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Falun Gong
Falun Gong, auch Falun Dafa (wörtlich „Dharma-Rad-Praktik“ oder „Gesetzesrad ... Religion handele; zum einen seien die Glaubensinhalte vom Buddhismus …
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Grundidee und Bedeutung
Falun Gong, auch Falun Dafa, ist eine neue religiöse Bewegung, die 1992 von Li Hongzhi in China gegründet wurde und heute ihren Sitz in den USA hat. Der Name Falun Gong bedeutet wörtlich etwa „Dharma-Rad-Praktik“ oder „Gesetzesrad-Praktik“. Die Bewegung verbindet Elemente aus Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus mit Qigong, also körperlichen und meditativen Übungen zur Lenkung des Qi. Vor Beginn der Verfolgung wurden sehr unterschiedliche Zahlen von Praktizierenden genannt: zwischen 2 und 80 Millionen.
Falun Gong ist vor allem deshalb wichtig, weil es seit 1999 in der Volksrepublik China durch die Kommunistische Partei Chinas unterdrückt wird. Seitdem führt die Bewegung eine internationale Kampagne gegen ihre Verfolgung. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem von Politikern, Regierungen und Menschenrechtsorganisationen; genannt werden das US-Repräsentantenhaus, die Vereinten Nationen und das Europaparlament. Zugleich ist die Einordnung der Bewegung umstritten: Manche Beobachter sehen sie wegen ihrer internationalen Kampagne auch als politische Bewegung. Der Artikel selbst ist als in seiner Neutralität umstritten markiert.
Lehre und Praxis
Falun Gong bezeichnet im engeren Sinn fünf körperliche und meditative Übungen, die das Qi der Praktizierenden lenken sollen. Falun Dafa bezeichnet die spirituelle Lehre; „法“ bedeutet Gesetz oder hier Dharma. Die Lehre enthält Aspekte aus Buddhismus und Daoismus und greift auch Themen des New Age auf.
Zentral ist die Vorstellung, dass Praktizierende negatives Karma abarbeiten und ihre Tugendhaftigkeit kultivieren sollen. Li Hongzhi hebt dabei drei Grundwerte hervor: Wahrhaftigkeit (真, Zhēn), Barmherzigkeit (善, Shàn) und Nachsicht (忍, Rěn). Karma könne laut dieser Lehre zurückgezahlt werden, indem Praktizierende Widrigkeiten und Krankheiten erdulden.
Zur Kultivierung gehören neben den fünf Übungen auch das regelmäßige Lesen, Auswendiglernen oder gemeinsame Rezitieren der von Li verfassten Bücher. Diese Schriften beschreiben eine alternative Kosmologie mit verschiedenen Ebenen. Praktizierende könnten mit Lis Hilfe aufsteigen und durch ihre „Kultivierung“ übernatürliche Fähigkeiten erreichen. Li selbst habe nach dieser Lehre eine höhere Ebene erreicht und sei der einzige, der den Weg zur Erlösung lehre. Falun Gong wird weltweit kostenlos weitergegeben; Schriften und Übungsmusik sind kostenlos online verfügbar.
Zum Weltbild von Falun Gong zählt laut Artikel auch die Ablehnung von Homosexualität, „gemischtrassigen“ Ehen, Feminismus und Schulmedizin. Außerdem werden den Lehren ableistische Überzeugungen und Verschwörungstheorien zugeschrieben.
Wissenschaftliche Einordnung
In der Forschung wird Falun Gong unterschiedlich eingeordnet. David Ownby beschreibt solche Gruppen als „redemptive societies“, also Erlösungsgemeinschaften. Damit meint er Gruppen mit einem charismatischen Meister, einer fundamentalistischen Ethik und Methoden körperlicher Verwandlung, die Erlösung in Form von Heilung, übernatürlichen Fähigkeiten und möglicherweise Unsterblichkeit versprechen. Er ordnet die Praktiken von Falun Gong der Volksreligion zu.
Andrew Junker folgt dieser Einordnung und nennt ähnliche Begriffe wie „sectarianism“ und „salvationist groups“. Er betont den exklusivistischen Charakter der Bewegung und beschreibt einen Wandel: Aus einer stärker auf individuelle Erlösung gerichteten Bewegung sei eine Kombination aus millennialistischer und sozialer Bewegung geworden. „Millennialistisch“ bedeutet hier, dass religiöse Erwartungen an eine grundlegende kommende Umwälzung eine Rolle spielen.
Maria Hsia Chang widerspricht der Selbstdarstellung von Falun Gong, es sei nur ein spirituelles und moralisches System und keine Religion. Sie verweist darauf, dass die Glaubensinhalte vom Buddhismus inspiriert und von Taoismus sowie alten Volksreligionen beeinflusst seien. Außerdem habe die Bewegung einen apokalyptischen und millennialistischen Charakter.
Soziologisch wird Falun Gong seit dem Konflikt mit der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1996 zunehmend als politisch orientierte Bewegung beschrieben. Das Landgericht Leipzig urteilte 2005, Falun Gong habe „den Charakter einer neureligiösen Sekte mit sehr hierarchischen Anhängerstrukturen“ und entwickle ein „elitäres und sektiererisches Gruppenbewusstsein“. Einige Experten ordnen die Bewegung als harmlos ein, andere als sektenförmig bis rassistisch.
Entstehung und Verbot in China
Falun Gong entstand vor dem Hintergrund der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik. In den 1980er und 1990er Jahren kam es in China zu einer Wiederbelebung religiöser Praktiken und zu einem „Qigong-Fieber“; schätzungsweise 100 Millionen Menschen begannen, Qigong-Methoden zu praktizieren.
Li Hongzhi, ein Eisenbahnbeamter ohne medizinische oder spirituelle Ausbildung, gründete Falun Gong im Mai 1992. Er stellte seine fünf Qigong-Übungen erstmals in Changchun anderen Qigong-Interessierten vor. Bis 1994 gab er Seminare in China und wurde für „Wunderheilungen“ bekannt. Viele Seminare wurden von der regierungsnahen Qigong-Forschungsgesellschaft Zhongguo qigong kexue yanjiuhui oder verbundenen Einrichtungen gefördert. Anfangs betonte Li eher körperliche Vorteile des Qigong, später zunehmend religiöse Themen. Seine Bücher Zhuan Falun und Zhongguo Falun Gong beruhen auf Mitschriften dieser Vorträge. 1995 begann Li, auch im Ausland Seminare zu geben.
Nachdem Zhuan Falun Anfang 1996 in China ein Bestseller geworden war, erschien im Juni 1996 ein kritischer Artikel in der Guangming Daily. Weitere kritische Zeitungsartikel folgten. Am 24. Juli 1996 wurde verboten, weitere Falun-Gong-Materialien zu publizieren und zu vertreiben. Praktizierende reagierten mit Briefkampagnen, die Li Hongzhi befürwortete und als wichtigen Teil der religiösen Praxis bezeichnete. Ende 1996 teilte Li der chinesischen Qigong-Forschungsgesellschaft mit, dass seine Organisation in China keine Seminare mehr geben werde, und wanderte in die USA aus.
Bis April 1999 fanden in China etwa 300 staatlich tolerierte Proteste gegen negative Medienberichte über Falun Gong statt. Nach einer Demonstration von ungefähr 10.000 Falun-Gong-Anhängern im Regierungsviertel in Peking am 25. April 1999 wurde die Bewegung am 22. Juli 1999 von der chinesischen Staatsführung verboten.
Verfolgung, Umerziehung und internationale Reaktionen
Nach dem Verbot verschärften sich bis zum Frühjahr 2001 sowohl Protestaktionen von Falun-Gong-Anhängern als auch staatliche Repressionen. Die Maßnahmen umfassten eine groß angelegte Propagandakampagne, die Zerschlagung von Organisationen und Demonstrationen sowie zahlreiche Inhaftierungen, unter anderem in Umerziehungslagern. Die von Falun Gong betriebene Webseite minghui.org nennt mindestens 3.000 Todesfälle von Praktizierenden in den ersten zehn Jahren nach dem Verbot. Außerhalb Chinas organisierten Anhänger Protestaktionen, Unterschriftensammlungen, Straßentheater und Medienbeiträge; zur Gegenkampagne gehörten hunderte Webseiten, Lokalzeitungen und die internationale Zeitung Epoch Times.
Eine wichtige Struktur der Verfolgung war das Büro 610, das am 10. Juni 1999 durch Beschluss der Kommunistischen Partei Chinas eingerichtet wurde. Es war keine staatliche Behörde im rechtlichen Sinn, sondern eine parteigesteuerte Organisation außerhalb des gesetzlichen Rahmens. Es unterstand direkt der Parteiführung und verfügte über Einheiten auf zentraler, provinzieller und lokaler Ebene. Zu seinen Aufgaben gehörten Anti-Falun-Gong-Propaganda, Überwachung, Informationsbeschaffung sowie Bestrafungs- und Umerziehungsmaßnahmen. Im März 2018 wurde es auf zentraler Ebene offiziell aufgelöst; seine Aufgaben gingen an das Zentrale Politisch-Rechtliche Komitee und das Ministerium für Öffentliche Sicherheit über. Beobachter berichten jedoch, dass lokale Strukturen mit ähnlichen Funktionen weiter bestehen.
Ein zentrales Repressionsmittel ist die ideologische Umerziehung, in offiziellen Dokumenten oft „Transformation“ genannt. Ziel ist, Praktizierende zur Aufgabe ihres Glaubens und zur Loyalität gegenüber Staat und Partei zu zwingen. Die Maßnahmen finden in Gefängnissen, ehemaligen Lagern der „Umerziehung durch Arbeit“, nicht offiziell registrierten Haftorten, psychiatrischen Einrichtungen und vergleichbaren Strukturen statt. Als erfolgreich „transformiert“ gelten Personen erst, wenn sie Erklärungen unterschreiben, Falun Gong nicht mehr zu praktizieren, Kontakte abzubrechen, die Lehren öffentlich zu verurteilen und mit den Behörden zu kooperieren. Berichte nennen politischen Druck, psychischen Zwang, körperliche Gewalt, Schlaf- und Nahrungsentzug, Elektroschocks, Zwangsernährung, sexuelle Gewalt, unbekannte Substanzen und missbräuchliche psychiatrische Einweisungen.
Internationale Kritik wurde wiederholt geäußert. Das Europäische Parlament verurteilte im Januar 2024 die langjährige systematische Verfolgung und verwies auf Folter, willkürliche Inhaftierungen und erzwungene Organentnahmen. Am 5. Mai 2025 verabschiedete das US-Repräsentantenhaus einstimmig HR 1540, den „Falun Gong Protection Act“, der Sanktionen im Zusammenhang mit Zwangsentnahmen von Organen ermöglichen soll. Im November 2025 kritisierten 15 Mitgliedsstaaten der United Nations anhaltende Menschenrechtsverletzungen in China. Am 16. Juni 2026 verabschiedete der US-Senat einstimmig S.Res. 444, die Xi Jinping wegen Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt und auch Organentnahmen an inhaftierten Gewissensgefangenen nennt.
Vorwürfe erzwungener Organentnahmen
Ein besonders schwerer und international diskutierter Vorwurf betrifft erzwungene Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden. Die Menschenrechtsanwälte David Matas und David Kilgour kamen in Untersuchungen zu dem Schluss, dass seit den frühen 2000er-Jahren tausende Gewissensgefangene, vor allem Falun-Gong-Praktizierende, ohne Zustimmung Opfer systematischer Organentnahmen geworden seien. Ihre Einschätzungen stützten sich auf Interviews, Zeugenaussagen, statistische Analysen, verdeckte Telefonanfragen bei chinesischen Krankenhäusern und Unregelmäßigkeiten in Transplantationsdaten.
Im ursprünglichen Kilgour-Matas-Bericht schätzten die Autoren, dass von 2000 bis 2005 etwa 41.500 Organtransplantationen nicht durch identifizierbare Quellen wie registrierte Spender oder hingerichtete Gefangene erklärbar seien. Sie sagten, eine signifikante Anzahl dieser Organe könnte von inhaftierten Falun-Gong-Praktizierenden stammen, legten sich aber nicht auf einen quantitativen Nachweis fest.
2016 veröffentlichten Kilgour, Matas und Ethan Gutmann den aktualisierten Bericht Bloody Harvest / The Slaughter – An Update. Darin werteten sie öffentlich zugängliche Daten zu 712 Transplantationszentren, Krankenhauskapazitäten, Operationszahlen, ärztlichem Personal und wirtschaftlichen Daten aus. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass China jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Organtransplantationen durchführe, deutlich mehr als die offiziell genannten 10.000. Für 2015 meldete die chinesische Regierung 2.766 freiwillige Organspenden, aus denen 7.785 Organe entnommen worden seien; andere Angaben nennen für den Zeitraum vom 1. Januar bis 23. November 2015 2.150 freiwillige Spender und 5.818 entnommene Organe. Diese Zahlen stehen laut Artikel im Widerspruch zu den Schätzungen von Kilgour, Matas und Gutmann.
Die chinesische Regierung weist die Vorwürfe zurück und sagt, seit 2015 gebe es ein System ausschließlich freiwilliger Organspenden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch reagierten zurückhaltend und betonten die Notwendigkeit unabhängiger Überprüfungen. Das unabhängige China-Tribunal unter Vorsitz von Geoffrey Nice kam 2019 in London nach Beweisaufnahme zu dem Schluss, dass in China „über einen längeren Zeitraum und in erheblichem Umfang“ Organe von Gewissensgefangenen ohne Zustimmung entnommen worden seien. Falun-Gong-Praktizierende seien laut Tribunal „eine — und wahrscheinlich die wichtigste — Quelle“ der Organe gewesen; das Tribunal bewertete dies als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.