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Buddhismus in China

Die Philosophien stehen allesamt dem Mahayana nahe, aus denen sich später die großen chinesischen Schulen des Buddhismus entwickelten. Name, Begründet …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Verbreitung
  2. 2. Durchbruch und große Schulen
  3. 3. Tiantai, Huayan und Chan
  4. 4. Reines Land und Mizong
  5. 5. Unterdrückung und Wiederaufbau

Entstehung und Verbreitung

Der Buddhismus ist in China seit der Zeitenwende belegt. Als relativ sicher gelten Berichte über eine buddhistische Präsenz in den ersten nachchristlichen Jahrzehnten, unter anderem im östlichen Hunan, im südlichen Shandong und im nördlichen Jiangsu. Zu den frühen Anhängern sollen ausländische Mönche sowie Laien im Palastumfeld des Herrschers Liu Ying gehört haben.

Der Buddhismus entstand im 5. Jahrhundert v. Chr. in Indien und gelangte über Handels- und Kulturkontakte nach China. Wichtige Wege waren die Landrouten der Seidenstraße, unter anderem über Parthien und Kushan, sowie maritime Routen über Kanton und Häfen wie Lianyungang. Die Seewege waren vermutlich Nebenrouten, weil sie damals keine zentralen Knotenpunkte des Ost-West-Handels bildeten.

Erste Übersetzungen buddhistischer Schriften ins Chinesische gab es im 2. Jahrhundert. Sie trugen langfristig zur Verbreitung bei, waren jedoch teilweise mit daoistischen Begriffen vermischt und dadurch verfälscht. Gemeinsamkeiten zwischen Daoismus und Buddhismus lagen unter anderem in Vorstellungen von Erleuchtung, tiefer Einsicht in die Wirklichkeit, meditativer Intuition und einem Transzendenten beziehungsweise Universellen. Eine intensivere intellektuelle Auseinandersetzung mit buddhistischen Texten begann in China ab dem 3. Jahrhundert zunächst in den Herrschaftseliten.

Während der Östlichen Han-Dynastie (25–220) sollen in etwa 150 Jahren fast 300 Texte aus Sanskrit, Prakrit und Pali ins Chinesische übertragen worden sein. Von der Wei-Dynastie (220–265) bis zur Östlichen Jin-Dynastie (317–420 n. Chr.) kamen mehr als 700 weitere Texte hinzu. Darunter waren Schriften des Mahayana, etwa die Prajñāparamita-Sutren, ebenso wie Werke des Theravada. Neben Sprachproblemen erschwerten unterschiedliche literarische Ausdrucksformen das Verständnis: Das Chinesische vermittelt Gedanken bevorzugt durch Bilder und Metaphern.

Bis 1285 waren 1353 Werke von fast 200 namentlich bekannten Autoren übersetzt. Der chinesische Tripitaka umfasste schließlich 1440 Werke in 5586 Bänden und war damit vom Umfang her ungefähr siebzigmal größer als die christliche Bibel.

Durchbruch und große Schulen

Eine breitere Durchsetzung des Buddhismus begann erst mit der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert. Bereits frühere Herrscher hatten buddhistische Mönche nach Indien entsandt, um Schriften nach China zu bringen und sie übersetzen zu lassen. Besonders bekannt wurde die Reise des Pilgermönchs Xuan Zang, die später in Wu Cheng’ens Roman „Die Reise nach Westen“ literarisch überhöht dargestellt wurde.

Aus der erneuten Einführung buddhistischer Lehren entwickelten sich verschiedene Philosophien und später große chinesische Schulen. Sie standen überwiegend dem Mahayana nahe, einer wichtigen buddhistischen Richtung. Zu den historischen Schulen gehörten unter anderem Chengshi zong, Sanlun zong, Niepan zong, Lüzong, Dilun zong, Jingtu zong, Chanzong, Shelun zong, Tiantai zong, Huayan zong, Faxiang zong und Mizong.

Ihre Grundlagen waren unterschiedlich: Sanlun zong bezog sich auf die Mādhyamika-Tradition, Lüzong auf den Vinaya, also die Ordensregeln, Jingtu zong auf den Amitabha-Buddhismus, Tiantai zong auf das Lotus-Sutra, Huayan zong auf das Avatamsaka-Sutra, Faxiang zong auf Yogācāra und Mizong auf Vajrayana beziehungsweise Tantrayāna. Mehrere dieser chinesischen Schulen wurden später nach Japan übertragen und erhielten dort eigene Namen. Die heute vorherrschende Richtung in China ist die Schule des Reinen Landes. Angaben zur Zahl der Buddhisten schwanken insgesamt zwischen 100 und 400 Millionen.

Tiantai, Huayan und Chan

Die Tiantai-Schule, auch Tiantai zong genannt, entstand um das Jahr 550. Ihr Stammkloster auf dem Berg Tian-tai wurde von Hui-se (515–567) gegründet. Die Schule stützte ihr Lehrsystem auf das Lotos-Sutra und versuchte, die verschiedenen philosophischen Schulen des Buddhismus zu vereinen. Meditation und das Studium der buddhistischen Lehre waren gleichermaßen wichtig.

Tiantai führte Entwicklungen zusammen, die sich während der langen Teilung in nord- und südchinesische Herrschaftsgebiete auseinanderentwickelt hatten. Die Schule wurde von den herrschenden Schichten unterstützt und konnte sich anfangs rasch ausbreiten. Die Befreiung der Klöster von kaiserlichen Frondienstpflichten stärkte ihre wirtschaftliche Stabilität und die Ordensstruktur. Später verlor Tiantai an Einfluss. Die letzten urkundlichen Erwähnungen stammen aus dem Übergang von der Yuan- zur Ming-Dynastie gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Danach ging die Schule in der Schule des Reinen Landes auf. In China blieb Tiantai nicht dauerhaft bestehen, während sie sich im mittelalterlichen Japan als Tendai verbreitete und dort bis heute fortbesteht.

Huayan entstand zwischen 650 und 750. Im Mittelpunkt stand das Studium buddhistischer Philosophie. Ihre zentrale Lehre beschreibt die gegenseitige Abhängigkeit und Durchdringung aller Phänomene. Auf dieser Grundlage entwickelten die Huayan-Meister ein stark differenziertes metaphysisches Lehrsystem, das andere chinesische Schulen beeinflusste. Als eigenständige Richtung verschwand Huayan in China bereits während der Nördlichen Song-Dynastie um das 10. Jahrhundert. In Korea besteht sie als Hwaeom jong und gelangte von dort nach Japan, wo sie Kegon-shū heißt.

Chan ist die chinesische Version und zugleich der Ursprung des späteren Zen. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Erfahrung der Dinge, wie sie sind, und weniger das Studium buddhistischer Philosophie. Meditation besitzt deshalb einen besonders hohen Stellenwert, weil sie nach der Lehre dieser Schule den Zugang zur Realisation der letztendlichen Wirklichkeit ermöglicht.

Als Begründer gilt der indische Mönch Bodhidharma, der Chan um 523 n. Chr. im Shaolin-Kloster in der nordchinesischen Provinz Henan begründet haben soll. Chan entwickelte weniger klösterliche Strukturen als Tiantai und Huayan; das Ideal des Wandermönchs stand im Vordergrund. In Korea entstand daraus die Seon-Schule, in Vietnam die Thien-Schule und in Japan das Zen.

Reines Land und Mizong

Die verschiedenen Schulen des Reinen Landes, Jingtu zong, beziehen sich auf das Sutra des Reinen Landes. Nach dieser Lehre befinden sich die Menschen in einem Zeitalter des Niedergangs, in dem eigene Anstrengungen für die Erlangung der Erleuchtung nicht ausreichen. Deshalb sollen Buddhas und Bodhisattvas als Hilfe auf dem Weg zur Erleuchtung angerufen werden.

Buddhas und Bodhisattvas leben demnach in sogenannten Reinen Ländern, also in geistig besonders günstigen Bereichen. Durch die wiederholte Anrufung, beispielsweise des Buddha Amituofo beziehungsweise Amitabha, des „Buddha des grenzenlosen Lichtes“, schafft der Praktizierende die Grundlage dafür, nach dem Tod in dessen reinem Land Sukhavati wiedergeboren zu werden. Meditation ist weniger wichtig als im Chan. Dadurch konnte sich diese Richtung besonders unter den arbeitenden einfachen Bevölkerungsschichten verbreiten. In Japan wurde sie unter anderem durch Honen Shonin (1133–1212) und seinen Schüler Shinran verbreitet.

Mizong bezeichnet eine geheime Lehrtradition innerhalb des Buddhismus. Sie wurde im späten 8. Jahrhundert aus Zentralasien nach China eingeführt und beruht auf dem indischen Vajrayana, einer Ergänzung des Mahayana durch esoterische Methoden. Die Tradition enthält zahlreiche Elemente des indischen Tantrismus und wird wegen des verbreiteten Einsatzes von Mantren auch Mantrayana genannt. Die Anhänger bezeichnen sie selbst als Vajrayana, „Donnerkeil-Fahrzeug“.

In China blieb Mizong eine kleinere Gruppierung, obwohl sie wichtige Impulse gab. Erste Aufzeichnungen stammen aus den Jahren 716–720 unter Kaiser Xuan Zong; ein geografischer Ausgangspunkt war der Daxingshan-Tempel in der heutigen Provinz Shaanxi. Einige Autoren vertreten allerdings die Ansicht, die Lehren seien bereits während der Drei Reiche (220–280) nach China gelangt. Als wichtigste Verbreiter im 8. Jahrhundert gelten die indischen Mönche Subhakarasimha, Vajrabodhi und Amoghavajra, deren chinesische Namen als Shan Wuwei, Jin Gangzhi und Bukong Jingang überliefert sind. Im 9. Jahrhundert gelangte Mizong nach Japan und wurde dort als Shingon-Schule bekannt.

Unterdrückung und Wiederaufbau

Über mehrere Jahrhunderte geriet der Buddhismus in China in eine Phase des Niedergangs. Die revolutionären Umwälzungen des 20. Jahrhunderts und besonders die Gründung der kommunistischen Volksrepublik China 1949 schwächten seinen Einfluss weiter. Zwar wurde 1953 zunächst die vom Staat tolerierte Chinesische Buddhistische Gesellschaft gegründet, doch richtete sich die von Mao Zedong ausgerufene Kulturrevolution gegen die verbliebenen Symbole und Organisationen religiöser Traditionen. Zahlreiche Klöster wurden zerstört, öffentliche Religionsausübung weitgehend verboten sowie Mönche vertrieben, verhaftet oder getötet.

Ab den 1980er Jahren ging die Kommunistische Partei Chinas mit religiösen Bewegungen liberaler um. Im Zusammenhang mit der Neugründung der Buddhistischen Gesellschaft Chinas wurden Klöster und Tempel wiederaufgebaut; außerdem stieg die Zahl der ordinierten Mönche und Nonnen, und der Buddhismus verbreitete sich erneut in der Bevölkerung.

Die staatliche Kontrolle blieb jedoch eng. Buddhistische Aktivitäten außerhalb des von Staat und Buddhistischer Gesellschaft Chinas vorgegebenen Rahmens werden nicht toleriert. Die Gesellschaft ist die einzige erlaubte Vertretung der Dharma-Anhänger und muss der Ernennung religiöser Würdenträger, der Teilnahme an offiziellen Versammlungen und der Teilnahme an ausländischen Kongressen zustimmen. Auch bei der Anerkennung eines reinkarnierten Lamas oder eines Sprechers einer religiösen Vereinigung haben staatliche Religionsämter das letzte Wort. Die frühere offene Unterdrückung ist im chinesischen Kernland daher subtileren Formen staatlicher Einflussnahme gewichen; zugleich versucht die Regierung, den Buddhismus für eigene Zwecke als eine Art „Staatsbuddhismus“ zu instrumentalisieren.

Anfang des 21. Jahrhunderts gab es laut Artikel etwa 100 Millionen praktizierende Buddhisten, rund 34.000 Tempel und Klöster sowie 200.000 Mönche und Nonnen. Für das Jahr 2006 werden 34 buddhistische Schulen in China genannt.

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