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Eugen Schmalenbach
Johann Wilhelm Eugen Schmalenbach (* 20. August 1873 in Halver-Schmalenbach; † 20. Februar 1955 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.
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Bedeutung und wissenschaftlicher Ansatz
Johann Wilhelm Eugen Schmalenbach (20. August 1873–20. Februar 1955) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und einer der Begründer der Betriebswirtschaftslehre als akademisches Lehrfach. Er gab dem Fach seinen heutigen Namen und prägte besonders das betriebliche Rechnungswesen.
Schmalenbach verstand die Betriebswirtschaftslehre als praxisorientierte „Kunstlehre“. Sie sollte Unternehmen anwendbares Wissen liefern, etwa Kaufmannsregeln, Handelsusancen und Regeln für wirtschaftliche Entscheidungen. Damit widersprach er Wilhelm Rieger, der die Betriebswirtschaftslehre als reine Wissenschaft betrachtete. Diese Auseinandersetzung wird als zweiter Methodenstreit bezeichnet. Ein zentraler Grundsatz Schmalenbachs war die möglichst sparsame Verwendung von Mitteln.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Schmalenbach wurde 1873 in Halver-Schmalenbach als Sohn des Kleineisenwarenfabrikanten Friedrich Schmalenbach und dessen Frau Emma, geborene Halverscheid, geboren. Die Familie zog zunächst nach Breckerfeld und 1882 nach Elberfeld, das heute zu Wuppertal gehört. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste er 1890 das Gymnasium verlassen. Nach einem kurzen Besuch der Königlichen Fachschule für Stahl- und Kleineisenindustrie in Remscheid und einer Volontärzeit in einem Maschinenbauunternehmen begann er 1891 eine kaufmännische Lehre in Velbert. 1894 trat er in das Unternehmen seines Vaters ein und übernahm drei Jahre später dessen Leitung.
1898 begann er gegen den Willen seines Vaters ein Studium an der neu gegründeten Handelshochschule Leipzig. Als einer ihrer ersten Studenten schrieb er sich für Handelstechnik ein. 1899 legte er die Arbeit „Buchführung und Kalkulation im Fabrikgeschäft“ über die Deckungsbeitragsrechnung vor. Deren Kern war die damals in Deutschland neue Unterscheidung zwischen fixen Kosten, die nicht von der Produktionsmenge abhängen, und variablen Kosten, die sich mit ihr verändern. 1900 beendete er das Studium mit der Note 1,0. Anschließend studierte er an der Universität Leipzig Nationalökonomie bei Karl Bücher und wurde dessen Assistent.
Ab 1903 arbeitete Schmalenbach als Dozent an der Handelshochschule Köln. Im selben Jahr habilitierte er sich ohne vorherige Promotion mit der später verschollenen Arbeit „Die buchhaltungstechnische Darstellung der Betriebsgebarung“, aus der seine Lehre von den Verrechnungspreisen hervorging. Danach lehrte er als Privatdozent, wurde 1906 Professor und nach der Angliederung der Hochschule an die Universität zu Köln 1919 ordentlicher Professor und Ordinarius der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
Verfolgung und spätere Jahre
1901 heiratete Schmalenbach Marianne Sachs. Das Paar hatte die Tochter Marianne, geboren 1902, und den Sohn Fritz Schmalenbach (1909–1984). Weil seine Frau Jüdin war, wurden beide während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt. Schmalenbach beantragte 1933 seine Emeritierung und kam damit einer Zwangsemeritierung zuvor. Die Familie litt unter gekürzten Lebensmittelrationen und durfte kein Papier beziehen; außerdem drohte ihr die Verschleppung nach Theresienstadt. Der Status einer „privilegierten Mischehe“ schützte sie zeitweise vor der Deportation. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versteckte sie sich bei Schmalenbachs ehemaligem Assistenten und Freund Ludwig Feist und dessen Frau Gertrud.
Nach dem Krieg kehrte Schmalenbach als Ordinarius an die Universität zurück und lehrte dort bis 1947. Bis 1950 leitete er weiterhin das Seminar für Betriebsorganisation. 1951 wurde er emeritiert; sein Nachfolger war Erich Gutenberg. Schmalenbach starb am 20. Februar 1955 in Köln.
Beiträge zum Rechnungswesen
Schmalenbachs wichtigstes Arbeitsgebiet war das Rechnungswesen, insbesondere Bilanztheorie, Kostenrechnung und Kontenrahmen. Bereits seine Habilitationsschrift von 1903 legte Grundlagen der Deckungsbeitragsrechnung. Diese betrachtet, welchen Beitrag Erlöse nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der fixen Kosten leisten. 1908 begründete er die Notwendigkeit konzerninterner Verrechnungspreise, also von Preisen, die für Leistungen zwischen Bereichen oder Unternehmen desselben Konzerns angesetzt werden.
Schmalenbach vertrat die dynamische Bilanztheorie und erläuterte sie in seinem Werk „Dynamische Bilanz“ von 1919. Dabei steht die Ermittlung des wirtschaftlichen Erfolgs einer Abrechnungsperiode im Mittelpunkt. Ein weiterer Kernbegriff seiner Arbeiten war die „pretiale Lenkung“, also die Steuerung wirtschaftlicher Entscheidungen mithilfe von Preisen.
1906 gründete er die „Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung“. Sie besteht unter dem veränderten Namen „Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung“ fort. Sein Aufsatz „Privatwirtschaftslehre Kunstwirtschaftslehre“ von 1911 sollte praktisch nutzbares Wissen für Kaufleute bereitstellen. Schmalenbachs Lehren und die Arbeiten seiner unmittelbaren Schüler werden wegen seines langjährigen Wirkungsortes, der Universität zu Köln, als „Kölner Schule“ zusammengefasst.
Wirtschaftspolitische Positionen und Organisationen
Auf Schmalenbachs Initiative entstand am 23. Juli 1905 in Köln aus dem Verein akademischer Kaufleute der „Verband der Inhaber Deutscher Handels-Hochschuldiplome“. Daraus wurde später der Verband Deutscher Diplom-Kaufleute (VDDK) und schließlich der heutige Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb).
1928 vertrat Schmalenbach auf einer Tagung der Betriebswirtschaftler an deutschen Hochschulen in Wien die These, dass steigende Fixkosten deutsche Unternehmen vor besondere Probleme stellten und letztlich staatliche Eingriffe erforderlich machten. Sein Vortrag „Die Betriebswirtschaftslehre an der Schwelle der neuen Wirtschaftsverfassung“ löste die „Schmalenbachkontroverse“ aus. Der Aufsatz „Der Freien Wirtschaft zum Gedächtnis“ von 1931 wurde im Fach als weitsichtige Studie hoch geschätzt.
Auszeichnungen und Erinnerung
1953 erhielt Schmalenbach das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Bereits 1951 wurde zu seinen Lebzeiten die „Schmalenbach-Gesellschaft zur Förderung der betriebswirtschaftlichen Forschung und Praxis e. V.“ gegründet. Sie ging aus der Schmalenbach-Vereinigung hervor, die am 4. April 1936 aus dem VDDK entstanden war. Seit 1998 trägt sie den Namen „Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e. V.“.
Nach Schmalenbach sind Berufskollegs in Halver und Altena benannt. Auch Gebäude der Handelshochschule Leipzig, der Fernuniversität in Hagen und der Wiesbaden Business School sowie Hörsäle der Universität zu Köln und der heutigen Technischen Hochschule Köln tragen seinen Namen.