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Feldforschung

Feldforschung oder Feldarbeit ist eine empirische Forschungsmethode zur Erhebung empirischer Daten mittels Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Vorgehen
  2. 2. Dokumentation, Reflexion und Ethik
  3. 3. Soziologische Feldstudien
  4. 4. Volkskunde: Besonderheiten der Feldforschung
  5. 5. Typische volkskundliche Themen und Beispiele

Grundidee und Vorgehen

Feldforschung oder Feldarbeit ist eine empirische Forschungsmethode: Sie erhebt Daten durch Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ Kontext. Sie wird unter anderem in Anthropologie, Archäologie, Erziehungswissenschaft, Ethnologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Linguistik, Musikwissenschaft und Volkskunde eingesetzt.

Dabei erforscht man Kulturen oder bestimmte Gruppen systematisch, indem man ihren Lebensraum aufsucht und zeitweise ihren Alltag teilt. Informationen entstehen durch gezielte Fragen, Informanten – also Personen mit Kenntnissen über das untersuchte Feld – und teilnehmende Beobachtung. Das bedeutet, dass Forschende am Alltag beteiligt sind und zugleich beobachten.

Dokumentation, Reflexion und Ethik

Forschende sollen möglichst objektiv beobachten. Dazu müssen sie sich mit den eigenen kulturellen Wurzeln, Vorurteilen, der eigenen Rolle und dem Vorgehen kritisch auseinandersetzen; genannt wird in diesem Zusammenhang auch die Grounded Theory.

Wichtig ist eine sorgfältige Dokumentation: Beobachtungen, Gedanken, Gefühle, Probleme und Ängste werden notiert, ebenso typische Sprachausdrücke und Gedächtnisprotokolle. Das Material kann durch Kategorien- und Typenbildung ausgewertet werden. Am Ende steht häufig eine „dichte Beschreibung“ nach Clifford Geertz, also eine besonders genaue, kontextreiche Zusammenfassung des Beobachteten.

Unbedingt zu wahren sind Würde, Privatsphäre und Anonymität der erforschten Menschen. Die bloße Anwesenheit von Forschenden beeinflusst das Feld. Ein längerer Forschungszeitraum und aktive Teilnahme am Alltag können diesen Einfluss abmildern. Ludwig Ferdinand Clauß verlangte mit seiner „mimischen Methode“ eine möglichst weitgehende Integration, bis hin zur zeitweisen Aufgabe der eigenen Kultur; aus volkskundlicher Sicht wird ein solches Mitspielen jedoch abgelehnt.

Soziologische Feldstudien

Ein wichtiger Ausgangspunkt soziologischer Feldforschung war ab 1930 die Chicagoer Schule um Robert Ezra Park. Ihre Arbeiten untersuchten auf mikrosoziologischer Ebene das Leben in Industriestädten und Subkulturen, etwa in The City, The Hobo, The Polish Peasant in Europe and America und später Outsiders. Hier wurde das Konzept der teilnehmenden Beobachtung entwickelt. Wegen seines Schwerpunkts auf qualitativen und empirischen Methoden wurde es teilweise als unwissenschaftlich abgewertet.

Als grundlegende deutschsprachige Studie gilt Die Arbeitslosen von Marienthal von Marie Jahoda und Hans Zeisel, veröffentlicht 1933. Sie untersuchte ein österreichisches Dorf, das von der Schließung einer Textilfabrik existenziell betroffen war. Methodisch verband die Studie Beobachtung, strukturierte Beobachtungsprotokolle, Haushaltserhebungen, Fragebögen, Zeitverwendungsbögen, Interviews, Gespräche und gleichzeitige Hilfestellungen.

Die Untersuchung zeigte mit besonderer Form, Präzision und Tiefe sozio-psychologische Wirkungen von Arbeitslosigkeit. Ihr Hauptergebnis lautet: Arbeitslosigkeit führt nicht, wie häufig erwartet, zur aktiven Revolte, sondern eher zur passiven Resignation. Unterschieden werden die Haltungstypen der innerlich Ungebrochenen, Resignierten, Verzweifelten und verwahrlost Apathischen. Nur die innerlich Ungebrochenen hatten noch „Pläne und Hoffnungen für die Zukunft“; bei den drei anderen Typen führte die Lage zum Verzicht auf Zukunft.

Volkskunde: Besonderheiten der Feldforschung

In der Volkskunde beziehungsweise Europäischen Ethnologie bestehen Parallelen zur soziologischen Feldforschung, aber auch deutliche Unterschiede. Untersuchungen waren in der deutschen Volkskunde oft nicht systematisch: Erforschungsorte oder mögliche ergiebige Quellen wurden teils zufällig oder auf Verdacht ausgewählt. Neben dem Alltagsleben standen besonders Feste im Mittelpunkt, etwa Jahres- und Kirchenfeste sowie Hochzeiten.

Teilnehmende Beobachtung bedeutete hier vor allem, die eigene Rolle zu bestimmen und kritisch festzuhalten, wie die Anwesenheit der untersuchenden Person das Feld beeinflusst. Häufig wurde nicht direkt eine Gruppe beobachtet; stattdessen vertraute man einem Gewährsmann oder Informanten. Heimliches Filmen oder eine unbemerkte Datenerhebung werden aus Respekt vor Informanten abgelehnt.

Meist arbeiteten volkskundliche Feldforschungen aus Gründen der Arbeitsökonomie qualitativ; quantitative Auswertungen, etwa mit Statistik, waren selten. Flächendeckendere Erhebungen gab es beispielsweise seit den 1920er Jahren für den Atlas der deutschen Volkskunde. Kritisiert wurde dabei, dass man oft nur einer Gewährsperson vertraute, häufig einem Lehrer vor Ort, und deshalb keine eigene, kritisch überprüfbare Feldforschung betrieb. Wie Ethnologen in Übersee beobachten Volkskundler als Außenstehende durch ihre eigene „Brille“ und unter Einfluss positiver oder negativer Vorurteile. Deshalb soll eine vorschnelle Wertung vermieden werden.

Typische volkskundliche Themen und Beispiele

Volkskundliche Feldforschungen waren meist individuelle Leistungen einzelner Forschender mit unterschiedlichen Zielen. Ernest Borneman sammelte beispielsweise auf Spielplätzen Kinderlieder, die auch kindliche Sexualität thematisieren. Thomas Nußbaumer erforschte unter anderem alpenländische Volksmusik und die Old Order Amischen in Iowa (USA); außerdem dokumentierte und analysierte er die politisch bedingten Hintergründe der unter dem Nationalsozialismus in Südtirol entstandenen „Sammlung Quellmalz“ von Alfred Quellmalz.

Weitere Themen sind Deutsch-Türken in Berlin und ihre zwischen zwei Kulturen angesiedelten Identitäten. Dabei wird auch der Funktionswandel traditioneller türkischer Musik sowie das Entstehen neuer Lied- und Prosatexte untersucht. Zuwanderergruppen können außerdem dazu dienen, deutsche oder regionale Identitäten zu untersuchen und zu hinterfragen, etwa bei der nach dem Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Gruppen von Vertriebenen zusammengewachsenen Gemeinschaft in Waldkraiburg.

Ein typisches Feld der Volkskunde ist das Volkslied, sowohl seine Texte als auch seine Melodien. Evald Tang Kristensen zeichnete in den 1880er Jahren bei der damals armen bäuerlichen Bevölkerung Nord- und Mitteljütlands Tausende von Liedern mit Papier und Bleistift auf, kommentierte und veröffentlichte sie. Dieses Vorhaben erforderte neben lokaler Kenntnis auch soziales Einfühlungsvermögen.

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