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Ernst Walb
Franz Ernst Walb (* 26. September 1880 in Alzey; † 2. November 1946 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der Universität zu Köln …
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Person und wissenschaftlicher Weg
Franz Ernst Walb (26. September 1880 in Alzey – 2. November 1946 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der Universität zu Köln. Seine Bedeutung liegt vor allem in seinen Beiträgen zur Betriebswirtschaftslehre, insbesondere zur Bankbetriebslehre, zum Rechnungswesen und zur Erfolgsrechnung privater und öffentlicher Betriebe.
Nach dem Besuch des Progymnasiums absolvierte Walb zunächst eine kaufmännische Lehre und arbeitete anschließend in der kaufmännischen Praxis. Ab 1904 studierte er an der 1901 gegründeten Handelshochschule Köln und erwarb dort 1906 sein Diplom. Zu seinen Lehrern gehörte Eugen Schmalenbach, der als Begründer der „Kölner Schule“ gilt. Nach einer weiteren Tätigkeit in der freien Wirtschaft begann Walb 1907 seine akademische Laufbahn als erster hauptamtlicher Dozent für Handelswissenschaft und stellvertretender wissenschaftlicher Leiter der Handelshochschulkurse in Königsberg. Aus diesen Kursen entstand später die Handelshochschule Königsberg.
1909 wechselte Walb an die Handelshochschule Stockholm, zunächst als außerordentlicher, später als ordentlicher Professor. 1911 wurde er ordentlicher Professor für Handelstechnik an seiner früheren Ausbildungsstätte in Köln. Dort spezialisierte er sich auf die Handelstechnik der Banken. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1919 mit der Kölner Handelshochschule an die neu geschaffene Universität zu Köln übernommen und Professor für Betriebswirtschaftslehre.
Lehrtätigkeit, Ämter und Lebensende
Am 23. Juni 1919 wurde Walb ohne Vorlage einer eigenständigen Monographie zum Dr. rer. pol. promoviert. Durch Ministerialerlass vom 30. Dezember 1919 habilitierte er sich ebenfalls ohne Vorlage einer Habilitationsschrift. 1920 wechselte er auf den Lehrstuhl für Privatwirtschaftslehre an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im akademischen Jahr 1925/26 war er dort Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
1926 kehrte Walb nach Köln zurück und übernahm die Nachfolge von Willi Prion. Im selben Jahr erschien sein Hauptwerk „Die Erfolgsrechnung privater und öffentlicher Betriebe: Eine Einführung“. In Köln entwickelte er die dynamische Bilanzauffassung Schmalenbachs weiter. Für das akademische Jahr 1927/28 wurde er zum Rektor der Universität zu Köln gewählt. Außerdem war er von 1931 bis 1932 und von 1940 bis 1945 Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
Bis 1936 leitete Walb das „Seminar für Bankwirtschaft“, das 1930 in „Seminar für Bank- und Finanzwirtschaft“ umbenannt wurde. Krankheitsbedingt wurde er dort von 1936 bis 1938 durch Rudolf Johns vertreten. 1938 wurde Hans Herbert Hohlfeld sein Nachfolger als Seminardirektor. Ab 1936 leitete Walb gleichzeitig das „Seminar für Revisions- und Treuhandwesen“. Wegen des Krieges wurde dieses Seminar im Wintersemester 1944/45 an die Universität Marburg verlegt. Nach der Befreiung Marburgs durch amerikanische Truppen Ende März 1945 wurde die Universität geschlossen.
Dadurch verlor Walb seine Anstellung und sein Einkommen. Die britische Militärregierung unterstellte ihm zunächst eine nationalsozialistische Gesinnung; bei der Entnazifizierung wurde er als belastet eingestuft. Vermutlich hing dies mit seiner Rede zum „Tag der Nationalen Erhebung“ am 30. Januar 1936 zusammen. Darin sprach er über „Die deutschen Kameralisten als Gestalter und Erzieher der deutschen Nation im Lichte des Nationalsozialismus“ und empfahl, sich vorbehaltlos für die Ziele Adolf Hitlers einzusetzen.
Vom Wintersemester 1945/46 bis zum Sommersemester 1946 durfte Walb noch Lehrveranstaltungen zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre abhalten. Am 26. Oktober 1946 wurde er jedoch auf Veranlassung der britischen Militärregierung mit sofortiger Wirkung entlassen. Am 2. November 1946 beendete er in seiner Wohnung in Köln-Marienburg durch Suizid sein Leben. Walb war seit 1943 mit Liselotte Gehlhaus verheiratet. Seine posthume Entlastung durch die britische Militärregierung kam zu spät.
Fachliche Schwerpunkte und Veröffentlichungen
Walbs wissenschaftliche Arbeit konzentrierte sich auf fünf miteinander verbundene Bereiche: Bankbetriebslehre, Rechnungswesen, Erfolgsrechnung, Kriegswirtschaft und öffentliche Wirtschaft. Die Kameralistik, also das Rechnungswesen öffentlicher Haushalte und Betriebe, bildete dabei einen besonderen Schwerpunkt.
Im Rechnungswesen befasste sich Walb unter anderem mit dem damals weit verbreiteten „Rothschilds Taschenbuch für Kaufleute“, das in mehreren Auflagen erschien. 1915 veröffentlichte er einen Beitrag zum „Streit um die Berechnung der Gewinnanteile bei der Aktiengesellschaft“. 1922 behandelte er in einem Artikel „Das Problem der Scheingewinne“. Außerdem untersuchte er den zwischenbetrieblichen Kapital- und Zahlungsverkehr. Auf dieser Grundlage entwickelte er eine spezielle Bankbetriebslehre, die zugleich wissenschaftliche Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre einbezog.
Während des Ersten Weltkriegs veröffentlichte Walb zahlreiche Arbeiten zur Kriegswirtschaft. Dazu gehörten „Der Geld- und Kapitalverkehr im Kriege“ (1914), „Die Befriedigung des Geldbedarfs der kriegführenden Staaten“ (1915) und „Kriegssteuer“ (1917/18).
Sein Hauptwerk „Die Erfolgsrechnung privater und öffentlicher Betriebe“ erschien 1926 und führte in die Erfolgsrechnung beider Wirtschaftsbereiche ein. Richtungsweisend waren außerdem seine Arbeiten zur Kameralistik. Weitere Veröffentlichungen behandelten den Zahlungsverkehr und die Bankbetriebslehre. 1943 erschien seine letzte Monographie „Finanzwirtschaftliche Bilanz“; 1948 wurde sie nach seinem Tod in einer zweiten Auflage veröffentlicht. Walb war außerdem Mitherausgeber der „Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung“.
Seine fachlichen Ansätze wurden von seinen Schülern weitergeführt. Genannt werden insbesondere Erich Kosiol und Rudolf Johns, die auf dem Gebiet des Rechnungswesens arbeiteten.
Ehrungen und institutionelle Mitwirkung
1932 verlieh die Handelshochschule Königsberg Ernst Walb die Ehrendoktorwürde als Dr. oec. e. h.
Außerhalb der Universität war Walb Mitglied der Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft und der Akademie für Deutsches Recht in München. Ab 1935 war er korrespondierendes Mitglied des Deutschen Instituts für Bankwissenschaft und Bankwesen in Berlin. Von 1936 bis 1945 gehörte er der Deutschen Akademie in München an.
Als einziges im Artikel ausdrücklich aufgeführtes Werk ist „Die Erfolgsrechnung privater und öffentlicher Betriebe. Eine Einführung“ aus dem Jahr 1926 genannt. Die Angaben zu Walbs Leben und Wirken stützen sich unter anderem auf Veröffentlichungen zur Geschichte der Universität zu Köln, auf Darstellungen zur wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Lehre in Köln sowie auf Unterlagen des Universitätsarchivs Köln.