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Fat House
Fat House (englisch für fettes Haus) ist eine Skulptur des österreichischen Künstlers Erwin Wurm. Das begehbare Plastikhaus mit einer Videoprojektion im Inneren …
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Kern und Bedeutung
Fat House ist eine begehbare Skulptur des österreichischen Künstlers Erwin Wurm. Das Kunstwerk stellt ein gewöhnliches Vorstadthaus dar, dessen Wände sich nach außen wölben und ihm ein aufgequollenes, „fettes“ Aussehen geben. Im Inneren befindet sich eine Videoprojektion. Die Skulptur gehört zu Wurms „fat sculptures“, mit denen er die Konsumgesellschaft und kleinbürgerliche Statussymbole humorvoll kritisiert. Sie steht seit 2018 als Dauerleihgabe des Belvederes im Österreichischen Skulpturenpark in der Steiermark, südlich von Graz, und zählt zu den bekanntesten Werken Wurms.
Gestaltung und Videoprojektion
Wurm schuf Fat House 2003 in Zusammenarbeit mit der Wiener Galerie Krinzinger. Das Werk entstand im Hinblick auf die Schau „Art Unlimited“ während der Art Basel und wurde dort im Juni 2004 erstmals ausgestellt.
Die Form orientiert sich an einem gewöhnlichen Vorstadthaus: Es besitzt ein rotes Ziegeldach in Sattelbauweise, eine zentrale Eingangstür und zwei seitliche Fenster. Die weißen Wände sind jedoch stark nach außen gewölbt. Die Skulptur ist 5,4 m × 10 m × 7 m groß und besteht aus Polystyrol sowie einem tragenden Gerüst aus Eisen und Aluminium. Für den Transport wurde sie in 18 Einzelteile zerlegt.
Im begehbaren Inneren wird auf eine Leinwand eine DVD projiziert. Das 8:40 Minuten lange Video läuft in einer Endlosschleife und zeigt das Fat House im Innenraum der Art Basel. Zunächst gehen Ausstellungsbesucher vorbei. Danach schließt sich die Eingangstür hinter einem Besucher und verwandelt sich in einen Mund. Die beiden von den Fassadenwölbungen umrahmten Fenster werden zu Augen. Das Haus beginnt mit menschlicher Mimik zu sprechen und stellt in einem englischen Monolog seine eigene Ästhetik und Funktion infrage. Der Animationsfilm trägt den Titel Am I a house? und entstand 2005 mit der Stimme der Kunst- und Kulturhistorikerin Renée Gadsden.
Im Mittelpunkt steht der Widerspruch zwischen Haus und „Fettsein“: „A house cannot be fat“ – ein Haus könne nicht fett sein –, zugleich erklärt die Figur: „I am a house.“ Dadurch fragt das Werk, ob es eher ein Haus oder ein Kunstwerk ist.
Ausstellungen und weitere Exemplare
Seit der ersten Präsentation auf der Art Basel 2004 wurde Fat House europaweit in renommierten Kunstmuseen, Galerien und Skulpturenparks gezeigt. Zu den genannten Stationen gehören unter anderem die Galerie Krinzinger in Wien, das BALTIC Centre for Contemporary Art in Gateshead, das Hangar à Bananes in Nantes, das Central House of Artists in Moskau, das Bass Museum in Miami, das Middelheimmuseum in Antwerpen, das Centro de Arte Contemporáneo in Málaga, der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal und das Centro Cultural Banco do Brasil in Belo Horizonte. Im Bass Museum wurden 2011 die Einzelteile der Skulptur ausgestellt. 2017 war das Werk vor dem Oberen Belvedere in Wien zu sehen, bevor es ab 2018 in den Österreichischen Skulpturenpark übersiedelte.
Im 2008 eröffneten Towada Art Center in der japanischen Präfektur Aomori steht ein Nachbau einschließlich Carport mit Fat Car. Ein weiteres Exemplar besitzt die West Collection in Philadelphia.
Künstlerische Einordnung und Rezeption
Fat House steht in Erwin Wurms Auseinandersetzung mit Volumen und der Verformung von Alltagsgegenständen. Bereits 1992 ließ er für die Performance Fabio Getting Dressed einen Mann so viele Kleidungsschichten anziehen, dass die Körperkonturen verschwanden. Nach den One Minute Sculptures wandte er sich erneut dem Volumen zu und schuf 2001 sein erstes Fat Car. Mit Fat House übertrug er die Idee der körperlichen Verformung auf Architektur.
Die unebene Oberfläche verbindet den menschlichen Körper mit dem Haus, weil sie an Fettpolster erinnert. Dadurch verliert das Haus seine übliche Schutzfunktion und wirkt selbst schutzbedürftig. Der Standard beschrieb die Skulptur als „aufquellend weiches Zustandsbild des häuslichen Rückzugraums“ und zugleich als schwabbelig und monströs.
Die Videoprojektion holt die Fassade in das Innere der Installation. Gertrud Koch deutet Am I a house? als Verbindung von Animationsfilm und Skulptur. Im Zentrum steht die Spannung zwischen dem künstlerischen Objekt und dem Betrachter. Weil das Haus einen Besucher scheinbar „verschluckt“ und anschließend selbst spricht, wird nicht nur ein Bild oder Modell gezeigt: Das Kunstwerk selbst wird zum Filmobjekt. Koch verglich es mit Jacques Tatis futuristischem Haus im Spielfilm Mon oncle von 1958, das ebenfalls ein ausdrucksstarkes Gesicht besitzt.
Das Hausmotiv nahm Wurm später in weiteren Werken auf. Zwischen 2005 und 2016 entstanden mehrere Melting Houses, darunter deformierte Modelle des Flatiron Buildings, des Guggenheims und des Hauses Wittgenstein. 2010 entstand Narrow House, ein stark verschmälertes Modell seines Grazer Elternhauses. 2006 wurde House Attack auf dem Dach des mumok gezeigt, 2007 folgte Herr Krause kommt nach Hause nach der großen Sause. 2019 widmete die Österreichische Post Fat House eine Sondermarke. 2020 entstand die Edition Little Big House mit 300 nummerierten und datierten weißen Keramikobjekten in Form von Butterdosen; sie messen jeweils 15 × 19 × 10 cm.