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Faust (Gounod)
Faust (mit deutschem Titel auch „Margaret(h)e“) ist eine Oper in fünf Akten von Charles Gounod. Das Libretto stammt von Jules Barbier und Michel Carré nach …
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Werk und Bedeutung
„Faust“, auf Deutsch auch „Margaret(h)e“, ist eine Oper in fünf Akten von Charles Gounod nach Goethes „Faust I“. Das französische Libretto schrieben Jules Barbier und Michel Carré. Im Mittelpunkt stehen der lebensmüde Gelehrte Faust, sein Bündnis mit Méphistophélès und die daraus entstehende Liebesbeziehung zu Marguerite, die in Schuld, Tod und schließlich ihrer Erlösung endet.
Die Oper dauert etwa drei Stunden und spielt im 16. Jahrhundert in einer deutschen Kleinstadt. Zu den Hauptrollen gehören Faust (Tenor), Méphistophélès (Bass), Marguerite beziehungsweise Margarethe (Sopran), ihr Bruder Valentin (Bariton), Siébel (Mezzosopran oder Tenor), Wagner (Bass) und Marthe (Alt). Das Werk wurde zu einem großen Publikumserfolg und wird bis heute häufig aufgeführt.
Entstehung und Fassungen
Gounod kannte Goethes „Faust“ seit etwa 1828. Den unmittelbaren Anstoß zur Oper gab jedoch Carrés französische Bearbeitung „Faust et Marguerite“. Das Werk entstand von 1856 bis 1858 in Zusammenarbeit mit Barbier. Nachdem die Pariser Opéra es abgelehnt hatte, wurde es am 19. März 1859 im Théâtre-Lyrique in Paris uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung fand am 15. Februar 1861 in Darmstadt statt.
Die erste Fassung war als Opéra-comique gestaltet, also mit gesprochenen Dialogen zwischen den Musiknummern. Später ersetzte Gounod diese Dialoge durch komponierte Rezitative. Für die Pariser Oper ergänzte er außerdem unter anderem Siébels Romanze, Valentins Arie, Mephistos Serenade und die Ballettmusik zur Walpurgisnacht. Diese Neufassung wurde dort am 3. März 1869 erstmals gespielt und ist die heute übliche Fassung.
Bereits in den ersten zehn Jahren kam die Oper allein im Théâtre-Lyrique auf etwa 300 Aufführungen. Weitere Inszenierungen folgten 1860 in Straßburg sowie ab 1862 in Deutschland und Italien. An der Pariser Oper wurde „Faust“ insgesamt 3000 Mal aufgeführt. 1883 eröffnete die Metropolitan Opera in New York mit diesem Werk und pflegte es auch später besonders intensiv.
Fausts Pakt und die erste Begegnung
Zu Beginn sitzt der alte Faust in seinem Studierzimmer. Weil er seiner Grübeleien über den Sinn des Lebens überdrüssig ist, will er Gift trinken. Der Gesang junger Frauen über das Erwachen der Natur zur Liebe hält ihn davon ab. Faust hadert mit Gott und ruft Satan herbei. Méphistophélès erscheint und bietet ihm Ruhm und Reichtum an; Faust verlangt jedoch Jugend und Liebe. Als Méphistophélès ihm ein Bild Marguerites zeigt, verschreibt sich Faust dem Bösen, trinkt einen Verjüngungstrank und verlässt mit ihm das Studierzimmer.
Auf einer Kirmes verabschiedet sich Marguerites Bruder Valentin, weil er zum Militär einberufen wurde. Er vertraut seine Schwester seinem Freund Siébel an. Méphistophélès unterbricht Wagners Lied mit dem „Rondo vom goldenen Kalb“. Danach prophezeit er Wagners Tod beim nächsten Festungssturm, Valentins nahes Ende und das Verwelken aller Blumen, die Siébel berührt. Als er Marguerite verspottet, greift Valentin ihn an. Seine Waffe kann Méphistophélès wegen dessen magischen Schutzes nicht verletzen; nur der als Kreuz verwendete Schwertgriff drängt ihn zurück. Schließlich erscheint Marguerite, lehnt aber Fausts Angebot ab, sie zu begleiten.
Verführung Marguerites
Siébel pflückt in Marguerites Garten Flieder und Rosen für einen Strauß. Wegen Méphistophélès’ Fluch verwelken die Blumen in seiner Hand. Erst das Eintauchen in Weihwasser bricht den Bann.
Méphistophélès legt ein Schmuckkästchen vor Marguerites Tür. Sie findet es, öffnet es und legt den Schmuck an. Gleichzeitig teilt Méphistophélès Marthe den Tod ihres Gatten mit und umwirbt sie mit Komplimenten. So erhält Faust Gelegenheit, sich Marguerite zu nähern. Ihre Reinheit beeindruckt ihn so sehr, dass er sich zunächst zurückziehen will. Méphistophélès hält ihn jedoch auf und beschwört den Zauber der Nacht, damit Marguerite von Liebe erfüllt wird. Faust hört, wie sie am Fenster ihre Gefühle ausspricht. Daraufhin fallen Faust und Marguerite einander jubelnd in die Arme, während Méphistophélès lachend fortgeht.
Schuld, Tod und Erlösung
Nachdem Faust sie verlassen hat, wird Marguerite von ihren Freundinnen verspottet. Im Wahnsinn hat sie ihr Kind getötet. Siébel versucht, sie zu trösten, doch sie sucht Vergebung in der Kirche. Dort erscheint Méphistophélès und nimmt ihr die Hoffnung auf Gottes Gnade, woraufhin sie ohnmächtig zusammenbricht.
Faust bereut inzwischen seine Untreue und kehrt zurück. Als er Marguerite ans Fenster locken will, stellt Valentin ihn zur Rede. Valentin erklärt das Amulett seiner Schwester für entweiht und wirft es fort. Im folgenden Kampf hilft Méphistophélès Faust, Valentin niederzustechen. Faust und Méphistophélès fliehen. Marguerite kniet bei ihrem sterbenden Bruder, der sie mit seinen letzten Worten verflucht.
Im fünften Akt feiern Faust und Méphistophélès auf dem Blocksberg die Walpurgisnacht. Während eines orgiastischen Bacchanals sieht Faust Marguerite mit einem roten Streifen am Hals, der an den Schnitt eines Henkersbeils erinnert. Er verlangt, zu ihr gebracht zu werden. Marguerite befindet sich im Kerker und wartet auf das Gerichtsurteil. Als sie erwacht, erinnert sie sich an ihre erste Begegnung mit Faust und umarmt ihn. Méphistophélès drängt zur Flucht, doch Marguerite erkennt ihn und weicht entsetzt zurück. Auch Faust kann sie nicht gewaltsam mitnehmen. Sie bricht zusammen. Méphistophélès ruft „Gerichtet!“, während ein himmlischer Chor mit „Gerettet!“ antwortet: Das weltliche Gericht verurteilt Marguerite, aber ihre Seele wird erlöst.
Wirkung und kulturelle Spuren
Pjotr Iljitsch Tschaikowski urteilte 1872, die Oper sei „mit großer Meisterschaft komponiert“, zeige trotz fehlender Genialität aber eine eigene Prägung. Zahlreiche Tonaufnahmen dokumentieren ihre anhaltende Bedeutung, darunter Einspielungen unter André Cluytens von 1953 und 1959 sowie spätere Aufnahmen unter Richard Bonynge, Georges Prêtre, Colin Davis, Michel Plasson und Carlo Rizzi.
Motive und Musiknummern aus der Oper wurden auch außerhalb des Musiktheaters bekannt. Gottfried Piefke schuf daraus den „Margarethenmarsch“ (Armeemarsch II, 182). Der Soldatenchor diente als langsamer Marsch des britischen Guards Machine Gun Regiments und wurde bei „Trooping the Colour“ 1919 sowie zur Erinnerung daran 2019 gespielt. Hergé machte Marguerites Juwelenarie „Ah, je ris de me voir si belle“ zum Paradestück der fiktiven Sängerin Bianca Castafiore in „Tim und Struppi“. Thomas Mann verwendete das „Gebet des Valentin“ in „Der Zauberberg“. Martin Scorseses Film „Zeit der Unschuld“ von 1993 beginnt mit einer Szene aus dem Duett von Marguerite und Faust im dritten Akt.
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