Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Farah Pahlavi
Sie wurde am 21. Dezember 1959 durch ihre Heirat mit Schah Mohammad Reza Pahlavi zur Königin und am 26. Oktober 1967 durch ihre Krönung zur Kaiserin (Schahbanu) …
Inhalt5 Abschnitte
Herkunft, Ausbildung und Familie
Farah Pahlavi, geborene Farah Diba, wurde am 14. Oktober 1938 in Teheran geboren. Sie war von 1959 bis zum Sturz der Monarchie die Ehefrau von Schah Mohammad Reza Pahlavi und die letzte Kaiserin Irans. Bedeutung erlangte sie vor allem durch ihre offizielle Tätigkeit in den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung, Sozialfürsorge, Kultur und Städtebau sowie durch ihre verfassungsrechtliche Aufwertung zur möglichen Regentin.
Nach dem Tod ihres Vaters Sohrab Diba im Jahr 1948 wuchs sie bei ihrer Mutter Farideh Ghotbi und ihrem Onkel Mohammad Ali Ghotbi auf. Sie besuchte zunächst die italienische Schule, danach die französische Jeanne-d’Arc-Schule und schließlich das französischsprachige Razi-Gymnasium in Teheran, das sie als Klassenbeste mit dem Abitur abschloss. Sie war als Basketballspielerin, Hochspringerin und Pfadfinderin aktiv. 1957 begann sie an der École spéciale d’architecture in Paris ein Architekturstudium.
Im Frühjahr 1959 begegnete sie während eines Staatsbesuchs in Paris erstmals Mohammad Reza Pahlavi. Die Verlobung wurde am 21. November 1959 bekannt gegeben, die Hochzeit fand am 21. Dezember 1959 im Marmorpalast statt. Das Paar hatte vier Kinder: Cyrus Reza Pahlavi (* 31. Oktober 1960), Farahnaz (* 12. März 1963), Ali Reza (* 28. April 1966; † 4. Januar 2011) und Leila (* 27. März 1970; † 10. Juni 2001).
Stellung als Kaiserin und Familienrecht
Nach ihrer Heirat trug Farah Pahlavi zunächst den Titel Malekeh, also „Königin“. Durch ein Dekret vom 20. März 1961 erhielt sie den persischen Titel Schahbanu, „Gemahlin des Schahs“. Der neue Titel sollte ihre iranische Identität betonen und zugleich die gesellschaftliche Stellung der Frauen aufwerten.
Eine Verfassungsänderung vom 23. August 1967 legte das Mindestalter für die Thronfolge des Kronprinzen auf 20 Jahre fest. Wäre der Kronprinz beim Tod oder bei der Amtsunfähigkeit des Schahs jünger gewesen, hätte Farah Pahlavi bis zu seiner Volljährigkeit als Regentin gehandelt. Am 26. Oktober 1967 krönte Mohammad Reza Pahlavi sie zur Kaiserin. Sie erhielt damit die Stellung des Nayeb-al-Saltaneh, des Vizekönigs, und durfte den Schah während seiner Abwesenheit vertreten.
Farah Pahlavi und Aschraf Pahlavi wirkten an einem neuen Familiengesetz mit, das am 24. Oktober 1967 in den Senat eingebracht wurde. Es gab Frauen unter anderem das Recht, jederzeit eine Scheidungsklage einzureichen. Männer konnten eine Ehe nicht mehr allein durch einen religiösen Entscheid und ohne Gerichtsverfahren beenden. Eine zweite Ehe war nur mit gerichtlich bestätigter Zustimmung der ersten Frau und dem Nachweis möglich, beide Frauen gleichberechtigt versorgen zu können. Gerichte durften das Sorgerecht der Mutter übertragen, wenn dies dem Kindeswohl entsprach, und die Unterhaltszahlungen festlegen. Versorgungsregeln für den Scheidungsfall mussten in den Ehevertrag aufgenommen werden. Ruhollah Chomeini lehnte das Gesetz als Verstoß gegen den Islam und die Scharia entschieden ab.
Soziale, medizinische und kulturelle Arbeit
Farah Pahlavi leitete oder unterstützte zahlreiche staatliche und gemeinnützige Einrichtungen. Ihr Büro wuchs auf 40 Mitarbeiter und bestand aus vier Abteilungen: Medizin und Gesundheit, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur sowie soziale Angelegenheiten. Die Projekte wurden meist von der Pahlavi-Stiftung, der Farah-Pahlavi-Stiftung, der Nationalen Ölgesellschaft NIOC sowie durch private und industrielle Spenden finanziert. Die Angaben zu diesen Tätigkeiten beruhen laut Artikel überwiegend auf Veröffentlichungen ihres Büros von 1975.
Im Gesundheitswesen gehörte die 1961 gegründete Leprastation Behkadeh Raji zu ihren ersten wichtigen Projekten. Dort sollten Leprakranke und ihre Familien medizinische Versorgung erhalten und eine neue Existenz aufbauen können. Weitere von ihr betreute Einrichtungen befassten sich mit Krebsdiagnostik, der Behandlung von Brandverletzungen, Kinderheilkunde und der Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation. Die 1966 gegründete Gesellschaft zur Förderung der Pädiatrie schuf ein pädiatrisches Zentrum mit sechs Abteilungen und 150 Betten.
Die Kinder- und Jugendhilfe wurde in den 1960er Jahren systematisch ausgebaut. Farah Pahlavi förderte Waisenhäuser für landesweit fast 10.000 Waisenkinder und gründete eine Fachschule für Erzieherinnen. Einrichtungen boten außerdem berufliche Bildung, Blindenschulen sowie Sportprogramme für gehörlose und stumme Menschen an. Die Vereinigung zur Förderung der intellektuellen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen entwickelte Kinderbücher, Bibliotheken, Wandertheater, Musik-, Schauspiel- und Kunsthandwerkskurse, eine 8-mm-Kinowerkstatt und ein Kinderfilmfestival.
Auf kulturellem Gebiet unterstützte sie die persische Sprache, das Teheraner Philharmonische Orchester und internationale Kulturbeziehungen. Auf ihre Anregung entstanden unter anderem das Schiras-Kunstfestival, die Nationale Organisation für iranische Folklore, das Schahr-Theater, die Rudaki-Halle und das Literaturfestival in Tus. Zudem wurden das Iranische Teppichmuseum, das Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst und das Iranische Museum für Glas und Keramik gegründet. 1975 entstand die Farah-Pahlavi-Universität, die als einzige iranische Universität ausschließlich Frauen zum Studium zuließ.
Als Vorsitzende des 1965 gegründeten Rats für Städtebau wirkte sie an der Koordination von Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Parkanlagen mit. Auf Inspektionsreisen in iranische Provinzen wollte sie die Bedürfnisse der Bevölkerung kennenlernen und Vorschläge in Entwicklungsprojekte übernehmen. Nach einer Reise nach Hormozgan wurden beispielsweise alte Wasserspeicher durch eine moderne Versorgung ersetzt, während die historischen Bauten renoviert und anders genutzt wurden.
Staatskrise und Ende der Monarchie
1978 verschärfte sich die politische Krise trotz der seit 1977 betriebenen Liberalisierung. Nach dem Brandanschlag auf das Cinema Rex in Abadan am 19. August 1978 mit über 400 Toten wollte Farah Pahlavi die Angehörigen besuchen, wurde davon jedoch zunächst abgehalten. Am 8. September, dem „Schwarzen Freitag“, starben laut Artikel bei Schusswechseln auf dem Dschaleh-Platz 64 Demonstranten sowie 70 Polizisten und Soldaten. Kurz darauf zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,9 die Oasenstadt Tabas fast vollständig und forderte über 20.000 Todesopfer.
Farah Pahlavi nahm an politischen Beratungen teil und sprach sich gegen General Oveisi als Regierungschef aus. Bei der Entscheidung, frühere Amtsträger wie Amir Abbas Hoveyda festzunehmen, war sie anwesend, erhob aber nach eigener Aussage keinen Einspruch. Im November 1978 reiste sie nach Kerbela und Nadschaf und traf Groß-Ajatollah Abu l-Qasim al-Choei.
Die Opposition vereinte Teile der Geistlichkeit, linksintellektuelle Kräfte sowie marxistisch-leninistische und maoistische Gruppen mit dem Ziel, den Schah zu stürzen. Auf der Konferenz von Guadeloupe vom 4. bis 7. Januar 1979 beschlossen die Regierungschefs Frankreichs, der USA, Großbritanniens und der Bundesrepublik Deutschland, den Schah nicht weiter zu unterstützen und Gespräche mit Chomeini zu suchen. Am 16. Januar 1979 verließen Mohammad Reza und Farah Pahlavi Iran. Chomeini kehrte am 1. Februar aus dem französischen Exil zurück.
Exil und späteres Leben
Die Suche nach einem dauerhaften Exil führte das Kaiserpaar zunächst nach Ägypten und Marokko. Danach lebte die Familie zeitweise auf den Bahamas und in Mexiko. Wegen der Krebserkrankung des Schahs reisten beide am 22. Oktober 1979 zur Behandlung in die USA. Während ihres Aufenthalts wurde am 4. November die US-Botschaft in Teheran besetzt; iranische Vertreter verlangten die Rückführung des Schahs und erwogen einen Austausch gegen die amerikanischen Geiseln. Im Dezember 1979 reiste das Paar nach Panama weiter.
Am 23. März 1980 kehrten beide nach Ägypten zurück. Mohammad Reza Pahlavi starb am 27. Juli 1980 in Kairo. Farah Pahlavi übernahm nach der früheren iranischen Verfassung zunächst die Regentschaft. Am 31. Oktober 1980 wurde ihr ältester Sohn Cyrus Reza 20 Jahre alt und schwor auf den Koran, die ihm nach dieser Verfassung zugewiesenen Aufgaben zu übernehmen.
Farah Pahlavi lebt seither abwechselnd in Frankreich und den USA und engagiert sich unter anderem für das UNESCO-Kinderbildungsprogramm Kinder in Not. In Interviews äußerte sie sich über ihre Zeit als Kaiserin, die Revolution und das Exil und sprach dabei auch über eigene Fehler und Fehleinschätzungen. Ihre Tochter Leila starb 2001 durch eine Überdosis Schlaftabletten; ihr Sohn Ali Reza nahm sich 2011 das Leben.
Der Dokumentarfilm „Farah Diba – Die Kaiserin und ich“ von Nahid Persson Sarvestani aus dem Jahr 2009 stellt Farah Pahlavi einer iranischen Filmemacherin gegenüber, deren Familie gegen die Monarchie gekämpft hatte. Der Film behandelt die gemeinsame Erfahrung von Verlust und unfreiwilligem Exil, aber auch den Konflikt zwischen der ehemaligen Kaiserin und einer früheren Gegnerin des Schah-Regimes. Farah Pahlavi veröffentlichte 2004 die Bücher „Erinnerungen“ und „An Enduring Love“.