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Erste Group
Die Erste Group Bank AG, kurz Erste Group, ist mit mehr als 23 Millionen Kunden und über 2.000 Filialen in acht Ländern eine der größten Bankengruppen in …
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Profil und Bedeutung
Die Erste Group Bank AG, kurz Erste Group, ist eine österreichische Aktiengesellschaft mit Sitz in Wien und eine der größten Bankengruppen in Zentral- und Osteuropa. Sie betreut mehr als 23 Millionen Kunden und ist mit über 2.000 Filialen in acht Ländern vertreten. Als Universalbank bietet sie verschiedene Bankdienstleistungen für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Kunden an. Die Erste Group gehört zur Sparkassengruppe Österreich und zum Österreichischen Sparkassenverband. Hauptaktionär ist die gemeinnützige Erste Stiftung.
Die Erste Group entstand 2008 aus der Erste Bank. Diese war 1819 als Erste österreichische Spar-Casse gegründet worden und ging 1997 an die Wiener Börse. 2008 wurde sie in die Holdinggesellschaft Erste Group und das Tochterunternehmen Erste Bank Österreich aufgeteilt. Die Auslandsbeteiligungen wurden auf die neue Holding übertragen, die seitdem die Gesellschaften des Konzerns zusammenfasst.
Für 2025 werden eine Bilanzsumme von 461,1 Mrd. Euro, Einlagen von 323,7 Mrd. Euro und Kundenkredite von 582,7 Mrd. Euro angegeben. Die Gruppe beschäftigte 55.200 Mitarbeiter und unterhielt 2.065 Geschäftsstellen. Vorstandsvorsitzender ist Peter Bosek; weitere Vorstandsmitglieder sind Stefan Dörfler, Alexandra Habeler-Drabek und Maurizio Poletto. Aufsichtsratsvorsitzender ist Gottfried Haber.
Aufbau und internationale Expansion
Die Erste Group Bank AG fungiert als Holding für Tochterbanken im In- und Ausland. Das Privat- und Firmenkundengeschäft konzentriert sich auf den östlichen Teil der Europäischen Union einschließlich Österreich. Zusätzlich bestehen Zweigniederlassungen in New York, Hongkong sowie in Berlin und Stuttgart. Sie betreuen vor allem das kommerzielle Kreditgeschäft mit ausländischen Banken, Leasingfirmen und staatlichen Schuldnern sowie den institutionellen Vertrieb.
Die Expansion in Zentral- und Osteuropa begann nach den Umstrukturierungen und dem Börsengang. Wichtige Schritte waren:
- In Ungarn wurde 1997 die Mezőbank erworben und 1998 in Erste Bank Hungary Zrt umbenannt. 2003 folgte die Übernahme der Postabank, die 2004 mit der Erste Bank Hungary Zrt fusionierte. Am 17. Dezember 2021 wurde die Übernahme von 100 % der ungarischen Commerzbank Zrt. angekündigt.
- In Tschechien erwarb die Erste Group 2000 zunächst 52 % der Česká spořitelna für 530 Millionen Euro. Durch weitere Käufe stieg der Anteil bis Ende 2002 auf 98 %; die Gesamtkosten betrugen 1,354 Mrd. Euro. Im Oktober 2018 wurden die restlichen Anteile übernommen.
- In der Slowakei wurden 2000 87,18 % der Slovenská sporiteľňa für 425 Millionen Euro erworben. Nach dem Verkauf von 20 % an die EBRD hielt die Erste Group 67,2 %. Weitere Anteile wurden von der slowakischen Staatsregierung und 2005 im Rahmen einer Call/Put-Option von der EBRD übernommen; anschließend befand sich die Bank vollständig im Besitz der Erste Group.
- In Kroatien wurden zwischen 1997 und 2000 Bjelovarska banka, Trgovačka banka und Čakovečka banka erworben und im September 2000 zur Erste & Steiermärkische Bank d.d. fusioniert. 2002 kamen 85 % der Riječka banka hinzu. Die Bank war 2023 die drittgrößte Kroatiens.
- In Serbien wurde 2005 die Novosadska banka erworben: zunächst 83,28 % für 73,17 Millionen Euro, später 95,6 % und ab Mai 2006 99,99 %. Im Januar 2006 wurde sie in Erste banka Novi Sad umfirmiert.
- In Rumänien übernahm die Erste Group im Dezember 2005 61,88 % der Banca Comercială Română (BCR) für 3,75 Mrd. Euro. Die BCR war damals Rumäniens größte Bank mit 2,8 Millionen Kunden und 12.000 Mitarbeitern. Durch weitere Übernahmen 2007 und 2012 sowie einen Zukauf 2018 stieg der Anteil auf 99,88 %.
- In Polen gab die Erste Group am 5. Mai 2025 den geplanten Erwerb eines beherrschenden 49-%-Anteils an der Santander Bank Polska Group S.A. und eines 50-%-Anteils an Santander Towarzystwo Funduszy Inwestycyjnych S.A. für insgesamt 7,0 Mrd. Euro in bar bekannt. Am 9. Januar 2026 wurde der Erwerb abgeschlossen. Die Finanzierung erfolgte aus eigener Kraft, unter anderem durch die Streichung eines Aktienrückkaufprogramms über 700 Millionen Euro und eine vorübergehende Senkung der Dividendenausschüttungsquote für 2025.
In Österreich wurden unter anderem 1996 die Salzburger Sparkasse eingegliedert, Beteiligungen an der Sparkasse Oberösterreich, der Steiermärkischen Sparkasse und der Tiroler Sparkasse erworben sowie 2007 Anteile an der Bausparkasse der österreichischen Sparkassen übernommen. Die Bausparkasse wurde 2021 vollständig übernommen. Die Beteiligungen an der Salzburger Sparkasse, der Sparkasse Oberösterreich und der Tiroler Sparkasse gehören weiterhin der Erste Bank und nicht der Erste Group; der Anteil an der Sparkasse Oberösterreich wird für Januar 2024 mit 16,84 % angegeben.
Weitere Gesellschaften wurden in Moldawien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro gegründet. 2007 übernahm die Erste Group die ukrainische Bank Prestige für 79,4 Millionen Euro und benannte sie in Erste Bank Ukraine um. 2013 wurde sie für rund 63 Millionen Euro verkauft, um die Ressourcen auf das Kundengeschäft im östlichen Teil der Europäischen Union zu konzentrieren.
Beteiligungen und Führung
Zu den wichtigen Tochterbanken zählen die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen in Österreich mit 100 %, die Česká spořitelna in Tschechien mit 100 %, die Slovenská sporiteľňa in der Slowakei mit 100 %, die Erste Bank Hungary mit 100 % und die Banca Comercială Română in Rumänien mit 99,9 %. Die Erste & Steiermärkische Bank d.d. in Kroatien gehört zu 69,3 %, die Erste banke Novi Sad in Serbien zu 80,5 %, die Slovenia Banka Sparkasse zu 28 % und die Erste Bank Polska zu 49 % zur Gruppe. Weitere Beteiligungen bestehen unter anderem an Erste Asset Management (91,1 %), Erste Digital (82,1 %), Erste Group Immorent (100 %) und Intermarket Bank (93,8 %).
Die Aktie der Erste Group wird in Wien, Prag und Bukarest gehandelt und ist in den Indizes CEETX, ATX und PX enthalten. Sie war am 21. März 2024 der am stärksten gewichtete Bestandteil des ATX. Außerdem hält die Bankengruppe 11,7 % der Anteile an der Wiener Börse.
Am 30. Juni 2026 entfielen 6,08 % der Aktien direkt auf die Erste Stiftung und 12,59 % indirekt auf die Sparkassenbeteiligungs GmbH & Co KG. Sparkassenstiftungen hielten 3,71 %, der Wiener Städtische Versicherungsverein 4,27 %, institutionelle Investoren 59,03 %, private Investoren 5,71 % und BlackRock Inc. 5,05 %. Identifizierte Handelspositionen machten 0,25 % und unbekannte institutionelle und private Investoren 3,31 % aus. Der Streubesitz betrug 73,35 %.
Von 2008 bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers war Andreas Treichl Vorstandsvorsitzender. Bernhard Spalt wurde im September 2018 als Nachfolger bestellt und trat das Amt am 1. Januar 2020 an. Nachdem Spalt im Mai 2022 angekündigt hatte, seinen Vertrag nicht zu verlängern, wurde Willibald Cernko am 15. Juni 2022 zum Vorstandsvorsitzenden ab 1. Juli 2022 gewählt. Im Oktober 2023 wurde angekündigt, dass Peter Bosek ab Juli 2024 den Vorstand der Bankengruppe übernehmen werde.
Produkte und soziale Angebote
Die digitale Banking-Plattform George wurde im Januar 2015 in Österreich eingeführt. In der ersten Jahreshälfte 2018 folgte die Einführung in der Slowakei und in Tschechien, später in Rumänien, Kroatien und Ungarn. Ende 2023 nutzten rund 10 Millionen Kunden George. 2023 veranstaltete die Erste Group am Erste Campus die George UX Conference.
George Business ist eine 2023 eingeführte Corporate-Banking-Plattform. Ein datenbasiertes Ratingsystem soll Unternehmen dabei helfen, ihre finanzielle Gesundheit zu erheben und zu verbessern. Seit Juni 2023 können mittelständische und große Unternehmen George Business mit der KI-gesteuerten Anwendung Yokoy verbinden. Damit lassen sich unter anderem Spesen, Rechnungen und Kreditkartentransaktionen im Ausgabenmanagement automatisieren.
Das Private Banking richtet sich an vermögende Privatkunden. Es bietet Fondsprodukte für Private-Equity-Buy-outs, Private Debt, Wagniskapital und Investitionen in Infrastrukturanlagen an. Ab 50.000 Euro können Kunden in Privatmarktanlagen investieren. Dieses Angebot wurde seit 2019 kontinuierlich erweitert.
Das Social Banking entstand 2006 mit der Zweiten Sparkasse, bei der Menschen in finanziellen Notlagen Konten eröffnen und Beratung erhalten können. 2009 gründete die Erste Group ein Mikrofinanzinstitut in Rumänien, das Kredite an Unternehmer im ländlichen Raum vergibt. Ab 2016 wurde Social Banking in allen Kernmärkten der Gruppe eingeführt. Unterstützt werden Gründer, Kleinunternehmen, soziale Organisationen und einkommensschwache Menschen in Zentral- und Osteuropa. Das Angebot umfasst Betriebsmittel- und Überbrückungskredite, Start-up-Darlehen, Schulungen, E-Learning, Mentoring und Geschäftsplanprüfungen. Bis April 2024 wurden 595,6 Millionen Euro bereitgestellt; dadurch konnten 100.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden.
Standorte, Bildung und Nachhaltigkeit
Das Hauptquartier der Erste Group, der Erste Bank Österreich und ihrer Tochtergesellschaften wurde im Frühjahr 2016 als Erste Campus in Wien eröffnet. Der Bau begann am 26. Juni 2012 auf dem Gelände des ehemaligen Wiener Südbahnhofs. Der Campus war das erste fertiggestellte Großprojekt im Quartier Belvedere und ist mit S-Bahn und Straßenbahn erreichbar.
Ebenfalls 2016 wurde der Erste Financial Life Park (Flip) eröffnet. Auf 1.500 m² interaktiver Ausstellungsfläche vermittelt er finanzielle Eigenverantwortung und befasst sich mit der Prävention von Überschuldung. Neben der Dauerausstellung in Wien gibt es mit Flip2Go ein mobiles Bildungsangebot in einem umgebauten Bus. Anfang 2024 wurde angekündigt, das Konzept ab 2025 gemeinsam mit der Rheinischen Sparkasse im Rheinland anzubieten. Ein wissenschaftlicher Beirat mit Fachleuten unter anderem der WU Wien, der Stanford University und der OECD soll die Unabhängigkeit der Bildungsangebote sichern.
Ende 2023 veröffentlichten Erste Bank und Erste Group den Financial Health Prototype, eine noch in Entwicklung befindliche Finanz-KI. Der Chatbot nutzt Technologien von OpenAI und ChatGPT; eine Beta-Version konnte online getestet werden. Die Erste Group ist außerdem langjähriger Partner des jährlich stattfindenden Europäischen Forums Alpbach, bei dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Wissenschaft gesellschaftliche Herausforderungen diskutieren.
Zur Nachhaltigkeit verabschiedete die Erste Group im März 2021 eine Kohlerichtlinie, die Investitionen in Kohleabbau, Kohleverarbeitung und kohlebasierte Energieerzeugung untersagt. Im Juli 2021 trat sie der EU-Initiative Green Consumption Pledge bei und verpflichtete sich unter anderem zu mehr Fonds mit Öko-Label, besserer Nachhaltigkeitsberichterstattung und stärkerer Kundeninformation. Die Umsetzung erfolgt durch Erste Asset Management.
Seit November 2021 ist die Erste Group Mitglied der Net-Zero Banking Alliance und hat sich verpflichtet, Kredit- und Anlageprodukte spätestens bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Zugleich trat sie der Financial Initiative des UN Environment Programme bei und verpflichtete sich zu den UN-Prinzipien für verantwortungsvolles Banking. Als Joint Global Coordinator begleitete sie den Börsengang des erneuerbare Energien erzeugenden Stromunternehmens Hidroelectrica in Bukarest. Im März 2024 investierten die Erste Group, ihre serbische Tochterbank und die EBRD gemeinsam 91,4 Millionen Euro in einen 94-MW-Windpark in Serbien. Außerdem finanzieren die Erste Group und die BCR mit jeweils 32,66 Millionen Euro einen von Eurowind Energy entwickelten 48-MW-Windpark in Pecineaga, der im ersten Quartal 2025 in Betrieb gehen sollte.