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Charles Gounod

Charles François Gounod (* 17. Juni 1818 in Paris; † 18. Oktober 1893 in Saint-Cloud) war ein französischer Komponist. Zu seinen bekanntesten Werken zählt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und frühe Laufbahn
  3. 3. Opern und Durchbruch
  4. 4. Späte Jahre und geistliche Musik
  5. 5. Werke und Auszeichnungen
  6. 6. Hausorgel

Überblick

Charles François Gounod (* 17. Juni 1818 in Paris; † 18. Oktober 1893 in Saint-Cloud) war ein französischer Komponist. Er gehört vor allem wegen seiner Oper Faust zu den bekannten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Diese Oper wird in Deutschland manchmal unter dem Titel Margarethe aufgeführt, um sie deutlicher von Goethes Faust zu unterscheiden. Gounod war außerdem wichtig für die französische Opéra lyrique, eine lyrisch geprägte Form der Oper, und schrieb neben Opern auch Kirchenmusik, Oratorien, Kantaten, Messen, Chorwerke, Orchesterwerke und Kammermusik.

Sein Werk zeigt zwei wichtige Schwerpunkte: einerseits die Opernbühne, auf der er mit Faust seinen Durchbruch erreichte, andererseits die geistliche Musik, der er sich besonders in jungen Jahren und wieder im Alter zuwandte. Weltweit besonders bekannt ist sein Ave Maria von Bach/Gounod. Es entstand aus einer Melodie, die Gounod 1852 über das Präludium C-Dur aus dem 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach schrieb und 1859 mit dem Text des Ave Maria verband.

Ausbildung und frühe Laufbahn

Gounod stammte aus einer künstlerischen Familie. Sein Vater François-Louis Gounod (1758–1823) war Maler, seine Mutter Victoire, geborene Lemachois, war Pianistin und gab ihm früh Musikunterricht. Bis 1835 besuchte er das Lycée Saint-Louis in Paris. Danach studierte er zunächst privat bei dem böhmischen Komponisten Anton Reicha und ab 1836 am Pariser Konservatorium bei Fromental Halévy, Jean-François Lesueur und Ferdinando Paër.

1839 erhielt Gounod den Prix de Rome für seine Kantate Fernand. Dieser Preis ermöglichte ihm eine Reise nach Italien. Dort lernte er die Musik älterer Meister kennen, besonders die Musik Palestrinas. 1842 verließ er Rom in Richtung Wien. 1843 kehrte er über Berlin und Leipzig nach Paris zurück. In Leipzig begegnete er Felix Mendelssohn Bartholdy und dessen Schwester Fanny Hensel.

Nach seiner Rückkehr arbeitete Gounod in der Kirche der Missions Étrangères von Paris als Kirchenkapellmeister, Chorleiter und Organist. Zeitweise wollte er Priester werden und studierte von 1846 bis 1848 Theologie an Saint-Sulpice. Ein in dieser Zeit begonnenes Requiem blieb unvollendet. Gounod legte kein Gelübde ab, weil er sich schließlich stärker zur Musik hingezogen fühlte.

Opern und Durchbruch

Nach 1848 wandte sich Gounod stärker der Opernkomposition zu. Mit Unterstützung der Sängerin Pauline Viardot erhielt er von Emile Augier das Libretto zu Sappho. Die Oper wurde 1851 aufgeführt, hatte aber weder in Paris noch im Londoner Covent Garden Erfolg. 1852 heiratete Gounod Anna Zimmermann (1829–1907), die Tochter eines Klavierlehrers am Konservatorium. Von 1852 bis 1860 war er Direktor des Orphéon de la Ville de Paris, des größten Männerchores der Stadt.

Auch La nonne sanglante, fertiggestellt 1854, brachte keinen Erfolg. 1858 komponierte Gounod Le Medicin malgré lui nach der gleichnamigen Komödie von Molière, ebenfalls ohne großen Erfolg. Erst Faust brachte 1859 den Durchbruch. Die Uraufführung fand am 19. März 1859 im Théatre Lyrique in Paris statt. Dieses Werk gilt bis heute als sein Meisterwerk.

Nach Faust folgten weitere Opern: Philémon et Baucis wurde ein Jahr später uraufgeführt, danach La colombe. 1862 stellte Gounod La Reine de Saba fertig. 1864 wurde Mireille uraufgeführt, ein recht erfolgreiches Werk. Diese produktive Phase endete mit Roméo et Juliette, dessen Uraufführung am 27. April 1867 am Théatre Lyrique in Paris stattfand. Obwohl Gounod zwölf Opern schrieb und als angesehener Vertreter der französischen Opéra lyrique galt, stehen die meisten dieser Opern heute nicht mehr regelmäßig auf dem Spielplan.

Späte Jahre und geistliche Musik

Wegen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 lebte Gounod von 1870 bis 1874 in London. Dort gründete er Gounod’s Choir, aus dem später die Royal Choral Society hervorging. Seine Arbeit als Chorleiter und Komponist zeigte sich in zahlreichen Oratorien und Chorwerken. Ein Oratorium ist ein größeres musikalisches Werk für Chor, Solisten und Orchester, meist mit geistlichem oder erzählendem Inhalt, aber normalerweise ohne szenische Darstellung wie in der Oper.

Im Alter wandte sich der tief religiöse Gounod erneut der Kirchenmusik zu. Seine Oratorien machten ihn reich, wurden aber wegen ihres lyrischen Stils, der laut Artikel ans Sentimentale grenzte, schnell wieder vergessen. Besonders dauerhaft bekannt blieb dagegen das Ave Maria von Bach/Gounod.

Mit den späteren Opern Cinq Mars (1877), Polyeucte (1878) und Le tribut de Zamora (1881) konnte Gounod nicht mehr an seine erfolgreichen Jahre vor dem Deutsch-Französischen Krieg anknüpfen. 1866 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts. 1872 nahm ihn die Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique in der Classe des Beaux-Arts als assoziiertes Mitglied auf. Gounod starb 1893 in Saint-Cloud in der Nähe von Paris, während er an einem Requiem arbeitete.

Werke und Auszeichnungen

Gounods Werk umfasst viele Gattungen. Zu den Opern gehören Sapho (1851), La nonne sanglante (1854), Le médecin malgré lui (1858), Faust beziehungsweise Margarethe (1859), Philémon et Baucis (1860), La colombe (1860), La reine de Saba (1862), Mireille (1864), Roméo et Juliette (1867), Cinq Mars (1877), Polyeucte (1878) und Le tribut de Zamora (1881). Schauspielmusik schrieb er unter anderem zu Ulysse (1852), Le bourgeois gentilhomme (1852), Les deux reines (1872), Jeanne d’Arc (1873) und Drames sacrés (1893).

Bei den geistlichen und chorischen Werken nennt der Artikel unter anderem das kleine Oratorium Tobie (1854), die Kantaten Le temple de l’harmonie (1862) und A la frontière (1870), die Motette Gallia: Lamentation (1871), Jésus sur le lac de Tibériade (1874) sowie die geistlichen Trilogien La rédemption (1882) und Mors et vita (1885), beide mit Bezug zum Birmingham Triennial Music Festival. Außerdem komponierte Gounod zahlreiche Messen, darunter die Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile G-Dur „Cäcilienmesse“ CG 56 (1855), mehrere Messes brèves, Requiem- und Trauermessen sowie späte Messkompositionen nach gregorianischem Gesang.

Zu seinen Orchesterwerken gehören die Sinfonie Nr. 1 D-Dur (1855), die Sinfonie Nr. 2 Es-Dur (1855), der Trauermarsch für eine Marionette d-Moll (1873), der Hochzeitsmarsch Nr. 2 A-Dur (1882), die Fantaisie sur l’hymne national russe (1885), Le rendez-vous. Suite de valse D-Dur (1847 ?) und ein Fragment einer Sinfonie Nr. 3 C-Dur. Der Trauermarsch für eine Marionette wurde einem breiten Publikum auch dadurch bekannt, dass sein Hauptthema als Titelmelodie der US-amerikanischen Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents zitiert wurde. Gounod komponierte außerdem die heutige Hymne des Vatikans, den Inno e Marcia Pontificale.

Für sein musikalisches Schaffen erhielt Gounod am 25. Februar 1861 vom Großherzog Ludwig III. von Hessen die Goldene Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirtschaft. Anlass war unter anderem sein Besuch in Darmstadt, wo er am 17. Februar 1861 einer Vorstellung seiner Oper Faust im Darmstädter Hoftheater beiwohnte. 1888 wurde er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.

Hausorgel

Gounod besaß eine Hausorgel, die 1879 von Aristide Cavaillé-Coll erbaut wurde. Sie blieb nach Gounods Tod bis 1937 in seinem Salon. Danach wurde sie an das Institut des sourds et des aveugles in Bordeaux gegeben. Ab 1976 stand das Instrument in einem Mehrzwecksaal in Ambarès-et-Lagrave. 2009 wurde es als monument historique klassifiziert. Nach einer Restaurierung in den Jahren 2019/2020 steht die Orgel in La Sauve in der Pfarrkirche St. Pierre.

Die Disposition, also die Zusammenstellung der Register einer Orgel, umfasst ein I Grand-Orgue expressif C–g³, ein II Récit expressif C–g³ und eine Pédale C–f¹. Genannt werden Register wie Bourdon 16′ und 8′, Principal 8′, Prestant 4′, Octavin 2′, Gambe 8′, Voix céleste 8′, Flûte harmonique 8′, Flûte octaviante 4′, Basson-hautbois 8′, Trompette 8′, Flûte 16′ sowie weitere Pedalregister. Als Spielhilfen werden Kombinationen wie tirasses, expression, accouplement, appels anches Récit und trémolo genannt.

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