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Ewigkeit der Welt

Im Mittelalter diskutierten die Scholastiker das Problem aus der religiösen Perspektive, dass die Welt Gottes Schöpfung sei. Hierbei wurde das Verhältnis von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundproblem und Ursprünge
  2. 2. Antike Vorstellungen von Welt und Kosmos
  3. 3. Religion, Philosophie und Scholastik
  4. 4. Bruno, Kant und das 19. Jahrhundert
  5. 5. Religiöse Weltbilder und moderne Kosmologie

Grundproblem und Ursprünge

Die Ewigkeit der Welt bezeichnet die grundlegende Frage, ob die Welt einen Anfang in der Zeit hat oder ob sie in einem ewigen, unbegrenzten All seit jeher besteht. Diese Frage wird von der Antike bis ins 19. Jahrhundert in Naturphilosophie, Religion und Kosmologie diskutiert. Sie betrifft außerdem das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie von Theologie und Philosophie.

Für die indische, chinesische und griechische Philosophie ist die Frage nach der ewigen Welt ein Grundmotiv. Auch mythische Kosmogonien und Schöpfungserzählungen der Ägypter, Babylonier und Perser, die Theogonie Hesiods, die frühe germanische Dichtung und die großen Offenbarungsreligionen behandeln dieses Problem.

Antike Vorstellungen von Welt und Kosmos

In der klassischen griechischen Philosophie bezog sich die Ewigkeit zunächst nicht unbedingt auf die dauerhafte Gestalt des sichtbaren Kosmos. Gemeint war oft ein ewiger Urstoff, aus dem in einem nie versiegenden Fluss des Werdens immer wieder neue Welten hervorgehen. Diese Auffassung vertraten unter anderem die frühen Hylozoisten Thales von Milet und Anaximander, die Vorsokratiker Heraklit, Empedokles und Anaxagoras sowie die Atomisten Demokrit und Leukipp. Heraklit beschrieb die Welt als „ewig lebendiges Feuer“, das „aufflammend nach Maßen und verlöschend nach Maßen“ sei.

Platon behandelte die Frage besonders im Timaios. Er unterschied das „immer Seiende, welches kein Werden zulässt“ von dem „immer Werdenden, welches niemals zum Sein gelangt“. Alles Werdende setzt nach dieser Auffassung eine Ursache voraus. Ein Demiurg, also ein ordnendes göttliches Wesen, richtet sich bei der Gestaltung der Welt an den ewigen Ideen als Urbildern aus. Die sinnlich wahrnehmbare Welt ist deshalb entstanden und ein Abbild des ewigen Urbilds.

Platon stellte den Kosmos als vollendete, sich um sich selbst rotierende Kugel vor, die von einer Weltseele durchdrungen und umhüllt ist. Die Welt ist zugleich materiell und von Göttlich-Ewigem erfüllt, aber der sichtbare Kosmos bleibt vom ewigen Urbild zu unterscheiden. Der Timaios erklärt außerdem, wie eine ständig bewegte Sinnenwelt wissenschaftlich untersucht werden kann, obwohl Platon die Welt der Ideen für die eigentliche Wirklichkeit hielt. Kosmische Bewegungen, etwa die Bewegungen der Planeten, werden mit der Seele verbunden.

Aristoteles fasste die Welt dagegen als ungeworden, unvergänglich und ursprungslos auf. Er stellte die Ewigkeit der Welt systematisch dar. In De caelo beschrieb er den Himmel als ungeworden und unvergänglich. Seine Begründung ging von der Ewigkeit der Bewegung aus: Hätte Bewegung einen Anfang, müsste ihr eine andere Bewegung vorausgegangen sein. In der Kette der Ursachen gelangt man zu einem ersten Bewegenden, dem unbewegten Beweger, der aus sich selbst reine Aktualität ist. Auch ein Ende der Bewegung sei unmöglich, weil es wiederum durch etwas Aktuelles verursacht werden müsste.

Für Aristoteles bedeutete Ewigkeit nicht Zeitlosigkeit, sondern grenzenlose und unermessliche Zeit. Die aristotelische Kosmologie war ein grundlegender Bestandteil des Aristotelismus und wurde von späteren Denkern unterschiedlich aufgenommen.

Religion, Philosophie und Scholastik

Philon nahm einen Weltanfang an, ging aber von der ewigen Fortdauer des Universums aus. Unter dem Einfluss Platons deutete er das Alte Testament allegorisch, also so, dass hinter dem wörtlichen Sinn ein verborgener philosophischer Sinn gesucht wird. Für Philon verschmolz der personale Gott des jüdischen Monotheismus mit dem transzendenten Gott der platonischen Metaphysik. Gott schuf die Welt durch seinen Willen, wie es in der Genesis beschrieben wird.

Für die Patristik und die frühchristliche Philosophie war die zeitliche Schöpfung der Welt ein Kernsatz der Orthodoxie. Besonders Augustinus verteidigte die Lehre von der zeitlichen Weltschöpfung gegen den Neuplatonismus. Die christliche Deutung verband die Schöpfung mit der Einmaligkeit des menschlichen Schicksals und mit einer besonderen Auffassung von Zeit und Ewigkeit. Bis in die Frühscholastik blieb die zeitliche Weltschöpfung ein Dogma. Platons Timaios wurde dabei christlich umgedeutet: Auch die Materie galt nun als von Gott geschaffen.

In der jüdischen und arabischen Philosophie wurden Neuplatonismus und Aristotelismus miteinander verbunden. Farabi und Avicenna argumentierten gegen einen Anfang der Welt in der Zeit. Gott sei zwar Ursache der Welt, gehe ihr aber nicht zeitlich voraus. Al-Ghazālī kritisierte diese Auffassung unter anderem mit dem Argument, eine anfangslose Zeit setze eine aktuale Unendlichkeit vorausliegender Zeitmomente voraus. Er hielt dies für prinzipiell ausgeschlossen und berief sich auf den Konsens islamischer Theologen über die Geschaffenheit der Welt.

Maimonides hielt die Ewigkeit der Welt für nicht beweisbar. Auch Aristoteles habe sie nicht als bewiesen angesehen. In diesem Fall könne man Wahrscheinlichkeitsabwägungen und der religiösen Tradition folgen. Averroes sah die aristotelische Argumentation dagegen als ausreichenden Beweis dafür an, dass die Vorstellung widersprüchlich sei, Gott habe die Welt in Ewigkeit gewollt, sie aber erst in der Zeit geschaffen. Nach Averroes lehre auch der Koran nichts Gegenteiliges.

In Paris waren einschlägige lateinische Übersetzungen der Werke von Avicenna, Averroes, Maimonides und Ghazālī vermutlich seit etwa 1230 bekannt. Vertreter, die Aristoteles und Averroes besonders nahestanden, wurden später meist „lateinische Averroisten“ genannt. Im Zusammenhang mit diesen Debatten kam es zu Lese- und Lehrverboten. Die These der Ewigkeit der Welt gehörte beispielsweise zu den 1270 verurteilten Lehrsätzen.

In der lateinischen Scholastik verschärfte sich die Kontroverse. Von Augustinus ausgehend meinten viele, der Begriff der Kreatürlichkeit schließe einen zeitlichen Anfang der Welt ein. Bonaventura verband diese Auffassung mit einer Kritik des Aristotelismus. Die Scholastik verlagerte die Frage zunehmend auf eine erkenntnistheoretische Ebene: Es ging nicht nur darum, ob die Welt einen Anfang hatte, sondern auch darum, ob diese Behauptung geglaubt oder durch natürliche Vernunft bewiesen werden könne. Die scholastische Methode bestand darin, in Disputationen mithilfe syllogistischer Regeln und durch Befragung von Autoritäten wie Kirche, Bibel und Aristoteles Wahrheiten zu ermitteln. Zwischen 1150 und 1250 wurden aristotelische Schriften zunächst bekämpft, verbrannt oder verboten; durch Albertus Magnus und Thomas von Aquin kam es später zu einer stärkeren Vermittlung von Aristoteles und christlicher Glaubenslehre.

Bruno, Kant und das 19. Jahrhundert

Giordano Bruno lehnte das geozentrische Weltbild ab und unterstützte die heliozentrische kopernikanische Astronomie. Die Fixsternsphäre war für ihn nicht die Grenze des Alls; er betrachtete die Erde als einen Himmelskörper unter vielen und das Universum als unendlich. Diese Unendlichkeit verband er mit der Ewigkeit der Welt. Als Pantheist sah Bruno das Universum als einziges Seiendes, als unzerstörbare, von einer Weltseele erfüllte Einheit. Es könne weder erzeugt werden, weil es kein anderes Sein gebe, noch vergehen, weil es nichts gebe, in das es sich verwandeln könne.

Immanuel Kant machte die Frage nach Weltanfang und Weltewigkeit zu einem Beispiel für die Grenzen der spekulativen Metaphysik. In seiner Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels von 1755 nahm er noch einen beginnenden, grenzenlos fortschreitenden Kosmos an. In der Kritik der reinen Vernunft stellte er die gegensätzlichen Positionen als erste kosmologische Antinomie, also als Widerstreit der reinen Vernunft, dar.

Kants These lautet: „Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raum nach auch in Grenzen eingeschlossen.“ Die Antithese lautet: „Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist, sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raums, unendlich.“ Kant zeigte, dass sich beide Seiten scheinbar streng beweisen und die jeweils andere widerlegen lassen. Der Fehler liegt darin, dass die Vernunft Begriffe wie Anfang und Unendlichkeit über die mögliche Erfahrung hinaus auf die Welt als vollendetes Ganzes anwendet.

Kant zufolge kann das Unbedingte gedacht, aber nicht erkannt werden. Die Ideen der Vernunft sind regulative Prinzipien: Sie ordnen die Erfahrung, beziehen sich aber nicht auf Dinge, die unabhängig von aller Erfahrung an sich existieren. Dadurch bot Kant eine dritte Möglichkeit neben der Entscheidung für Weltanfang oder Weltewigkeit. Die Frage verlor in der aktuellen Philosophie an Bedeutung, weil Kant ihre Grenzen besonders deutlich gemacht hatte; eine befriedigende Antwort sei damit jedoch nicht gefunden.

Arthur Schopenhauer hielt einen absoluten Anfang der Welt für undenkbar. Er akzeptierte im Wesentlichen die Antithese Kants, kritisierte aber Kants Beweise für die These als „Spiegelfechterei“. Die Vernunft begrenze nach Schopenhauer einen unendlichen Regress nur, weil die Einbildungskraft bei ihm ermüde. Ein Anfang der Kausalkette sei unmöglich.

Ludwig Feuerbach deutete die Ewigkeit der Welt als „Wesenhaftigkeit der Materie“. Die Schöpfung aus Nichts bedeute für ihn dagegen die „Nichtigkeit der Welt“. Er kritisierte die Creatio ex nihilo als ursprüngliches Wunder und als Ausdruck einer religiösen Subjektivität.

Nietzsches Gedanke der ewigen Wiederkunft besagt, dass alles bereits gewesen ist und sich unendlich oft wiederholt. Das entspricht einem zyklischen Zeitverständnis. In Zarathustras Verkündigung wird die Vorstellung zugespitzt: Jeder müsse das Leben mit jedem Schmerz, jeder Lust, jedem Gedanken und jedem Seufzer unzählige Male wieder leben. Nietzsche verband antike Kreislauflehren, besonders von Heraklit und Pythagoras, mit dem Zeitpfeil moderner Physik. An die Stelle eines zielgerichteten Fortschritts tritt ein anfangs- und endloser Kreislauf.

In einem Fragment von 1881 erklärte Nietzsche die Wiederkunft kosmologisch mit einer „Welt der Kräfte“, die weder schwächer werde noch einen Stillstand erreiche. Jeder mögliche Zustand müsse in unendlicher Zeit nicht nur einmal, sondern „unzählige Male“ erreicht worden sein. Nietzsche bezog sich dabei auch auf den Energieerhaltungssatz und bezeichnete die ewige Wiederkehr als „wissenschaftlichste aller Hypothesen“ und als „neue Weltkonzeption“.

Religiöse Weltbilder und moderne Kosmologie

Im Hinduismus ist der Weltprozess nach Elementen der Upanishaden anfangs- und endlos. Nach den Puranas gibt es unendlich viele Welteier, die von Schichten der Elemente umgeben sind und im leeren Raum nebeneinander ruhen. In ihnen leben unendlich viele Lebewesen, Geister und Götter. Die Seele existiert seit anfangloser Zeit und nimmt entsprechend dem Karma, also den Folgen guter oder böser Taten aus früheren Leben, verschiedene Körper an.

Die meisten hinduistischen Richtungen leiten die Stoffe der Welt aus der Urmaterie Prakati ab. Während der Weltenruhe, die dem Untergang einer früheren Welt folgt, sind ihre drei Bestandteile – leicht, beweglich und dunkel – im Gleichgewicht. Durch die Erschütterung dieses Gleichgewichts beginnt die Weltrevolution; die Bestandteile vermischen sich und bilden in einem Verdichtungsprozess die Stoffe des Welteis. Brahma richtet als Demiurg die Welt nach ewigen Gesetzen ein. Nach dem jeweiligen Karma inkarnieren die Einzelseelen als Götter, Geister, Menschen, Tiere oder Pflanzen. Nach dem Ende eines Brahma wird das Weltei zerstört, die Urmaterie kehrt in einen undifferenzierten Ruhezustand zurück, und nach einer langen Pause entsteht eine neue Welt. Alle Lebewesen bleiben dem leidvollen Kreislauf des Samsara unterworfen.

Der Buddhismus betont dagegen die Vergänglichkeit, Anicca, aller Erscheinungen. Die Welt besteht nicht aus einem einheitlichen Ganzen, sondern aus zahllosen vergänglichen Einzelbestandteilen. Das scheinbar Ewige ist die Verkettung von Ursachen und Wirkungen im Samsara, die durch Einsicht überwunden werden kann, um zur ewigen Ruhe des Nirwana zu gelangen. Buddha nahm weder ewige materielle Atome noch unsterbliche Seelen, Geistmonaden oder eine ewige Ursubstanz an.

Das Christentum vertritt die Lehre der Creatio ex nihilo, der Schöpfung aus dem Nichts. Außer dem ewigen Sein Gottes ist alles von Gott ins Dasein gerufen und wird durch seinen fortgesetzten Willen erhalten. Die außergöttliche Wirklichkeit ist kontingent, also nicht notwendig, sondern nur da, weil Gott sie frei wollte. Ohne die creatio continua, die fortgesetzte Schöpfung, würde sie augenblicklich ins Nichts zurückfallen. Anders als Platons Demiurg beginnt der christliche Schöpfer nicht mit einem ungeordneten Stoff, sondern erschafft auch die Materie selbst.

In der modernen Kosmologie wird die zeitliche Endlichkeit oder Unendlichkeit des Universums naturwissenschaftlich untersucht. Isaac Newton entwickelte 1687 in den Principia das Gravitationsgesetz und bezog alle Ereignisse auf einen absoluten Raum und eine absolute Zeit. Weil sich Sterne gegenseitig anziehen, würden sie bei einer endlichen und gleichmäßig verteilten Ansammlung langfristig zu einem Punkt zusammenstürzen. Newton nahm deshalb unendlich viele Sterne in einem unendlich großen Raum an, sodass es keinen gemeinsamen Mittelpunkt geben müsse.

Heute ist das Friedmann-Lemaître-Universum die überwiegend anerkannte Theorie. Sie setzt den Beginn des Universums in die Singularität des Urknalls. Astronomische Beobachtungen der Rotverschiebung stützen diese Vorstellung. Nach diesen Messungen erfolgte der Urknall vor etwa 13,7 Milliarden Jahren.

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