Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Exponentieller Prozess

Bei einem exponentiellen Prozess handelt es sich um einen Vorgang, bei dem sich eine Größe exponentiell ändert. Man unterscheidet zwischen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Formen
  2. 2. Exponentielles Wachstum
  3. 3. Exponentielle Abnahme und Halbwertszeit
  4. 4. Exponentielle Annäherung an einen Endwert
  5. 5. Typische Beispiele und Zeitkonstante

Grundidee und Formen

Ein exponentieller Prozess ist ein Vorgang, bei dem sich eine Größe exponentiell ändert. Meist geht es um zeitliche Änderungen. Entscheidend ist, dass die Änderungsrate von der Größe selbst oder von ihrer Differenz zu einem Endwert abhängt.

Man unterscheidet drei Grundformen:

  • Beim exponentiellen Wachstum wächst eine Größe immer schneller.
  • Bei der exponentiellen Annäherung nähert sich eine Größe einem vorgegebenen festen Wert an.
  • Der exponentielle Zerfall oder die exponentielle Abnahme ist der wichtigste Spezialfall der Annäherung: Eine Größe nimmt monoton und immer langsamer ab, nähert sich der Null asymptotisch und erreicht sie nie.

Exponentielles Wachstum

Exponentielles Wachstum liegt vor, wenn die positive zeitliche Änderung einer Größe A proportional zu A selbst ist. Für die Wachstumsrate gilt:

ᵈA/ᵈt ∼ A

Mit der Proportionalitätskonstanten τ erhält man die Differentialgleichung:

τ · ᵈA/ᵈt = A

Ihre Lösung ist die Exponentialfunktion:

A(t) = A₀ · e^(t/τ)

Dabei bezeichnet A₀ den Anfangswert von A bei t = 0. Die Zeitkonstante τ ist die Zeitspanne, in der A jeweils auf das e-Fache anwächst.

Exponentielle Abnahme und Halbwertszeit

Bei exponentiellem Zerfall, exponentiellem Abfall oder exponentieller Abnahme ist die Abnahme einer Größe proportional zu ihrem jeweiligen Wert. Weil die Größe mit der Zeit kleiner wird, wird auch ihre absolute Abnahme immer geringer; die Kurve verläuft asymptotisch.

Die Differentialgleichung für eine zeitliche Abnahme lautet:

−τ · ᵈA/ᵈt = A

Dabei wird τ üblicherweise positiv angenommen und das Minuszeichen in die Gleichung geschrieben. Die Lösung lautet:

A(t) = A₀ · e^(−t/τ)

Die Zeitkonstante τ gibt an, nach welcher Zeit A auf das 1/e-Fache, also auf etwa 37 %, abgefallen ist. In der Physik wird τ auch Lebensdauer genannt. Anschaulicher ist oft die Halbwertszeit T₁/₂. Sie gibt die Zeit an, nach der die Größe auf die Hälfte abgenommen hat:

T₁/₂ = ln(2) · τ ≈ 0,6931 · τ.

Ein räumliches Beispiel ist die exponentielle Abnahme der Intensität mancher Strahlungen mit der Eindringtiefe in homogenem Material.

Exponentielle Annäherung an einen Endwert

Bei vielen physikalischen Prozessen gleichen sich Größen zwischen zwei verbundenen Körpern oder Systemen aus. Ist ein Wert konstant, nähert sich die betrachtete Größe diesem Wert an; sind beide Werte veränderlich, nähern sie sich einander an. In beiden Fällen entsteht ein Endwert Aₑₙdₑ, der praktisch meist berechnet werden kann.

Die zugrunde liegende Differentialgleichung lautet:

−τ · ᵈA/ᵈt = A − Aₑₙdₑ

Die Lösung ist:

A(t) = Aₑₙdₑ + (Aₐₙfₐₙg − Aₑₙdₑ) · e^(−t/τ)

Aₐₙfₐₙg ist der Wert bei t = 0. Der Endwert wird mathematisch nie erreicht, sondern nur immer besser angenähert. Nach t = 5τ ist die ursprüngliche Differenz auf unter 1 % gesunken, nach t = 7τ auf unter 1 ‰. In der Praxis wird die verbleibende Differenz irgendwann kleiner als die Messungenauigkeit.

Viele dieser Vorgänge beruhen darauf, dass eine intensive Größe und eine extensive Größe proportional zusammenhängen. Eine Differenz der intensiven Größe bewirkt einen Fluss der extensiven Größe, der wiederum die ursprüngliche Differenz verkleinert. Beispiele sind Temperatur und Wärmemenge, elektrische Spannung und Ladung am Kondensator, Wasserdruck und Volumen sowie Konzentration und Stoffmenge. Deshalb lassen sich Erkenntnisse etwa aus der Diffusion auch auf Wärmeleitung und elektrische Ladung übertragen. Bei Flüssigkeiten und Gasen ohne starke Reibung oder Dämpfung können Trägheit, Schwingungen und Schallwellen zusätzliche Effekte verursachen.

Typische Beispiele und Zeitkonstante

Typische zeitliche Beispiele für exponentielle Abnahme sind der radioaktive Zerfall, das Entladen eines Kondensators über einen Widerstand, die Selbstinduktionsspannung und die Stromstärke beim Ausschalten einer Spule, die Schwingungsamplitude eines gedämpften Pendels bei Stokes-Reibung, der katalytische Abbau von Stoffen, Relaxationsvorgänge in der NMR, das Entleeren eines Wasserbehälters durch einen dünnen Schlauch, der Rückgang einer Flut, Sedimentation, Wundheilung und Ernüchterung.

Typische Beispiele für exponentielle Annäherung sind der Temperaturausgleich eines Metallstücks mit der Umgebung, der Ausgleich zwischen unterschiedlich warmen Metallklötzen, das Laden eines Kondensators, der Einschaltvorgang einer Spule, der Ausgleich von Wasserständen, Diffusion sowie die Annäherung eines fallenden Körpers an seine Endgeschwindigkeit in einer Flüssigkeit mit endlicher Viskosität.

Der exponentielle Abfall ist die exponentielle Annäherung mit Aₑₙdₑ = 0. Die Zeitkonstante hängt vom konkreten Prozess und von Größen wie Widerständen und Kapazitäten ab. Beim Auf- oder Entladen eines Kondensators mit der Kapazität C über einen Widerstand R gilt:

τ = R · C.

Lernvideos zu Exponentieller Prozess

Weiterlesen

Exponentialfunktion In der Mathematik bezeichnet man als Exponentialfunktion eine Funktion der Form x ↦ a x … e-Funktion bezeichnet man die Exponentialfunktion Exponentielles Wachstum Exponentielles Wachstum (auch unbegrenztes oder freies Wachstum genannt) beschreibt ein mathematisches Modell für einen Wachstumsprozess, bei dem sich die … Differentialgleichung Eine Differentialgleichung (auch Differenzialgleichung, oft durch DGL, DG, DGl. oder Dgl. abgekürzt) ist eine Gleichung für eine Funktion einer oder mehrerer … Eulersche Zahl Die Eulersche Zahl, mit dem Symbol e {\displaystyle. Eulersche Zahl e Basis des natürlichen Logarithmus und der (natürlichen) Exponentialfunktion. Mathematik … Zerfallsgesetz Zerfallsgesetz ist die in der Physik übliche Bezeichnung der Gleichung, die eine exponentielle zeitliche Abnahme von Größen beschreibt. Radiokarbonmethode Physikalische Grundlagen. Kohlenstoffkreislauf von 14C. In der Natur kommen drei Isotope des Kohlenstoffs vor:C,C,C. Isotopenuntersuchungen zeigen … Kondensator (Elektrotechnik) Die Größe der Kapazität wird durch die Fläche der Elektroden, das Material des Dielektrikums und den Abstand der Elektroden zueinander bestimmt. Die Elektroden … Widerstand (Bauelement) Ein Widerstand (englisch Resistor) ist ein zweipoliges passives elektrisches Bauelement. Es realisiert einen ohmschen Widerstand in elektrischen und … Spule (Elektrotechnik) Spulen besitzen eine bestimmte Induktivität, diese Induktivität kann ihr eigentlicher Zweck (z. B. Drosselspulen, Filterspulen) oder nur sekundäre … Chemische Reaktion Durch die Katalyse können Reaktionen, die durch eine hohe Aktivierungsenergie kinetisch gehemmt werden, unter Umgehung dieser Aktivierungsenergie stattfinden. Kinetik (Chemie) Die Kinetik ist ein Teilbereich der physikalischen Chemie, der unterteilt wird in: die Makrokinetik; sie betrachtet den Einfluss makroskopischer Wärme- und … Strahlung Typische Alpha-Teilchen (Heliumkern) (α) werden beispielsweise durch ein Blatt Papier gestoppt, während Beta-Teilchen bzw. Elektronen (β) durch eine …