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Fackelzug
In der Zeit des Nationalsozialismus waren Fackelzüge ein Mittel der Propaganda und demonstrierten die Herrschaft im öffentlichen Raum. Am „Tag der …
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Definition und historische Formen
Ein Fackelzug, auch Fackelmarsch genannt, ist ein nächtlicher Umzug vieler Personen mit brennenden Fackeln. Fackelzüge können feierliche, politische, akademische, religiöse oder gemeinschaftliche Zwecke haben. Die Fackel dient dabei nicht nur als Lichtquelle, sondern oft auch als Symbol, etwa für Feierlichkeit, Erinnerung, Aufbruch oder öffentliche Demonstration.
Schon im Antiken Griechenland gab es Fackelläufe und Fackeltänze. Bei den antiken Römern waren Fackeln noch üblicher. Die Fackel war ein Symbol mehrerer griechischer und römischer Gottheiten, darunter Diana, Ceres, Bellona, Hymenaios und Hekate, auch Phosphorus genannt. Anhänger dieser Gottheiten veranstalteten gelegentlich Fackelzüge. Bei bacchanalischen Umzügen trugen Frauen Fackeln, und bei nächtlichen Begräbnissen im antiken Rom wurden ebenfalls Fackeln getragen; sie hießen dort fax sepulcralis.
Später gehörten Fackelzüge auch zu höfischen und feierlichen Anlässen. Am Berliner Hof waren sie noch Ende des 19. Jahrhunderts Teil des Repertoires bei Hochzeitsfeiern. Auch bei feierlichen Begräbnissen kamen sie vor, etwa 1482 beim Begräbnis von Maria von Burgund. Abseits der Höfe wurden Fackelzüge später außerdem genutzt, um „hervorragende Persönlichkeiten“ zu ehren.
Politische Nutzung
Fackelzüge werden auch für politische Demonstrationen eingesetzt. In Deutschland spielten sie besonders im Nationalsozialismus und in der DDR eine größere Rolle, doch politische Fackelzüge gab es bereits früher. Nach den offiziellen Feierlichkeiten des Wartburgfestes 1817 in Eisenach zogen Teilnehmer mit Fackeln auf den nahegelegenen Wartenberg, um der Völkerschlacht zu gedenken. Nach der Gedenkfeier führten verbliebene Teilnehmer dort eine symbolische Bücherverbrennung durch.
In Österreich fanden in der Zwischenkriegszeit Fackelzüge zum Maifeiertag statt. Ab 1926 wurden sie zu einer festen Massenkundgebung der Arbeiterjugend am Vorabend des Feiertags. Auch sozialistische Massenfestspiele wurden mit Fackelzügen abgeschlossen. Feuer und Flamme erschienen auf sozialdemokratischen Plakaten als Symbole des Aufbruchs.
Propaganda in Nationalsozialismus und DDR
In der Zeit des Nationalsozialismus waren Fackelzüge ein Mittel der Propaganda. Sie sollten Herrschaft im öffentlichen Raum sichtbar machen. Am „Tag der Machtergreifung“, dem 30. Januar 1933, fand ein fünfstündiger Fackelzug statt. Die dabei entstandenen Aufnahmen wirkten auf Propagandaminister Joseph Goebbels offenbar wenig beeindruckend; deshalb ließ er sie im Sommer 1933 für den Film SA-Mann Brand nachstellen. Der Artikel weist selbst darauf hin, dass zu diesem Abschnitt wichtige Informationen fehlen, besonders zur Bücherverbrennung 1933 sowie zur Symbolik und Propagandawirkung.
Auch in der DDR wurden Fackelzüge propagandistisch genutzt. Im Vorspann des Propagandafilms Berlin – Hauptstadt der DDR von 1974 wird ein Fackelzug der Freien Deutschen Jugend gezeigt, der an DDR-Regierungsmitgliedern und ausländischen Gästen vorbeiführt. Wichtige Fackelzüge fanden 1989 zum 40. Tag der Republik in Ost-Berlin statt; bereits zum 30. und 35. Jahrestag der DDR hatte es große Fackelzüge der FDJ gegeben.
Der erste Fackelzug in der DDR fand am 11. Oktober 1949 statt, anlässlich der Wahl Wilhelm Piecks zum ersten und einzigen Präsidenten der DDR, nur vier Tage nach der Staatsgründung. Nach eigenen Angaben nahmen 200.000 Mitglieder der FDJ teil. In Moskau wurde dieser Fackelzug mit Skepsis betrachtet, weil er Erinnerungen an den Fackelzug zur Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 weckte. Auch für den DDR-Abschnitt vermerkt der Artikel, dass wichtige Informationen fehlen, besonders zu Symbolik und Propagandawirkung.
Sozialistische Jugend Österreich
Ein heutiges Beispiel für einen politisch geprägten Fackelzug ist der Fackelzug der Sozialistischen Jugend Wien, einer Landesorganisation der Sozialistischen Jugend Österreich. Er trägt Anliegen und Forderungen aus dem politisch linken Spektrum nach außen. Laut Presse steigen die Besucherzahlen jährlich und liegen bei mehreren tausend Teilnehmern.
Der traditionelle Wiener Fackelzug findet jährlich am 30. April statt, also am Vorabend des 1. Mai. Er führt meist von der Wiener Staatsoper zum Rathaus, wo seit einigen Jahren ein kostenloses Abschlusskonzert stattfindet. Erstmals fand dieser Fackelzug 1926 statt. Zum 100. Jubiläum wurden eine Broschüre und der Dokumentarfilm „100 Jahre Fackelzug“ mit Interviews aktueller und ehemaliger Funktionäre der SJ-Wien veröffentlicht. Außerdem fand am 17. und 18. April 2026 eine Festveranstaltung und Ausstellung im WUK statt.
Akademische, jugendliche und religiöse Formen
Fackelzüge sind auch ein akademischer Brauch. Studentenverbindungen führen sie weiterhin durch, auch wenn ein Teil der Politik diesen Brauch als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Mit einem Fackelzug ehren Studenten verdiente und allgemein geschätzte Professoren, zum Beispiel bei der Emeritierung, also beim Eintritt in den Ruhestand aus einer Professur.
In der Jugendarbeit werden Fackelzüge seit langem vor allem von Jugendlichen veranstaltet. Sie dienen der Unterhaltung oder sind ein gestaltendes Element bei Ferienlagern, etwa bei Pfadfindern, der Jungschar, den Falken, bei Nachtübungen oder als Abschluss von Lagerfeuern. Kinder-Umzüge mit Laternen werden dagegen unter dem Begriff Laternelaufen behandelt.
Auch für religiöse Zwecke werden Fackelzüge eingesetzt. Dazu gehören Fackelprozessionen oder Lichterprozessionen, zum Beispiel beim Korbiniansfest in Freising oder in Lourdes.
Weitere Verwendungen
Neben den genannten Formen erscheinen Fackeln auch in anderen feierlichen Zusammenhängen. Bei militärischen Feiern wie Gelöbnissen, Appellen oder Großen Zapfenstreichen marschieren Fackelträger auf.
Der Artikel nennt außerdem ein musikalisches Beispiel: Giacomo Meyerbeer komponierte in den 1850er Jahren einen Fackeltanz, französisch Marche aux Flambeaux, der auch als Fackelmarsch bezeichnet wurde.