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Nacht
Als Nacht wird gemeinhin jener Teil eines vollen Tages bezeichnet, bei dem die Sonne vom jeweiligen Standort eines Beobachters gesehen unter dem Horizont …
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Begriff und Bedeutung der Nacht
Als Nacht wird gemeinhin der Teil eines vollen Tages bezeichnet, in dem die Sonne vom jeweiligen Beobachtungsort aus unter dem Horizont steht. Sie umfasst damit die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Der Übergangsbereich zwischen Tag und Nacht heißt Tag-Nacht-Grenze oder Terminator. Wegen der Atmosphäre ist diese Grenze keine scharfe Linie, sondern eine Dämmerungszone.
Astronomisch bezeichnet Nacht die Phase größter Dunkelheit: die Stunden zwischen dem Ende der astronomischen Dämmerung am Abend und deren Beginn am Morgen. Der Nachthimmel ist der bei Dunkelheit sichtbare Himmel. In klaren Nächten werden Sterne sichtbar, die tagsüber vom Sonnenlicht überstrahlt werden; eine besonders sternklare Nacht wird Sternennacht genannt.
Für die meisten Menschen ist die Nacht die Zeit des Schlafes. Nachtaktive Tiere, etwa Eulen, Fledermäuse, viele Insekten und manche Schnecken, sind dagegen vor allem dann aktiv. Für die Nacht gelten in vielen Ländern besondere Lärm- und Schutzbestimmungen; zugleich gibt es notwendige Nacht-, Früh- und Schichtdienste.
Dunkelheit und natürliche Beleuchtung
Die kennzeichnende Eigenschaft der Nacht ist ihre Dunkelheit. Sie steht mit biologischen Vorgängen wie Nachtruhe und Stille sowie mit einer Einschränkung des menschlichen Sehens in Verbindung. Farben werden erst bei Flächenhelligkeiten über einigen hundertstel Lux und bei den hellsten Sternen wahrgenommen; bei sehr geringer Helligkeit dominiert das Sehen von Schwarz-Weiß.
Auch ein klarer, mondloser Himmel ohne künstliches Fremdlicht ist nicht vollständig schwarz. Zur Aufhellung tragen das Rekombinationsleuchten zuvor von der Sonne ionisierter Moleküle der Atmosphäre, besonders von Sauerstoff, Stickstoff und Natrium, das Zodiakallicht sowie die Streuung von Erd- und Sternenlicht in der Troposphäre bei. Die Helligkeit des Nachthimmels entspricht dadurch ungefähr der scheinbaren Helligkeit eines Sterns von 22 mag. Wesentlich lichtschwächere Sterne sind von der Erde aus selbst mit großen Teleskopen nicht beobachtbar.
Das Olberssche Paradoxon fragt, warum der Nachthimmel dunkel ist. Nach einer einfachen Vorstellung von einem unendlich großen Universum müsste in jeder Richtung irgendwann ein Stern sichtbar sein, sodass der gesamte Himmel taghell wäre. Mit der newtonschen Physik ist dieses Problem nicht oder nur sehr schwer zu erklären.
Das Auge benötigt etwa 20 Minuten für die vollständige Dunkelanpassung. Schon nach einigen Sekunden sind 20–30 der hellsten Sterne sichtbar. Nach wenigen Minuten können im Sternenlicht und im Lichtband der Milchstraße Wege und größere Unebenheiten erkannt werden. Eine Taschenlampe verhindert dagegen die maximale Dunkeladaptation der Netzhaut; außerdem können die entstehenden Schatten das Gehen erschweren.
Natürliche Lichtquellen der Nacht sind neben dem Zodiakallicht das Sternenlicht, das Band der Milchstraße, das Mondlicht, Polarlichter und leuchtende Nachtwolken. Ihre Stärke hängt vom Standort, vom Zustand der Atmosphäre und von der Bewölkung ab. In unseren Breiten liegt die Lichtstärke des Sternenlichts meist unter 0,03 Lux. Mondlicht erreicht 0,2 bis 1,0 Lux, während ein sonniger Tag 32.000 bis 100.000 Lux erreicht. In Polarregionen und gelegentlich bis in mittlere Breiten kann ein Polarlicht deutlich mehr als 1,0 Lux erzeugen.
Künstliche Beleuchtung und Folgen
Künstliche Lichtquellen wurden entwickelt, um die Dunkelheit aufzuheben. Auf Feuerstellen folgten Kienspäne, Fackeln, Talg- und Öllampen, später Kerzen und Laternen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Petroleumlampe erfunden, gegen Ende des 19. Jahrhunderts folgten Gasstrumpf und Glühlampe. Im 20. Jahrhundert kamen Leuchtstofflampen sowie für Außenbereiche bläuliche Quecksilberdampflampen und gelblich leuchtende Natriumdampflampen hinzu. Später richtete sich die Entwicklung auf Energiesparlampen.
Durch künstliches Licht mussten Menschen nicht mehr mit dem Einbruch der Dunkelheit schlafen gehen, sondern konnten bis spät in die Nacht aktiv bleiben. Außenbeleuchtung ermöglicht nächtlichen Verkehr, soll Sicherheit vermitteln und kann dekorativen Zwecken dienen. Die ersten Städte mit künstlicher Straßenbeleuchtung durch Gaslampen waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts London, Amsterdam und Paris.
Eine starke und umfassende Beleuchtung führt jedoch zur Lichtverschmutzung, also zur künstlichen Aufhellung der Nacht. Reflexionen am Boden erhellen den Himmel, sodass in größeren Städten Sterne kaum sichtbar sind. Lichtverschmutzung kann den menschlichen Melatoninspiegel und die Schlaftiefe stören. Nachtaktive Tiere werden ebenfalls beeinflusst; besonders Insekten werden von Lichtquellen angezogen, umkreisen sie bis zur Erschöpfung und tragen dadurch zum Insektensterben bei. Das verringert wiederum das Nahrungsangebot für Vögel und andere Tiere.
Der aufgehellte Himmel erschwert außerdem astronomische Beobachtungen, weil Sterne und besonders flächenhafte Himmelsobjekte überstrahlt werden. Hobbyastronomen müssen entlegene Beobachtungsorte aufsuchen; moderne Observatorien werden fernab dichter Besiedlung errichtet.
Temperatur, Dauer und fachliche Definitionen
Meteorologisch ist die Nacht vor allem mit der Ausstrahlung der Erdoberfläche und der dadurch sinkenden Boden- und Lufttemperatur verbunden. Bei ausreichender Luftfeuchtigkeit können Tau, Nebel, Frost und Reif entstehen. Das 24-stündige Temperaturminimum wird meist kurz vor Sonnenaufgang erreicht und lässt sich annähernd mit der Taupunktregel berechnen.
Die Dauer der Nacht hängt von der geografischen Breite φ und der momentanen Deklination δ der Sonne ab. Die Berechnung beruht auf sphärischer Trigonometrie. Der Winkel γ zwischen dem Meridian des Beobachters und dem Sonnenmeridian bei Sonnenaufgang erfüllt
γ = arccos[−tan δ · tan φ].
Da sich die Erde mit einer Winkelgeschwindigkeit von 15°/h dreht, dauert die Nachthälfte von Mitternacht bis Sonnenaufgang (180° − γ)/(15°/h). Für die gesamte Nacht gilt:
Dauer der Nacht [h] = 24 h − (2 · arccos[−tan δ · tan φ])/(15°/h).
Zu Beginn des nördlichen Winters beträgt die Sonnendeklination δ = −23,43472°, zu Beginn des nördlichen Sommers δ = +23,43472°. Zu Frühlings- und Herbstbeginn beträgt sie δ = 0°.
Am Äquator dauern die Nächte das ganze Jahr exakt 12 Stunden. Auf 50° geografischer Breite dauert die kürzeste Nacht bei Sommerbeginn 7 Stunden 50 Minuten und die längste bei Winterbeginn 16 Stunden und 10 Minuten. An den Polarkreisen gibt es bei Winterbeginn einmal jährlich eine 24 Stunden lange Nacht. An den Polen steht die Sonne ein halbes Jahr über dem Horizont, sodass die Nacht 0 Stunden dauert; im anderen halben Jahr steht sie unter dem Horizont und die Nacht dauert 24 Stunden.
Für die Jagd gilt in Deutschland bei bestimmten Wildarten ein Nachtjagdverbot. In diesem Zusammenhang wird die Nacht als Zeitraum von 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang bis 1,5 Stunden vor Sonnenaufgang definiert. In der europäischen Luftfahrt nach SERA ist Nacht die Zeit zwischen dem Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und dem Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung. Diese Dämmerung endet beziehungsweise beginnt, wenn sich die Mitte der Sonnenscheibe 6° unter dem Horizont befindet. Seit der Luftverkehrsordnung in der Fassung vom 6. November 2015 gelten in Deutschland keine abweichenden Regeln mehr. Für Nachtflüge ist wegen der erhöhten Anforderungen eine besondere Nachtflugqualifikation (NFQ) erforderlich.
Nacht in Psychologie, Kunst und Mythologie
In der Psychologie bezeichnet Achluophobie oder Nyktophobie die Angst vor der Nacht oder Dunkelheit. Schutzmaßnahmen wie Nachtwächter oder Überwachung verringern diese Angst nur begrenzt; auch starke Beleuchtung hilft nur teilweise, weil sie neben hellen Bereichen dunkle Stellen erzeugen kann. Im übertragenen Sinn steht Nacht für eine Phase seelischer Dunkelheit.
In den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Kunst ist die Nacht ein wichtiges Thema. Physik und Meteorologie untersuchen unter anderem ihre Licht- und Abkühlungsvorgänge. Psychologisch wird sie mit Angst, Erlebnis und Neugier verbunden. In Literatur und Musik ist sie ein bedeutendes Motiv. Besonders in der Romantik steht sie für das Irrationale, Geheimnisvolle und Transzendente. Auch in Jugendkultur, Politik und Militär spielt das nächtliche Erleben eine Rolle, etwa bei Lagerfeuern, Fackelzügen sowie Orientierungs- und Nachtübungen.
Das Nocturne beziehungsweise Notturno ist eine im Barock entstandene musikalische Form. Besetzung und Satzstruktur sind nicht festgelegt. Die Romantik brachte in diesem Bereich besonders viele künstlerische Werke hervor.
Mythologien personifizieren die Nacht häufig als Gottheit oder Herrscherin. In der phönizischen Mythologie gilt Baau als Personifikation der Nacht, bei den Hethitern Išpanzašepa als Herrscherin der Nacht. In der griechischen Mythologie ist Nyx Göttin und Personifikation der Nacht; Erebos verkörpert die Finsternis und gilt als ihr Bruder. Die römische Entsprechung von Nyx ist Nox. In der nordischen Mythologie reitet Nótt auf dem Pferd Hrimfaxi über das nächtliche Firmament. Mundilfari gilt ebenfalls als Verkörperung der Nacht; Delling zeugt als dritter Gemahl Nótts Dagr, die Personifikation des Tages.
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