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Beteiligte am Ersten Weltkrieg

Europäische Militärbündnisse vor dem Krieg. · Die Alliierten und die Mittelmächte Anfang August 1914. · Alliierte und Mittelmächte Mitte 1918.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Entente und Verbündete
  3. 3. Mittelmächte und abhängige Verbündete
  4. 4. Neutrale Staaten
  5. 5. Kriegserklärungen
  6. 6. Waffenstillstände und Kriegsende

Überblick

Beteiligte am Ersten Weltkrieg waren Staaten, Gebiete und Volksgruppen, die direkt oder indirekt am Krieg teilnahmen oder von ihm betroffen waren. Die wichtigsten Lager waren die Entente und ihre Verbündeten auf der einen Seite sowie die Mittelmächte und ihre Verbündeten auf der anderen Seite. Daneben gab es neutrale Staaten, die offiziell nicht in den Krieg eintraten, aber häufig wirtschaftlich, diplomatisch oder durch Besetzung, Blockaden und Grenzkonflikte betroffen waren.

Die Entente bestand ursprünglich bis 1914 aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Im Kriegsverlauf schlossen sich zahlreiche Staaten, Kolonien, Dominions und Nationalitätengruppen an; Russland schied später aus. Die Mittelmächte gingen aus dem Bündnis Deutschlands und Österreich-Ungarns hervor. Mit dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches und Bulgariens wurde auch vom Vierbund gesprochen. Viele Kolonien waren nicht eigenständige Kriegsparteien, wurden aber als Teil der europäischen Imperien militärisch, wirtschaftlich oder als Rekrutierungsgebiete einbezogen.

Entente und Verbündete

Zu den zentralen Mächten der Entente gehörten Frankreich, Russland und Großbritannien. Frankreich setzte auch Kolonialtruppen ein, etwa aus Französisch-Nordafrika und Französisch-Westafrika. Algerische Häfen wurden im August 1914 angegriffen; Truppen aus den Kolonien kämpften unter anderem in Nordfrankreich, Togo und Kamerun. Madagaskar stellte etwa 40.000 Freiwillige für das französische Militär.

Das Britische Weltreich spielte eine große Rolle. Neben Großbritannien waren Dominions wie Australien, Kanada, Neuseeland, Neufundland und die Südafrikanische Union beteiligt. Kanada stellte 600.000 Mann unter Waffen und kämpfte stark an der Westfront. Australien und Neuseeland besetzten 1914 deutsche Besitzungen im Pazifik und kämpften 1915 bei Gallipoli; daraus entstand der Gedenktag ANZAC Day. Die Südafrikanische Union erklärte im Unterschied zu anderen Dominions eigenständig den Krieg, musste aber 1914 auch einen prodeutschen Buren-Aufstand, die Maritz-Rebellion, bewältigen.

Viele britische Kolonien und Protektorate waren ebenfalls betroffen. Britisch-Indien stellte Truppen für Frankreich, den Nahen Osten und Ostafrika. Britisch-Ostafrika, Uganda und Nyasaland stellten zahlreiche Soldaten und Träger für Feldzüge gegen Deutsch-Ostafrika. Ägypten war Schauplatz osmanischer Angriffe auf den Sueskanal und Ausgangspunkt britischer Vorstöße nach Palästina.

Weitere wichtige Verbündete waren Italien, Japan, Portugal, Rumänien, Serbien, Montenegro, Griechenland und später die Vereinigten Staaten. Italien trat 1915 nach dem Londoner Vertrag auf Seiten der Alliierten ein. Japan belagerte Tsingtau und besetzte 1914 deutsche Inseln in Mikronesien. Portugal trat 1916 ein und entsandte ein Expeditionskorps an die Westfront. Die Vereinigten Staaten traten 1917 als „assoziierte Macht“ in den Krieg ein und schickten die American Expeditionary Forces nach Europa.

Mehrere Staaten hatten kaum oder kein militärisches Engagement, erklärten aber den Mittelmächten den Krieg oder brachen Beziehungen ab. Dazu gehörten etwa China, Brasilien, Kuba, Haiti, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama und Costa Rica. China erklärte Deutschland 1917 den Krieg und entsandte keine Kampftruppen, aber etwa 185.000 Arbeitskräfte nach Großbritannien, Russland und Frankreich, auch in Frontnähe.

Mittelmächte und abhängige Verbündete

Die Mittelmächte bestanden ursprünglich aus dem Deutschen Kaiserreich und Österreich-Ungarn. Italien war zwar seit 1882 Teil des Dreibundes, betrachtete ihn aber als Defensivbündnis, erklärte sich zunächst neutral und wechselte später zur Entente. Mit dem Osmanischen Reich und Bulgarien erweiterte sich das Lager der Mittelmächte; deshalb wurde auch der Begriff Vierbund verwendet.

Österreich-Ungarn umfasste Gebiete vieler heutiger Staaten, darunter Österreich, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Slowenien, die Slowakei sowie Teile des heutigen Polen, Rumäniens, Italiens und der Ukraine. Bulgarien umfasste die heutige Republik Bulgarien sowie Teile von Griechenland und Mazedonien.

Das Deutsche Kaiserreich bestand 1914 nicht nur aus dem heutigen Deutschland, sondern auch aus Gebieten, die heute zu Belgien, Dänemark, Frankreich, Litauen, Polen und Russland gehören. Außerdem besaß es Kolonien und Schutzgebiete: Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Samoa, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Kiautschou und Togo. Diese Gebiete wurden zu Kriegsschauplätzen, etwa in Ostafrika, Südwestafrika, Kamerun, Togo und bei der Belagerung von Tsingtau.

Das Osmanische Reich umfasste Gebiete, die heute unter anderem zum Irak, zu Israel, Jordanien, Libanon, Palästina, Saudi-Arabien, Syrien und zur Türkei gehören. Ende Oktober 1914 beschossen deutsche Schiffe unter türkischer Fahne russische Häfen, noch ohne Kriegserklärung. Bis zum Völkermord an den Armeniern dienten auch Armenier in der osmanischen Armee.

Zum Umfeld der Mittelmächte gehörten abhängige oder geförderte Staaten und Bewegungen. Dazu zählten unter anderem das Regentschaftskönigreich Polen, die Demokratische Republik Georgien, das Herzogtum Kurland und Semgallen, das Königreich Litauen, der Ukrainische Staat und die Weißrussische Volksrepublik. Unterstützt wurden außerdem Weißes Finnland, die Sanusiya in Libyen und burische Aufständische in Südafrika.

Neutrale Staaten

Neutrale Staaten traten offiziell nicht als Kriegsparteien auf, waren aber oft indirekt beteiligt. Manche wurden besetzt, andere handelten mit beiden Seiten, lieferten wichtige Rohstoffe oder brachen diplomatische Beziehungen ab. Belgien erklärte zunächst bewaffnete Neutralität, wurde aber von Deutschland angegriffen und besetzt. Luxemburg gab trotz deutscher Besetzung keine Kriegserklärung ab. Albanien war formal neutral, aber de facto durch Österreich-Ungarn, Frankreich, Italien und Griechenland besetzt.

Mehrere neutrale Länder waren wirtschaftlich stark betroffen. Dänemark und die Niederlande handelten mit beiden Seiten; die Niederlande nahmen zudem Flüchtlinge aus Belgien auf und litten unter der Seeblockade, die 1917 Hungerunruhen auslöste. Norwegen war indirekt über seine Handelsflotte beteiligt; 1200 Seeleute verschwanden im uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Spanien profitierte wirtschaftlich durch Rohstofflieferungen an Kriegsparteien, vor allem an die Entente.

Einige neutrale Staaten standen einer Seite näher. Schweden unterstützte Deutschland finanziell und mit strategisch wichtigen Erzlieferungen. Venezuela unterstützte die Alliierten mit Öllieferungen. Die Schweiz erklärte den Belagerungszustand und eine „bewaffnete Neutralität“, arbeitete aber militärisch mit Deutschland für den Fall zusammen, dass Frankreich oder Italien Deutschland über die Schweiz angreifen würden.

Weitere neutrale Staaten waren unter anderem Afghanistan, Argentinien, Bhutan, Chile, El Salvador, Kolumbien, Liechtenstein, Mexiko, Monaco, Paraguay, Persien, Peru und Uruguay. Mexiko lehnte eine Allianz mit Deutschland ab, die in der Zimmermann-Depesche vorgeschlagen worden war. Persien wurde von britischen und russischen Truppen besetzt; im Norden unterstützten Deutschland und das Osmanische Reich Rebellen gegen zaristische russische Truppen.

Ein Sonderfall war Neutral-Moresnet, das 1914 gemeinsam von Belgien, den Niederlanden und dem Deutschen Reich verwaltet wurde. Es wurde wie Belgien bei Kriegsbeginn von deutschen Truppen besetzt, bis zur deutschen Annexion Ende 1915 aber separat verwaltet und kam 1919 zu Belgien.

Kriegserklärungen

Kriegserklärungen sind formlose Willenserklärungen, die den Eintritt eines Kriegszustandes ankündigen. Im Ersten Weltkrieg stimmten Kriegserklärungen und tatsächliche Kampfhandlungen nicht immer genau überein: Es gab militärisches Engagement ohne Kriegserklärung, Kriegserklärungen ohne wirkliche Kampfhandlungen und Fälle, in denen Kämpfe vor der Erklärung begannen. Die Angaben zu Datum und genauer Uhrzeit variieren in der Literatur teilweise geringfügig.

Der Krieg begann diplomatisch mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 um 11 Uhr. Am 1. August 1914 erklärte das Deutsche Kaiserreich Russland den Krieg, am 3. August Frankreich und am 4. August Belgien. Großbritannien und seine Dominions erklärten Deutschland am 4. August 1914 um 23/24 Uhr den Krieg. Im August folgten weitere Erklärungen zwischen Österreich-Ungarn, Russland, Serbien, Montenegro, Frankreich, Großbritannien und Japan.

1915 traten Italien und Bulgarien entscheidend hinzu: Italien erklärte Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 den Krieg, später auch dem Osmanischen Reich. Bulgarien erklärte Serbien am 14. Oktober 1915 den Krieg; darauf erklärten Großbritannien, Montenegro, Frankreich, Italien und Russland Bulgarien den Krieg. 1916 folgten unter anderem Kriegserklärungen im Zusammenhang mit Portugal und Rumänien.

1917 weitete sich der Krieg weiter aus. Die Vereinigten Staaten erklärten dem Deutschen Kaiserreich am 6. April 1917 den Krieg und Österreich-Ungarn am 7. Dezember 1917. Weitere Staaten wie Kuba, China, Brasilien, Liberia, Siam, Peru, Uruguay, Panama und Ecuador traten diplomatisch gegen die Mittelmächte auf. 1918 erklärten unter anderem Guatemala, Nicaragua, Costa Rica, Haiti und Honduras Deutschland den Krieg; Rumänien trat am 10. November 1918 erneut gegen Deutschland in den Krieg ein.

Waffenstillstände und Kriegsende

Waffenstillstände beendeten die Kampfhandlungen einzelner Kriegsparteien oft vor den endgültigen Friedensverträgen. Montenegro stellte seine Beteiligung am 12. Januar 1916 gegenüber Österreich-Ungarn ein und blieb bis Kriegsende besetzt.

Sowjetrussland schloss am 5./15. Dezember 1917 einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten. Danach besetzten die Mittelmächte in der Operation Faustschlag von Februar bis März 1918 weitere Teile Russlands. Dies führte zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918, der später annulliert wurde. Bereits am 9. Februar 1918 hatte es einen separaten Friedensvertrag mit der Ukrainischen Volksrepublik gegeben, den sogenannten „Brotfrieden“. Der Waffenstillstand von Erzincan vom 5. Dezember 1917 beendete die Kämpfe an der Kaukasusfront.

Rumänien schloss am 9. Dezember 1917 den Waffenstillstand von Focșani mit den Mittelmächten. Es folgten der Vorfrieden von Buftea am 5. März 1918 und der Friede von Bukarest am 7. Mai 1918. Am 10. November 1918 kündigte Rumänien den Friedensvertrag und trat wieder in den Krieg ein.

Im Herbst 1918 brachen die Mittelmächte nacheinander zusammen. Bulgarien schloss am 29. September 1918 den Waffenstillstand von Thessaloniki. Das Osmanische Reich folgte am 30. Oktober 1918 mit dem Waffenstillstand von Moudros. Österreich-Ungarn schloss am 3. November 1918 den Waffenstillstand von Villa Giusti, das Deutsche Reich am 11. November 1918 den Waffenstillstand von Compiègne. Ungarn schloss am 13. November 1918 den Waffenstillstand von Belgrad. Die späteren Friedensverträge waren unter anderem Versailles am 28. Juni 1919, Saint-Germain am 10. September 1919, Neuilly-sur-Seine am 27. November 1919, Trianon am 4. Juni 1920 und Sèvres am 10. August 1920.

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