Llāhi taʿālā“. Männer und Frauen tragen besonders schöne oder neue Kleidung; manche Frauen verzieren ihre Hände mit Henna. Auf einem Gebetsplatz bringen viele einen eigenen Gebetsteppich mit.

Beim Festgebet gibt es weder Gebetsruf noch Iqāma. Bis zum Beginn werden Takbīr-Formeln, die takbīrāt al-ʿīd, gesprochen. Ihre genaue Form unterscheidet sich regional. In Medan lautet eine gemeinsam gesprochene Formel: „Allāhu akbar“ (3×), „lā ilāha illā Llāh“, „Allāhu akbar“ (2×), „wa-li-Llāhi l-ḥamd“. Vor dem Gebet wird erneut die Absicht für zwei Rakʿas erklärt: „uṣallī ṣalāta ʿīdi l-fiṭri rakʿataini“. Danach wird Sadaqa gesammelt; den Gottesdienst beendet die Predigt. Das unterscheidet ihn vom Freitagsgebet, bei dem die Predigt vor dem Gebet stattfindet.

Grüße, Familienleben und Festtage

Nach Gebet und Predigt beglückwünschen sich die Gläubigen. Der arabische Gruß lautet ʿĪd mubārak („gesegnetes Fest“). In Indonesien und Malaysia sagt man selamat hari raya und ergänzt häufig min al-ʿāʾidīn wa-l-fāʾizīn. Außerdem bittet man sich gegenseitig um Verzeihung; in Indonesien lautet die Formel (mohon) maaf lahir dan batin. Gemeint ist die Bitte um Vergebung für möglicherweise zugefügte körperliche und seelische Verletzungen.

Der erste Feiertag ist meist ein Familientag. Nach dem Gottesdienst besuchen viele Familien Friedhöfe, gedenken verstorbener Verwandter und Vorfahren, lesen Koranverse und sprechen Bittgebete, besonders die Fatiha. Danach besucht man Verwandte und Bekannte, isst Süßspeisen, verschenkt Süßigkeiten wie Lokum und macht sich Geschenke; auch Bedürftige werden beschenkt. In Malaysia erhalten Kinder häufig Geld in Papiertüten, genannt duit raya. Männer tragen dort traditionell Baju Melayu mit samping und songkok, Frauen Baju Kurung oder kebaya.

Gemeinsame Speisen sind ein wichtiger Bestandteil. In Ägypten und Jordanien wird Kaʿk al-ʿīd gebacken. In Südostasien gehören lemang, dodol, ketupat und ayam rendang zu den üblichen Gerichten. In der Türkei wird häufig nach dem Morgengebet gemeinsam gefrühstückt und Baklava serviert. In Indonesien gibt es nach dem Abendessen oft Theater-, Musik- oder Tanzaufführungen; außerdem werden pelita, fackelähnliche Kerzen in Bambusstangen, sowie Feuerwerkskörper und Raketen angezündet.

In islamischen Ländern bleiben während der Festtage Schulen, Universitäten, Ämter, Behörden, Banken und meist auch Geschäfte geschlossen; üblicherweise erscheinen keine Zeitungen. In Deutschland können sich muslimische Schüler in fast allen Bundesländern am 1. Schawwāl freinehmen. An diesem Haupttag sollen keine Klassen- oder Kursarbeiten und keine sonstigen Leistungsnachweise stattfinden; eine Abweichung um einen Tag durch die Gemeinde wird toleriert. In den Vereinigten Arabischen Emiraten werden jährlich verlängerte Feiertage angekündigt; 2024 dauerten sie vom 5. bis 14. April. Auch manche internationale Organisationen, etwa die IAEA in Wien, machen diesen Tag arbeitsfrei.

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